BinE – BNE für pädagogische Fachkräfte Finalist 2025
Ort: Pielenhofen Bundesland: Bayern Handlungsfeld: Naturraumpädagogik, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Digitalisierung, enge Verbindung von Ausbildung und Praxis, Fachkräftegewinnung Aktiv seit: 2016 Wirkungsradius: Landkreis Partner: Waldkindergarten, Fachakademie für Sozialpädagogik, Kooperationsschulen, Kommune, Träger
Kontakt: Waldkinder-Regensburg, Anke Wolfram (Kita-Leiterin), awolfram[@]littlebigfuture.de
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Inmitten der idyllischen Landschaft der Oberpfalz liegt die Gemeinde Pielenhofen. Hier lernen und forschen Kinder und Studierende Seite an Seite. Durch die enge Verknüpfung von Ausbildung und pädagogischer Praxis im Naturraum erleben Studierende Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht nur theoretisch, sondern gestalten sie aktiv mit. Das Bündnis rund um den Waldkindergarten und die Fachakademie für Sozialpädagogik verbindet in seinen Projekten Naturraumpädagogik mit MINT-Themen und digitaler Medienkompetenz. Ausgangspunkt sind stets die Interessen der Kinder: So entstand in gemeinsamer Arbeit mit Eltern und Fachkräften beispielsweise ein Wildbienenareal. Für den Aktionstag „Waldkita digital“ entwickelten Studierende Lernangebote, mit denen die Kinder ihr Wissen über die Natur spielerisch per Tablet erweitern können. Alle Beteiligten begegnen sich dabei stets auf Augenhöhe. Das Bündnis gilt inzwischen als Modellprojekt für die Vernetzung von Ausbildung und Praxis und wird über den Träger in weitere Bundesländer verbreitet. Mit neuen Kooperationsschulen wächst ein bundesweites Netzwerk, das überregional Impulse setzt. So macht das Bündnis BinE – BNE für pädagogische Fachkräfte Kinder und angehende Fachkräfte stark für die Zukunft.
Familienbildung im Landkreis Mühldorf am Inn Dritter Platz
Ort: Mühldorf a. Inn Bundesland: Bayern Handlungsfeld: Verankerung der Familienbildung als präventiven Ansatz, niedrigschwellige Unterstützungsstrukturen und Stärkung der Elternkompetenzen Aktiv seit: 2009 Wirkungsradius: Landkreis Partner: Koordinierungsstelle Familienbildung, Familienstützpunkte, Kitas, Grundschulen, Jugendamt, Beratungs- und Bildungsstellen
Kontakt: Lernen vor Ort – Landratsamt Mühldorf a. Inn, Dr. Carolin Jürgens (Bündniskoordinatorin), lernenvorort[at]lra-mue.de
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Mit einer Ausdehnung von über 50 Kilometern verbindet der Landkreis Mühldorf am Inn – östlich von München – Städte wie Mühldorf und Waldkraiburg mit vielen Landgemeinden. Weite Wege und die Mischung aus Stadt und Land machen die Begleitung von Familien zur Herausforderung. Das Bündnis Familienbildung im Landkreis Mühldorf am Inn stellt sich dieser. Durch strukturierte Bildungsarbeit entstehen Angebote, die alltagsnah, offen und gut erreichbar sind. Sechs Familienstützpunkte wurden an Orten eingerichtet, die Familien im Alltag ohnehin besuchen – in Kitas und Familienzentren. Dort erhalten sie niedrigschwellige Beratung, etwa durch eine Familienkinderkrankenschwester, und können an Angeboten teilnehmen, darunter von Eltern moderierte Austauschrunden, Spielenachmittage oder Frühstückstreffs. Regelmäßige Befragungen sorgen dafür, dass die Angebote kontinuierlich an die Bedürfnisse der Familien angepasst werden. Ein gutes Beispiel für bedarfsorientierte Unterstützung bietet der Elternratgeber zum Übergang von der Kita in die Grundschule. Er wurde auf Wunsch von Eltern entwickelt und unterstützt sie in der Begleitung ihrer Kinder vor Schuleintritt. Das Bündnis zeigt, wie wirkungsvoll frühe Unterstützung für Kinder, Eltern und die ganze Region sein kann.
Das sagt die Jury
Überzeugt hat die Jury, dass das Bündnis mit datengestütztem Bildungsmonitoring, Befragungen und Evaluationen die Bedarfe der Familien erkennt und passende Angebote entwickelt. Der Landkreis erstreckt sich über weite 50 Kilometer. Damit viele Familien teilhaben können, achten die Bündnisbeteiligten darauf, dass alle Angebote alltagsnah und gut erreichbar sind. Sechs Familienstützpunkte wurden deshalb in Kitas und Familienzentren, verteilt auf dem gesamten Landkreis, eingerichtet. Dort bekommen Eltern Beratung unter anderem durch eine Familienkinderkrankenschwester. Die weiteren Angebote reichen von fachlichen Symposien, von Eltern moderierten Austauschrunden bis hin zu Spielenachmittagen. Auch vom Bündnis selbst verfasste Handbücher zum Übergang in die Grundschule geben Orientierung. Des Weiteren sind die Familienstützpunkte lokal vernetzt. Träger und Einrichtungen stimmen sich ab, um Doppelstrukturen zu vermeiden. So entsteht ein starkes Netz für Familien vor Ort.
Die Begründung unserer Jury in voller Länger
Basis für das Wirken: systematische Datenerhebung, Bildungsmonitoring und Weiterentwicklung
Das Bündnis für Familienbildung im Landkreis Mühldorf a. Inn beeindruckt durch eine außergewöhnlich fundierte, datengestützte Arbeitsweise. Ein systematisches Bildungsmonitoring bildet die Grundlage für alle Aktivitäten und ermöglicht es, die Lebenswelten von Kindern und Familien umfassend zu erfassen.
Daraus entstehen klare Handlungsorientierungen und passgenaue Angebote, die die unterschiedlichen Bedarfe in den jeweiligen Sozialräumen zielgerichtet aufgreifen. Die Arbeit wird kontinuierlich durch Elternbefragungen, multiprofessionellen Austausch und regelmäßige Evaluationen untermauert. So konnte etwa der in Befragungen geäußerte Wunsch nach mehr Transparenz zu Ferien- und Freizeitangeboten zeitnah aufgegriffen und in die Entwicklung einer digitalen Übersicht überführt werden.
Die systematische Weiterentwicklung des Bündnisses ist professionell strukturiert und fest verankert; das Fortschreiben der eigenen Konzeption gehört zur „DNA“ der Arbeit des Bündnisses. Der multiprofessionelle Zugang ermöglicht zudem einen ganzheitlichen Blick auf die vielfältigen Lebenslagen der Adressatinnen und Adressaten und stärkt die fachlich fundierte Weiterentwicklung aller Angebote.
Dezentralität und Bedarfsorientierung schafft niedrigschwellige Zugänge
Im Landkreis Mühldorf a. Inn wird Familienbildung nicht als reines Angebot, sondern als strukturelle Aufgabe verstanden. Der Abbau von Barrieren spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Herausforderungen des Flächenlandkreises werden durch ein dezentrales System von Familienstützpunkten beantwortet, die bewusst in Kitas oder Familienzentren angesiedelt sind – also dort, wo Familien sich ohnehin aufhalten.
Grundlage für die Standortentscheidungen sind die Sozialraumdaten des Landkreises, so dass die Stützpunkte dort entstehen, wo der Bedarf am größten ist. Ein strukturiertes System der Bedarfsermittlung schafft passgenaue und differenzierte Angebote, die Erziehungspartnerschaft, Teilhabe und Selbstwirksamkeit nachhaltig stärken.
Besonders deutlich wird der niedrigschwellige Ansatz im Angebot der Familienkinderkrankenschwester. Hier werden in den Familienstützpunkten offene Baby- und Kleinkindsprechstunden mit einer Familienkinderkrankenschwester angeboten. Eltern können sich zu den Sprechstunden anmelden oder diese spontan in Anspruch nehmen und erhalten Beratung zu sämtlichen Themen rund um ihr Kind. Zudem besteht die Möglichkeit, Kinder vor Ort messen und wiegen zu lassen – ein Angebot, das von vielen Familien gerne genutzt wird. Im Mittelpunkt der Sprechstunden stehen häufig Fragen zur Entwicklung, Ernährung oder zu Regulationsschwierigkeiten. Zeigen sich dabei komplexere oder psychosoziale Fragestellungen, dienen die Sprechstunden als niederschwelliger Zugang zu den Fachkräften des koordinierenden Kinderschutzes (KoKi). Auf dieser Grundlage können gezielt weiterführende Unterstützungsangebote vermittelt werden – freiwillig und ohne bürokratische Hürden.
