• Frühe Hilfen und Kita-Sozialarbeit

    Frühe Hilfen und Kita-Sozialarbeit

    Frühe Hilfen und Kita-Sozialarbeit
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Sangerhausen
    Bundesland: Sachsen-Anhalt
    Handlungsfeld: Kita-Sozialarbeit, Teilhabe und Chancengerechtigkeit
    Aktiv seit: 2018
    Wirkungsradius: Kleinstadt
    Partner: Jugendamt, Gesundheitsamt, Kita, Christliches Jugenddorf Sachsen-Anhalt (CJD), Sozialarbeiterinnen, Grundschule, Vereine und Beratungsstellen

    Kontakt: Landkreis Mansfeld-Südharz – Jugendamt, Sandra Gängel (Koordination Frühe Hilfen), sandra.gaengel[@]lkmsh.de

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    Südlich vom Harz, an der Grenze von Sachsen-Anhalt zu Thüringen, liegt die Stadt Sangerhausen. Kita-Fachkräfte arbeiten hier Hand in Hand mit Sozialarbeiterinnen sowie weiteren Akteuren wie Beratungsstellen zusammen. Gemeinsam bauen sie Brücken zwischen der Kita und den Familien, erkennen frühzeitig, was die Kinder brauchen und entwickeln passende Lern- und Freizeitangebote. Das Beste daran: Die Jüngsten dürfen mitentscheiden! Ein Mitmachzirkus, regelmäßige Ausflüge zum Kletterfelsen oder in die Schwimmhalle – all das ist entstanden, weil die Kinder sich das sehnlichst gewünscht haben. Auch die Eltern werden von Anfang an mit eingebunden. Ob bei Elternabenden oder im Elterncafé – hier können sie sich untereinander austauschen und an der Planung von Projekten beteiligen. Das Bündnis aus Sangerhausen zeigt allen: Wir tun etwas für Kinder und Familien in der Stadt, es lohnt sich zu bleiben!

    Das sagt die Jury

    Das Bündnis aus Sangerhausen setzt sich mit Motivation und bemerkenswerter Eigeninitiative für die Verbesserung der Lebenssituation der Kinder und Familien ein. Die Jury hebt die Kita-Sozialarbeit als innovatives und zentrales Element hervor. Zudem gelingt es dem Bündnis die knappen Ressourcen im Sozialraum zu bündeln und zu nutzen. So gestaltet es vielfältige Lerngelegenheiten für die Kinder und ermöglicht ihnen Teilhabe.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das Bündnis setzt sich in einem sozial sehr belasteten Sozialraum mit hoher Motivation und bemerkenswerter Eigeninitiative sowie Engagement für die Verbesserung der Lebenssituation der Kinder und Familien ein. Die Verbesserung von Teilhabe und Chancengerechtigkeit ist der zentrale Motor des Bündnishandelns. Das Bündnis schafft Perspektiven und bietet Kindern Chancen, Ungleichheit mit eigener Stärke zu begegnen. Dabei zeichnet sich das Bündnis stets durch einen klaren ressourcenorientierten Ansatz aus. 

    Die Jury hebt die Kita-Sozialarbeit als zentrales Element des Bündnisses hervor: Damit gelingt es sehr gut, an die Lebenswelten der Kinder und Familien anzuknüpfen. Mit Hilfe der Kita-Sozialarbeiterin gelingt es dem Bündnis, die unterschiedlichen Akteur:innen und Ressourcen im Sozialraum zu verbinden und so die Lebens- und Lernwelt der Kinder sowie die Bedingungen ihres Aufwachsens deutlich zu verbessern. Auch an den Kitas unterstützt sie die Fachkräfte dabei, die Entwicklung und den Bildungsverlauf der Kinder zu begleiten sowie soziales Lernen und Konfliktbewältigung zu fördern. 

    Das Bündnis schafft Formate, um die Bedarfe und Wünsche der Kinder auf- und ernst zu nehmen – insbesondere den „Wunschtag“. Und es nutzt die vorhandenen Ressourcen im Sozialraum, um diese Wünsche auch zu erfüllen. So werden vielfältige Lerngelegenheiten geschaffen, die vor allem – aber nicht ausschließlich – den Kindern Förderung, Entwicklung und Teilhabe ermöglichen, die sich das sonst nicht leisten könnten, wie zum Beispiel am Kletterfelsen, im Schwimmbad oder beim Zirkus. 

    Es gelingt dem Bündnis sehr gut, die knappen Ressourcen im Sozialraum zu bündeln und zielgerichtet zum Wohl der Kinder und Familien vor Ort einzusetzen (siehe Angebote oben). Gleichzeitig schafft diese Bündelung eine Entlastung für die einzelnen Akteur:innen. 

    Die Jury betont die hohe Motivation des Bündnisses und seiner Akteur:innen, die oft gegen eine gewisse Passivität von Eltern arbeiten müssen, sich dieser Herausforderung jedoch mit großem Engagement stellen. 

    Beispielhaft hierfür ist der handlungsorientierte Einbezug der Eltern in die verschiedenen Projekte etwa beim Aufbau des Zirkusprojekts oder über die direkte Ansprache. Die Einbindung wird immer wieder und weiter versucht, trotz einer bislang insgesamt eher niedrigen Beteiligungsrate. Diese wird aber Stück für Stück verbessert. 

    Die Stärkung der Kita-Sozialarbeit, die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt und die wissenschaftliche Begleitung bündeln verschiedene Lösungsansätze, was angesichts der geringen Ressourcen und der erheblichen Herausforderungen im Alltag beachtenswert ist. 

  • Bündnis Hochfeld

    Bündnis Hochfeld

    Bündnis Hochfeld
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Duisburg
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Teilhabe und Zugang zum Bildungssystem, Übergang von Kita zu Grundschule, niedrigschwellige Elternangebote
    Aktiv seit: 2017
    Wirkungsradius: Stadtteil
    Partner: DRK-Familienbildungswerk, Jugendamt, städtische Ämter, Kitas, Schulen, Frühe Hilfen, kommunales Integrationszentrum

    Kontakt: DRK-Familienbildungswerk Duisburg, Anna Žalac (Leiterin), anna.zalac[@]drk-duisburg.de

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    Der kinderreiche Stadtteil Duisburg-Hochfeld ist geprägt von verschiedensten Lebenswelten. Hier unterstützt das Bündnis Hochfeld Familien, oft mit Zuwanderungsgeschichte oder Fluchterfahrung, im Stadtteil und der dortigen Bildungslandschaft anzukommen. Dafür setzt das DRK-Bildungswerk mit Kitas, Schulen, Ämtern, Behörden und anderen Verbündeten zahlreiche Angebote um. So erhalten Kinder zum Beispiel Kita-Plätze, die im Jahresverlauf frei werden. Ist dies nicht möglich, erleichtert der „begleitete Schulanfang“ den Schulstart: Im Jahr vor der Einschulung bauen die Kinder in drei Kursen pro Woche direkt in der neuen Schule Feinmotorik und Sprache auf, lernen die Einrichtung und Lehrkräfte kennen. Eltern üben in Sprachkursen oder Elterncafés alltagsintegriert Deutsch, knüpfen neue Kontakte und werden beraten. Alle Unterstützungsangebote sind leicht zugänglich und werden von Muttersprachler:innen oder Dolmetschenden begleitet. Selbst während der Pandemie war das Bündnis mit einer Fensterberatung in acht Sprachen für die Familien da.

