• Kindertagesstätte Moordamm

    Kindertagesstätte Moordamm

    Kindertagesstätte Moordamm
    Dritter Platz 2025

    Ort: Bad Oldesloe
    Bundesland: Schleswig-Holstein
    Größe: 80 Kinder, 18 Mitarbeitende
    Träger: Ev.-freikirchliche Kindertageseinrichtungen Bad Oldesloe-Mölln e.V.
    Unsere Stärke: bedürfnisorientierte Pädagogik, Kinderrechte, Kooperation Kita-Schule

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    In der Kita Moordamm steht die Selbstbestimmung der Kinder im Mittelpunkt. Sie erleben täglich, dass ihre Ideen zählen, sie gehört werden und den Alltag aktiv mitgestalten können. Möglich macht das unter anderem der „Wichtig-Brief“, mit dem sie Wünsche, Anregungen oder Beschwerden bildlich und sprachlich mitteilen. Ob Flohmarkt, gemeinsames Kuchenbacken oder neue Ausflugsziele: Viele Impulse kommen direkt von den Kindern. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderrechte brachte das Team schließlich zur Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts: In der offenen Kita können die Kinder ihren Interessen frei nachgehen. Auch der Übergang in die Schule wird kindgerecht und behutsam begleitet. Durch wöchentliche Besuche in der Schule lernen die Kinder ihre zukünftige Klasse und Lehrkraft kennen. Das schafft Vertrauen und weckt Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt. Die Kita Moordamm zeigt, wie echte Mitbestimmung, gelebte Kinderrechte und starke Bildungskooperationen funktionieren und Kinder für eine selbstbestimmte Zukunft stärken.

    Das sagt die Jury

    Überzeugt hat die Jury, dass Kinder hier erleben, wie sehr ihre Meinung zählt. Mit dem „Wichtig-Brief“ bringen sie Wünsche und Beschwerden ein und die Erwachsenen gestalten den Kita-Alltag auf dieser Grundlage. Die Fachkräfte stärken aber nicht nur die Kinder darin, ihre Rechte zu kennen und anzuwenden, sondern sie selbst sind Vorbild: Mit Unterstützung ihres Teams setzt sich die Leitung dafür ein, dass gute Kindertagesbetreuung alle angeht – unter anderem mit einer Demonstration und einer Podiumsdiskussion, die öffentlich für Aufmerksamkeit sorgten. Das Team hat nicht nur die Kinder im Blick, sondern auch die eigenen Bedürfnisse. In einem umfangreichen Reflexionsprozess wurden Wege aus dem Stress erarbeitet. Ein einfaches Mittel: Ist jemand überfordert, wird ein Codewort genannt. Sicherheit und Vertrauen sind auch der Schlüssel beim Übergang von der Kita in die Schule. So begleiten die Bezugspersonen aus der Kita die angehenden Schulkinder, wenn sie Schnupperstunden in Deutsch in der Schule besuchen.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Systematische Umsetzung der Kinderrechte im Alltag und starkes partizipatives Beschwerdemanagement 

    Die Kita richtet ihren Alltag systematisch an den Interessen, Fragen und Bedürfnissen der Kinder aus. Schon in der Krippe erhalten die Jüngsten die Möglichkeit, sich im Haus zunehmend selbständig zu bewegen, eigene Ideen zu verfolgen und dabei Unterstützung zu erleben. Dieser selbstbestimmte Zugang wird über die gesamte Kita-Zeit hinweg gestärkt: Fachkräfte begleiten die Kinder aufmerksam, setzen Impulse, beobachten feinfühlig und verbalisieren Bedürfnisse, sodass Kinder sich gesehen und verstanden fühlen. Die pädagogische Haltung basiert darauf, dass Kinder aktive Gestalterinnen und Gestalter ihres Alltags sind, deren Perspektiven ernst genommen werden. 