Für viele Eltern stellt die Familienkinderkrankenschwester so eine natürliche Fortsetzung der Hebammenbetreuung dar und wird als deutlich niedrigschwelliger wahrgenommen als ein direkter Kontakt zur Sozialpädagogin. Durch ihre Nähe zum Kind entsteht rasch Vertrauen, das den Zugang zu weiterführender Hilfe erleichtert.
Eine ausgeprägte Beteiligungskultur stärkt zusätzlich die Wirksamkeit der Arbeit – Formate wie Familiensymposien, offene Caféangebote oder Sprach- und Kinderkurse holen Familien aktiv in fachliche und gemeinschaftliche Prozesse hinein. Hohe Wirksamkeit entfalten zudem die bewusst präventiv und niedrigschwellig gestalteten Eltern-Kind-Gruppen, die dezentral an sechs Standorten stattfinden und soziale Integration, Austausch und emotionale Sicherheit fördern. Sie dienen zugleich als Brücke zu den Koordinatorinnen der Familienstützpunkte, die Bedarfe erkennen und in die Weiterentwicklung lokal passender Angebote einfließen lassen.
Prävention mit ressourcenorientiertem Blick
Die Familienbildung im Landkreis Mühldorf zeichnet sich durch einen konsequent ressourcenorientierten Ansatz aus. Auf Grundlage des systematischen Bildungsmonitorings entsteht ein tiefes Verständnis der Lebenswelten der Familien, aus dem klare Handlungsorientierungen abgeleitet werden. Der präventive Ansatz zielt im Bündnis nicht auf erkannte Defizite, sondern setzt an den Stärken der Familien und dem Anspruch, deren vorhandene Ressourcen zu fördern, an.
Angebote wie die Familienkinderkrankenschwester oder der Elterntalk stehen exemplarisch für diesen Ansatz: Beim Elterntalk treffen sich Eltern in privatem Rahmen und tauschen sich moderiert zu Alltagsthemen aus. Das besondere hierbei: Die Moderation übernehmen nicht Fachkräfte, sondern geschulte Eltern, die dabei in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt werden und sich aktiv und gestaltend einbringen können.
Dieser ressourcenorientierte Blick wirkt weit über die unmittelbare Familienbildung hinaus. Familienfreundliche Strukturen werden als Standortfaktor verstanden und tragen mit dazu bei, dass Mühldorf a. Inn – inzwischen der am schnellsten wachsende Landkreis Deutschlands – für junge Familien besonders attraktiv ist.
Gezieltes Aufschließen der unterschiedlichen Sozialräume im Flächenlandkreis
Die starke Sozialraumorientierung des Bündnisses stellt sicher, dass die Ressourcen vor Ort bestmöglich genutzt werden und gleichzeitig keine blinden Flecken entstehen. Die Familienstützpunkte sind eng mit den jeweiligen Akteurinnen und Akteuren in ihren Sozialräumen vernetzt und bilden vor Ort lokale Netzwerke, die sich wiederum mit dem Landkreisbündnis regelhaft rückkoppeln – mit Blick sowohl auf Bedarfe als auch Ressourcen.
So entstehen vor Ort passgenaue Angebote, die niedrigschwellige Zugänge sichern und gleichzeitig in die übergeordnete Strategie im Landkreis eingebunden sind. Die trägerübergreifende Zusammenarbeit verhindert Parallelstrukturen und ermöglicht eine effiziente Bearbeitung der Bedarfe.
Ein mehrstufiges System von Austauschformaten – sowohl auf Landkreisebene als auch in den einzelnen Sozialräumen – gewährleistet, dass finanzielle, personelle und räumliche Ressourcen optimal genutzt werden. Durch diese systematische Verknüpfung der Ebenen bleiben alle Zielgruppen im Blick: Kinder, Familien und Fachkräfte gleichermaßen.
Ort: Peine Bundesland: Niedersachsen Handlungsfeld: Präventionsketten, Übergang Kita–Schule, Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen der Kinder, Stärkung der Elternverantwortung, Stärkung der Kinderperspektiven Aktiv seit: 2020 Wirkungsradius: Landkreis und Stadt Partner: städtische bzw. kirchliche Kitas und Familienzentren, Frühförderung der Lebenshilfe, Regionales Beratungs- und Unterstützungszentrum für inklusive Schule, Grundschulen und Praxisberatung der Stadt Peine sowie Erziehungsberatungsstelle, Kita-Fachberatung und Kinder- und jugendärztlicher Dienst des Landkreises Peine
Kontakt: Landkreis Peine-FD Jugendamt, Elisa Behrens (Koordinatorin der Präventionsketten), e.behrens[at]landkreis-peine.de
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Die Präventionsketten im Landkreis Peine nehmen die Übergänge in den Blick – von der Eingewöhnung in Krippe und Kita bis zur Grundschule und darüber hinaus. Das Bündnis bindet dabei Fachkräfte, Kinder und Familien aktiv mit ein. Im Mittelpunkt steht immer die Frage: Was brauchen junge Menschen, um gut aufzuwachsen? Weil beispielsweise viele Kinder der ersten Klasse Startschwierigkeiten hatten, organisierten die Verantwortlichen der Präventionsketten Malinterviews mit den Kita-Kindern, um deren Perspektive auf Schule zu erfassen. Das Ergebnis war: Viele von ihnen hatten schlichtweg kein Bild davon, was sie in der Grundschule erwartet. Das Willkommensbuch „Schule“, das nicht nur für die Kinder, sondern mit ihnen konzipiert und gestaltet wurde, sowie eine Info-Broschüre für Eltern geben seither Orientierung. Das Austauschforum „Gut ankommen in der Schule“ unterstützt Fachkräfte zudem dabei, den Übergang gemeinsam und ausgehend von den Bedürfnissen der Familien zu denken. In Fachtagungen und Fortbildungen gibt es neue Impulse und die Möglichkeit, sich auszutauschen. Das stärkt den Zusammenhalt der Verantwortlichen – immer mit dem Ziel, allen Kindern im Landkreis Peine ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.
Das sagt die Jury
Überzeugt hat die Jury, dass sich das Bündnis intensiv mit der Frage beschäftigt „Was brauchen junge Kinder und ihre Familien, um Übergänge gut zu meistern – von der Eingewöhnung in die Krippe und den Ü3-Bereich der Kita über die Schule und darüber hinaus?“ Die Antwort lautet: Orientierung und Sicherheit. Die erhalten die Kita-Kinder in Peine schon vor dem Schuleintritt beispielsweise durch das von Schulkindern gestaltete Willkommensbuch. In den ersten zwei Schulwochen begleiten die Kita-Fachkräfte die Kinder dabei, die neue Umgebung zu entdecken. Die Verantwortlichen verschiedener Institutionen arbeiten dabei sehr eng zusammen. Und die Bündnisbeteiligten haben auch die Kinder im Blick, die in herausfordernden Situationen aufwachsen. So entwickelte der Runde Tisch „Kinderarmut“ in kürzester Zeit eine Übersicht über die Angebote für Familien in finanzieller Not. Das Bündnis hat ein klares Ziel vor Augen, eine verlässliche Struktur und ein starkes Team, das voneinander lernt.
Die Begründung unserer Jury in voller Länge
Brücken für starke Kinder: Innovative Ideen für einen gelingende Übergange
Das Bündnis verfolgt das Ziel, allen Kindern ein gesundes und chancengerechtes Aufwachsen zu ermöglichen. Um das zu erreichen, baut es Zugangsbarrieren ab, stärkt Übergänge – in die Kita, aber insbesondere den von der Kita in die Schule – und bindet Familien sowie Kinder aktiv ein.
Das Bündnis gestaltet diese Übergänge außerordentlich kindorientiert, ganzheitlich und interdisziplinär. Das Bündnis betrachtet Kindheit umfassend, vernetzt verschiedene Professionen und schafft damit eine stabile Grundlage für gelingende Übergänge. Dabei übernehmen die Beteiligten nicht einfach bestehende Übergangsmodelle, sondern entwickeln diese konsequent weiter und orientieren sich an Kinderperspektiven und an den Bedarfen der Familien. Um Letzteres zu gewährleisten, wurde unter anderem das partizipatives Eingewöhnungsmodell in Kitas eingeführt. Fachkräfte besuchen Familien vor der eigentlichen Eingewöhnung zu Hause, um Vertrauen aufzubauen und das Umfeld des Kindes kennenzulernen.
Kinder und Familien werden über institutionelle Ebenen hinweg begleitet und Wissen wird weitergegeben. Übergänge werden nicht isoliert gedacht. Stattdessen begleitet das Bündnis Kinder und Familien kontinuierlich, fördert Austausch zwischen den beteiligten Einrichtungen und macht Wissen systematisch zugänglich, zum Beispiel durch Informationsmaterialien wie „Das letzte Jahr vor der Schule“ sowie Flyer und Plakate zur Schuleingangsuntersuchung: Diese werden kindgerecht aufbereitet, um das Informationsrecht der Kinder zu berücksichtigen und Familien durch die Schritte des Übergangs zu führen.