    Das sagt die Jury

    Das aus der Zivilgesellschaft heraus entstandene Bündnis agiert in einem hoch belasteten Stadtteil. Die Akteur:innen arbeiten hier mit großer Motivation stärkenorientiert und mit Tatendrang zusammen. Eine lebensnahe und anpackende Bündnisarbeit sorgt für Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Die Mitarbeitenden des Duisburger Bündnisses gehen dorthin, wo auch die Kinder sind – sei es direkt in die Wohnungen oder auf Spiel- und Marktplätze.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das zivilgesellschaftlich initiierte Bündnis agiert in einem hoch belasteten Stadtteil, in dem die Akteur:innen in ungebrochener Motivation stärkenorientiert und mit hohem Engagement zusammenarbeiten. Das Bündnis leistet einen großen Beitrag dafür, dass Kinder in diesem Quartier eine Chance auf Teilhabe erhalten und kennt seinen Sozialraum sehr gut. Es arbeitet täglich unter erschwerten Bedingungen und verliert das Ziel, Beteiligung zu fördern, nicht aus dem Blick. Es trägt in vorbildlicher Weise dazu bei, dass die Angebote bei den Adressat:innen das Erleben von Selbstwirksamkeit befördern.  

    Die vielfältigen Angebotsformate und Projekte sind an den besonderen Bedarfen und Lebenswelten der Kinder und Familien orientiert, wodurch das Bündnis vorbildlich niedrigschwellige Zugänge auch zu schwer erreichbaren Familien schafft und allen Kindern Bildungsgelegenheiten bietet. 

    Als Beispiel hervorzuheben ist etwa die ausgeprägte „Geh-Struktur“, indem es sich selbst direkt zu den Orten aufmacht, an welchen es die Kinder und Familien automatisch antrifft – direkt an den Wohnungen, auf Ämtern und in der Verwaltung, auf Spiel- und Marktplätzen oder bei Ärzt:innen. Auch mit der Fensterberatung während der Lockdowns hat das Bündnis beeindruckt: Die Fenster des DRK Familienbildungswerks wurden genutzt, um in verschiedenen Sprachen niedrigschwellig vom Bürger:innensteig aus Beratungen anzubieten. Und mit dem Pavillon der Frühen Hilfen platziert sich das Bündnis beispielsweise mitten in der Fußgängerzone. 

    Die Projekte des Bündnisses knüpfen kultursensibel an die unterschiedlichen Lebenswelten der Familien an: Durch Vertrauensaufbau werden auch bildungsbenachteiligte Familien und Familien mit Fluchterfahrung und damit Kinder erreicht, die sonst wenige Berührungspunkte mit dem frühen Bildungssystem oder außerfamiliäre Kontakte haben. Das Bündnis setzt dabei bewusst Bündnisakteur:innen als Schlüsselpersonen ein, um Familien und Kinder im Sozialraum zu erreichen (durch geteilte Kulturerfahrungen/Sprachen). 

    Im Familiengrundschulzentrum werden auch Mittel der Frühen Hilfen eingesetzt und so mit Angeboten für ältere Kinder verknüpft. Dies ist ein innovativer Ansatz, der auch die Übergänge in das Bildungssystem unterstützt. 

    Die Jury hebt die praxisorientierte Arbeitsweise hervor, bei der über verschiedene Akteur:innen und bestehende Kooperationen sehr direkt konkrete Angebote geschaffen werden (Hands-On-Mentalität). 

  • Kulturkitas Dortmund

    Kulturkitas Dortmund

    Kulturkitas Dortmund
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Dortmund
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Chancengleichheit durch kulturelle Teilhabe, Förderung von Erziehungspartnerschaften
    Aktiv seit: 2018
    Wirkungsradius: Stadtteil, Stadt
    Partner: Kitas, Kulturbüro Dortmund, Gisbert-von-Romberg-Berufskolleg, kommunaler Kita-Träger FABIDO, Kultureinrichtungen, Kunstschaffende

    Kontakt: Kulturbüro Stadt Dortmund, Susanne Henning (Referentin), shenning[@]stadtdo.de

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    Bunt geht es zu in Dortmund: Das städtische Kulturbüro, der Träger FABIDO, ein Berufskolleg und 12 Kitas aller Träger haben sich als Bündnis zertifizierter Kulturkitas zusammengeschlossen. Gemeinsam mit Kunstschaffenden und kulturellen Einrichtungen eröffnen sie den Kindern im gesamten Stadtgebiet Räume, in denen sie Tanz, Theater oder Kunst erleben und selbst gestalten können. In den Kitas laden Materialien, Instrumente und Kostüme in eigens eingerichteten Bereichen ein, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Den Ton geben oft die Kinder an: Bei Theaterstücken besetzen sie etwa die Rollen, wählen Themen und bauen Bühnenbilder. Die Stadtteile und ihre Museen, Theater & Co werden gemeinsam erkundet, wobei die Kinder immer wieder auf eigene Werke stoßen: So haben sie in ihrem Umfeld schon Stromkästen und Pumpwerke verschönert. Über die Bündnis-Angebote erhalten vor allem auch Eltern Zugang zum Kulturleben der Stadt und können ihre Erfahrungen und Talente einbringen. So führen Kunst und Kultur die Menschen in Dortmund zusammen.

    Das sagt die Jury

    Kreativität wird hier als Zukunftskompetenz gesehen, die Teilhabe und Chancengerechtigkeit ermöglicht. Das Bündnis bietet den Kindern auf kreative Art und Weise vielfältige Entfaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Von Theaterprojekten, die Kinder und auch Eltern beteiligen, über Leseangebote in verschiedenen Sprachen bis hin zu Museumsbesuchen mit Kindern als Kunstreporter:innen ist Vieles dabei.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Es ist beeindruckend, wie das Gesamtkonzept Kulturelle Bildung der Stadt Dortmund als Anlass genommen wurde, um dieses Bündnis ins Leben zu rufen und mit vielen kreativen Ideen zu füllen. 

