• Bündnis Hochfeld

    Bündnis Hochfeld

    Bündnis Hochfeld
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Duisburg
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Teilhabe und Zugang zum Bildungssystem, Übergang von Kita zu Grundschule, niedrigschwellige Elternangebote
    Aktiv seit: 2017
    Wirkungsradius: Stadtteil
    Partner: DRK-Familienbildungswerk, Jugendamt, städtische Ämter, Kitas, Schulen, Frühe Hilfen, kommunales Integrationszentrum

    Kontakt: DRK-Familienbildungswerk Duisburg, Anna Žalac (Leiterin), anna.zalac[@]drk-duisburg.de

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    Der kinderreiche Stadtteil Duisburg-Hochfeld ist geprägt von verschiedensten Lebenswelten. Hier unterstützt das Bündnis Hochfeld Familien, oft mit Zuwanderungsgeschichte oder Fluchterfahrung, im Stadtteil und der dortigen Bildungslandschaft anzukommen. Dafür setzt das DRK-Bildungswerk mit Kitas, Schulen, Ämtern, Behörden und anderen Verbündeten zahlreiche Angebote um. So erhalten Kinder zum Beispiel Kita-Plätze, die im Jahresverlauf frei werden. Ist dies nicht möglich, erleichtert der „begleitete Schulanfang“ den Schulstart: Im Jahr vor der Einschulung bauen die Kinder in drei Kursen pro Woche direkt in der neuen Schule Feinmotorik und Sprache auf, lernen die Einrichtung und Lehrkräfte kennen. Eltern üben in Sprachkursen oder Elterncafés alltagsintegriert Deutsch, knüpfen neue Kontakte und werden beraten. Alle Unterstützungsangebote sind leicht zugänglich und werden von Muttersprachler:innen oder Dolmetschenden begleitet. Selbst während der Pandemie war das Bündnis mit einer Fensterberatung in acht Sprachen für die Familien da.

    Das sagt die Jury

    Das aus der Zivilgesellschaft heraus entstandene Bündnis agiert in einem hoch belasteten Stadtteil. Die Akteur:innen arbeiten hier mit großer Motivation stärkenorientiert und mit Tatendrang zusammen. Eine lebensnahe und anpackende Bündnisarbeit sorgt für Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Die Mitarbeitenden des Duisburger Bündnisses gehen dorthin, wo auch die Kinder sind – sei es direkt in die Wohnungen oder auf Spiel- und Marktplätze.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das zivilgesellschaftlich initiierte Bündnis agiert in einem hoch belasteten Stadtteil, in dem die Akteur:innen in ungebrochener Motivation stärkenorientiert und mit hohem Engagement zusammenarbeiten. Das Bündnis leistet einen großen Beitrag dafür, dass Kinder in diesem Quartier eine Chance auf Teilhabe erhalten und kennt seinen Sozialraum sehr gut. Es arbeitet täglich unter erschwerten Bedingungen und verliert das Ziel, Beteiligung zu fördern, nicht aus dem Blick. Es trägt in vorbildlicher Weise dazu bei, dass die Angebote bei den Adressat:innen das Erleben von Selbstwirksamkeit befördern.  

    Die vielfältigen Angebotsformate und Projekte sind an den besonderen Bedarfen und Lebenswelten der Kinder und Familien orientiert, wodurch das Bündnis vorbildlich niedrigschwellige Zugänge auch zu schwer erreichbaren Familien schafft und allen Kindern Bildungsgelegenheiten bietet. 

    Als Beispiel hervorzuheben ist etwa die ausgeprägte „Geh-Struktur“, indem es sich selbst direkt zu den Orten aufmacht, an welchen es die Kinder und Familien automatisch antrifft – direkt an den Wohnungen, auf Ämtern und in der Verwaltung, auf Spiel- und Marktplätzen oder bei Ärzt:innen. Auch mit der Fensterberatung während der Lockdowns hat das Bündnis beeindruckt: Die Fenster des DRK Familienbildungswerks wurden genutzt, um in verschiedenen Sprachen niedrigschwellig vom Bürger:innensteig aus Beratungen anzubieten. Und mit dem Pavillon der Frühen Hilfen platziert sich das Bündnis beispielsweise mitten in der Fußgängerzone. 

    Die Projekte des Bündnisses knüpfen kultursensibel an die unterschiedlichen Lebenswelten der Familien an: Durch Vertrauensaufbau werden auch bildungsbenachteiligte Familien und Familien mit Fluchterfahrung und damit Kinder erreicht, die sonst wenige Berührungspunkte mit dem frühen Bildungssystem oder außerfamiliäre Kontakte haben. Das Bündnis setzt dabei bewusst Bündnisakteur:innen als Schlüsselpersonen ein, um Familien und Kinder im Sozialraum zu erreichen (durch geteilte Kulturerfahrungen/Sprachen). 

    Im Familiengrundschulzentrum werden auch Mittel der Frühen Hilfen eingesetzt und so mit Angeboten für ältere Kinder verknüpft. Dies ist ein innovativer Ansatz, der auch die Übergänge in das Bildungssystem unterstützt. 

    Die Jury hebt die praxisorientierte Arbeitsweise hervor, bei der über verschiedene Akteur:innen und bestehende Kooperationen sehr direkt konkrete Angebote geschaffen werden (Hands-On-Mentalität). 