Auch gemeinsame Elternabende von Kita und Schule sowie das Forum „Gut ankommen in der Schule“ tragen zum Gelingen bei. Das Forum als jährliche Veranstaltung für Kitas, Grundschulen und weitere Akteurinnen und Akteure – initiiert durch die Bündniskoordination – bietet Austausch, Networking und Best Practice. Ergänzt werden diese Formate durch einen Runden Tisch zum Thema Kinderarmut.
Im Bündnis werden Eltern aktiv eingebunden und nach ihren Einschätzungen gefragt, zum Beispiel durch Befragungs- und Beteiligungsformate, wie Elternbefragungen und -gespräche.
Das Bündnis fördert auch die Einbindung der Kinderperspektiven durch kreative und partizipative Methoden. Kinder werden gefragt, wie sie Übergänge erleben. Methoden wie Malinterviews machen ihre Sichtweisen sichtbar und fließen in die Angebotsentwicklung ein. So zeichnete ein Kind beispielsweise die Schule als Festung – das Bündnis nahm dies auf und entwickelte Willkommensbücher, um Kita-Kindern den Übergang zur Schule zu erleichtern. Das Palaverzelt ist nicht nur eine Methode zur Konfliktlösung. Kinder erlernen die Methode bereits in der Kita und setzen sie in der Grundschule fort. So finden sie bekannte Strukturen wieder und können soziale Kompetenzen weiterentwickeln.
Kita und Schule wirken gemeinsam am Übergang in die Schule Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist ein zentrales zentrales Ereignis im Leben eines Kindes, das von zwei unterschiedlichen Institutionen gemeinsam gestaltet werden muss. In Peine gelingt dies in besonderer Weise: Kita und Schule arbeiten eng, wertschätzend und wechselseitig lernend zusammen. Kita und Schule bringen unterschiedliche Perspektiven auf Bildung mit. In Peine gelingt ein außergewöhnlicher fachlicher Austausch, der von beiden Seiten ausgeht. Beide Institutionen wollen aktiv voneinander lernen und ihr Wissen zum Wohl der Kinder teilen. Eine Besonderheit: Pädagogische Fachkräfte aus den Kitas begleiten einzelne Kinder in den ersten zwei Schulwochen im Klassenraum. Sie sind dort ansprechbar, arbeiten im Tandem mit Lehrkräften und geben den Kindern Sicherheit.
Viele Übergangsprojekte stützen sich hauptsächlich auf Hospitationen der Kitas in Schulen. Das Bündnis in Peine geht deutlich weiter: Es lebt einen echten gegenseitigen Austausch. Beide Seiten lassen sich aufeinander ein, ohne Anspruchshaltungen, stattdessen mit dem ernsthaften Willen, Kinderperspektiven und Vorerfahrungen aufzugreifen und gemeinsam zu nutzen. Das Engagement ist außergewöhnlich und institutionell stark verankert. Dafür werden Hospitationen der Schule in den Kitas umgesetzt. Der Impuls dazu kam direkt aus dem Lehrkollegium – ein Zeichen echter Offenheit und Lernbereitschaft. Auch Grundschulleitungen übernehmen aktiv Bündnisarbeit: Sie hospitieren selbst in Kitas. Dadurch wird die Übergangsgestaltung zu einem strategischen Schwerpunkt der Schulen und nicht zu einem Nebenprojekt.
Peer-to-Peer-Ansatz für Kinder beim Übergang Der Übergang von der Kita in die Grundschule wird nicht nur von Erwachsenen gestaltet. In Peine wird ein innovativer Peer-to-Peer-Ansatz verfolgt, bei dem Kinder nicht nur gehört werden, sondern selbst aktiv zum Gelingen der Übergänge beitragen. Sie unterstützen einander, teilen Erfahrungen und gestalten Materialien für jüngere Kinder.
Ein zentrales Element sind Willkommensbücher, die von Schulkindern erstellt werden. Dadurch werden die älteren Kinder darin bestärkt, Verantwortung zu übernehmen, sich sozial zu engagieren und ihre eigene Selbstwirksamkeit zu erleben. Das Bündnis entwickelt gemeinsam einen reichen Schatz an kindgerechten Materialien und Methoden, die diesen Prozess unterstützen. Dafür gestalten Schulkinder Willkommensbücher: Die Bücher zeigen Kita-Kindern wichtige Aspekte des Schulstarts – zum Beispiel Pläne des Schulgebäudes, Fotos von zentralen Orten, Sicherheitspunkten, dem Hausmeister, der Sekretärin und den Toiletten. Rückzugsorte werden von den Schulkindern selbst definiert und erklärt. Sie entscheiden, was gezeigt wird, fotografieren eigenständig und gestalten alles selbst.
Klare Strukturen für stetige Weiterentwicklung Das Bündnis „Präventionsketten im Landkreis Peine“ zeigt beispielhaft, wie wirksame und nachhaltige Vernetzung zwischen Kommune, Kita, Schule und weiteren Beteiligten gelingen kann. Die Arbeit folgt klaren organisatorischen Strukturen und ist zugleich flexibel genug, um neue Impulse schnell aufzunehmen und umzusetzen.
Es hat eine strukturierte und koordinierte Zusammenarbeit als Grundlage. Die Zusammenarbeit im Bündnis basiert auf einer tragfähigen Struktur: Eine Steuergruppe, verschiedene Arbeitsgruppen und eine zentrale Koordinatorin bündeln alle Aktivitäten. Dadurch ist gewährleistet, dass Informationen zielgerichtet fließen, Verantwortlichkeiten klar sind und Entwicklungen kontinuierlich vorangetrieben werden. Gleichzeitig wächst die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure stetig. Dies zeigt sich beispielsweise an der schnellen Umsetzung des Willkommensbuchs an weiteren Schulen: Beim Vor-Ort-Besuch im Rahmen des Deutschen Kita-Preises stellte sich die Frage, warum nicht alle Schulen das Willkommensbuch nutzen. Nur drei Wochen später hatte die Koordinatorin alle Schulen kontaktiert – nahezu alle wollten das Konzept übernehmen. Dies verdeutlicht die kurze Reaktionszeit und hohe Umsetzungsbereitschaft im Bündnis.
Regelmäßige gemeinsame Formate sichern Austausch und Anpassungsfähigkeit. Durch regelmäßige Treffen, Arbeitsgruppen, Foren und thematische Runden Tische bleibt die Zusammenarbeit lebendig. Herausforderungen werden gemeinsam identifiziert, Lösungen entwickelt und Veränderungen zeitnah umgesetzt. So entsteht eine dynamische Struktur, die fortlaufend an neue Bedarfe angepasst wird. Dies zeigt sich zum Beispiel in der Weiterarbeit am Runden Tisch „Kinderarmut“: Aus den Ergebnissen des Runden Tisches wurde eine Taskcard mit Unterstützungsangeboten für Familien in finanziellen Notlagen entwickelt. Sie wird allen relevanten Multiplikatoren, wie Kitas, Schulen, Jugendhilfe, freien Trägern, zur Verfügung gestellt. Die Verteilung erfolgt direkt per Mail oder über bestehende Netzwerke wie Frühe Hilfen, Gesundheitsregion, Bildungsregion oder Familienzentren. Damit wird sichergestellt, dass Informationen schnell dort ankommen, wo sie gebraucht werden.
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Am Fuße des Jenzigs in Jena-Ost wächst ein Wunschbaum. An seinen Ästen befestigen die Kinder der AWO Kita Jenzigblick ihre Anliegen und Wünsche – und das trägt Früchte: Vorschläge für das Zirkusprojekt oder das Piratenschiff im Garten kommen nicht nur von den Kindern, sie wirken auch aktiv an deren Umsetzung mit. Schon die Jüngsten entscheiden hier selbst, ob sie etwa den Wald erkunden, einen Kuchen backen oder beim Erzähltheater mitmachen. Die Fachkräfte begleiten sie dabei und fördern nach dem Early-Excellence-Ansatz die Interessen und Potenziale jedes Kindes. Für individuelle Angebote setzt das Team vor allem auf stärkenorientierte Beobachtungen im Alltag. Ein Frühstücksgespräch zweier Kinder über Dinos kann sich so innerhalb weniger Tage zu einer Wanderung über den nahegelegenen Saurierpfad entwickeln, bei der interessierte Kinder mit einer interaktiven App mehr über die Riesenechsen lernen. Von den Bewegungsangeboten mit einer Athletin des Triathlonvereins über gemeinsame Flohmärkte und Elternabende mit der benachbarten Grundschule bis hin zum eigenen Kinderrechte-Song, der mit einem echten Rapper entstand – die Kita bindet ihr Umfeld aktiv ein und wächst so über sich hinaus.