    Die Kooperation zwischen Kulturbüro, Kitas, der Fachschule für Sozialpädagogik und Kunstschaffenden vereint das Beste aus verschiedenen Welten und das, obwohl das Bündnis noch vergleichsweise jung ist und der Großteil der Bestehenszeit in die Pandemie fällt (besteht seit 2018). 

    Der Brückenschlag zwischen der vielfältigen Kulturlandschaft in Dortmund und der frühkindlichen Bildung ist sehr gelungen, nachhaltig und inspirierend. Eine innovative Idee, Kinder an kulturelle Bildung heranzuführen und sie selbstverständlich in ihrem Alltag zu verankern. 

    Kulturelle Bildung – mit einem sehr breiten Kulturverständnis – wird als verbindendes Element verstanden, um alle Bildungsbereiche lebendig zu gestalten und Kindern durch Kreativität vielfältige Entfaltungs- sowie Ausdrucksmöglichkeiten zu geben und das Denken in viele Richtungen anzuregen. Nicht nur musisch-ästhetisch, sondern auch kultursensibel und sprachbildend. 

    Beeindruckende Beispiele aus der Bündnis-Arbeit sind etwa Theaterprojekte, die in allen Schritten Kinder und auch Eltern beteiligen (inkl. Aufführung im Dortmunder U), Leseangebote in verschiedenen Sprachen, zum Teil von den Eltern als Hörbuch eingesprochen, oder Museumsbesuche mit Kindern als Kunstreporter:innen, um sie einerseits mit den Kunstwerken vertraut zu machen und sie andererseits mit digitalen Medien in Kontakt zu bringen. 

    Kinder selbst sind die Kulturmittler:innen zwischen Elternhaus, Kita und Museum und machen vielfältige Erfahrungen mit ihrer Selbstwirksamkeit. 

    Die Arbeit in Dortmund zeichnet sich durch die klaren Kriterien für die Beteiligung aus, die einerseits Einheitlichkeit bieten und dennoch ausreichend Raum für unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen in den einzelnen Kitas lassen. 

    Jede Kulturkita bindet ihren Sozialraum konkret ein, greift Impulse auf und gestaltet ihn mit – durch zum Beispiel die Gestaltung von Stromkästen mit Kindern oder die Etablierung von Kooperationen mit Künstler:innen. So wird der kulturelle Sozialraum auch Kindern und Familien zugänglich. In Dortmund stehen die Angebote für die Kinder dabei im Zentrum. 

    Kreativität wird als Zukunftskompetenz gesehen, die Teilhabe und Chancengerechtigkeit ermöglicht.

  • Netzwerk Startpunkt Leben

    Netzwerk Startpunkt Leben

    Netzwerk Startpunkt Leben
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Konstanz
    Bundesland: Baden-Württemberg
    Handlungsfeld: Frühe Hilfen
    Aktiv seit: 2014
    Wirkungsradius: Mittelstadt
    Partner: Akteure der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens wie Kinderärztinnen oder Hebammen, Kitas, Gesamtelternbeirat Kita, Schwangerenberatungsstellen, Wellcome

    Kontakt: Startpunkt Leben, Yvonne Richter (Netzwerkkoordinatorin Frühe Hilfen), yvonne.richter[@]konstanz.de

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    Junge Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren finden in Konstanz am Bodensee ein breites Netzwerk an Unterstützung und Beratung. An verschiedenen Standorten hat die Stadt Konstanz sechs sogenannte „Startpunkte“ eingerichtet, die von weiteren Partnern wie Kitas, Kinderärztinnen und Hebammen unterstützt werden. Hier finden die Familien offene Türen – und offene Ohren für ihre Belange und Fragen. Von Erstinformationen rund ums Thema Elternsein über Beratungen und Babytreffs bis hin zu Eltern-Kind-Spielgruppen bietet das Bündnis eine Vielzahl an Angeboten. Ein Schwerpunkt ist die Unterstützung in alltäglichen und auch besonderen Familien- und Übergangssituationen, wie dem Wechsel von der häuslichen in die institutionalisierte Kinderbetreuung in Krippe und Kita. In Konstanz geht man auch ungewöhnliche Wege: Sei es digital oder bei einem Beratungs-Picknick im örtlichen Strandbad: Nah und früh dran zu sein an den Familien und niedrigschwellig ins Gespräch zu kommen, lautet hier die Devise.

    Das sagt die Jury

    Dem Konstanzer Bündnis gelingt es, die Bedingungen in den verschiedenen Stadtteilen zu berücksichtigen. Die vorhandenen Ressourcen werden genutzt und niedrigschwellige Angebote für alle Familien entwickelt. So leistet das Bündnis einen wichtigen Beitrag zur Chancengerechtigkeit. Das Bündnis zeichnet sich durch eine klare Orientierung an den Lebenswelten der Familien aus. Mit dem Beratungsangebot „von Handtuch zu Handtuch“ am Konstanzer Stadtstrand beispielsweise, sind die Akteure dort, wo die Familien sind.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das Netzwerk Startpunkt Leben ist ein Bündnis im Bereich der Frühen Hilfen, das sich durch eine hervorragende und nachhaltige Struktur auszeichnet. 

    In der Bündnis-Struktur werden alle relevanten Akteursgruppen mandatiert und in Steuerungs- und operative Prozesse mit einbezogen. Zentral ist hier die Planungskonferenz genannte Steuerungsgruppe, in die von allen relevanten Akteursgruppen (Kita, Startpunkte, Schwangerschaftsberatung, Ärzt:innen, Eltern etc.) jeweils eine Person hineingewählt wird. 

    Beispielhaft ist, wie das Bündnis eine sehr gute Verbindung von der gesamtstädtischen Ebene und Steuerung zu den einzelnen Startpunkten in den unterschiedlichen Quartieren schlägt und dabei aus dieser Konstruktion starke Synergien und Rückkopplungseffekte zieht. Die gesamtstädtische Ebene und die gebündelten Ressourcen werden etwa für die Mini-Netzwerke rund um die Startpunkte vor Ort nutzbar gemacht (beispielsweise die Perspektive der Ärzt:innen), gleichzeitig werden die vor Ort erhobenen Bedarfe in die Gesamtebene eingebracht. 

    Die Bündnis-Struktur ermöglicht auch, die unterschiedlichen Sozialräume in den verschiedenen Quartieren der Stadt Konstanz aufzuschließen, die vorhandenen Ressourcen zu nutzen und bedarfsgerechte und niedrigeschwellige Angebote für alle Familien zu entwickeln und so einen wichtigen Beitrag zur Chancengerechtigkeit zu leisten. 

    Beispielhaft sind die frühzeitige, passgenaue Beratung, individuelle Unterstützung für Familien von Anfang an sowie quartiersnahe und fallunspezifische Angebote zur Bildung, Begegnung oder Information für Schwangere und Familien mit Kleinkindern in den Bereichen Pädagogik, Gesundheit, Entwicklungspsychologie, Eltern-Kind-Beziehung, Elternbildung und -begegnung. 

