AWO Kindertagesstätte „Hanna Lucas“ Zweiter Platz 2018
Ort: Wedel Bundesland: Schleswig-Holstein Größe: 85 Kinder, 29 Mitarbeitende Träger: Arbeiterwohlfahrt Ortsverein Wedel e. V. Unsere Stärke: Beteiligung von Kindern und Mitarbeitenden
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Das Fundament qualitativ hochwertiger Kita-Arbeit sind gut qualifizierte und motivierte Fachkräfte. In der AWO Kindertagesstätte Hanna Lucas in Wedel bei Hamburg wird Teamarbeit deshalb seit mehr als 15 Jahren großgeschrieben. Doch nicht nur die Mitarbeiter werden an wichtigen Entscheidungen beteiligt, auch die Kinder reden mit. Seit 2009 hat der Kindergarten sogar eine eigene Verfassung, die auch ideeller Bestandteil der Arbeitsverträge ist. Sie legt zum Beispiel fest, dass regelmäßig Kinderkonferenzen stattfinden, die Vertreter in den Kindergartenrat entsenden dürfen. Zudem gibt es die sogenannte bunte Konferenz, in der alle Kinder und Mitarbeitenden zusammen mit interessierten Eltern und Trägervertretern entscheiden dürfen. Darüber hinaus arbeitet die Einrichtung mit anderen Organisationen in ihrer Umgebung zusammen. Sie integriert Elternberatungsangebote anderer Institutionen in den Tagesablauf. Die Kita engagiert sich auch im Hinblick auf das soziale Miteinander in der Nachbarschaft: Im Häkel-Büddel-Club der Einrichtung darf jeder mithäkeln – auch dann, wenn hier kein eigenes Kind oder Enkelkind betreut wird.
Das sagt die Jury
Kinderbeteiligung wird hier großgeschrieben, zum Beispiel durch einen Kinderrat.
Pädagogische Fachkräfte sind tatsächlich Mitlernende und Mitgestaltende des Bildungsprozesses zwischen Kindern und Fachkräften.
Die heilpädagogische Arbeit wird in den Kita-Alltag integriert und ist so einfühlsam und kindorientiert, dass sie tatsächlich Inklusion statt nur Integration ermöglicht.
Die Qualifikationen aller Mitarbeitenden werden gewinnbringend eingesetzt und kontinuierlich weiterentwickelt sowie für Beratungen genutzt.
Das Kita-Team setzt sich zudem für verbesserte Rahmenbedingungen im kommunalpolitischen Raum ein.
Ort: Tarp Bundesland: Schleswig-Holstein Handlungsfeld: Vernetzung aller Einrichtungen für eine lückenlose Bildungsbiografie Aktiv seit: 2012 Wirkungsradius: ländlicheGemeinde
Kontakt: BildungsCampus Tarp e. V., Judith Detlefsen (Koordinatorin), info[@]bildungscampus-tarp.de
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Im Norden Schleswig-Holsteins, nahe der dänischen Grenze, befindet sich im Herzen des Kreises Schleswig-Flensburg der Ort Tarp. Ländlich und doch verkehrsgünstig gelegen zwischen norddeutschen Städten wie Hamburg und Flensburg und Skandinavien zieht es immer mehr Familien an. Um den vielen Kindern ein möglichst umfassendes Bildungsangebot vor Ort zu ermöglichen, setzt die Gemeinde auf Vernetzung: So haben sich im BildungsCampus Kindergärten, Schulen, Jugend- und Freizeiteinrichtungen sowie kirchliche Träger zusammengeschlossen. Der aus einer politischen Initiative heraus entstandene Verein macht sich seit 2012 für eine lückenlose Bildungsbiografie aller Kinder stark. Der BildungsCampus bündelt die generationsübergreifenden Angebote nicht nur organisatorisch, sondern auch geografisch: Auf einem Gelände inmitten des Ortes liegen die Einrichtungen Tür an Tür, die Familien kommen hier zum Spielen und Lernen zusammen. Die Vernetzung geht jedoch weit über die Campusgrenzen hinaus. So laden regelmäßig deutsche und dänische Bildungsakteurinnen und -akteure gemeinsam zu Festen und Veranstaltungen ein. Auch ein fahrendes Spielmobil ist außerhalb des BildungsCampus in Tarp unterwegs. So können die Beteiligten die Bedürfnisse der Familien vor Ort gut erfassen. Die Kinder äußern ihre Wünsche auf kreative Art und Weise: Sie entwickeln derzeit einen Kinder-Stadtplan mit ihren Lieblingsorten, die es in Tarp sicher reichlich gibt.
