So haben unsere Erstplatzierten die Preisverleihung erlebt: Nadja Heinbuch aus Bamberg

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Am 16. Juni haben das Bundesfamilienministerium und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit weiteren Partnern die Preisträger des Deutschen Kita-Preises 2020 in einer digitalen Award-Show verkündet – fast sechs Wochen später als geplant, denn die Preisverleihung im Mai konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden. In der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ hat es die bayerische Initiative „Aus der Gereuth für die Gereuth“ aus Bamberg auf den ersten Platz geschafft. Ihr großes Engagement und die hervorragende Arbeit wurden mit 25.000 Euro ausgezeichnet.

Nadja Heinbuch, Leiterin des Kindergartens St. Gisela, der Teil des Bündnisses ist, berichtet im Interview, wie sie und die Menschen aus ihrem Umfeld die Zeit rund um die Preisverleihung erlebt haben. Weiter unten stellen wir die Arbeit der Bamberger Initiative noch einmal ausführlich vor. Hier erfahren Interessierte auch, wie unsere Jury ihre Auswahl begründet.

 

Interview mit Kita-Leiterin Nadja Heinbuch

 

Eigentlich sollte der Preis Anfang Mai verliehen werden. Wie haben Sie und die Bündnis-Partner die Zeit vor der Bekanntgabe erlebt?

Durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen standen wir vor anderen Aufgaben und Herausforderungen, sodass die Preisverleihung an sich etwas in den Hintergrund gerückt ist. Schlagartig war auch die Kooperation zwischen den Bündnispartnern unterbrochen. Wir haben uns sehr auf die Preisverleihung gefreut und wären sehr gerne nach Berlin gefahren.

Wie haben Sie die digitale Preisverleihung bei sich vor Ort verfolgt?

In Bayern gab es zum Zeitpunkt der Preisverleihung noch weitreichende Einschränkungen. So waren wir untereinander per Video-Chat verbunden und hatten so wenigstens das Gefühl, gemeinsam die Preisverleihung zu verfolgen.

Wie haben Sie reagiert, als bekannt gegeben wurde, dass Ihr Bündnis den ersten Platz belegt?

Wir waren komplett aus dem Häuschen und sicher haben auch die Nachbarn gehört, dass wir gewonnen haben. Also kurz gesagt, es war laut. Bei der Laudatio von Frau Büdenbender konnten wir schon erahnen, dass wir die Preisträger sind, als sie von "herausragender Arbeit im Stadtteil" gesprochen hat. Das Video der Preisverleihung musste sich jeder definitiv ein zweites Mal anschauen, um das, was nach der Nennung des Namens kam, mitzubekommen.

Was für Reaktionen gab es aus Ihrem Umfeld?

Wir bekamen zahlreiche Glückwünsche aus unterschiedlichster Richtung: sowohl von unseren Bündnispartnern als natürlich von Trägerseiten, Politik und aus dem privaten Umfeld. Es erreichten uns sogar Glückwünsche von fremden Personen aus dem Bundesgebiet, die uns per Mail oder über Facebook gratuliert haben. Das hat uns sehr gefreut.

Hat sich durch die Teilnahme beim Deutschen Kita-Preis im Bündnis und in Ihrer Arbeit etwas verändert? Was nehmen Sie für die Zukunft mit?

Das Bewusstsein, dass unser gewachsenes Bündnis etwas ganz Besonderes leistet, hat sich verstärkt. Wir haben dies auch weiter nach außen getragen, der Zusammenhalt im Stadtteil hat sich positiv verändert und wir konnten auch fördern, dass ein öffentlicher Fokus auf unser Wirken gelegt wird. Für die Zukunft wollen wir noch mehr Bewohnerinnen und Bewohner aktivieren, sich zu beteiligen und Ausschau nach weiteren Bündnispartnern halten – was uns mit dem Rückenwind dieses Erfolges sicher gut gelingen wird.

Und haben Sie schon erste Ideen, was Sie mit dem Preisgeld von 25.000 Euro machen möchten?

Es wird ein Teil für neue Projekte wie Kindertanz und ein Trommelworkshop für alle Altersklassen sowie für das Fortführen des Kinderturnens verwendet. Ein weiterer Teil wird für die Umgestaltung des Bewegungsraums in der Kita genutzt. Angedacht sind zudem gemeinsame Ausflüge und ein Straßenfest im Frühjahr. Dann bleibt sicher noch etwas übrig, um weitere Ideen der Kinder und Bewohnerinnen und Bewohner realisieren zu können.