    Das Bündnis zeichnet sich zudem durch eine klare Orientierung und ein Anknüpfen an den Lebenswelten der Familien aus. Es geht dorthin, wo die Familien sind. Das Beratungsangebot „von Handtuch zu Handtuch“ am Konstanzer Stadtstrand, bietet den Familien zum Beispiel einen sehr niedrigschwelligen Zugang zu Unterstützungsangeboten.  

    Die Kindorientierung zeigt sich zudem darin, dass sie verbindlich und über den Trägerinteressen stehend in der Satzung des Bündnisses festgeschrieben wurde. 

    In Konstanz werden Beteiligungsmöglichkeiten für Eltern und Bündnisakteur:innen auf höchstem Niveau gelebt: Durch regelmäßige Elternbefragungen und die Möglichkeit der Eltern, sich mit eigenen Angeboten einzubringen, sowie mandatierte Einbindung der Akteursgruppen in die Planungskonferenz. 

    Das Bündnis ist wegen seiner multiprofessionellen Ausrichtung, seinem umfassenden Verständnis von Chancengleichheit und der hervorragenden Struktur unter den Preisträgern. 

  • FamilienkiTa Emmaus

    FamilienkiTa Emmaus

    FamilienkiTa Emmaus
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Gillenfeld
    Bundesland: Rheinland-Pfalz
    Größe: 97 Kinder, 31 Mitarbeitende
    Träger: Katholische KiTa gGmbH Trier
    Unsere Stärke: Nutzung des Sozialraums, Selbstbestimmung der Kinder

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    In der FamilienkiTa Emmaus entscheiden die Kinder jeden Tag selbst, worauf sie Lust haben: experimentieren in der „Forscherfundgrube“, mit Lehm matschen in der „Wolkenwelt“ oder Neues gestalten im „Sammelsurium“. Die vielen themenorientierten Bildungsräume geben den Kindern ein Gefühl von Abenteuerlust, aber auch von Geborgenheit. Alles, was sie hier erschaffen, wird wertgeschätzt und auf Wunsch ausgestellt. Mit besonderem Stolz erfüllte die Kinder eine „Vernissage to go“: Im Dezember 2020 waren in den Schaufenstern der Gillenfelder Geschäfte die Gemeinschaftswerke der Kinder zu bestaunen und wurden zum Verkauf angeboten. Aber auch außerhalb der Kita können die Kinder viel erleben, denn die Einrichtung arbeitet mit unterschiedlichen Kooperationspartnern zusammen: Auf dem Bauernhof lernen sie, wie aus Ziegenmilch Käse wird und mit der Junior Uni Wuppertal erforschen sie, auf wie viele Arten man Raketen starten lassen kann. So bleibt die Kita spannend und macht Spaß!

    Das sagt die Jury

    In der Gillenfelder Kita gibt es etablierte partizipative Strukturen. Kinder haben die Möglichkeit durch entdeckendes und experimentelles Lernen Selbstwirksamkeit zu erfahren. Sie werden so zum selbstbestimmten Forschen und Erkunden angeregt. Überzeugt hat die Jury auch das kreative sowie stärkenorientierte Konzept, das in vielfältigen und anregenden Bildungsräumen stattfindet.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Kinder werden hier in Gestaltungsentscheidungen durch diverse Möglichkeiten wie Kinderkonferenzen, Gremien, Sitzkreise einbezogen.

    Die kreative Gestaltung des Wochenablaufs (2 Tage altershomogen in Stammgruppen; 3 Tage nach Interessen) ist eine überzeugende Mischung aus Struktur und Freiheit. Ein grundsätzlich festgelegter zeitlicher Rahmen bietet den Kindern Sicherheit, dadurch kann eine thematische Öffnung und Orientierung an den Interessen der Kinder stattfinden.

    Die Jury hebt die detaillierte Kita-Verfassung und freiwillige Kinderkonferenzen als beispielhaft hervor. Überzeugt hat auch die Meinungs-Wand der Kinder: Eine Themensammlung für Anliegen, Beschwerden der Kinder, die die Tagesordnung in der Kinderkonferenz visualisiert. Die Kinder haben das Recht, ihre Ideen zu neuen Projektvorhaben zu äußern und geben ihre Meinung nach einer Hospitation zu ein:er Bewerber:in ab.

    Die Möglichkeit für Kinder, Selbstwirksamkeit zu erfahren, steht in der FamilienkiTa Emmaus im Fokus. Das aktuelle Ereignis der Flut wurde zum Beispiel mit den Kindern besprochen und aufgearbeitet, daraus ist die „Mut-Mach-Post“ entstanden.

    Die Kita zeichnet sich durch ihre Flexibilität durch Ausdehnung der Öffnungszeiten und Reaktion auf die individuellen Lebenssituationen während der Pandemie aus.

    Beeindruckend ist auch die Raumgestaltung. In der Kita gibt es vielfältige, anregende Themenräume mit kreativen Namen: Forscherfundgrube (Experimentierraum), Spielscheune (gendersensibler Rollenspielraum), Baubuden (Bauräume), Sammelsurium (Atelier mit vielfältigem Materialangebot), Schaffschmiede (Werkstatt), Kinderküche und Kinderrestaurant, Mit-Mach-Markt (Gruppenraum), Träumetal (Ruheraum).

    Inklusives Handeln steht hier im Fokus: Kinder mit besonderen Bedürfnissen/Unterstützungsbedarf nehmen am Kita-Alltag in der Gemeinschaft teil. 

    Die regelmäßige Sozialraumanalyse ist hier ein bewusster Prozess, bei dem die Lebensweise der Familien betrachtet wird, um Rückschlüsse für die pädagogische Arbeit zu gewinnen. 

    Es gibt viele aktive Kooperationen mit relevanten Einrichtungen im Stadtteil, was Wege kürzer und Zugänge einfacher macht. Besonders ist die Kooperation mit der Grundschule und anderen Kitas, die mit tollen Ideen auch während Corona weiterlaufen konnte. 

    Ein großes Netzwerk mit unter anderem Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen und dem Sozialamt ermöglicht den Familien Zugang zu niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten, zum Beispiel durch das Elterncafé oder die Ausrichtung eines Second-Hand-Basars. Auch das Beispiel der „Blumenmeer-zaubernden Bienenretter“ verdeutlicht das Engagement im Sozialraum. 

    Die Kita greift gesellschaftliche Themen auf, die für das Aufwachsen von Kindern bedeutsam sind wie Bildung für nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz. 