  • Kulturkitas Dortmund

    Kulturkitas Dortmund

    Kulturkitas Dortmund
    Zweiter Platz 2022

    Ort: Dortmund
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Chancengleichheit durch kulturelle Teilhabe, Förderung von Erziehungspartnerschaften
    Aktiv seit: 2018
    Wirkungsradius: Stadtteil, Stadt
    Partner: Kitas, Kulturbüro Dortmund, Gisbert-von-Romberg-Berufskolleg, kommunaler Kita-Träger FABIDO, Kultureinrichtungen, Kunstschaffende

    Kontakt: Kulturbüro Stadt Dortmund, Susanne Henning (Referentin), shenning[@]stadtdo.de

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    Bunt geht es zu in Dortmund: Das städtische Kulturbüro, der Träger FABIDO, ein Berufskolleg und 12 Kitas aller Träger haben sich als Bündnis zertifizierter Kulturkitas zusammengeschlossen. Gemeinsam mit Kunstschaffenden und kulturellen Einrichtungen eröffnen sie den Kindern im gesamten Stadtgebiet Räume, in denen sie Tanz, Theater oder Kunst erleben und selbst gestalten können. In den Kitas laden Materialien, Instrumente und Kostüme in eigens eingerichteten Bereichen ein, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Den Ton geben oft die Kinder an: Bei Theaterstücken besetzen sie etwa die Rollen, wählen Themen und bauen Bühnenbilder. Die Stadtteile und ihre Museen, Theater & Co werden gemeinsam erkundet, wobei die Kinder immer wieder auf eigene Werke stoßen: So haben sie in ihrem Umfeld schon Stromkästen und Pumpwerke verschönert. Über die Bündnis-Angebote erhalten vor allem auch Eltern Zugang zum Kulturleben der Stadt und können ihre Erfahrungen und Talente einbringen. So führen Kunst und Kultur die Menschen in Dortmund zusammen.

    Das sagt die Jury

    Kreativität wird hier als Zukunftskompetenz gesehen, die Teilhabe und Chancengerechtigkeit ermöglicht. Das Bündnis bietet den Kindern auf kreative Art und Weise vielfältige Entfaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Von Theaterprojekten, die Kinder und auch Eltern beteiligen, über Leseangebote in verschiedenen Sprachen bis hin zu Museumsbesuchen mit Kindern als Kunstreporter:innen ist Vieles dabei.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Es ist beeindruckend, wie das Gesamtkonzept Kulturelle Bildung der Stadt Dortmund als Anlass genommen wurde, um dieses Bündnis ins Leben zu rufen und mit vielen kreativen Ideen zu füllen. 

    Die Kooperation zwischen Kulturbüro, Kitas, der Fachschule für Sozialpädagogik und Kunstschaffenden vereint das Beste aus verschiedenen Welten und das, obwohl das Bündnis noch vergleichsweise jung ist und der Großteil der Bestehenszeit in die Pandemie fällt (besteht seit 2018). 

    Der Brückenschlag zwischen der vielfältigen Kulturlandschaft in Dortmund und der frühkindlichen Bildung ist sehr gelungen, nachhaltig und inspirierend. Eine innovative Idee, Kinder an kulturelle Bildung heranzuführen und sie selbstverständlich in ihrem Alltag zu verankern. 

    Kulturelle Bildung – mit einem sehr breiten Kulturverständnis – wird als verbindendes Element verstanden, um alle Bildungsbereiche lebendig zu gestalten und Kindern durch Kreativität vielfältige Entfaltungs- sowie Ausdrucksmöglichkeiten zu geben und das Denken in viele Richtungen anzuregen. Nicht nur musisch-ästhetisch, sondern auch kultursensibel und sprachbildend. 

    Beeindruckende Beispiele aus der Bündnis-Arbeit sind etwa Theaterprojekte, die in allen Schritten Kinder und auch Eltern beteiligen (inkl. Aufführung im Dortmunder U), Leseangebote in verschiedenen Sprachen, zum Teil von den Eltern als Hörbuch eingesprochen, oder Museumsbesuche mit Kindern als Kunstreporter:innen, um sie einerseits mit den Kunstwerken vertraut zu machen und sie andererseits mit digitalen Medien in Kontakt zu bringen. 

    Kinder selbst sind die Kulturmittler:innen zwischen Elternhaus, Kita und Museum und machen vielfältige Erfahrungen mit ihrer Selbstwirksamkeit. 

    Die Arbeit in Dortmund zeichnet sich durch die klaren Kriterien für die Beteiligung aus, die einerseits Einheitlichkeit bieten und dennoch ausreichend Raum für unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen in den einzelnen Kitas lassen. 

    Jede Kulturkita bindet ihren Sozialraum konkret ein, greift Impulse auf und gestaltet ihn mit – durch zum Beispiel die Gestaltung von Stromkästen mit Kindern oder die Etablierung von Kooperationen mit Künstler:innen. So wird der kulturelle Sozialraum auch Kindern und Familien zugänglich. In Dortmund stehen die Angebote für die Kinder dabei im Zentrum. 

    Kreativität wird als Zukunftskompetenz gesehen, die Teilhabe und Chancengerechtigkeit ermöglicht.

  • Familienzentren im Arnsberger Modell

    Familienzentren im Arnsberger Modell

    Familienzentren im Arnsberger Modell
    Erster Platz 2022

    Ort: Arnsberg
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Familienbegleitung, Netzwerk aller Familienzentren, Kinderschutz
    Aktiv seit: 2006
    Wirkungsradius: Mittelstadt
    Partner: Familienzentren, Kindertageseinrichtungen, Trägervertretungen, Fachberatungen, Jugendamt, Jugendhilfeplanung, Stadtverwaltung, Kommunales Integrationszentrum, Beratungsstellen

    Kontakt: Familienzentrum Altstadt, Silvia Herklotz (Leitung), familienzentrum.altstadt[@]arnsberg.de