Der Bewerbungszeitraum für den nächsten Durchgang des Deutschen Kita-Preises läuft bereits. Was würden Sie den Bewerberinnen und Bewerbern mitgeben?

Nur Mut, ungewöhnliche Wege zu gehen und allen davon zu erzählen. Es lohnt sich.

 

Aus der Gereuth für die Gereuth
Bamberg

Das ist das Bündnis „Aus der Gereuth für die Gereuth“ | ©DKJS/ Jakob Erlenmeyer und Nikolaus Götz

Ort: Bamberg

Bundesland: Bayern

Handlungsfeld: Förderung von Selbstwirksamkeit, Gesundheit und nachbarschaftlichem Engagement

Aktiv seit: 2017

Wirkungsradius: städtisch

Kontakt: Kath. Kindergarten St. Gisela, Nadja Heinbuch (Einrichtungsleitung), Kornstr. 25, 96050 Bamberg, E-Mail: st-gisela.bamberg@kita.erzbistum-bamberg.de, Tel.: 0951 130363, www.kiga-st-gisela-bamberg.de

Im Süden Bambergs liegt der Stadtteil Gereuth. Seit 2017 ist hier ein Zusammenschluss aus zivilgesellschaftlichen Gruppen, Beratungsinstitutionen, der katholischen Kita, der Grundschule sowie Einrichtungen der Jugendhilfe aktiv. „Aus der Gereuth für die Gereuth“ – der Name ist Programm: Denn das Bündnis animiert die Anwohner sich für den eigenen Stadtteil einzusetzen. Es sammelt die Ideen der Bevölkerung und setzt sie gemeinsam mit ihr um. So entstanden unter anderem Stadtteil- und Sommerfeste, auf denen sich die Anwohner kennenlernen konnten. Vor allem die Kinder erleben, dass ihre Meinung zählt. Durch Gespräche, Befragungen und Kinderkonferenzen können sie ihre Themen einbringen. So entstand unter anderem die Idee eines Kinderturnens oder eines Eltern-Kind-Kochworkshops. Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos und wirklich jede und jeder ist willkommen. Zur Not wird auch mal ein Abholdienst oder eine Begleitung organisiert.

Gemeinsam mit der örtlichen Stadtbaugesellschaft entstand das „Taschengeldprojekt“. Hier gehen die Kinder als gutes Beispiel in Sachen Umweltschutz voran, indem sie ihren Stadtteil sauber halten. Einmal pro Woche treffen sie sich mit einem engagierten Bürger aus dem Viertel und sammeln den herumliegenden Müll ein. Als Gegenzug erhalten sie dafür ein kleines Taschengeld.

  • Es gelingt dem Bündnis in einem sehr herausfordernden und stigmatisierten Stadtteil die heterogene Bevölkerung zusammenwachsen zu lassen, indem es die Menschen – und vor allem Kinder – im Stadtteil miteinander in Aktion bringt.
  • Die Jury hat beeindruckt, wie groß die Kindorientierung und Partizipation dabei in der Gereuth geschrieben werden: Kinder werden nicht als hilfs- und unterstützungsbedürftig adressiert, sondern als Akteure, die mitreden, mitbestimmen und ganz konkret mitwirken können. Angebote werden hier nicht für sie, sondern mit ihnen gemeinsam gestaltet und sie werden so als Zielgruppe konsequent in die Arbeit des Bündnisses mit einbezogen und in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt. So wirkt das Bündnis bekräftigend in den Stadtteil hinein und fördert viele Potentiale.
  • Die Arbeit des Bündnisses zeichnet sich dadurch aus, dass sie sehr konkret ist und gemeinsam mit den Menschen vor Ort die Herausforderungen anpackt. Der Sozialraum wird dabei nicht in die Kita geholt, vielmehr geht die Kita direkt in den Sozialraum hinein. Die gesetzten Ziele und die Art der Bearbeitung stimmen dabei gut überein. Die Zielgruppe wird wirksam aktiviert, um konkrete Hilfen umzusetzen, ohne zu entmündigen. Vielmehr wird die Identifikation mit der Gereuth gestärkt.
  • Die Ressourcen der Zielgruppe werden gesehen und gefördert. Die Kraft und die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Handelns im Alltag werden deutlich. So gelingt es mit großem Engagement Stück für Stück das Image der Gereuth in Bamberg zu verbessern.