    Ein zentraler Bestandteil ist, die Kinderrechte zu thematisieren und sichtbar zu machen. In Gesprächen, Projekten und Morgenkreisen werden die Rechte regelmäßig aufgegriffen, etwa durch das Format „Kinderrecht des Monats“. Zusätzlich entwickelte die Kita im Projekt „Kinderrechte im Fokus“ einen umfangreichen Kinderrechtekalender. Darin werden jeden Monat Kinderrechte vorgestellt; über QR-Codes können Audioaufnahmen abgerufen werden, in denen Kinder und Fachkräfte ihre Gedanken dazu teilen. Der Kalender ist zugleich Familienplaner und Informationsmedium für Eltern, so dass die Kinderrechte auch in den Familien zum Gesprächsthema werden. In der Krippe visualisiert der „Baum der Kinderrechte“, was den Jüngsten besonders wichtig ist. 

    Ein besonders wirkungsvolles Instrument ist der „Wichtig-Brief“, über den Kinder Wünsche, Ideen oder Beschwerden formulieren können. Die Fachkräfte unterstützen beim Schreiben, wenn nötig, greifen aber nicht inhaltlich ein. Die Wichtig-Briefe werden nach einem klaren, transparenten Verfahren bearbeitet, das Kinder jederzeit nachvollziehen können. Das stärkt ihr Recht darauf gehört zu werden, auf Beteiligung, und Beschwerde. Wie wirkungsvoll das Instrument ist, zeigt dieses Beispiel gelebter Partizipation und Selbstwirksamkeit: Ein Kind wünschte sich einen Ausflug ins Planetarium Hamburg. Aus diesem Wunsch entstand eine gruppenübergreifende Initiative. Die Kinder organisierten den Verkauf selbstgebastelter Dinge, führten Gespräche über Preise und Einnahmen und sammelten über Wochen das nötige Geld. Am Ende konnten sie ihren selbst geplanten Ausflug realisieren. 

    Auch im Alltag zeigt sich die Umsetzung der Kinderrechte: Kinder folgen drinnen und draußen ihren eigenen Ideen und Aufgaben. Die Fachkräfte stellen vielfältige Materialien, Spielzeuge, Medien und Naturerfahrungen bereit und schaffen Bedingungen, die zum Forschen, Ausprobieren und Verhandeln einladen. Regelmäßige Erkundungen der Umgebung, das Aufsuchen von Spielplätzen und Parks sowie die Verknüpfung von Innen- und Außenwelt fördern Bewegung, Selbstständigkeit und Entscheidungsfreiheit. So wird Kinderrechtebildung zu einem lebendigen Bestandteil des pädagogischen Alltags. 

    Übergang Kita–Grundschule 

    Die Kita bereitet die Kinder umfassend auf den Schulbesuch vor und orientiert sich an dem, was Kinder für einen gelungenen Übergang benötigen: Vertrauen, Neugier, Mut zum Fragenstellen, Umgang mit Unsicherheiten und das Bewusstsein für die eigenen Stärken. Die Schulvorbereitung ist eingebettet in alltägliche Situationen, Projekte und Erfahrungsräume, die Kindern Selbstvertrauen und Kompetenz vermitteln. 

    Ein zentrales Element der Übergangsgestaltung sind die vier Waldwochen pro Jahr, die jeweils zu einer anderen Jahreszeit stattfinden. In dieser Zeit verbringen die Vorschulkinder intensive Tage im Freien, entdecken Naturphänomene, lernen Risiken einzuschätzen, üben die Zusammenarbeit und stärken ihre motorischen Fähigkeiten. Die Natur dient als Lernraum, der Selbstwirksamkeit, das Problemlösen und Forschen fördert – Kompetenzen, die für den Schulstart von großer Bedeutung sind. 