Ort: Lauenburg/Elbe Bundesland: Schleswig-Holstein Größe: 155 Kinder, 39 Mitarbeitende Träger: WABE e.V. Unsere Stärke: Offene Pädagogik der Achtsamkeit und Kooperationen mit externen Partnern
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Ganz im Süden Schleswig-Holsteins, in der Schifferstadt Lauenburg/Elbe, befindet sich die Inklusive WABE-Kita. Hier bilden die drei Werte Zugehörigkeit, Wertschätzung und Mitbestimmung die Grundlage der pädagogischen Arbeit. Den Kindern bleibt viel unverplante Zeit und sie entscheiden selbst, ob sie in der Bastelwerkstatt, im Bewegungsraum, im Kunstraum, in der Holzwerkstatt oder im großzügigen Außengelände mit Wasser- und Matschbereich ihren individuellen Interessen und Wünschen nachgehen. Über die Grenzen der eigenen Einrichtung hinaus pflegt die Kita Kooperationen mit zahlreichen Partnern: In einem Seniorenheim begegnen sich die Generationen, im Schrebergarten können die Kinder die Natur entdecken, und gemeinsam mit der Weingartenschule bildet die Kita ein Kompetenzzentrum für Begabtenförderung. Als zertifiziertes Haus der kleinen Forscher setzen sich die Kinder zudem spielerisch mit wissenschaftlichen Fragen in der Alltagswelt auseinander.
Neben der Beteiligung der Kinder durch eine Kita-Verfassung, einen Kinderrat und Kinderkonferenzen werden auch die Eltern einbezogen und gefördert: Gewählte Elternvertreter unterstützen die Arbeit der Kita und werden durch den Träger zu Fragen des Kinderschutzes fortgebildet. Ihr Wissen geben sie an andere Mütter und Väter weiter und stehen bei Bedarf als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Öffnungs- und flexiblen Betreuungszeiten sind an die Arbeitswelt der Eltern angepasst und runden das Angebot ab.
Das sagt die Jury
Ein wichtiger und sichtbarer Fokus der Inklusiven WABE-Kita in Lauenburg sind die Bedürfnisse der Kinder. Den Kindern wird durch flexible Strukturen ermöglicht, den Tag nach ihren Vorstellungen und Wünschen zu gestalten und sich frei zu entfalten. Zudem ist das Team stets auf der Suche nach geeigneten und bedarfsorientierten Lösungen, um die Kinder individuell zu fördern und zu begleiten, beispielsweise beim Übergang von der Kita in die Schule.
Auch wenn es darum geht, die Familien und ihre Bedürfnisse in die tägliche Arbeit einzubeziehen, verfügt die Einrichtung über eine hohe Flexibilität. So werden den Eltern erweiterte Öffnungszeiten und individuelle Zeitmodelle selbstverständlich angeboten und Fachkräfte stehen mit ihnen in einem engen Austausch.
Eine zentrale Orientierung für die Gestaltung der Kita sind die gelebte Beteiligung von Kindern und die Umsetzung von Kinderrechten, die tief in der Konzeption der Einrichtung verankert sind. Beides verbinden die Fachkräfte mit einem umfassenden Inklusionsverständnis. In der WABE-Kita gibt es nicht nur eine Kita-Verfassung, sondern der Kinderrat wird im Alltag aktiv miteinbezogen. Er nimmt beispielsweise auch an einer Baubesprechung für neue Bäder selbstverständlich teil und entscheidet mit, wie sie neugestaltet werden sollen.