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    Die Stadt Arnsberg im nordrhein-westfälischen Sauerland hat 15 Stadtteile. Um die Familien in diesem heterogenen Umfeld ganzheitlich zu unterstützen, vernetzt das Bündnis Familienzentren im Arnsberger Modell die Angebote im gesamten Stadtgebiet. Gemeinsam erarbeiten die Familienzentren mit Kooperationspartnern und anderen sozialen Einrichtungen trägerübergreifende Strategien, die allen Kindern und Eltern zugutekommen. Jedes der 15 Familienzentren hat eine Kinderschutz-Fachkraft und bietet unter anderem offene Spiel- und Bewegungsangebote, Streitschlichtungskurse, Beratungsgespräche sowie spezielle Vater-Kind-Aktionen. Alles ist passgenau auf die Bedarfe in den jeweiligen Sozialräumen zugeschnitten: So fokussieren manche Familienzentren auf die Integration von armutsgefährdeten Familien oder Menschen mit Fluchterfahrung, andere auf Angebote für Kinder, deren Eltern berufstätig sind. So erhalten alle Kinder in Arnsberg die gleichen Chancen.

    Das sagt die Jury

    Die Initiative richtet sich nach den Bedürfnissen der Menschen in ihrem Stadtteil und entwickelt passgenaue Angebote für die Bewohner:innen. Die Familienzentren im Arnsberger Modell haben es sich zum Ziel gesetzt, allen Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen. Dafür hat sich das Bündnis die Verwirklichung der Kinderrechte auf die Fahne geschrieben. So gab es beispielsweise einen Kinderrechte-Tag, der durch verschiedene Aktionen und Banner für öffentliche Aufmerksamkeit sorgte. Auch strukturell ist das Bündnis vorbildlich aufgestellt und zeigt eine hervorragende Organisation, die sich im Prozess weiterentwickelt. Die Jury lobt die vielen unterschiedlichen Kommunikations- und Organisationselemente wie die Entwicklung einer Bündnis-App für Smartphones oder Beratungen als „Walk- and Talk”-Angebot, aber auch die festgelegten und verbindlichen Bündnis-Standards. Die Familienzentren im Arnsberger Modell sind somit auf bemerkenswerte Weise unabhängig von einzelnen Personen und dadurch tragfähig und zukunftsweisend aufgestellt.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    In Arnsberg agieren 15 Familienzentren unter einem gemeinsamen Konzept als Bündnis mit verschiedenen Akteur:innen im Sozialraum. Dass sich so viele Einrichtungen unterschiedlicher Träger als ein Team betrachten, ist bemerkenswert. Hier wird trägerübergreifendes Arbeiten vorbildlich sowie in hoher Professionalität und Qualität umgesetzt. 

    Das Bündnis agiert unter Berücksichtigung der sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen und unterstützt Familien, die in einem sozial prekären Umfeld wohnen ebenso wie Familien, die in Einfamilienhaussiedlungen leben. Die Bedarfslagen und Bedürfnisse der Menschen im Quartier bestimmen die fachliche Ausrichtung – dies trifft in Arnsberg sowohl auf die Inhalte als auch auf die Form der Leistungen der Familienzentren zu und schafft lebensnahe sowie zum Sozialraum und seinen Bewohner:innen passende Angebote. Das Bündnis handelt nicht nur im Sozialraum, sondern gestaltet ihn aktiv mit.  

    Die gemeinsam erarbeiteten Standards sind nicht starr, sondern ermöglichen ein spezifisches, passgenaues Agieren in unterschiedlichen Sozialräumen, so dass die Einrichtungen eigene Schwerpunkte je nach örtlichem Bedarf setzen. Dass es für alle Beteiligten Raum für Weiterentwicklung und Wachstum gibt, ist eine große Stärke des Arnsberger Modells. 

    Die Jury sieht in Arnsberg eine hohe Innovationskraft: Die Akteur:innen nutzten die Vorgaben des Landesprogramms als Sprungbrett. Sie adaptierten sie nach den Bedarfen vor Ort so, dass sie passgenau für die Kinder und Familien im Sozialraum sind und heben sie auf ein neues Niveau. Durch die Weiterentwicklung wurde aus einem „Top-Down-Projekt“ mit allgemeinen Vorgaben ein „Bottom-Up-Projekt“ der beteiligten Kitas und Fachkräfte. Die Art und Weise, wie hier der Rahmen eines Landesprogramms genutzt und mit Leben gefüllt wurde, um eigene Strukturen und Angebote zu entwickeln, kann anderen Bündnissen oder Einrichtungen als großartiges Vorbild dienen. 

    Eine Besonderheit des Arnsberger Modells ist, dass die teilnehmenden Familienzentren von den bereitgestellten Mitteln maximal 50 Prozent für Personal aufwenden dürfen. Der Rest muss direkt in Aktivitäten für Kinder und Familien fließen. Dieser Ansatz trägt mit dazu bei, dass das Arnsberger Bündnis sich durch eine besondere Kindorientierung auszeichnet. 

    Die Richtschnur des Handelns in Arnsberg ist es, allen Kindern ein gutes Aufwachsen in ihren Lebenswelten zu ermöglichen. Das Bündnis hat sich dabei explizit die Verwirklichung der Kinderrechte auf die Fahnen geschrieben. Diese prägen nicht nur die Programmatik, sondern werden auch in konkreten Produkten und Angeboten aufgegriffen. 

    Neben der alltäglichen Arbeit findet sich die Umsetzung der Kinderrechte beispielsweise in einem gemeinsamen Kinderrechte-Tag, der nicht nur öffentliche Aufmerksamkeit für die Kinderrechte schuf (durch Banner und Aktionen), sondern bei dem auch – die Wünsche der Kinder aufnehmend – eine große Kirmes veranstaltet wurde. 