Ort: Bad Oldesloe Bundesland: Schleswig-Holstein Größe: 80 Kinder, 18 Mitarbeitende Träger: Ev.-freikirchliche Kindertageseinrichtungen Bad Oldesloe-Mölln e.V. Unsere Stärke: bedürfnisorientierte Pädagogik, Kinderrechte, Kooperation Kita-Schule
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In der Kita Moordamm steht die Selbstbestimmung der Kinder im Mittelpunkt. Sie erleben täglich, dass ihre Ideen zählen, sie gehört werden und den Alltag aktiv mitgestalten können. Möglich macht das unter anderem der „Wichtig-Brief“, mit dem sie Wünsche, Anregungen oder Beschwerden bildlich und sprachlich mitteilen. Ob Flohmarkt, gemeinsames Kuchenbacken oder neue Ausflugsziele: Viele Impulse kommen direkt von den Kindern. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderrechte brachte das Team schließlich zur Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts: In der offenen Kita können die Kinder ihren Interessen frei nachgehen. Auch der Übergang in die Schule wird kindgerecht und behutsam begleitet. Durch wöchentliche Besuche in der Schule lernen die Kinder ihre zukünftige Klasse und Lehrkraft kennen. Das schafft Vertrauen und weckt Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt. Die Kita Moordamm zeigt, wie echte Mitbestimmung, gelebte Kinderrechte und starke Bildungskooperationen funktionieren und Kinder für eine selbstbestimmte Zukunft stärken.
Das sagt die Jury
Überzeugt hat die Jury, dass Kinder hier erleben, wie sehr ihre Meinung zählt. Mit dem „Wichtig-Brief“ bringen sie Wünsche und Beschwerden ein und die Erwachsenen gestalten den Kita-Alltag auf dieser Grundlage. Die Fachkräfte stärken aber nicht nur die Kinder darin, ihre Rechte zu kennen und anzuwenden, sondern sie selbst sind Vorbild: Mit Unterstützung ihres Teams setzt sich die Leitung dafür ein, dass gute Kindertagesbetreuung alle angeht – unter anderem mit einer Demonstration und einer Podiumsdiskussion, die öffentlich für Aufmerksamkeit sorgten. Das Team hat nicht nur die Kinder im Blick, sondern auch die eigenen Bedürfnisse. In einem umfangreichen Reflexionsprozess wurden Wege aus dem Stress erarbeitet. Ein einfaches Mittel: Ist jemand überfordert, wird ein Codewort genannt. Sicherheit und Vertrauen sind auch der Schlüssel beim Übergang von der Kita in die Schule. So begleiten die Bezugspersonen aus der Kita die angehenden Schulkinder, wenn sie Schnupperstunden in Deutsch in der Schule besuchen.
Die Begründung unserer Jury in voller Länge
Systematische Umsetzung der Kinderrechte im Alltag und starkes partizipatives Beschwerdemanagement
Die Kita richtet ihren Alltag systematisch an den Interessen, Fragen und Bedürfnissen der Kinder aus. Schon in der Krippe erhalten die Jüngsten die Möglichkeit, sich im Haus zunehmend selbständig zu bewegen, eigene Ideen zu verfolgen und dabei Unterstützung zu erleben. Dieser selbstbestimmte Zugang wird über die gesamte Kita-Zeit hinweg gestärkt: Fachkräfte begleiten die Kinder aufmerksam, setzen Impulse, beobachten feinfühlig und verbalisieren Bedürfnisse, sodass Kinder sich gesehen und verstanden fühlen. Die pädagogische Haltung basiert darauf, dass Kinder aktive Gestalterinnen und Gestalter ihres Alltags sind, deren Perspektiven ernst genommen werden.
Ein zentraler Bestandteil ist, die Kinderrechte zu thematisieren und sichtbar zu machen. In Gesprächen, Projekten und Morgenkreisen werden die Rechte regelmäßig aufgegriffen, etwa durch das Format „Kinderrecht des Monats“. Zusätzlich entwickelte die Kita im Projekt „Kinderrechte im Fokus“ einen umfangreichen Kinderrechtekalender. Darin werden jeden Monat Kinderrechte vorgestellt; über QR-Codes können Audioaufnahmen abgerufen werden, in denen Kinder und Fachkräfte ihre Gedanken dazu teilen. Der Kalender ist zugleich Familienplaner und Informationsmedium für Eltern, so dass die Kinderrechte auch in den Familien zum Gesprächsthema werden. In der Krippe visualisiert der „Baum der Kinderrechte“, was den Jüngsten besonders wichtig ist.
Ein besonders wirkungsvolles Instrument ist der „Wichtig-Brief“, über den Kinder Wünsche, Ideen oder Beschwerden formulieren können. Die Fachkräfte unterstützen beim Schreiben, wenn nötig, greifen aber nicht inhaltlich ein. Die Wichtig-Briefe werden nach einem klaren, transparenten Verfahren bearbeitet, das Kinder jederzeit nachvollziehen können. Das stärkt ihr Recht darauf gehört zu werden, auf Beteiligung, und Beschwerde. Wie wirkungsvoll das Instrument ist, zeigt dieses Beispiel gelebter Partizipation und Selbstwirksamkeit: Ein Kind wünschte sich einen Ausflug ins Planetarium Hamburg. Aus diesem Wunsch entstand eine gruppenübergreifende Initiative. Die Kinder organisierten den Verkauf selbstgebastelter Dinge, führten Gespräche über Preise und Einnahmen und sammelten über Wochen das nötige Geld. Am Ende konnten sie ihren selbst geplanten Ausflug realisieren.
Auch im Alltag zeigt sich die Umsetzung der Kinderrechte: Kinder folgen drinnen und draußen ihren eigenen Ideen und Aufgaben. Die Fachkräfte stellen vielfältige Materialien, Spielzeuge, Medien und Naturerfahrungen bereit und schaffen Bedingungen, die zum Forschen, Ausprobieren und Verhandeln einladen. Regelmäßige Erkundungen der Umgebung, das Aufsuchen von Spielplätzen und Parks sowie die Verknüpfung von Innen- und Außenwelt fördern Bewegung, Selbstständigkeit und Entscheidungsfreiheit. So wird Kinderrechtebildung zu einem lebendigen Bestandteil des pädagogischen Alltags.
Übergang Kita–Grundschule
Die Kita bereitet die Kinder umfassend auf den Schulbesuch vor und orientiert sich an dem, was Kinder für einen gelungenen Übergang benötigen: Vertrauen, Neugier, Mut zum Fragenstellen, Umgang mit Unsicherheiten und das Bewusstsein für die eigenen Stärken. Die Schulvorbereitung ist eingebettet in alltägliche Situationen, Projekte und Erfahrungsräume, die Kindern Selbstvertrauen und Kompetenz vermitteln.
Ein zentrales Element der Übergangsgestaltung sind die vier Waldwochen pro Jahr, die jeweils zu einer anderen Jahreszeit stattfinden. In dieser Zeit verbringen die Vorschulkinder intensive Tage im Freien, entdecken Naturphänomene, lernen Risiken einzuschätzen, üben die Zusammenarbeit und stärken ihre motorischen Fähigkeiten. Die Natur dient als Lernraum, der Selbstwirksamkeit, das Problemlösen und Forschen fördert – Kompetenzen, die für den Schulstart von großer Bedeutung sind.
Darüber hinaus nehmen die Kinder von September bis Januar wöchentlich an zwei Unterrichtsstunden in der Grundschule teil. Die Deutschstunde wird von einer zukünftigen Lehrkraft gestaltet, die für dieses Kooperationsformat freigestellt ist. Anschließend findet das freiwillige Programm „Kindergartenkinder in die Schule“ statt, das spielerische Übergänge schafft. Die Kita organisiert zudem vorbereitende Elternabende, bei denen Erwartungen geklärt und Fragen beantwortet werden. Eltern berichten übereinstimmend, wie stark dieser abgestimmte Austausch ihren Kindern Sicherheit vermittelt und wie sehr er zur gelungenen Bewältigung des Übergangs beiträgt.
Politisches und fachpolitisches Engagement
Leitung und Team machen sich aktiv für bessere Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung stark. Sie scheuen sich nicht, politische Verantwortungsträgerinnen und -träger auf kommunaler und Landesebene anzusprechen, Missstände sichtbar zu machen und Verbesserungen einzufordern. Dieses Engagement ist im Alltag klar spürbar und wird von der gesamten Einrichtung getragen.