Das Konzept einer ganzheitlichen Bildung, Betreuung und Erziehung und dessen Umsetzung erweisen sich aufgrund der konsequenten und respektvollen Beteiligung von Kindern, Eltern, Fachkräften, Leitung und Träger als herausragendes Beispiel eines kindorientierten, qualitätsorientierten kompetenten Systems. Die Einrichtung ist beispielhaft für eine fest verankerte und ausgeprägte Kultur, in der das gesamte Team die Entwicklungen gemeinsam reflektiert, offen für Veränderung ist und sich durch eine hohe Eigenmotivation und Verantwortung sowohl für das eigene Handeln als auch die gemeinsame pädagogische Praxis auszeichnet.
Ort: Kiel Bundesland: Schleswig-Holstein Größe: 108 Kinder, 40 Mitarbeitende Träger: Pädiko e.V. Unsere Stärken: Gelebte Reggio-Pädagogik, Fokus auf den Interessen und Rechten der Kinder, Kreatives Gestalten (auch mit digitalen Medien)
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Die Kieler Förde bildet einen Knotenpunkt für zahlreiche Kreuzfahrten. Auch die Kinder der PädikoKita Colorito gehen hier täglich auf Entdeckungsreise: Als Expertinnen und Experten ihres Stadtteils zeigen sie den Fachkräften bei den gemeinsamen Streifzügen immer wieder neue Orte. Ein beliebtes Ziel ist der benachbarte Spielplatz, für den die Kita eine Patenschaft übernommen hat. Aus Begegnungen in der Kieler Innenstadt, auch mit Obdachlosen, entstehen Projekte, in denen sich die Kinder mit der Gleichwertigkeit aller Menschen befassen. Gemeinsam mit dem multiprofessionellen Team bearbeiten hier schon die Jüngsten vielfältige Themen. Die Fachkräfte gestalten ihre Arbeit nach der Reggio-Pädagogik und lassen sich von den Stärken, Interessen und Rechten der Kinder inspirieren – und die münden immer wieder in spannenden Projekten. Brennende Fragen sammeln die Kinder auf einer Wichtig-Wand, besprechen sich dazu im Morgenkreis und geben so jeden Tag die Richtung vor.
Ort: Lübeck Bundesland: Schleswig-Holstein Handlungsfeld: Integration, Sprachförderung, frühkindliche Bildung Aktiv seit: 2017 Wirkungsradius: Kleinere Großstadt
Kontakt: Hansestadt Lübeck / VHS Lübeck, Mona Gippert (Kommunale Koordinatorin der Bildungsangebote für Neuzugewanderte), mona.gippert[@]luebeck.de
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An der Ostsee, in der Hansestadt Lübeck, hat es sich das Netzwerk „Mama lernt Deutsch“ zur Aufgabe gemacht, Müttern mit Migrationsgeschichte und deren Kleinkindern durch einen niedrigschwelligen Spracherwerb mehr Teilhabe zu ermöglichen. Die Initiative besteht aus einem Kernbündnis, dem die Volkshochschule und die Frühen Hilfen Lübeck, die Familienzentren der Hansestadt, das Projekt „Brücken-Einstieg“ sowie Akteurinnen und Akteure aus dem Sozialraum, wie Nachbarschaftsbüros und andere angehören. In kleinen Gruppen, die von einer Sprachlehrkraft und einer pädagogischen Fachkraft geleitet werden, erhalten Frauen und ihre Kinder in einem geschützten Rahmen passgenaue Sprachlernangebote, um im neuen Alltag gut und schnell anzukommen: So erkunden sie gemeinsam den Stadtteil, lernen die vielfältigen Möglichkeiten vor Ort kennen und erlangen ganz praktisch und alltagsnah Zugang zur deutschen Sprache, Kultur und Gesellschaft.