    Besonders das Wort „Schatzmomentesammler“ als einzigartiges Konzept ist der Jury ans Herz gewachsen. Die Idee dahinter: Ein Ordner, in dem Kunstwerke und Lerngeschichten gesammelt werden und der als Eigentum des jeweiligen Kindes verstanden wird. 

  • Kita „7 Raben“

    Kita „7 Raben“

    Kita „7 Raben“
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Greifswald
    Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
    Größe: 88 Kinder, 14 Mitarbeitende
    Träger: Institut Lernen und Leben e.V.
    Unsere Stärke: Demokratiebildung, Natur- und Umweltbildung

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    In der Greifswalder Kita „7 Raben“ ist Stillstand ein Fremdwort: Mit viel Neugier, Motivation und Freude am Lernen wachsen nicht nur das Kita-Team, sondern auch Eltern und Nachbarschaft immer wieder über sich hinaus. Ob Spielzeugflohmarkt, Bücherbaum oder die Aktion „Wir gehören zusammen“, im Rahmen derer alle Kita-Kinder gemeinsam mit ihren Eltern ein Bild eines Raben gemalt haben, das anschließend ins Fenster der Kita oder zu Hause gehängt wurde. Das hat während der Corona-Notbetreuung das Zusammengehörigkeitsgefühl von allen Beteiligten nochmals gestärkt. Die Kinder erleben hier einen abwechslungsreichen und selbstbestimmten Kita-Alltag – ob in den Räumlichkeiten der Einrichtung beim freien Spiel, im Rahmen verschiedener Angebote wie Yoga und der Kita-Sauna, beim Toben im großen Außengelände oder auf dem Sportplatz um die Ecke. Die Kita hat sich außerdem bereits vor sieben Jahren auf den Weg zur demokratischen Kita gemacht – ob Kinderrat oder Beschwerdemanagement: Mitbestimmung wird hier aktiv gelebt.

    Das sagt die Jury

    Die Kita-Fachkräfte nutzen unterschiedliche ressourcen- und stärkenorientierte Beobachtungsverfahren, um die Entwicklung der Kinder in den Blick zu nehmen. Sie verstehen das Beobachten der Kinder als große Chance und Ausgangspunkt für die Gestaltung und Entwicklung ihrer Arbeit. In der Greifswalder Kita wird Diversität in allen Aktivitäten gefördert. Die Kita schreibt sich auf die Fahne, aktiv Klischees entgegenzuwirken. Dabei lebt sie einen reflektierten und bewussten Umgang mit Geschlechterrollen und Stereotypen.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Die inhaltlichen Schwerpunkte der Kita liegen in Natur und Kunst. Bildung wird als aktiver, selbstbestimmter Prozess verstanden. Kreativitätspädagogik ist das gelebte Leitbild, das auch vom Träger gefördert wird. 

    Die Kita zeichnet sich auch durch ihre Sozialraumorientierung aus: Sie schaut über den eigenen Tellerrand und vernetzt sich bzw. holt sich auch Netzwerkspartner*innen ins Haus. Der Sozialraum wird als Lernort verstanden. Zum engen sozialen Netzwerk gehören ein Förster, Familienangehörige, die Stadtteilbibliothek, der Sportverein und das „Kitanetzwerk für frühkindliche Bildung“. Darüber hinaus pflegt die Kita „7 Raben“ eine Kooperation mit einer polnischen Kita und einen Bücherbaum, der für alle zugänglich ist. 

    Kinder partizipieren bei Entscheidungsprozessen, sie werden beispielsweise aktiv zur Materialbestellung miteinbezogen. Es gibt einen Kinderrat, hier wird auch das Verhalten anderer Kinder reflektiert.

    Die Wünsche der Eltern werden gehört. Sie werden über den Kita-Alltag über Fotodokumentationen (Litfaßsäule) informiert und können sich selbst einbringen. Durch Kooperationen der Kita im Bereich der Früh- und Gesundheitsförderung werden Eltern entlastet.

    Das gesamte Team wird in die pädagogische Arbeit miteinbezogen. Die Teammitglieder gehen wertschätzend und offen miteinander um und können sich mit ihren jeweiligen Kompetenzen einbringen.

    Die freiwillige Teilnahme der Kinder an den durch Fachkräfte bereitgestellten und begleiteten Lernsettings und Angeboten (z. B. Theaterkurs, Ritterkurs) stärkt sie in ihrer Selbstwirksamkeit und Entscheidungskompetenz.

    Vorbildhaft findet die Jury den hohen Grad der Selbstreflexion: Die Einrichtung setzt sich sehr reflektiert mit ihrer Arbeit und den sich ändernden Sozialstrukturen auseinander.

    Ebenso erwähnenswert sind die ressourcen- und stärkenorientierte Beobachtungsverfahren: Die intensive Beobachtung der Kinder und Dokumentation mittels verschiedener Methoden („Gardner’sche Intelligenzen“, „validierte Grenzsteine der Entwicklung“) unterstützt die Begleitung der kindlichen Entwicklungsprozesse.

    Dem Vielfaltsaspekt wird in der Kita stark Rechnung getragen: Es wird ein reflektierter und bewusster Umgang mit Geschlechterrollen, Stereotypen und Klischees gelebt. Die Förderung von Diversität in allen Aktivitäten ist beispielhaft. Die Kita schreibt sich auf die Fahne, aktiv Klischees entgegenzuwirken.  

    Dazu werden zum Beispiel die in der Kita vorhandenen Materialien im Hinblick auf Diskriminierungstendenzen gesichtet: Bücher, die Klischees bedienen, werden aussortiert. Geschlechterstereotypen wird bewusst entgegengewirkt, etwa durch Aktionstage, an denen Mütter und Töchter technische Aktivitäten durchführen, zum Beispiel Bauen von Spielgeräten. Jungen lernen eher „mädchentypische“ Berufe kennen. So werden Geschlechterrollen in der Kita aktiv hinterfragt und klug durchleuchtet. 

    Kinder lernen durch verschiedene Formate, wie Meinungsbildungsprozesse ablaufen. Demokratieförderung zeigt sich beispielweise im Kinderrat, einem bewusst forcierten Beschwerdemanagement und der Kooperation mit der „Partnerschaft für Demokratie“.  