Die Kita initiierte eine öffentliche Demonstration und eine Podiumsdiskussion, die breite Aufmerksamkeit erzeugten und Eltern, Politik und Fachkräfte miteinander ins Gespräch brachten. Dadurch wurde deutlich, wie sehr die Kita sich als aktiver Teil eines gesellschaftlichen Diskurses versteht. Zusätzlich engagiert sich die Leitung in der „Vereinigung der Kita-Leitungen Schleswig-Holstein“, wo sie ihre fachliche Position einbringt: „Wir müssen deutlich machen: Kita betrifft uns alle, es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Diese Haltung zeigt, dass die Einrichtung strukturelle Herausforderungen nicht nur benennt, sondern aktiv an Lösungen mitwirkt.
Gezielte stärkenorientierte Förderung und Empowerment
Die Kita verfolgt einen konsequent stärkenorientierten Ansatz. Kinder sollen entdecken, was sie gut können, und dies weiter ausbauen. Die Fachkräfte dokumentieren und reflektieren individuelle Stärken systematisch und schaffen Lerngelegenheiten, in denen Kinder ihre Kompetenzen sichtbar zeigen. Ein zentrales Instrument ist die „Kompetenzsonne“: Gemeinsam mit dem Kind tragen Fachkräfte auf die Blütenblätter ein, was das Kind gut kann – vom Klettern über Fahrradfahren bis hin zu ersten schriftsprachlichen Fähigkeiten. Diese Visualisierung stärkt das Selbstbewusstsein und dient als Grundlage für weitere Förderprozesse.
Auch im Team steht Empowerment im Vordergrund. Belastende Situationen werden aktiv thematisiert und bearbeitet, um die pädagogische Qualität dauerhaft hochzuhalten. Mithilfe des Programms „Gut aufgehoben“ analysiert das Team seit 2023 Stress- und Überforderungssituationen und entwickelt alternative Handlungskompetenzen. Bereits 2022 wurde der Prozess angestoßen. Mitarbeitende verfügen über ein gemeinsames Codewort, das in Belastungssituationen genutzt wird, um Unterstützungsbedarf zu signalisieren. Auf Grundlage vielfältiger Methoden analysierten die Fachkräfte zentrale Alltagssituationen — etwa Essen, Sprache im Kita-Alltag oder das offene Konzept — aus verschiedenen Perspektiven. Durch Videoaufnahmen nach der Marte-Meo-Methode werden gelungene Interaktionen sichtbar gemacht und gestärkt; dies fördert die professionelle Selbstreflexion und Wertschätzung gegenüber der eigenen Arbeit.
Auch die Kinder werden im Bereich Abgrenzung und Selbstbehauptung gestärkt: Das Stoppsignal wird sowohl verbal als auch gestisch eingesetzt und gilt für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen. So erleben Kinder, dass Grenzen geachtet werden und sie selbst Einfluss auf Situationen nehmen können.
Ort: Bernsdorf Bundesland: Sachsen Größe: 197 Kinder, 21 Mitarbeitende Träger: AWO Lausitz Pflege- und Betreuungs- gGmbH Unsere Stärke: Lernwerkstätten, Kita-Sozialarbeit, Kinder- und Elternrat, Einbindung in Sozialraum
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Ob im Bauzimmer, in der Medienwerkstatt oder im Naschgarten – in der AWO Kita Pfiffikus können Kinder spielerisch ihre Stärken und Interessen entdecken. In Kinderinterviews erfragen die pädagogischen Fachkräfte die Wünsche der Kinder und lassen sie in die tägliche Arbeit einfließen. So entscheiden die Kinder selbst, was sie essen, mit wem sie den Tag verbringen, an welchen Projekten sie teilnehmen und wie ihre Räume gestaltet werden. Im Kinderrat werden Ausflüge geplant, Konflikte besprochen und gemeinsame Lösungen, wie beispielsweise eigene Streitregeln, entwickelt. Auch die Eltern bringen sich bei der Planung und Vorbereitung von Festen und Projekten mit ein. Eine Kita-Sozialarbeiterin unterstützt Familien bei bürokratischen Anliegen und sorgt für eine vertrauensvolle Begleitung. Als fest verankerter Teil der Nachbarschaft pflegt die Kita zahlreiche Kooperationen – vom Besuch im Pflegeheim über Filmprojekte mit dem Gesundheitszentrum bis zum Bildungsstammtisch, bei dem sich Fachkräfte aus allen Bildungsbereichen der Stadt austauschen und vernetzen. So wird die AWO Kita Pfiffikus zu einem Ort für gelebte Mitbestimmung und eine starke Gemeinschaft.
Ort: Unkel Bundesland: Rheinland-Pfalz Größe: 131 Kinder, 28 Mitarbeitende Träger: Stadt Unkel Unsere Stärke: multiprofessionelles Team, Inklusion, Kombination verschiedener pädagogischer Methoden wie Reggio-Pädagogik, offene Arbeit und tiergestützte Intervention
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Die Inklusive Kita Unkel ist ein Ort, an dem Inklusion gelingt: Alle Kinder werden in ihrer Einzigartigkeit wahrgenommen und individuell begleitet. Angeschlossen an das Heilpädagogisch-Therapeutische Zentrum Neuwied unterstützt die Einrichtung auch Kinder mit Beeinträchtigungen. Für eine bestmögliche Förderung sorgt ein interdisziplinäres Team aus Fachkräften der Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, Psychologie sowie einer Ärztin. Sie alle kommen direkt in die Kita und ermöglichen bedarfsgerechte Angebote mitten im Kita-Alltag. Um auf die vielfältigen Bedürfnisse und Talente der Kinder einzugehen, verbindet die Einrichtung verschiedene pädagogische Ansätze wie Reggio-Pädagogik, offene Arbeit und tiergestützte Intervention miteinander. So begleiten fünf Zwergziegen sowie Therapiehund Karl die Kinder und geben ihnen beispielsweise in der sensiblen Eingewöhnungsphase Sicherheit. Die Kinder gestalten ihren Alltag aktiv mit: Sie entscheiden, wo und mit wem sie spielen, was und wann sie essen, ob und wie lange sie schlafen sowie wer ihre Bezugsperson ist. In der Inklusiven Kita Unkel passt sich nicht das Kind der Kita an, sondern die Kita dem Kind.
Das sagt die Jury
Überzeugt hat die Jury, dass die Einrichtung auf außergewöhnliche Weise ein inklusiver Ort für alle Kinder – mit und ohne Beeinträchtigung – ist und jedes einzelne Kind mit großer Wertschätzung, Professionalität und Herz bestmöglich begleitet wird. Für alle wird ein Weg gefunden, der Teilhabe möglich macht, auch bei Kindern mit höchstindividuellem Unterstützungsbedarf. Therapiehund Karl erkennt erste Anzeichen epileptischer Anfälle und das Team bildet sich fortwährend weiter für den Notfall. Ein Tag in der Natur mit der Waldgruppe ist dadurch auch für Kinder mit schweren chronischen Erkrankungen, wie Diabetes oder Epilepsie, möglich. Zum Kita-Team gehört auch therapeutisches Fachpersonal, denn die Kita arbeitet eng mit dem Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrum Neuwied zusammen. So werden Förderbedarfe früh erkannt und Therapien direkt in der Kita umgesetzt. Besonders hervorzuheben ist außerdem die Kooperation mit der Grundschule. Bei regelmäßigen Besuchen lernen die Kinder Räume, Klassen und Lehrkräfte der Schule kennen, nehmen an Projekten teil und erleben Schulveranstaltungen. So gelingt der Übergang von der Kita in die Grundschule reibungslos.
Die Begründung unserer Jury in voller Länger
Vielfältiges Lernen und Begleiten von Anfang an
„Sie leben, was wir uns nach der UN-Kinderrechtskonvention vorgenommen haben”, sagt Bundesfamilienministerin Prien bei der Preisverleihung des Deutschen Kita-Preises 2025, „nämlich, dass Kinder, ganz egal ob mit oder ohne Handicap, die Chance haben gut aufzuwachsen. Und Sie schaffen es mit ganz viel Empathie und Mitmenschlichkeit und mit Kompetenz.” Die Einrichtung schafft von Beginn an eine inklusive, anregende Lernkultur, in der Kinder mit und ohne Behinderung ihren Alltag selbstbestimmt gestalten können. Die pädagogische Praxis ist darauf ausgerichtet, individuelle Interessen zu stärken, vielfältige Erfahrungsräume anzubieten, in der Fachkräfte sich als unterstützende Lernbegleitende verstehen. Lernumgebungen sind bewusst heterogen und offen gestaltet, um exploratives, sinnbezogenes und selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen; digitale Medien und therapeutische Elemente werden dabei situationsgerecht integriert.