Ort: Tarp Bundesland: Schleswig-Holstein Handlungsfeld: Generationsübergreifende Bildungsangebote, Vernetzung der Bildungseinrichtungen vor Ort Aktiv seit: 2012 Wirkungsradius: Kleine Kleinstadt
Kontakt: BildungsCampus Tarp e. V., Judith Detlefsen (Koordinatorin), info[@]bildungscampus-tarp.de
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Hoch oben im Norden Schleswig-Holsteins, direkt an der Grenze zu Dänemark, liegt das Städtchen Tarp. Hier hat man eine starke Bildungsgemeinschaft gegründet, die allen Tarper Bürgerinnen und Bürgern, unabhängig ihres Hintergrunds oder Alters, zugutekommen soll. Das Ergebnis: Alle Bildungseinrichtungen vor Ort – von den Kitas, Grundschulen und der Bibliothek über die Volkshochschule bis hin zum Seniorenzentrum und dem Sportverein – sind inzwischen Teil des BildungsCampus Tarp. Gemeinsam wurden viele institutionsübergreifende Projekte und Angebote geschaffen, wie beispielsweise Lese- und Vorleseprojekte in Kita und Schule oder Gewaltpräventionsangebote. Vor allem profitieren die Jüngsten in den Kitas von den Aktivitäten des Bündnisses: Die Fachkräfte haben mehr Zeit für die pädagogische Arbeit, weil sich die Bündniskoordinatorin um alles Organisatorische kümmert. Formate wie Kita-Schwimmkurse, Kindertheater oder das Spielmobil bieten den Familien zudem Spaß und Abwechslung im Alltag.
Das sagt die Jury
Der nördlichste Finalist hat im Auswahlprozess die Jury von sich überzeugen können. Sie lobte besonders, welchen Stellenwert Kindorientierung und ihre Beteiligung in der Arbeit des Bündnisses einnehmen: Kinder werden als Akteure gesehen, die vielfältige Möglichkeiten haben, sich einzubringen. Außerdem ist es dem Bildungscampus Tarp e. V. vorbildlich gelungen, in kurzer Zeit eine professionelle Struktur aufzubauen, sodass auch die vielfältigen Herausforderungen des ländlichen Raums sehr gut bewältigt werden.
Die Begründung unserer Jury in voller Länge
Dem Bündnis gelingt eine vor allem für den ländlichen Raum beeindruckende Sozialraumorientierung. So umfasst der Bildungscampus alle Bildungsakteur:innen (Schulen und Kitas) in Tarp und darüber hinaus wichtige zivilgesellschaftliche Vertreter:innen, .u.a. aus der Vereinslandschaft, dem Senior:innenbeirat und der Politik. Auch Eltern werden über einen Elternbeirat in die Vereinsarbeit integriert. Das Bündnis in Tarp ist auf herausragende Art und Weise im Sozialraum verankert und verfügt über eine sehr enge Anbindung an die politischen Entscheidungsträger:innen.
Die Partnerschaft der Bündnis-Akteur:innen ist gelebte Augenhöhe: Sie denken nicht in Zuständigkeiten, sondern in gemeinsamer Verantwortung. Dies zusammengenommen ist für die Jury hervorragende Grundlage nachhaltiger Bündnisarbeit.
Dem Bündnis ist es in sehr kurzer Zeit gelungen, eine hochprofessionelle und nachhaltige Arbeitsstruktur zu etablieren, indem es ein gemeinsames Organisationskonzept erarbeitet und beschlossen hat, das Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten klar definiert. Eine große Besonderheit ist, dass das Bündnis als Verein organisiert ist (Bildungscamps Tarp e.V.), in dem alle Bündnisakteur:innen mit je einem Platz vertreten sind und der Bürgermeister 1. Vorsitzender ist.