    Partizipation wird in Arnsberg großgeschrieben und gelebt! Hier haben die Meinungen der Kinder eine Stimme. Das zeigt sich einerseits im alltäglichen Handeln (Übernahme kleiner Aufgaben und altersgemäßer Verantwortung, Beschwerdemanagement), aber auch darin, wie bei besonderen Wünschen der Kinder (Kirmes) keine Mühen gescheut werden, um diese zu verwirklichen. 

    Das Bündnis ist auch strukturell beispielhaft aufgestellt und zeigt eine hervorragend strukturierte Organisation, die sich im Prozess weiterentwickelt. Die Jury lobt die vielen unterschiedlichen Kommunikations- und Organisationselemente, aber auch die festgelegten und verbindlichen Bündnis-Standards wie Qualitätszirkel, Kompetenzteams, Arbeitskreise, Befragungen. Das Bündnis ist somit auf bemerkenswerte Weise unabhängig von einzelnen Personen und dadurch tragfähig und zukunftsweisend aufgestellt. 

    Beeindruckend ist auch die Ausgestaltung der vielfältigen Förderkurse für Kinder und das Angebot der facettenreichen Abenteuerformate. 

    Sowohl die Akteur:innen als auch die Eltern und Kinder werden proaktiv in die Gestaltung und Entwicklung der Angebote des Bündnisses eingebunden und haben vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv in das Bündnishandeln einzubringen. Über verschiedene Formate können Stimmen und Meinungen niedrigschwellig eingebracht und in praktisches Handeln überführt werden. Einige erwähnenswerte Beispiele sind Elternbefragungen, Eltern-Cafés, Einbindung in Ausgestaltung von Angeboten, Fortbildungen für Fachkräfte, Kinderbefragungen. 

  • Verbund Solinger Kinderstuben

    Verbund Solinger Kinderstuben

    Verbund Solinger Kinderstuben
    Finalist 2023

    Ort: Solingen und zehn weitere Kommunen
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Kulturelle Vielfalt, rassismuskritische und gendersensible Pädagogik, Mehrsprachigkeit, Partizipation, Inklusion, Stärkung Resilienz, Qualifizierungsangebote
    Aktiv seit: 2016
    Wirkungsradius: Kommunenübergreifend
    Partner: 28 Kitas von 21 Trägern, reguläre Fachberatungen, Marte Meo Supervisorinnen NRW, externe Fachreferenten, Winzig Stiftung Wuppertal, lokale Kooperationspartner

    Kontakt: Solinger Kinderstuben gGmbH, Martina Schaab (Fachberatung Sprach-Kitas), fbsprach-kitas.schaab[@]solinger-kinderstuben.de

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    In Nordrhein-Westfalen, in der Region Bergisches Land bis zum südlichen Ruhrgebiet, macht sich der Verbund Solinger Kinderstuben für bildungsbenachteiligte Familien und Kinder stark. Im Bündnis arbeiten 28 Kitas, 21 Träger, Stiftungen und weitere Akteur*innen aus benachbarten Kommunen zusammen. Ob mit Gebärden die Jüngsten im Alltag begleiten oder mit Piktogrammen im Morgenkreis den Tagesablauf bestimmen – das Bündnis ermöglicht die Teilhabe aller Kinder. Zudem arbeiten die pädagogischen Fachkräfte mit Marte Meo – einer Methode, die Entwicklungsprozesse im Alltag unterstützt. Das Bündnis beherzigt nicht nur die Interessen und Bedarfe der Kinder von Anfang an, sondern auch ihre Kulturen und Sprachen: Zusammen mit Eltern gestaltet es etwa Sprachspielgruppen oder organisiert im Projekt „Rucksack-Kita“ mehrsprachige, kulturvielfältige Treffen und Feste mit den Familien. So setzt sich das Bündnis für bestmögliche Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Familien ein – und das in insgesamt elf Kommunen. 

  • ZUSi – Zukunft früh sichern!

    ZUSi – Zukunft früh sichern!

    ZUSi – Zukunft früh sichern!
    Zweiter Platz 2023

    Ort: Gelsenkirchen-Ückendorf
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Kinderarmut, Armutsprävention, Chancengerechtigkeit, Talentförderung, Übergang Kita-Schule
    Aktiv seit: 2019
    Wirkungsradius: Stadtteil
    Partner: RAG-Stiftung, Stadt Gelsenkirchen für Kultur, Bildung, Jugend, Sport und Integration, Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. Frankfurt, Kita-Leitungen, Bildungsbegleitungen​

    Kontakt: Gelsenkirchener Kindertagesbetreuung – GeKita, Sebastian Gerlach (Projektkoordination), sebastian.gerlach[@]gekita.de

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    Kinderarmut und fehlende Chancengerechtigkeit frühzeitig erkennen und ihnen entgegenzuwirken ist Ziel des Bündnisses ZUSi – Zukunft früh sichern! in sieben städtischen Kitas in Gelsenkirchen-Ückendorf. Armutsprävention und Talentförderung von Vier- bis Sechsjährigen sowie ein erfolgreicher Übergang von der Kita in die Grundschule stehen im Mittelpunkt. Aus einem nicht einsehbaren Tauschschrank können sich Familien diskret Kleidung, Spielsachen und Medien nehmen, in der „ZUSI-App“ haben sie alle Angebote auf einen Blick und können sich niedrigschwellig anmelden. Jedes Kind kann sich in den Bereichen Kunst, Kultur, Bewegung und Naturwissenschaft ausprobieren und seine Interessen entdecken. Mit einer alltagsorientierten Betrachtung der Lebenswelten erkennen die Fachkräfte Stärken und Förderbedarfe der Kinder und gleichen diese mit den Ressourcen der Familien ab, um weiter zu unterstützen. Durch die intensive Betreuung erleben die Kinder Erfolge und individuelle Bestärkung und ihre Eltern werden aktiv miteinbezogen.