Die Kita bietet differenzierte, nicht vorgefertigte Materialien und räumliche Angebote, die Kinder zum Ausprobieren, Forschen und Gestalten einladen. Fachkräfte beobachten, dokumentieren und geben Impulse zum Lernen, ohne die kindlichen Handlungsansätze zu dominieren. Selbstbestimmung zeigt sich konkret darin, dass Kinder Entscheidungen über Spiel- und Arbeitsweisen treffen, ihre Projekte über längere Zeiträume verfolgen und ihre Ideen und Fragen ernst genommen werden. Gleichzeitig ist das Team fachlich so aufgestellt, dass es komplexe Unterstützungsbedarfe erkennen und in den Alltag integrieren kann: Pflegerische Maßnahmen, therapeutische Interventionen und der Einsatz digitaler Hilfsmittel erfolgen integriert und alltagsnah, so dass jedes Kind seinem Entwicklungsstand entsprechend aktiv teilnehmen kann. Die Haltung der Fachkräfte ist geprägt von der Prämisse, Rahmenbedingungen flexibel zu verändern, damit Kinder nicht in das System passen müssen, sondern das System sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Dies umfasst auch die Nutzung altershomogener und -heterogener Gruppenformen, die gezielt soziale Lernprozesse und Freundschaftsbildung unterstützen.
Das Konzept umfasst offen nutzbare Themenräume (Bewegungsraum, Atelier, Entdeckerwerkstatt, Snoezelenraum), eine Naturgruppe mit Ziegen und eine Waldgruppe. Kinder entwickeln eigenständige Projekte: zum Beispiel ein Webprojekt oder Kugelbahnexperimente. Forscherfragen werden über mehrere Wochen verfolgt, digitale Werkzeuge situativ eingesetzt. Fachkräfte begleiten forschend und unterstützend, statt vorzugeben.
Vorbildhafte Inklusion und Bildungsgerechtigkeit
Die Kita verfolgt ein ganzheitlich inklusives Konzept, das Bildungsgerechtigkeit als strukturelles Ziel begreift: Alle Kinder erhalten passgenaue Förderung – pädagogisch wie therapeutisch – in einem Rahmen, der Teilhabe sicherstellt. Inklusion ist hier so gut und qualitativ hochwertig, weil die Rahmenbedingungen des offenen Konzepts, die Personalstruktur, also Mitarbeitende, die nach ihren Stärken eingesetzt werden, die Fachkompetenz, insbesondere durch gezielte Weiterbildungen und Fachberatung sowie die vielfältigen Kooperationen zum Beispiel mit dem Heilpädagogischen Therapiezentrum oder dem Bürgerpark auf dem sich das Ziegengehege befindet, ideale Förderung ermöglichen. Dies hat Vorbildcharakter und lädt zum Nachahmen ein.
Inklusion zeigt sich auch in einer ressourcenorientierten Haltung, die individuelle Förderbedarfe früh erkennt und systematisch adressiert. Durch diese Haltung und enge Verzahnung von pädagogischer und therapeutischer Arbeit finden Interventionen alltagsintegriert statt. Kinder werden nicht aus ihrem Alltag herausgelöst, Therapie und Förderung fließen in den Kita-Alltag ein. Die Fachkräfte arbeiten multidisziplinär, teilen Fallverständnisse und planen gemeinsam Maßnahmen, wodurch Übergänge zwischen Therapie, Förderung und Spiel fließend sind. Diese Struktur sichert Zugang zu Unterstützungsleistungen direkt vor Ort, reduziert Barrieren für Familien und ermöglicht nachhaltige, alltägliche Lerngelegenheiten. Die konzeptionelle Verankerung inklusiver Prinzipien zeigt sich in Leitlinien, Fortbildungen und in der Bereitschaft, organisatorische Abläufe flexibel an die Bedürfnisse von Kindern und Familien anzupassen.
Multidisziplinäres Team und Wirken: Durch die feste Einbindung des Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrums sind Therapeutinnen und Therapeuten sowie eine Psychologin gleichberechtigte Teammitglieder. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht niederschwellige Absprachen, frühe Förderdiagnostik und die direkte Vermittlung passender Therapieangebote, wie Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, in den Alltagssettings. Und von der hohen Professionalität der Fachkräfte sowie dem Miteinander von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung profitieren alle Kinder.
Strukturierte Formen des Qualitätsmanagements, der Beobachtung und Dokumentation
Die Einrichtung arbeitet systematisch an der Qualitätssicherung: Beobachtungsinstrumente, Zielvereinbarungen sowie regelmäßige fachliche Begleitung schaffen Transparenz über Entwicklungsstände und ermöglichen zielgerichtete, überprüfbare Förderprozesse.
Qualitätsmanagement ist in der Einrichtung kein abstraktes Konzept, sondern wird durch konkrete Instrumente umgesetzt: standardisierte Beobachtungsverfahren erfassen Entwicklungsstände, daraus werden Teilhabeziele gemeinsam mit Eltern (und wenn möglich Kindern) definiert und deren Umsetzung dokumentiert. Regelmäßige Reflexionsschleifen und externe Fachberatung sorgen dafür, dass Maßnahmen überprüfbar, adaptierbar und evidenzgestützt sind. Teaminterne Arbeitsgruppen und fest eingeplante Teamtage garantieren, dass fachliche Weiterentwicklung ein stetiger Prozess ist; Supervision und Coaching unterstützen die professionelle Haltung und Fallreflexion. Der Träger stellt hierbei notwendige Ressourcen zur Verfügung: Zeit für Dokumentation, Fortbildungen, Fachberatung. Dadurch werden Nachhaltigkeit und Entwicklung der pädagogischen Qualität gesichert. Kinderschutz ist fester Bestandteile des eigens erarbeiteten und sich stetig weiterentwickelnden Konzepts und sind im Team verankert, sodass Prävention und Intervention nicht nur systematisch organisiert sind, sondern auch im Alltag umgesetzt werden.
Die Fachberatung kennt die Kita gut, führt regelmäßige IST-Erhebungen durch, gibt methodische Impulse zu Beobachtung und Dokumentation und begleitet die Einrichtung bei der Anpassung konzeptioneller und pädagogischer Maßnahmen, so dass die Qualität kontinuierlich reflektiert und weiterentwickelt wird.
Erziehungspartnerschaft und Elternarbeit
Die Kita pflegt eine verlässliche, offene und niederschwellige Zusammenarbeit mit Eltern. Partizipation, Transparenz und Unterstützung sind Kernprinzipien der täglichen Praxis. Eltern werden als Expertinnen und Experten ihrer Kinder einbezogen und die Einrichtung gestaltet Zugänge, die allen Familien gerecht werden.
Elternarbeit ist in der Inklusiven Kita Unkel systematisch und alltagsnah organisiert: Informations- und Austauschangebote reichen von Hausbesuchen vor Eintritt in die Kita über tägliche Gesprächsangebote beim Bringen und Abholen bis zu regelmäßigen Entwicklungsgesprächen, die auf ressourcenorientierten Vorbereitungsbögen basieren. Die Kita-Netzwerkerin koordiniert Unterstützungsangebote, übersetzt Informationen in unterschiedliche Familiensprachen und organisiert Begegnungsformate, die Gemeinschaft und Vernetzung stärken. Therapeutische Fachkräfte agieren als Bindeglieder, wodurch Beratung in sozialrechtlichen oder entwicklungsbezogenen Fragen direkt zugänglich wird. Transparente Kommunikationswege durch Portfolios, Fotodokumentationen oder die Kita-App ermöglichen Einblicke in den Alltag und schaffen Vertrauen. Flexible Bring- und Abholzeiten, niedrigschwellige Gesprächsangebote und konkrete Hilfen (zum Beispiel sprachliche Vermittlung via Kita-App oder Einbindung anderer Familien) reduzieren Barrieren und fördern die gleichberechtigte Teilhabe aller Familien.
Die Kita-Netzwerkerin hat systematisch die Bedarfe der Familien im Blick, organisiert Begegnungen wie Picknicks, übersetzt Infomaterial in Familiensprachen und vernetzt die Einrichtung mit Jugendamt, Beratungsstellen und weiteren Hilfesystemen, sodass Eltern sich unterstützt und wahrgenommen fühlen.
Öffnung in den Sozialraum und Kooperationen
Die Kita nutzt ihre Rolle im Gemeinwesen aktiv, um Lernräume zu erweitern, kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und Bildungskontinuitäten zu schaffen. Kooperationen mit Schulen, Vereinen und Kulturträgern verankern die Einrichtung im Sozialraum und fördern generationenübergreifende Begegnungen.