Dem Bündnis gelingt es zudem hervorragend, ein internationales Miteinander in hoher Selbstverständlichkeit in dänischer Grenznähe zu gestalten. Es verbindet dabei sowohl alle relevanten Institutionen als auch die Lebensphasen der Menschen miteinander. Es zeigt eindrücklich, welche Bedeutung der Kommunalpolitik und kommunalen Verwaltung zukommt, und hat damit Leuchtturmcharakter für die deutsche Bildungslandschaft.
Das Tarper Bündnis war bereits 2019 unter den Finalist:innen des Deutschen Kita-Preises. Besonders beeindruckt hat die Jury, wie es dem Bündnis gelungen ist, die Rückmeldungen aufzugreifen und kreativ und zum Wohl der Kinder und ihrer Familien umzusetzen. Herausragend ist hierbei insbesondere die Weiterentwicklung im Bereich Partizipation. Das Bündnis bietet vielfältige Partizipationsmöglichkeiten für Kinder und ihre Familien. U.a. eine Kindersprechstunde beim Bürgermeister und die Einrichtung des institutionenübergreifenden Elternbeirats mit Sitz im Verein.
Die Bedarfe der Kinder und Familien werden direkt und unvermittelt erhoben und daraus kluge Strategien entwickelt, um die Lebenswelt der Kinder mit den Kindern ressourcenorientiert zu gestalten. Hier trifft Tatkraft auf Lebensfreude!
Das Bündnis in Tarp zeigt in beeindruckender Art und Weise, was eine kleine Stadt im ländlichen Raum erreichen kann, wenn alle miteinander zum Wohle der Kinder an einem Strang ziehen.
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Als Erwachsene auf die Stimmen der Kinder achten und sie ernst nehmen, lautet die Devise im schleswig-holsteinischen Netzwerk Ahrensbök. Das Bündnis geht selbst mit bestem Beispiel voran: Es beteiligt die Kinder an Friedensdemonstrationen im Ort, Aktionen für Kinderrechte sowie an einem Theaterprojekt zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Mit Initiativen wie „Heute schon mit deinem Kind gesprochen?“ reagieren die Akteur*innen in Ahrensbök auf Beschwerden von Kita-Kindern und sensibilisieren die Eltern für deren Belange. Deutschkurse mit Kinderbetreuung, ein interkulturelles Frühstück sowie eine Lesegruppe bringen Familien mit und ohne Migrationshintergrund zusammen. Um allen Kindern in der ländlich geprägten Region ideale Bildungs- und Teilhabechancen zu eröffnen, arbeiten Familienzentrum, Kitas, Tagesmütter, Frühe Hilfen, Schulen und Jugendpflege Hand in Hand. Zudem sorgt das Bündnis dafür, dass auch die Öffentlichkeit die Wünsche und Fähigkeiten der Kinder besser wahrnimmt.
Ort: Schleswig Bundesland: Schleswig-Holstein Größe: 40 Kinder, 13 Mitarbeitende Träger: Dansk Skoleforeningen for Sydslesvig e.V. Unsere Stärken: Minderheitenpädagogik, reflektierte Kommunikationsmethoden, Beteiligung, Digitalisierung der pädagogischen Arbeit
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Warm eingemummelt und durch eine Markise vor Wind und Wetter geschützt schlafen die Kinder in der Schleswiger Krippe Karlsson Vuggestue mittags draußen. Das ist im nahegelegenen Dänemark üblich – und als Einrichtung der dänischen Minderheit lebt man hier Kultur und Sprache des nördlichen Nachbarlandes. Die Fachkräfte begleiten die Kinder beobachtend und gestalten den Alltag nach deren Interessen. Dabei soll sich jeder einbringen können: Spezielle Babyzeichen helfen den unter Dreijährigen, ihre Bedürfnisse auszudrücken. Im Singkreis wählen die Kinder etwa mit dem gelben Auto oder der Kuh aus dem Musikkoffer ihr Wunschlied aus. Neben stärkenorientierten Gesprächen oder dänischen Kochkursen erhalten die Eltern täglich via App Fotos und Texte aus dem Krippen-Alltag. So erfahren sie, ob ihr Kind heute etwa Apfelmus gekocht oder mit dem Lastenrad einen Ausflug gemacht hat – und wissen beim Abholen, woran Fachkräfte und Kinder beim typischen Abschied „Tak for i dag“ (Danke für heute) denken.