    Das sagt die Jury

    Beispielhaft gestaltet das Gelsenkirchener Bündnis verlässliche Strukturen, um in einem belasteten Stadtteil hochwertige Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten. Zu Recht, findet die Jury, wird es als Modell für armutssensibles Handeln in der frühen Bildung wahrgenommen. Beeindruckend ist der differenzierte Ansatz zur Armutsprävention und Talentförderung, der bei den Kita-Kindern beginnt. Durch die vielfältige Reflexion und wissenschaftliche Begleitung der Bündnisarbeit können neue Erkenntnisse hervorragend weiterentwickelt und übertragen werden.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das Gelsenkirchener Bündnis ist ein hervorragendes Beispiel für die Gestaltung verlässlicher Strukturen in einem hoch belasteten Stadtteil, das zu Recht als Modell für armutssensibles Handeln im frühkindlichen Bereich wahrgenommen wird. Es möchte den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungs- und Lernchancen durchbrechen und qualitativ hochwertige und vielseitige Entwicklungsmöglichkeiten anbieten. Das Bündnis leistet so einen wichtigen Beitrag für die Bildungsgerechtigkeit.

    Beeindruckend ist der Ansatz zur Armutsprävention – mit einem sehr differenzierten Blick auf Kinderarmut – und der Talentförderung, beginnend im frühen Stadium der Bildungsbiographie von Kindern in den Kitas. Dies gelingt auch durch eine Stärkung des Übergangs Kita-Schule.

    Das Bündnis arbeitet dabei ressourcen- und kompetenzorientiert und macht die identifizierten Lerndispositionen und Lebenslagen des Kindes zum Ausgangspunkt der pädagogischen Praxis. Dabei hat es verschiedene Handlungsstrategien und Tools zur Armutsprävention und zur Talentförderung: Das Lebenslagenmodell zur ganzheitlichen Betrachtung der Situation der Kinder, den „Gelsenkirchener Entwicklungsbegleiter“ zur dialogischen Kompetenzentwicklung und Bildungsbegleiter*innen zur Entwicklungsförderung der Kinder auf allen Ebenen.

    Es gibt vielfältige Formate der Reflexion und sogar eine wissenschaftliche Begleitung, die die Bündnisarbeit evaluiert, neue Erkenntnisse auch zu armutssensibler Pädagogik generiert und so den Grundstein für Übertragbarkeit, Weiterentwicklung und Verstetigung legt. Die Weiterführung des Ansatzes in die Grundschule ist ein großartiger Schritt der Übertragung, der bereits gegangen wurde.

    Die vom Bündnis entwickelte ZUSi-App findet die Jury ein spannendes und inspirierendes Tool mit großer Reichweite, auch über die Angebote der frühkindlichen Einrichtungen hinaus in den Sozialraum zu wirken und kostenlose Angebote vorzustellen. Auch Elternbefragung und -beteiligung wird über die App umgesetzt.

  • Familienzentrum und integrative Kita Purzelbaum

    Familienzentrum und integrative Kita Purzelbaum

    Familienzentrum und integrative Kita Purzelbaum
    Finalist 2023

    Ort: Jülich
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Größe: 30 Kinder, 8 Mitarbeitende
    Träger: Kindertagesbetreuung Kreismäuse AöR
    Unsere Stärken: Inklusion, Heilpädagogik, individuelle Familienbegleitung, tiergestützte Pädagogik, Partizipation

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    Für einen sanften Kita-Start lernen die Fachkräfte der integrativen Kita Purzelbaum in Jülich die Familien schon vor der Eingewöhnung in deren Zuhause kennen. So können sie gut auf die Bedürfnisse der Eltern und Kinder, ob mit oder ohne besonderem Förderbedarf, eingehen. Alle entscheiden am Morgen selbst, wo und was sie spielen – von Sandtisch und Bällebad über Garten und Turnhalle bis hin zu den Gruppenräumen steht ihnen alles offen. Mit Gebärden, Gesten und Piktogrammen verständigen sie sich über körperliche, geistige und sprachliche Unterschiede hinweg und gestalten den vielfältigen Alltag aktiv mit. Die niedrigschwelligen Therapie-, Bildungs- und Beratungsangebote der Kita, die gleichzeitig Familienzentrum ist, kommen allen Kindern und Familien zugute. Besonders beliebt sind die Ruhe-Einheiten mit den Stabheuschrecken, das Reitprojekt oder Besuche von Henne Leonie und ihren Hühner-Freundinnen. Ein gefeiertes Zirkusprojekt zeigt einmal mehr: Hier findet jedes Kind seinen Platz.

  • Bündnis Dortmunder Nordstadt

    Bündnis Dortmunder Nordstadt

    Bündnis Dortmunder Nordstadt
    Erster Platz 2024

    Ort: Dortmund
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Förderung des Spracherwerbs und der Medienkompetenz von Kindern, Fortbildung der Fachkräfte in den Bereichen Diversität, Rassismus und Gewaltprävention
    Aktiv seit: 2010
    Wirkungsradius: Quartier
    Partner: FABIDO, Familienbildung Dortmund, uzwei, Kunstreich im Pott e.V., Kitas sowie weitere Kooperationspartnerinnen und -partner je nach Jahresthema

    Kontakt: Kunstreich im Pott e.V., Ulrike Korbach (1. Vorsitzende, Gesamtprojektkoordinatorin), ulrikekorbach[@]web.de

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    „Und Action!“ – in den Kitas der Dortmunder Nordstadt arbeiten jedes Jahr Kita-Kinder an einem Filmprojekt. Das Bündnis Dortmunder Nordstadt hat sich die Förderung von Medienkompetenz und Spracherwerb auf die Fahne geschrieben. Dafür arbeiten Künstler*innen und pädagogische Fachkräfte Seite an Seite zusammen: Verschiedene Themen wie Missbrauchsprävention, Gefühle, Selbstbestimmung oder der eigene Körper werden in Workshops mit Kindern und Eltern bearbeitet. Einmal im Jahr wird dafür ein Film an einer Kita produziert. Drei- bis Sechsjährige erstellen ein eigenes Drehbuch, animieren ihren Film und produzieren die Musik. Am Ende wird ihr Film im Kino oder auf Filmfestivals ausgestrahlt, zu denen das Bündnis zusammen mit den Familien reist. In den vergangenen Jahren holten sie sogar Preise beim Deutschen Jugendfilmpreis und dem Deutschen Multimediapreis. Zusammen mit dem Bündnis Dortmunder Nordstadt gehen Kinder und Eltern selbstbewusst nicht nur in den Kinosaal, sondern auch ins Leben.