Die Verbindung zwischen Kita und Sozialraum ist vielfach gestaltet: Regelmäßige Exkursionen, Projektkooperationen und öffentliche Ausstellungen machen die Arbeit sichtbar und stärken das Selbstbild der Kinder als aktive Mitgestaltende ihres Umfelds. Kultur- und Naturerfahrungen, wie im Theater, Wald, beim Schwimmen oder künstlerischen Projekten, erweitern die Lernwelten und fördern die Selbstwirksamkeit. Die enge Kooperation mit dem Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrum stellt sicher, dass medizinische und therapeutische Fragestellungen fachlich begleitet werden, wodurch Familien entlastet und Kinder kontinuierlich unterstützt werden. Die Zusammenarbeit mit der benachbarten Grundschule sichert Übergangsprozesse: Kinder lernen Räume, Abläufe und Lehrpersonen kennen, erwerben Routinen (zum Beispiel durch den Büchereiführerschein, und erfahren Bildungskontinuität. Kulturkooperationen und generationenübergreifende Projekte schaffen zusätzliche Perspektiven und stärken die Präsenz der Kita im Stadtteil.
Aus der spontanen Idee eines Kindes, aus Dosen kleine Roboterfiguren zu bauen, entwickelte sich beispielsweise ein umfangreiches Projekt. Andere Kinder schlossen sich an und es entstand ein gemeinsames Dorf mit Ausstellungsorten im Ort. Die Kinder präsentierten stolz ihre Werke, die Aufmerksamkeit im Sozialraum wuchs und die Arbeit fand sogar Erwähnung in der Fachzeitschrift „Betrifft Kinder“.
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Wie sensibilisieren wir mehr Menschen für Kinderrechte? Im Mäuseparlament hatten die Kinder und das Team der Kita St. Nikolaus die zündende Idee, der anwesende Bürgermeister war schnell überzeugt: Vor dem Rathaus im rheinland-pfälzischen Kirchen soll eine große Schautafel zu Kinderrechten verankert werden. In der Kita sind sie das längst. Fachkräfte, Eltern und Kinder haben gemeinsam eine Kinderverfassung mit Rechten und Regeln erarbeitet, an der das Team sein pädagogisches Handeln ausrichtet. Ob Speiseplan, Raumgestaltung oder Projektideen – die Kinder beraten sich in Gruppenkonferenzen und entscheiden im Parlament bei Themen, die sie betreffen, mit. Sogar bei der Einstellung neuer Mitarbeitender ist ihre Meinung gefragt. Nach dem Morgenkreis öffnet sich den Kindern die gesamte Kita zum Forschen und Lernen. Die Fachkräfte begleiten sie dabei und greifen ihre Ideen auf. Die Eltern bestaunen die Projektergebnisse nicht nur beim morgendlichen Kaffee im Kinderrestaurant oder an „Ich-zeig-dir-meine-Kita-Samstagen“, sondern machen oft selbst mit – sei es als Neurologin beim Gehirnprojekt oder beim Vorlesen in ihrer Muttersprache. So erfahren hier Jung und Alt, was echte Teilhabe bedeutet.
Das sagt die Jury
Überzeugt hat die Jury, wie engagiert das Team die Kinderrechte in den Kita-Alltag übersetzt. Im Mäuseparlament können die Kinder über Speiseplan, Raumgestaltung oder Projektideen entscheiden. Und eine Kinderverfassung, in der Kinder, Fachkräfte sowie Familien verbindliche Regeln festlegen, ist Teil des pädagogischen Konzepts. Sensibel binden die Fachkräfte die soziale und kulturelle Vielfalt der Kinder ein. Um die Familien in Kirchen passgenau zu unterstützen, ist das Team über die Kita hinaus vernetzt. Die Einrichtung arbeitet eng mit einem Familienzentrum, einer Kita-Sozialarbeiterin und einer Netzwerkerin, die alle Anliegen aus den städtischen Kitas koordiniert, zusammen. Zukunftsweisend setzt die Kita zudem digitale Medien im Alltag ein. Mit dem Tablet wird zu wichtigen Fragen recherchiert. Die Kinder lernen hier von Anfang an, digitale Hilfsmittel sinnvoll zu nutzen. Die Fachkräfte verstehen sich dabei immer als Mitlernende.
Die Begründung unserer Jury in voller Länger
Systematische Umsetzung der Kinderrechte im Alltag und starkes partizipatives Beschwerdemanagement
Die Kita zeichnet sich dadurch aus, dass die Rechte der Kinder nicht nur theoretisch verankert sind, sondern im pädagogischen Alltag konsequent umgesetzt und für alle Beteiligten erlebbar gemacht werden. Kinder gestalten ihren Tag überwiegend selbstbestimmt und entscheiden eigenständig, an welchen Angeboten sie teilnehmen. Gleichzeitig gibt es klare Regeln und Verabredungen, die von den Kindern mitgetragen werden.
Die Fachkräfte richten ihre Praxis aktiv daran aus, herauszufinden, was die Kinder möchten und brauchen. Sie achten die Kinder in ihren Entscheidungen und finden gemeinsam Lösungen. Besonders beeindruckend ist, dass dies in einem Umfeld geschieht, in dem viele Kinder nur eingeschränkte Startchancen haben. So leistet die Kita einen wichtigen Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit.
Dies zeigt sich in vielen Projekten und Alltagssituationen: Schon beim Betreten des Hauses begegnen Kinder ihren Rechten unmittelbar – im Treppenhaus können sie auf Knopfdruck Bilder und Tonaufnahmen zu Kinderrechten abrufen. Auch im Sozialraum wird das Thema sichtbar, etwa durch Postkartenaktionen oder Jutebeutel mit Kinderrechtsmotiven.
Ein weiteres Beispiel ist die gemeinsam erarbeitete Kinderverfassung, die als Leitlinie für das pädagogische Handeln dient und den Kindern Orientierung gibt. Demokratiebildung wird dabei nicht nur besprochen, sondern konkret gelebt: Als die Kinder erfuhren, dass die Tische im Restaurant einheitlich geplant waren, beschwerten sie sich. Daraufhin entwickelten sie Schuhkartonmodelle, stimmten über ihre Favoriten ab und wählten gemeinsam Möbel aus. Heute spiegelt die Vielfalt der Tische – vom klassischen Tisch mit Stühlen über einen kunstvoll verzierten niedrigen Holztisch mit Sitzkissen bis hin zum beliebten „Freundetisch“ – die unterschiedlichen Wünsche der Kinder wider.
Auch die Tagesgestaltung liegt innerhalb des pädagogischen Rahmens in Kinderhand. In der „freien Entdeckerzeit“ am Vormittag sind alle Themenräume geöffnet, so dass die Kinder selbst entscheiden können, wo sie ihre Zeit verbringen. Danach gestalten die Stammgruppen ihre Zeit individuell. Kinder reflektieren ihre Erlebnisse und können jederzeit zwischen Aktivitäten, Mittagessen und Außengelände wechseln.
So wird deutlich: Die Kita ist ein Ort, an dem Kinderrechte nicht nur vermittelt, sondern aktiv gelebt werden – und an dem Familienorientierung und soziale Gerechtigkeit im Alltag spürbar sind.
Sozialpädagogische Familienarbeit und Vernetzung im Sozialraum
Die drei kommunalen Kindertagesstätten der Stadt Kirchen bilden gemeinsam ein Familienzentrum. Eine Kita-Sozialarbeiterin sowie eine Kita-Netzwerkerin sind für das gesamte Familienzentrum zuständig und unterstützen Familien durch Beratung, Vernetzung und Begleitung. Der Träger initiierte das „4-Säulen-Projekt“ mit Familienzentrum, Mehrgenerationentreff, Eltern-Kind-Zentrum und Gemeindeschwester-Plus. Diese Angebote sind aus den Bedarfen der Familien gewachsen und beleben den Sozialraum nachhaltig.
Die Einrichtung agiert inklusiv, kultursensibel und lebensweltorientiert. Sprachliche Vielfalt wird aktiv aufgegriffen: Fachkräfte sprechen mit Kindern in der Familiensprache, nutzen Übersetzerinnen und Übersetzer oder die Hilfe von Familien. So wird Bildungsgerechtigkeit gefördert und die Teilhabe aller Kinder ermöglicht.
Wie stark die Kita im Alltag auf die Bedürfnisse von Familien eingeht, zeigt sich in vielen konkreten Beispielen. So begleitet die Kita-Sozialarbeiterin Familien bei Anträgen und Terminen und schafft damit wichtige Zugänge zu Unterstützungssystemen. Gleichzeitig finden Yoga- und Entspannungsangebote für Eltern direkt in den Räumen der Kita statt – ein Zeichen dafür, dass die Einrichtung nicht nur für Kinder, sondern auch für ihre Familien ein Ort der Stärkung ist.
Bedarfsorientierte Angebote wie eine Familienbibliothek, Themenabende oder eigens entwickelte Stadtpläne verdeutlichen die lebensweltorientierte Haltung. Die Kita ist heute ein fester Teil der Gemeinschaft.