Ort: Bad Oldesloe Bundesland: Schleswig-Holstein Größe: 80 Kinder, 18 Mitarbeitende Träger: Ev.-freikirchliche Kindertageseinrichtungen Bad Oldesloe-Mölln e.V. Unsere Stärke: bedürfnisorientierte Pädagogik, Kinderrechte, Kooperation Kita-Schule
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In der Kita Moordamm steht die Selbstbestimmung der Kinder im Mittelpunkt. Sie erleben täglich, dass ihre Ideen zählen, sie gehört werden und den Alltag aktiv mitgestalten können. Möglich macht das unter anderem der „Wichtig-Brief“, mit dem sie Wünsche, Anregungen oder Beschwerden bildlich und sprachlich mitteilen. Ob Flohmarkt, gemeinsames Kuchenbacken oder neue Ausflugsziele: Viele Impulse kommen direkt von den Kindern. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderrechte brachte das Team schließlich zur Weiterentwicklung des pädagogischen Konzepts: In der offenen Kita können die Kinder ihren Interessen frei nachgehen. Auch der Übergang in die Schule wird kindgerecht und behutsam begleitet. Durch wöchentliche Besuche in der Schule lernen die Kinder ihre zukünftige Klasse und Lehrkraft kennen. Das schafft Vertrauen und weckt Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt. Die Kita Moordamm zeigt, wie echte Mitbestimmung, gelebte Kinderrechte und starke Bildungskooperationen funktionieren und Kinder für eine selbstbestimmte Zukunft stärken.
Das sagt die Jury
Überzeugt hat die Jury, dass Kinder hier erleben, wie sehr ihre Meinung zählt. Mit dem „Wichtig-Brief“ bringen sie Wünsche und Beschwerden ein und die Erwachsenen gestalten den Kita-Alltag auf dieser Grundlage. Die Fachkräfte stärken aber nicht nur die Kinder darin, ihre Rechte zu kennen und anzuwenden, sondern sie selbst sind Vorbild: Mit Unterstützung ihres Teams setzt sich die Leitung dafür ein, dass gute Kindertagesbetreuung alle angeht – unter anderem mit einer Demonstration und einer Podiumsdiskussion, die öffentlich für Aufmerksamkeit sorgten. Das Team hat nicht nur die Kinder im Blick, sondern auch die eigenen Bedürfnisse. In einem umfangreichen Reflexionsprozess wurden Wege aus dem Stress erarbeitet. Ein einfaches Mittel: Ist jemand überfordert, wird ein Codewort genannt. Sicherheit und Vertrauen sind auch der Schlüssel beim Übergang von der Kita in die Schule. So begleiten die Bezugspersonen aus der Kita die angehenden Schulkinder, wenn sie Schnupperstunden in Deutsch in der Schule besuchen.
Die Begründung unserer Jury in voller Länge
Systematische Umsetzung der Kinderrechte im Alltag und starkes partizipatives Beschwerdemanagement
Die Kita richtet ihren Alltag systematisch an den Interessen, Fragen und Bedürfnissen der Kinder aus. Schon in der Krippe erhalten die Jüngsten die Möglichkeit, sich im Haus zunehmend selbständig zu bewegen, eigene Ideen zu verfolgen und dabei Unterstützung zu erleben. Dieser selbstbestimmte Zugang wird über die gesamte Kita-Zeit hinweg gestärkt: Fachkräfte begleiten die Kinder aufmerksam, setzen Impulse, beobachten feinfühlig und verbalisieren Bedürfnisse, sodass Kinder sich gesehen und verstanden fühlen. Die pädagogische Haltung basiert darauf, dass Kinder aktive Gestalterinnen und Gestalter ihres Alltags sind, deren Perspektiven ernst genommen werden.