    Darüber hinaus nehmen die Kinder von September bis Januar wöchentlich an zwei Unterrichtsstunden in der Grundschule teil. Die Deutschstunde wird von einer zukünftigen Lehrkraft gestaltet, die für dieses Kooperationsformat freigestellt ist. Anschließend findet das freiwillige Programm „Kindergartenkinder in die Schule“ statt, das spielerische Übergänge schafft. Die Kita organisiert zudem vorbereitende Elternabende, bei denen Erwartungen geklärt und Fragen beantwortet werden. Eltern berichten übereinstimmend, wie stark dieser abgestimmte Austausch ihren Kindern Sicherheit vermittelt und wie sehr er zur gelungenen Bewältigung des Übergangs beiträgt. 

    Politisches und fachpolitisches Engagement 

    Leitung und Team machen sich aktiv für bessere Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung stark. Sie scheuen sich nicht, politische Verantwortungsträgerinnen und -träger auf kommunaler und Landesebene anzusprechen, Missstände sichtbar zu machen und Verbesserungen einzufordern. Dieses Engagement ist im Alltag klar spürbar und wird von der gesamten Einrichtung getragen. 

    Die Kita initiierte eine öffentliche Demonstration und eine Podiumsdiskussion, die breite Aufmerksamkeit erzeugten und Eltern, Politik und Fachkräfte miteinander ins Gespräch brachten. Dadurch wurde deutlich, wie sehr die Kita sich als aktiver Teil eines gesellschaftlichen Diskurses versteht. Zusätzlich engagiert sich die Leitung in der „Vereinigung der Kita-Leitungen Schleswig-Holstein“, wo sie ihre fachliche Position einbringt: „Wir müssen deutlich machen: Kita betrifft uns alle, es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Diese Haltung zeigt, dass die Einrichtung strukturelle Herausforderungen nicht nur benennt, sondern aktiv an Lösungen mitwirkt. 

    Gezielte stärkenorientierte Förderung und Empowerment 

    Die Kita verfolgt einen konsequent stärkenorientierten Ansatz. Kinder sollen entdecken, was sie gut können, und dies weiter ausbauen. Die Fachkräfte dokumentieren und reflektieren individuelle Stärken systematisch und schaffen Lerngelegenheiten, in denen Kinder ihre Kompetenzen sichtbar zeigen. Ein zentrales Instrument ist die „Kompetenzsonne“: Gemeinsam mit dem Kind tragen Fachkräfte auf die Blütenblätter ein, was das Kind gut kann – vom Klettern über Fahrradfahren bis hin zu ersten schriftsprachlichen Fähigkeiten. Diese Visualisierung stärkt das Selbstbewusstsein und dient als Grundlage für weitere Förderprozesse. 

    Auch im Team steht Empowerment im Vordergrund. Belastende Situationen werden aktiv thematisiert und bearbeitet, um die pädagogische Qualität dauerhaft hochzuhalten. Mithilfe des Programms „Gut aufgehoben“ analysiert das Team seit 2023 Stress- und Überforderungssituationen und entwickelt alternative Handlungskompetenzen. Bereits 2022 wurde der Prozess angestoßen. Mitarbeitende verfügen über ein gemeinsames Codewort, das in Belastungssituationen genutzt wird, um Unterstützungsbedarf zu signalisieren. Auf Grundlage vielfältiger Methoden analysierten die Fachkräfte zentrale Alltagssituationen — etwa Essen, Sprache im Kita-Alltag oder das offene Konzept — aus verschiedenen Perspektiven. Durch Videoaufnahmen nach der Marte-Meo-Methode werden gelungene Interaktionen sichtbar gemacht und gestärkt; dies fördert die professionelle Selbstreflexion und Wertschätzung gegenüber der eigenen Arbeit. 

    Auch die Kinder werden im Bereich Abgrenzung und Selbstbehauptung gestärkt: Das Stoppsignal wird sowohl verbal als auch gestisch eingesetzt und gilt für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen. So erleben Kinder, dass Grenzen geachtet werden und sie selbst Einfluss auf Situationen nehmen können.