  • AWO Kita Rödgen

    AWO Kita Rödgen

    AWO Kita Rödgen
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Gießen
    Bundesland: Hessen
    Größe: 70 Kinder, 14 Mitarbeitende
    Träger: AWO Gießen
    Unsere Stärke: Selbstbestimmung der Kinder, Naturpädagogik, digitale Bildung

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    Mit Schafen kuscheln, im Wald spielen oder Rote Bete ernten – in der AWO Kita Rödgen erkunden Kinder die Natur auf vielfältige Art und Weise. Und das nur fünf Kilometer vom Gießener Stadtzentrum entfernt. Kinder sind die Akteur:innen und entscheiden über ihr Tun. Wo möchten sie Mittag essen, wo ihre Zeit verbringen – in den Räumen der Kita oder draußen? Vor allem während der Pandemie machen Ausflüge in die Natur den Kita-Alltag erst möglich. Auch im Bereich des Digitalen ist die Kita Vorreiterin: Kinder gehen mit Tablets auf Entdeckungsreise und lernen so den bewussten Umgang mit neuen Medien. Mitarbeitende können per Videochat an Besprechungen teilnehmen, über die App den Dienstplan abrufen und die Eltern mit Informationen versorgen. In den letzten zwei Jahren haben die pädagogischen Fachkräfte vor allem eins gelernt: Wenn die Umstände unsere Arbeit, wie wir sie kennen, nicht zulassen, dann machen wir es eben anders!

    Das sagt die Jury

    Der Innenbereich, der Kita-Garten und der Bauwagen sind drei verschiedene Lernorte, die pädagogisch gekonnt miteinander verknüpft werden. Die Kinder können selbst entscheiden, wo sie die Woche verbringen wollen. Die Gießener Einrichtung legt Schwerpunkte auf Naturpädagogik und Digitalisierung. Besonders beeindruckt hat die Jury die kindorientierte Arbeit der AWO Kita Rödgen: Kinder werden hier als eigenständige und kompetente Menschen betrachtet, die durch impulsgebende und vielfältige Lernorte selbstbestimmt und vertieft ihren Interessen nachgehen können. 

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Der Gießener Einrichtung gelingt die Verknüpfung verschiedener Lernorte: Die drei impulsgebenden Lernorte (Innenbereich, Außenbereich, Bauwagen) sowie die Kombination der Schwerpunkte Naturpädagogik und Digitalisierung sind sehr innovativ und vorbildhaft.  

    Besonders beeindruckt hat die Jury die kindorientierte Arbeit der AWO Kita Rödgen: Die Fachkräfte sehen die Kinder als eigenständige und kompetente Menschen, die durch impulsgebende und vielfältige Lernorte selbstbestimmt und vertieft ihren Interessen nachgehen können.   

    Die Fachkräfte agieren dabei sehr sensibel für die Bedarfe und Interessen der Kinder und passen ihre pädagogische Arbeit und Angebote entsprechend an. 

    Die Kinder bestimmen ihr Lernen in hohem Maße selbst. Die Pädagog:innen beobachten die Lernschritte der Kinder, dokumentieren diese sehr ressourcenorientiert und wertschätzend und besprechen diese mit den Familien auf Augenhöhe.

    Die Fachkräfte orientieren sich an den Stärken und Ressourcen der Kinder.

    Sie nutzen kreative Möglichkeiten, den pädagogischen Alltag und ihre Rolle als Pädagog:innen transparent zu gestalten, wie beispielsweise den YouTube-Kanal oder die Kita-Info-App.

    Auf die Gefühlswelt der Kinder wird sehr gut eingegangen, die Fachkräfte fördern einen bewussten Umgang mit der Artikulation und dem Austausch von Gefühlen, was die Kinder in ihrer Gemeinschaft handlungsfähig macht.

    Die Gestaltung der Kitaabläufe entlang der Impulse der Kinder, geprägt durch einen ressourcenorientierten Blick, ermöglicht den Kindern im Entwicklungsverlauf ihre eigenen Stärken zu erkennen und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Das Erkennen einzelner Bildungsmomente leitet die Kinder vom Schneckenfund bis zu Fragen rund um den Salatanbau.

    Die Fachkräfte in der Gießener Kita zeichnen sich durch eine hohe Bereitschaft aus, sich zu hinterfragen und Dinge zu ändern. So gelingt eine kontinuierliche Anpassung der pädagogischen Arbeit und der Angebote an den Interessen der Kinder. 

    Die gute Sozialraumorientierung der Kita wird durch die Jury besonders hervorgehoben. Die Kita pflegt intensive Kooperationen zu verschiedenen Akteur:innen im Sozialraum und nutzt die dort vorhandenen Ressourcen, um den Kindern vielfältige Lern- und Bildungsanlässe zu ermöglichen, unter anderem mit Grundschule, Bauernhof und Greenpeace, der entstandenen Kooperation mit einem Landwirtschaftsbetrieb oder dem „Netzwerk gelingender Übergang“.  

    Gleichzeitig gestaltet die Kita ihren Sozialraum in Gießen aktiv mit. Beispielhaft zeigt sich dies im Projekt „Rödgen summt – wir lassen unseren Ort aufblühen“. Hier wurde der verwilderte Pfarrgarten zu einem Bürgergarten umgestaltet. 

  • Wukaninchen

    Wukaninchen

    Wukaninchen
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Biesenthal
    Bundesland: Brandenburg
    Größe: 36 Kinder, 9 Mitarbeitende
    Träger: Wukaninchen e.V.
    Unsere Stärke: Bewegung, Natur- und Waldpädagogik, Partizipation, BNE

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    Abseits von der Hektik der Großstadt Berlin liegt die brandenburgische „Naturparkstadt“ Biesenthal, umgeben von Wäldern, Wiesen und dem Wukensee, der gleichzeitig Namensgeber der Elterninitiativ-Kita „Wukaninchen“ ist. Hier steht das Natur- und Stadterleben im Zentrum des Kita-Alltags: Von der Krötensammlung im Frühjahr, über das Bewirtschaften eigener Hochbeete bis hin zu Stadtspaziergängen inklusive Besuchen in Bibliothek und Grundschulen sind die Kita-Kinder viel unterwegs. Auch in den Innenräumen der Kita spielt Bewegung eine große Rolle: Angelehnt an die Pädagogik der Kinderärztin Emi Pikler können sich schon die Ein- bis Dreijährigen an den „Pikler-Spielmöbeln“ austoben. Aber auch den „Großen“ wird bei den Wukaninchen nie langweilig: Ob beim „Ich-Projekt“ oder bei der Teilnahme am Stadtentwicklungskonzept der Gemeinde Biesenthal. Alle Kinder haben hier viel Raum für Mitbestimmung und werden in die Gestaltung des Kita-Alltags einbezogen: So macht Kita allen Spaß!

    Das sagt die Jury

    Die Biesenthaler Kita ist eine selbstorganisierte Elterninitiative, deren Bildungsverständnis auf demokratischen Grund- und Kinderrechten basiert. Diversität und zivilgesellschaftliches Engagement sind für die Kita von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig verfolgt die Einrichtung einen ganzheitlichen und überzeugenden naturpädagogischen Ansatz. Die Natur wird als Bildungs- und Lebensraum angesehen und der Umweltschutz ist ihnen sehr wichtig. 