    Das sagt die Jury

    Das Bündnis begegnet Kindern und ihren Familien stärkenorientiert und auf Augenhöhe. Kinder werden in ihren individuellen Potenzialen stets gefördert. Dem Bündnis gelingt es hervorragend die Kinder in einem hochbelasteten Stadtteil durch niedrigschwellige Bildungsangebote für Kunst und Kultur zu begeistern und sie diese auch aktiv mitgestalten zu lassen. Das Bündnis nutzt kreative Formate, um Sprachförderung und kulturelle Teilhabe zu kombinieren und gleichzeitig wichtige Themen wie Rassismus, Gewaltprävention und Diversität aufzugreifen. Ein Paradebeispiel für Partizipation: Kinder sind die Hauptakteur*innen und entscheiden, inwieweit sie die Erwachsenen in ihre Projekte einbeziehen. Sie erarbeiten selbst die Ideen und Geschichten für ihre Filmprojekte und bestimmen aktiv, wie sie sich einbringen möchten. Die ausgeprägte Multiprofessionalität macht das Bündnis so stark. Kita-Teams und Kulturschaffende arbeiten eng zusammen. Jeder und jede bringt hierbei seine individuellen Stärken ein. Das Lernen im Prozess wird als Bereicherung erlebt und vorgelebt. Das eigene Wirken wird beständig mit Blick auf etwaige Diskriminierungsmomente und strukturelle Rassismen reflektiert. Mögliche Stereotype werden so aktiv bewusst gemacht und abgebaut.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das Bündnis Dortmunder Nordstadt zeichnet sich durch eine breite Palette an Lern- und Fördermöglichkeiten für Kinder und Familien aus. Durch die enge Zusammenarbeit eines multiprofessionellen Teams, das neben pädagogischen Fachkräften auch Künstler*innen und Theaterpädagog*innen umfasst, wird die Arbeit mit den Kindern und Familien um verschiedene Perspektiven erweitert. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, kreative und vielfältige Lernmethoden zu entwickeln, die den unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen der Kinder gerecht werden. Künstler*innen bringen ihre Expertise in den Bereichen Musik, bildende und darstellende Kunst ein, was den Kindern neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet und ihre Kreativität fördert. Theaterpädagog*innen wiederum schaffen Räume, in denen Kinder durch Rollenspiele und Inszenierungen Selbstbewusstsein und soziale Fähigkeiten entwickeln.

    Dieser Ansatz fördert nicht nur die künstlerische Entfaltung der Kinder, sondern trägt auch zur Sprachentwicklung und emotionalen Intelligenz bei. Durch kreative Ausdrucksformen wie Malen, Schauspielern und Musizieren können Kinder ihre Gedanken und Gefühle auf nonverbale Weise mitteilen, was besonders für Kinder mit Sprachbarrieren oder geringen Deutschkenntnissen von großer Bedeutung ist. Die pädagogischen Fachkräfte bringen dabei ihre Erfahrung im Bereich der kindlichen Entwicklung und Sprachförderung ein, wodurch eine ganzheitliche Förderung erfolgt, die sowohl kognitiv als auch emotional und sozial wirkt.

    Die enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachkräften führt zu einem intensiven Austausch von Ideen und Methoden. Das kommt nicht nur den Kindern zugute, sondern bildet auch die Fachkräfte selbst weiter. Diese Vielfalt an Perspektiven sorgt dafür, dass jedes Kind auf individuelle Weise angesprochen wird, wodurch eine inklusive und differenzierte Förderung gewährleistet ist. Das Resultat ist eine reichhaltige und dynamische Lernumgebung, in der die Kinder in ihrem eigenen Tempo wachsen können, unterstützt von einem Team, das sowohl die künstlerischen als auch die pädagogischen Potenziale voll ausschöpft.

    Kulturelle Angebote wie Kunst, Theater und Musik werden auch genutzt, um eine Brücke zu den Eltern zu bauen. Dadurch können diese nicht nur die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder unterstützen, sondern auch deren spezifische Talente entdecken. Durch die eröffneten Zugänge erfährt oft die gesamte Familie mehr Teilhabe am kulturellen Leben. Das Bündnis setzt einen besonderen Akzent auf die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund durch gezielte Medien- und Kulturprojekte, die über Medienkompetenz hinaus auch die Resilienz, das Zusammengehörigkeitsgefühl und ein wertschätzendes Miteinander stärken.

    Das Engagement aller Beteiligten in der Bündnisarbeit ist besonders wertvoll. Die offene Haltung und das Zusammenwirken unterschiedlicher Professionen schaffen eine lebendige, vertrauensvolle und lernorientierte Atmosphäre. Kitas arbeiten nicht isoliert, sondern als Teil eines Teams, das kooperiert und gemeinsam an Lösungen arbeitet. Die Partizipation der Kinder steht im Mittelpunkt: Die Kinder sind die Hauptakteur*innen und entscheiden selbst, wie sie sich einbringen möchten, aber auch in welchem Umfang sie die Erwachsenen in ihre Projekte einbeziehen. Sie entwickeln eigenständig Ideen und Geschichten für Filmprojekte und bestimmen aktiv, wie sich ihr Projekt entfaltet. Durch kreative Formate werden Sprachförderung und kulturelle Teilhabe kombiniert, während gleichzeitig wichtige Themen wie Rassismus, Gewaltprävention und Diversität auf fachlicher Ebene behandelt werden.