Ein zentraler Bestandteil ist, die Kinderrechte zu thematisieren und sichtbar zu machen. In Gesprächen, Projekten und Morgenkreisen werden die Rechte regelmäßig aufgegriffen, etwa durch das Format „Kinderrecht des Monats“. Zusätzlich entwickelte die Kita im Projekt „Kinderrechte im Fokus“ einen umfangreichen Kinderrechtekalender. Darin werden jeden Monat Kinderrechte vorgestellt; über QR-Codes können Audioaufnahmen abgerufen werden, in denen Kinder und Fachkräfte ihre Gedanken dazu teilen. Der Kalender ist zugleich Familienplaner und Informationsmedium für Eltern, so dass die Kinderrechte auch in den Familien zum Gesprächsthema werden. In der Krippe visualisiert der „Baum der Kinderrechte“, was den Jüngsten besonders wichtig ist.
Ein besonders wirkungsvolles Instrument ist der „Wichtig-Brief“, über den Kinder Wünsche, Ideen oder Beschwerden formulieren können. Die Fachkräfte unterstützen beim Schreiben, wenn nötig, greifen aber nicht inhaltlich ein. Die Wichtig-Briefe werden nach einem klaren, transparenten Verfahren bearbeitet, das Kinder jederzeit nachvollziehen können. Das stärkt ihr Recht darauf gehört zu werden, auf Beteiligung, und Beschwerde. Wie wirkungsvoll das Instrument ist, zeigt dieses Beispiel gelebter Partizipation und Selbstwirksamkeit: Ein Kind wünschte sich einen Ausflug ins Planetarium Hamburg. Aus diesem Wunsch entstand eine gruppenübergreifende Initiative. Die Kinder organisierten den Verkauf selbstgebastelter Dinge, führten Gespräche über Preise und Einnahmen und sammelten über Wochen das nötige Geld. Am Ende konnten sie ihren selbst geplanten Ausflug realisieren.
Auch im Alltag zeigt sich die Umsetzung der Kinderrechte: Kinder folgen drinnen und draußen ihren eigenen Ideen und Aufgaben. Die Fachkräfte stellen vielfältige Materialien, Spielzeuge, Medien und Naturerfahrungen bereit und schaffen Bedingungen, die zum Forschen, Ausprobieren und Verhandeln einladen. Regelmäßige Erkundungen der Umgebung, das Aufsuchen von Spielplätzen und Parks sowie die Verknüpfung von Innen- und Außenwelt fördern Bewegung, Selbstständigkeit und Entscheidungsfreiheit. So wird Kinderrechtebildung zu einem lebendigen Bestandteil des pädagogischen Alltags.
Übergang Kita–Grundschule
Die Kita bereitet die Kinder umfassend auf den Schulbesuch vor und orientiert sich an dem, was Kinder für einen gelungenen Übergang benötigen: Vertrauen, Neugier, Mut zum Fragenstellen, Umgang mit Unsicherheiten und das Bewusstsein für die eigenen Stärken. Die Schulvorbereitung ist eingebettet in alltägliche Situationen, Projekte und Erfahrungsräume, die Kindern Selbstvertrauen und Kompetenz vermitteln.
Ein zentrales Element der Übergangsgestaltung sind die vier Waldwochen pro Jahr, die jeweils zu einer anderen Jahreszeit stattfinden. In dieser Zeit verbringen die Vorschulkinder intensive Tage im Freien, entdecken Naturphänomene, lernen Risiken einzuschätzen, üben die Zusammenarbeit und stärken ihre motorischen Fähigkeiten. Die Natur dient als Lernraum, der Selbstwirksamkeit, das Problemlösen und Forschen fördert – Kompetenzen, die für den Schulstart von großer Bedeutung sind.