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Die Kita Wukaninchen ist eine selbstorganisierte Elterninitiative, deren Bildungsverständnis auf demokratischen Grund- und Kinderrechten basiert. Die Kita begreift sich als kommunalpolitischer Akteur, der bewusst in die Gestaltung des Sozialraums eingreift und für Diversität, Umweltschutz und zivilgesellschaftliches Engagement eintritt.  

    Vorbildlich lebt die Kita ihre Schwerpunkte: Nachhaltigkeit, naturpädagogischer Ansatz, Natur als Bildungs- und Lebensraum der Kinder. 

    Träger, Leitung, Pädagog*innen, Kinder und Eltern bilden hier eine Gemeinschaft über die Kita hinaus, zum Wohle der Einrichtung, aber auch für den Stadtteil und die Nachbarschaft.

    Wichtig ist hier auch die Vermittlung einer diversen Gesellschaft, die in besonderer Achtsamkeit der Sprache und des Umgangs miteinander deutlich wird. Vielfalt und Diversität sind zentrale Bestandteile der pädagogischen Arbeit – dies beeindruckt die Jury besonders vor dem Hintergrund des gesellschaftspolitischen Umfeldes in der Region, unter anderem dem hohen Anteil einer rechtsgerichteten Wählerschaft.

    Die Kita Wukaninchen zeichnet sich durch ihren kindgerechten Umgang mit sensiblen Alltagsthemen wie Rassismus und Geschlechterrollen aus. Zum Beispiel werden einige Kinder geschlechtsneutral angesprochen.

    Die Zusammenarbeit mit den Familien ist ein Schwerpunkt in der Kita. Es gibt Hausbesuche und auf die Bedarfe der Eltern wird sehr individuell eingegangen. Es gibt eine stark selbstverwaltete Elternschaft, die gemeinsam mit dem Team Prozesse anstößt, sich engagiert einsetzt und eng mit der Einrichtung zusammenarbeitet.

    Die Fachkräfte ermöglichen es, dass die Kinder den Sozialraum mitgestalten und sich an der Stadtentwicklung beteiligen.

    Kinder gestalten ihre Interaktion untereinander selbst und suchen nach Lösungen für Auseinandersetzungen. Beeindruckende Beispiele sind das Konzept der „Waldepochen“ (2 Monate am Stück findet der Kita-Alltag ausschließlich an einem weiter entfernten Platz im Wald oder am See statt) oder der Jahreskreis, auf dem die Kinder den Verlauf des Jahres an den unterschiedlichen Orten und den einzelnen Schwerpunkten (zum Beispiel Waldwochen, Seewochen und Hyggewochen) ablesen können. Dies macht den Kindern den Verlauf des Jahres bewusster und direkt in der Natur erfahrbar. 

    Vorbildhaft ist auch das große Engagement für Familien mit Migrationshintergrund und das umfangreiche Netzwerk wie die Kooperationen mit der Flüchtlingshilfe. Die diversen Aktionen im Sozialraum für die Aufnahme von Geflüchteten haben Vorbildcharakter, beispielsweise der Spaziergang gegen Rassismus oder die Beteiligung der Kinder an einem Stadtentwicklungskonzept. 

    Das eigene gesteckte Ziel, hierarchiearm zu arbeiten, wird konsequent gelebt. So rotieren Aufgaben mit Potential für Machtkonzentration (zum Beispiel die Dienstplangestaltung) im Team. 

    In der Kita wird ein wertschätzender, achtsamer Umgang miteinander und mit der Umwelt gepflegt. 

    Die Wukaninchen senden eine wichtige Botschaft: Engagierte Eltern und Bürger*innen bauen hier eine Welt für Kinder, in der sich alle repräsentiert und wohl fühlen.  

  • Schackstedter Strolche

    Schackstedter Strolche

    Schackstedter Strolche
    Zweiter Platz 2023

    Ort: Aschersleben
    Bundesland: Sachsen-Anhalt
    Handlungsfeld: Natur, Nachhaltigkeit und Bewegung, Partizipation, generationsübergreifende Bildungsangebote
    Aktiv seit: 2016
    Wirkungsradius: Landgemeinde
    Partner: Integrative Kita, Natur und Handwerk e. V., Förderverein der Kita, Familienhof „Martin“, Sportverein, Gemeinde

    Kontakt: Kita „Schackstedter Strolche“, Sandra Görke (Leitung), kita-strolche[@]kids-ev-bernburg.de

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    In Sachsen-Anhalt, zwischen Magdeburg und Halle, liegt das kleine Dorf Schackstedt. Hier hat sich das Bündnis Schackstedter Strolche gegründet, das sich für Bildungsangebote in den Bereichen Natur, Umwelt und Bewegung stark macht. Die Interessen der Kinder geben hier die Richtung vor: Durch Kinderinterviews gestalten und entscheiden die Jüngsten aktiv über Projekte mit. So setzt sich die Initiative auf deren Wunsch zum Beispiel für das Anlegen eines Sagen- und Märchenpfades im Wald ein. Neben dem Dorfmittelpunkt – der Kita „Schackstedter Strolche“ – sind der Natur und Handwerk e. V., der Sport- und Förderverein, Familienhöfe sowie die Gemeinde selbst Teil des Bündnisses. Kinder können sich hier frei in der Natur bewegen, Ziegen füttern, spannende Filmnachmittage im Heukino erleben oder Puppen aus Naturmaterialien basteln. Ob auf traditionellen Dorffesten oder während der Umsetzung von Bildungsangeboten – das Bündnis setzt sich für ein familienfreundliches Schackstedt ein!

    Das sagt die Jury

    Das ehrenamtliche Engagement im Ascherslebener Ortsteil Schackstedt ist groß. Das ganze Dorf kommt hier zusammen, damit Kinder bestmöglich lernen und aufwachsen können, aber auch um gemeinsam gute Lebensbedingungen für alle Menschen im Ort zu gestalten. Die Jury lobt die ausgeprägte Kindorientierung als Herzstück der Bündnisarbeit. Alle Verbündeten zeichnet ein ressourcenorientierter Blick auf die Kinder aus. So entstehen die Angebote durch deren Ideen und Bedürfnisse und knüpfen beispielhaft an den Lebenswelten der Kinder an.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Die Schackstedter Strolche sind ein tolles Beispiel für hohes ehrenamtliches Engagement: In Schackstedt kommt das ganze Dorf zusammen, um gute Lern- und Aufwachsbedingungen für die Kinder, aber auch gute Lebensbedingungen und ein lebendiges Gemeinwesen für alle Menschen vor Ort zu gestalten. Das Bündnis ist damit Mittelpunkt des Dorflebens und ein wichtiger Anlaufpunkt für alle Bürger*innen.