    Die Präsentation der von den Kindern erstellten Filme in Kinos und auf Festivals ist etwas ganz Besonderes und stärkt das Selbstbewusstsein und das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Durch nonverbale Interaktionsformate wird eine gleichberechtigte Teilnahme aller Kinder ermöglicht. Das Bündnis trägt mit seiner Arbeit somit zu einer authentischen und diskriminierungsarmen Partizipation bei.

    Trotz schwieriger Rahmenbedingungen gelingt es dem Bündnis, durch ressourcenorientierte und kreative Bildungsangebote die Talente der Kinder zu fördern und sie in ihrer Resilienz zu stärken. Die enge Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen und pädagogischen Fachkräften schafft einen produktiven Austausch, der sowohl den Kita-Alltag als auch die künstlerischen Prozesse bereichert. Auch die Familien der Kinder werden in das kulturelle Leben einbezogen, was die gesamte familiäre Teilhabe stärkt. Das Bündnis ist ein beeindruckendes Beispiel für multiprofessionelle Zusammenarbeit. Es fördert nicht nur die Talente der Kinder, sondern eröffnet auch neue Horizonte durch Kunst und Kultur. Besonders bemerkenswert ist der kreative Ansatz, der es Kindern und ihren Familien ermöglicht, auf einer ganz neuen Ebene teilzuhaben, zu lernen und zu wachsen.

  • Blau-Weißer Bewegungsraum

    Blau-Weißer Bewegungsraum

    Blau-Weißer Bewegungsraum
    Zweiter Platz & DGB-Zusatzpreis 2025

    Ort: Bochum
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: körperliche und psychosoziale Entwicklung durch Bewegungsförderung, ganzheitliche Gesundheitsbildung, Teilhabe
    Aktiv seit: 2022
    Wirkungsradius: verschiedene Stadtteile
    Partner: VfL Bochum 1848, Ruhr-Universität Bochum, Jugend- und Gesundheitsamt, Vonovia und Stadtwerke Bochum, Kitas, DFL Stiftung

    Kontakt: VfL Bochum 1848 Fußballgemeinschaft e.V., Angelina Biela (Bewegungskoordinatorin), biela[at]vfl-bochum.de

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    Der VfL Bochum lässt nicht nur die Herzen seiner Fans höherschlagen, sondern auch die vieler Kita-Kinder: Um dem zunehmenden Bewegungsmangel entgegenzuwirken und Familien für Gesundheitsthemen zu gewinnen, gab der Verein 2022 den Anstoß für den Blau-Weißen Bewegungsraum. Das Bündnis bringt jede Woche rund 800 Kinder in der Ruhrstadt in Schwung. Dabei geht es um weit mehr als ums Kicken: Beim Tanzen, bei Koordinations- oder bei Ballspielen entdecken die Kinder ihre Stärken und finden ohne Leistungsdruck heraus, was ihnen Spaß macht. Mit Piktogrammen wählen sie ihre Lieblingsübungen aus dem vielfältigen Programm aus und entscheiden so aktiv mit. Zur ganzheitlichen Förderung sind die Bewegungseinheiten spielerisch mit Ernährungs- und Umweltthemen verknüpft. Um die Angebote passgenau zu gestalten, ist das gesamte Bündnis mit am Ball: Kita-Fachkräfte sowie Jugend- und Gesundheitsamt bringen ihr Wissen über die Lebensbedingungen und konkreten Bedürfnisse in den heterogenen Quartieren ein. Die Ruhr-Universität begleitet das Konzept wissenschaftlich, Sportstudierende leiten die Übungen und lokale Unternehmen sponsern die Angebote. So tragen in dem eingespielten Team alle dazu bei, Kinder fit für die Zukunft zu machen.

    Das sagt die Jury

    Überzeugt hat die Jury, dass der VfL Bochum mit dem Bündnis „Blau-Weißer Bewegungsraum“ niedrigschwellig Familien erreicht, Vertrauen schafft und sie für Bewegung begeistert. Dem Bündnis gelingt auch der Zugang zu Kindern aus sozial benachteiligten Wohngebieten. Sportstudierende trainieren jede Woche rund 1.500 Kinder in 60 Einrichtungen. Ob Tanzen oder Ballspiele – mit Piktogrammen wählen die Kinder ihre Übungen aus und entscheiden aktiv mit. Ohne Leistungsdruck werden sie in dem gestärkt, was sie können. Kita-Fachkräfte sowie Jugend- und Gesundheitsamt tauschen sich aus, um die Bedarfe der Kinder zu ermitteln und passgenaue Angebote zu gestalten. Die Ruhr-Universität begleitet das Konzept und lokale Unternehmen sponsern die Angebote. So trägt jeder in dem eingespielten Team dazu bei, dass alle Kinder in Bochum gute Startchancen haben.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Zugang zu Familien schaffen – Gemeinschaft und Teilhabe stiften 

    Das Bündnis überzeugt durch seine besondere Fähigkeit, verlässliche Zugänge zu Kindern und Familien zu schaffen und damit Gemeinschaft sowie soziale Teilhabe zu ermöglichen. Die vielfältigen Bewegungsangebote eröffnen Lern- und Erfahrungsräume, in denen Kinder spielerisch miteinander in Kontakt treten und soziale Fähigkeiten entwickeln können. Dabei werden motorische und psychosoziale Förderung eng miteinander verbunden, so dass gesundheitliche Entwicklung, Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl gleichermaßen gestärkt werden.  