Darüber hinaus nehmen die Kinder von September bis Januar wöchentlich an zwei Unterrichtsstunden in der Grundschule teil. Die Deutschstunde wird von einer zukünftigen Lehrkraft gestaltet, die für dieses Kooperationsformat freigestellt ist. Anschließend findet das freiwillige Programm „Kindergartenkinder in die Schule“ statt, das spielerische Übergänge schafft. Die Kita organisiert zudem vorbereitende Elternabende, bei denen Erwartungen geklärt und Fragen beantwortet werden. Eltern berichten übereinstimmend, wie stark dieser abgestimmte Austausch ihren Kindern Sicherheit vermittelt und wie sehr er zur gelungenen Bewältigung des Übergangs beiträgt.
Politisches und fachpolitisches Engagement
Leitung und Team machen sich aktiv für bessere Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung stark. Sie scheuen sich nicht, politische Verantwortungsträgerinnen und -träger auf kommunaler und Landesebene anzusprechen, Missstände sichtbar zu machen und Verbesserungen einzufordern. Dieses Engagement ist im Alltag klar spürbar und wird von der gesamten Einrichtung getragen.
Die Kita initiierte eine öffentliche Demonstration und eine Podiumsdiskussion, die breite Aufmerksamkeit erzeugten und Eltern, Politik und Fachkräfte miteinander ins Gespräch brachten. Dadurch wurde deutlich, wie sehr die Kita sich als aktiver Teil eines gesellschaftlichen Diskurses versteht. Zusätzlich engagiert sich die Leitung in der „Vereinigung der Kita-Leitungen Schleswig-Holstein“, wo sie ihre fachliche Position einbringt: „Wir müssen deutlich machen: Kita betrifft uns alle, es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Diese Haltung zeigt, dass die Einrichtung strukturelle Herausforderungen nicht nur benennt, sondern aktiv an Lösungen mitwirkt.
Gezielte stärkenorientierte Förderung und Empowerment
Die Kita verfolgt einen konsequent stärkenorientierten Ansatz. Kinder sollen entdecken, was sie gut können, und dies weiter ausbauen. Die Fachkräfte dokumentieren und reflektieren individuelle Stärken systematisch und schaffen Lerngelegenheiten, in denen Kinder ihre Kompetenzen sichtbar zeigen. Ein zentrales Instrument ist die „Kompetenzsonne“: Gemeinsam mit dem Kind tragen Fachkräfte auf die Blütenblätter ein, was das Kind gut kann – vom Klettern über Fahrradfahren bis hin zu ersten schriftsprachlichen Fähigkeiten. Diese Visualisierung stärkt das Selbstbewusstsein und dient als Grundlage für weitere Förderprozesse.
Auch im Team steht Empowerment im Vordergrund. Belastende Situationen werden aktiv thematisiert und bearbeitet, um die pädagogische Qualität dauerhaft hochzuhalten. Mithilfe des Programms „Gut aufgehoben“ analysiert das Team seit 2023 Stress- und Überforderungssituationen und entwickelt alternative Handlungskompetenzen. Bereits 2022 wurde der Prozess angestoßen. Mitarbeitende verfügen über ein gemeinsames Codewort, das in Belastungssituationen genutzt wird, um Unterstützungsbedarf zu signalisieren. Auf Grundlage vielfältiger Methoden analysierten die Fachkräfte zentrale Alltagssituationen — etwa Essen, Sprache im Kita-Alltag oder das offene Konzept — aus verschiedenen Perspektiven. Durch Videoaufnahmen nach der Marte-Meo-Methode werden gelungene Interaktionen sichtbar gemacht und gestärkt; dies fördert die professionelle Selbstreflexion und Wertschätzung gegenüber der eigenen Arbeit.
Auch die Kinder werden im Bereich Abgrenzung und Selbstbehauptung gestärkt: Das Stoppsignal wird sowohl verbal als auch gestisch eingesetzt und gilt für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen. So erleben Kinder, dass Grenzen geachtet werden und sie selbst Einfluss auf Situationen nehmen können.
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