    Die Jury lobt die ausgeprägte Kindorientierung als Herzstück der Bündnisarbeit: Alle Akteur*innen zeichnet ein ressourcenorientierter Blick auf die Kinder aus. Entsprechend entstehen die Angebote aufgrund von Impulsen, Wünschen und Bedürfnissen der Kinder und knüpfen so gut an deren Lebenswelten an.

    Die Jury lobt zudem die gelebte Beteiligungskultur für Kinder in Schackstedt: Es gibt viele Möglichkeiten für Kinder, ihre Perspektive einzubringen beispielsweise durch Kinderinterviews. Projekte entstehen aus den Interessen der Kinder, sie werden in der Planung wie auch in der Umsetzung der Projekte von Anfang an mit einbezogen und erleben so, dass ihre Sichtweisen wichtig sind und berücksichtigt werden. Für Beschwerden ist zudem ein Briefkasten auf Höhe der Kinder angebracht.

    Das Bündnis lebt vom gemeinsamen Miteinander der Menschen in der Gemeinde. Kurze Wege und flache Hierarchien werden effizient genutzt, um einen Mehrwert für die Kinder zu schaffen. Die Kinder erleben sich selbst und ihre Interessen als Mittelpunkt des Sozialraums und das Dorf als eine eigene große Familie, in der sie sich gut aufgehoben wissen.

    Für die Entwicklung dieser Angebote nutzt das Bündnis die ihm verfügbaren Ressourcen im dörflichen Sozialraum – vom Ziegenhof bis zum Sportverein – auf sehr gute Weise, um Lern- und Begegnungsorte für Kinder zu schaffen und diese zu erweitern. Die Kinder erleben dadurch einen unmittelbaren Bezug zu ihren Lebenswelten im Sozialraum und den daraus entstehenden Mehrwert.

    Die Jury attestiert dem Bündnis ein hohes Lernniveau: Die Beteiligten sind offen für neue Impulse und reflektieren ihr Handeln insbesondere unter der Maßgabe, wie die Interessen der Kinder noch besser adressiert werden können.

  • ZUSi – Zukunft früh sichern!

    ZUSi – Zukunft früh sichern!

    ZUSi – Zukunft früh sichern!
    Zweiter Platz 2023

    Ort: Gelsenkirchen-Ückendorf
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Kinderarmut, Armutsprävention, Chancengerechtigkeit, Talentförderung, Übergang Kita-Schule
    Aktiv seit: 2019
    Wirkungsradius: Stadtteil
    Partner: RAG-Stiftung, Stadt Gelsenkirchen für Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration, Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. Frankfurt, Kita-Leitungen, Bildungsbegleitungen​

    Kontakt: Gelsenkirchener Kindertagesbetreuung – GeKita, Sebastian Gerlach (Projektkoordination), sebastian.gerlach[@]gekita.de

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    Kinderarmut und fehlende Chancengerechtigkeit frühzeitig erkennen und ihnen entgegenzuwirken ist Ziel des Bündnisses ZUSi – Zukunft früh sichern! in sieben städtischen Kitas in Gelsenkirchen-Ückendorf. Armutsprävention und Talentförderung von Vier- bis Sechsjährigen sowie ein erfolgreicher Übergang von der Kita in die Grundschule stehen im Mittelpunkt. Aus einem nicht einsehbaren Tauschschrank können sich Familien diskret Kleidung, Spielsachen und Medien nehmen, in der „ZUSI-App“ haben sie alle Angebote auf einen Blick und können sich niedrigschwellig anmelden. Jedes Kind kann sich in den Bereichen Kunst, Kultur, Bewegung und Naturwissenschaft ausprobieren und seine Interessen entdecken. Mit einer alltagsorientierten Betrachtung der Lebenswelten erkennen die Fachkräfte Stärken und Förderbedarfe der Kinder und gleichen diese mit den Ressourcen der Familien ab, um weiter zu unterstützen. Durch die intensive Betreuung erleben die Kinder Erfolge und individuelle Bestärkung und ihre Eltern werden aktiv miteinbezogen.

    Das sagt die Jury

    Beispielhaft gestaltet das Gelsenkirchener Bündnis verlässliche Strukturen, um in einem belasteten Stadtteil hochwertige Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten. Zu Recht, findet die Jury, wird es als Modell für armutssensibles Handeln in der frühen Bildung wahrgenommen. Beeindruckend ist der differenzierte Ansatz zur Armutsprävention und Talentförderung, der bei den Kita-Kindern beginnt. Durch die vielfältige Reflexion und wissenschaftliche Begleitung der Bündnisarbeit können neue Erkenntnisse hervorragend weiterentwickelt und übertragen werden.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das Gelsenkirchener Bündnis ist ein hervorragendes Beispiel für die Gestaltung verlässlicher Strukturen in einem hoch belasteten Stadtteil, das zu Recht als Modell für armutssensibles Handeln im frühkindlichen Bereich wahrgenommen wird. Es möchte den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungs- und Lernchancen durchbrechen und qualitativ hochwertige und vielseitige Entwicklungsmöglichkeiten anbieten. Das Bündnis leistet so einen wichtigen Beitrag für die Bildungsgerechtigkeit.

    Beeindruckend ist der Ansatz zur Armutsprävention – mit einem sehr differenzierten Blick auf Kinderarmut – und der Talentförderung, beginnend im frühen Stadium der Bildungsbiographie von Kindern in den Kitas. Dies gelingt auch durch eine Stärkung des Übergangs Kita-Schule.

    Das Bündnis arbeitet dabei ressourcen- und kompetenzorientiert und macht die identifizierten Lerndispositionen und Lebenslagen des Kindes zum Ausgangspunkt der pädagogischen Praxis. Dabei hat es verschiedene Handlungsstrategien und Tools zur Armutsprävention und zur Talentförderung: Das Lebenslagenmodell zur ganzheitlichen Betrachtung der Situation der Kinder, den „Gelsenkirchener Entwicklungsbegleiter“ zur dialogischen Kompetenzentwicklung und Bildungsbegleiter*innen zur Entwicklungsförderung der Kinder auf allen Ebenen.

    Es gibt vielfältige Formate der Reflexion und sogar eine wissenschaftliche Begleitung, die die Bündnisarbeit evaluiert, neue Erkenntnisse auch zu armutssensibler Pädagogik generiert und so den Grundstein für Übertragbarkeit, Weiterentwicklung und Verstetigung legt. Die Weiterführung des Ansatzes in die Grundschule ist ein großartiger Schritt der Übertragung, der bereits gegangen wurde.

    Die vom Bündnis entwickelte ZUSi-App findet die Jury ein spannendes und inspirierendes Tool mit großer Reichweite, auch über die Angebote der frühkindlichen Einrichtungen hinaus in den Sozialraum zu wirken und kostenlose Angebote vorzustellen. Auch Elternbefragung und -beteiligung wird über die App umgesetzt.