Auch im pädagogischen Alltag achten die Fachkräfte auf Unterschiede in sozialen und kulturellen Lebenslagen und überlegen, wie ungleichen Bildungschancen begegnet werden kann. Besonders sichtbar wird dies in den neu gestalteten Geburtstagsritualen: Statt eines Wettbewerbs um die wertvollsten Geschenktüten stehen nun gemeinschaftliche Feiern im Mittelpunkt, die von der Kita für alle Kinder gleich organisiert werden – ein Beispiel für gelebte Inklusion und soziale Sensibilität.
So wird deutlich: Die Kita ist nicht nur ein Bildungsort für Kinder, sondern auch ein lebendiges Familienzentrum, das den Sozialraum bereichert und Bildungsgerechtigkeit aktiv fördert.
Einsatz digitaler Medien
Besonders hervorzuheben ist der alltagsintegrierte, kindgerechte und reflektierte Einsatz digitaler Medien, mit denen die Kinder insbesonders die Kinderrechte erforschen können. Digitale Werkzeuge werden weder als Zusatzangebot noch als Technikprojekt verstanden, sondern als natürlicher Bestandteil des pädagogischen Alltags, der Kindern Selbstbestimmung, Partizipation und unmittelbare Zugänge zu Wissen ermöglicht.
Die Kinder nutzen iPads flexibel, um ihre eigenen Fragen zu verfolgen: Wenn etwa ein Kind wissen möchte, was Drachen fressen, wird gemeinsam recherchiert – die Kinder formulieren ihre Fragen, vergleichen verschiedene Quellen, diskutieren Ergebnisse und dokumentieren ihre Erkenntnisse. Dadurch erleben sie sich als aktive Forschende, die Antworten selbstständig finden können.
Auch in der Raumgestaltung sind digitale Medien sichtbar verankert: TipTois liegen in verschiedenen Bildungsbereichen bereit, so dass Kinder eigeninitiativ Materialien erkunden oder vertiefen können. Sprechbuttons werden gezielt eingesetzt, um Kinderrechtsbildung niedrigschwellig erfahrbar zu machen. Kinder haben selbst Inhalte eingesprochen – etwa Erklärungen zu ihrem Recht auf Beteiligung oder auf Schutz – und diese anschließend in Form von Plakaten und Hörstationen im Haus sichtbar gemacht. So entsteht eine Lernumgebung, in der Medienbildung und Kinderrechte eng ineinandergreifen und Kinder ihre eigenen Botschaften im Haus hör- und sichtbar platzieren können.
Die pädagogischen Fachkräfte begleiten diese Prozesse kompetent, indem sie digitale Werkzeuge nicht dominieren, sondern deren sinnvollen Einsatz mit den Kindern reflektieren: Welche Informationen sind verlässlich? Wie können wir etwas nachprüfen? Welche Bilder dürfen wir aufnehmen und wie sprechen wir über Datenschutz? Dadurch entwickeln Kinder nicht nur technische Fähigkeiten, sondern ein grundlegendes Verständnis für Medienkompetenz, Selbstbestimmung und Schutz ihrer eigenen Rechte.
Insgesamt zeigt sich ein vorbildlicher Medienansatz, der Kindern nicht nur Zugang zu Wissen ermöglicht, sondern ihnen eine Stimme gibt, ihre Perspektiven ernst nimmt und die Kita als demokratischen Lernort stärkt.
Fachkräfte als Mitlernende
Die Fachkräfte verstehen sich nicht als Anleitende, sondern als Bildungsbegleitende und Mitlernende. Diese Haltung prägt den gesamten Alltag: Kein Tag gleicht dem anderen, weil die Fachkräfte aufmerksam wahrnehmen, welche Fragen, Impulse und Interessen die Kinder einbringen. Die pädagogische Arbeit orientiert sich nicht an vorab festgelegten Vorgaben, sondern an der kindlichen Neugier. Kinder erleben sich dadurch als aktive Forschende, die selbstbestimmt Themen verfolgen, Hypothesen entwickeln und täglich neue Zusammenhänge entdecken können. Diese Atmosphäre des gemeinsamen Lernens stärkt die Selbstwirksamkeit der Kinder und vermittelt ihnen das Gefühl: Meine Gedanken sind wichtig. Meine Fragen bewegen etwas.
Wie diese Haltung konkret gelebt wird, zeigt das Superheldenprojekt eindrücklich: Ausgehend von einem Gespräch der Kinder über Superkräfte entstand ein mehrwöchiges Forschungs- und Gestaltungsprojekt. Kinder überlegten, welche Heldin oder welcher Held sie selbst sein möchten, welche Eigenschaften und Fähigkeiten sie bereits besitzen und welche sie gerne entwickeln würden. Sie gestalteten Symbole für ihre individuellen Superkräfte, führten Interviews mit Passantinnen und Passanten über deren persönliche Vorbilder und dokumentierten ihre Erkenntnisse. Das Projekt verknüpfte Selbstreflexion, Sprache, Medienarbeit und soziale Kompetenz auf natürliche Weise.
Genauso werden naturwissenschaftliche Fragen aus dem Alltag aufgegriffen und vertieft: Kinder untersuchen unter dem Mikroskop Milchzähne, Haare oder Ohren, vergleichen Strukturen und formulieren eigene Erklärungsversuche. In anderen Situationen entstehen fantasievolle Forschungsaufträge – etwa wenn ein Gehege für Drachen gebaut wird und die Frage auftaucht, was Drachen eigentlich fressen könnten. Die Fachkräfte greifen solche Impulse nicht als Spielerei auf, sondern erkennen sie als bedeutsame Lernanlässe. Sie geben keine vorgefertigten Antworten, sondern begleiten die Kinder dabei, selbst herauszufinden, zu probieren, zu forschen und weiterzudenken.
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Eine Gartentür und viele gemeinsame Erlebnisse verbinden die Kinder der JuS Kita Kinderland mit den Bewohnenden des benachbarten Pflegeheims in Oranienburg. Beim Gärtnern, Spielen, Backen und Musizieren kommen Jung und Alt zusammen. Sie rühren gemeinsam Ringelblumensalbe an oder beobachten, wie Küken und Schmetterlinge schlüpfen. Die Kinder berichten von ihren Abenteuern, die Seniorinnen und Senioren vom früheren Leben. So entstehen in dem intergenerativen Haus echte Beziehungen. Wenn im Wohnheim jemand verstirbt, trauert die Kita-Gemeinschaft kindgerecht und begleitet diesen Prozess gemeinsam. Das offene Konzept lässt jeden Tag Raum für individuelle Spiel- und Ruhezeiten sowie Mitbestimmung bei Essen, Kleidung und Themen. So übernehmen die Kinder Verantwortung – für sich selbst, für ihre Gruppe und für Jüngere, wenn Krippenkinder in die Kita wechseln. Auch die Familien nehmen aktiv am Kita-Leben teil: Sie engagieren sich im Kita-Ausschuss, übernehmen den Gießdienst oder schreiben ermutigende Einträge ins „Mut-mach-Buch“ zur Eingewöhnung. Das solidarische, generationenübergreifende Miteinander zeigt den Jüngsten, dass sie ein wichtiger und gestaltender Teil der Gesellschaft sind.
Städtische Kita Burgweinting Preisträger ELTERN-Sonderpreis 2025
Ort: Regensburg Bundesland: Bayern Größe: 109 Kinder, 16 Mitarbeitende Träger: Stadt Regensburg Unsere Stärke: offene Werkstattarbeit, Reggio-Pädagogik, Natur- und Projektgruppen, Kooperationen im Sozialraum
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Ein Mittagsbuffet wie im Urlaub? Eine „Draußen-Gruppe“ zum Forschen in der Natur? Warum nicht? In der Städtischen Kita Burgweinting werden die Wünsche der Kinder ernst genommen. Ihre Ideen für den Alltag und die Räume bringen sie in der Kinderkonferenz, im Morgenkreis oder auf der „Sprechenden Wand“ ein. Regelmäßig tauschen sich Kinder und Fachkräfte anhand der Portfolios darüber aus, was in der Woche los war. Dabei stehen die Stärken und Interessen der Kinder im Fokus. Denen gehen sie wiederum in den offenen Werkstätten, auf dem Außengelände mit Bauwagen, in der Laufgruppe oder im Sternchenchor selbstbestimmt nach. Auch die Eltern machen mit und gestalten Vorlese-, Musik- oder Tanzangebote. Sommerfeste im Park, Chorauftritte auf dem Weihnachtsmarkt, Stadtteilläufe sowie Projekte mit Vereinen und Kulturschaffenden zeigen den Jüngsten, wie viel ihr Umfeld zu bieten hat. Um die Familien zu unterstützen, arbeitet die Kita mit dem benachbarten Familienzentrum und dem Stadtteilprojekt des Jugendamtes zusammen. Offen und begeisterungsfähig greift das multiprofessionelle Team immer wieder neue Ideen auf. So entwickelt sich die Regensburger Kita seit über 30 Jahren kontinuierlich weiter.
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