    Sprachliche Hürden bestehen nicht: Die Trainerinnen und Trainer arbeiten individuell und sensibel mit den Gruppen, nutzen nonverbale Methoden und ermöglichen so eine natürliche, alltagsintegrierte Sprachförderung, wie Kitas ausdrücklich zurückmelden. 

    Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt in der Beteiligung des VfL Bochum, der als starker und vertrauter Akteur Identifikation, Verlässlichkeit und positive Emotionen stiftet. Der Verein dient als Türöffner, insbesondere für Familien in Risikolagen, die sonst nur schwer erreicht würden. Nahezu jede Familie in der Stadt verbindet etwas Positives mit dem VfL, was den Zugang erleichtert und Vertrauen schafft.  

    In enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Ämtern werden gezielt Sozialräume ausgewählt, in denen Sozial- und Gesundheitsdaten einen erhöhten Bedarf erkennen lassen. Dadurch rückt das Bündnis gerade jene Stadtgebiete in den Fokus, in denen Kinder am stärksten von Armut und gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind.  

    Mit rund 1.500 erreichten Kindern pro Woche in 60 Einrichtungen entfaltet das Bündnis eine hohe und vor allem flächendeckende Reichweite. Die Begeisterung der Kinder zeigt sich unmittelbar: Viele warten bereits an den Fenstern, wenn die Trainerinnen und Trainer – ein Ausdruck starker Bindung und hoher Beziehungsqualität. 

    Freude an der Bewegung steht im Mittelpunkt 

    Im Zentrum der Arbeit steht die Freude an Bewegung – nicht Leistung, nicht Wettbewerb, sondern das individuelle Erleben von Spaß, Ausdruck und Selbstwirksamkeit. Die Angebote sind polysportiv, freudebetont und flexibel gestaltet, so dass jedes Kind die Bewegungsform finden kann, die zu ihm passt. Die Trainerinnen und Trainer richten ihre Einheiten sowohl nach den Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe als auch der einzelnen Kinder aus. Zu Beginn wird oft abgefragt, wie es den Kindern geht, beispielsweise mithilfe von Farben oder Karten. Die Kinder haben dann die Möglichkeit, über ihr aktuelles Befinden zu berichten. Es wird sich bewusst die Zeit genommen sie erzählen zu lassen, ihnen den Raum zu geben. Die Kinder dürfen dann auf Grundlage der Stimmungsbilder das Programm und die folgenden Angebote mitbestimmen. Die Übungen werden entsprechend spontan angepasst – sei es mit auspowernden Aktivitäten oder ruhigen, entspannenden Formaten. 

    Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden gezielt und feinfühlig unterstützt. Die Trainerinnen und Trainer investieren in Beziehung und Vertrauen, um echte Teilhabe zu ermöglichen. So berichtet ein Trainer von einem Jungen mit schwierigen familiären Bedingungen und ungenutztem Potenzial, der motorisch noch nicht so weit war und außerhalb kaum gefördert wurde. Gerade für solche Kinder, so betont er, müsse das Bündnis da sein – damit auch sie Anschluss finden, beispielsweise bei der Sportsozialisation in der Grundschule.  

    Bewegungsangebote wie ein eher ruhiges Kastanienspiel mit dem Fokus Schleichen oder intensive Übungen nach dem Motto „Bewege dich wie ein Tier“ zeigen die Vielfalt und Niedrigschwelligkeit des Ansatzes. Fußball spielen die Kinder beim Blau-Weißen-Bewegungsraum natürlich auch – aber nur wenn Sie selbst darauf Lust haben.  

    Lebensweltorientierung durch systematische Analyse der Sozialraumdaten 

    Das Bündnis arbeitet datengestützt und lebensweltorientiert. Die systematische Nutzung von Sozialraumdaten – unter anderem Sozialindexdaten des Jugendamts und Gesundheitsdaten des Gesundheitsamts – wird mit den Beobachtungen der pädagogischen Fachkräfte aus den Kitas kombiniert. Auf dieser Grundlage entstehen Angebote, die präzise auf die Bedarfe einzelner Sozialräume und spezifischer Kita-Gruppen zugeschnitten sind. Unterschiedliche Herausforderungen führen so zu unterschiedlichen, passgenauen Lösungen. 

    Die Rückkopplung erfolgt dabei strukturiert und regelmäßig. Kitas geben standardisierte Rückmeldungen an die Bündniskoordination; zusätzlich findet ein enger Austausch zwischen Trainerinnen und Trainern sowie den Kita-Teams statt. Diese kontinuierlichen Rückmeldeschleifen ermöglichen eine dynamische Weiterentwicklung und stellen sicher, dass Angebote stets nah an den Lebenswelten der Kinder bleiben. 

    Systematische Weiterentwicklung 

    Zur Stabilität und Qualität des Bündnisses tragen zudem ein breit aufgestelltes Fundament sowie die systematisch eingesetzten Instrumente der Weiterentwicklung bei.  

    Die Ruhr-Universität Bochum begleitet das Bündnis wissenschaftlich und liefert wertvolle Impulse, die sowohl in die Ausgestaltung einzelner Angebote als auch in die strategische Weiterentwicklung einfließen. So sind in den vergangenen Jahren mehrere (sportwissenschaftliche) Abschlussarbeiten im Rahmen der Bündnisarbeit entstanden, die ganz konkrete Impulse sowohl zur Weiterentwicklung der einzelnen Angebote vor Ort wie auch der der Weiterentwicklung des Bündnisses insgesamt gegeben haben. Ergänzend sorgen jährliche qualitative Befragungen der Kitas sowie vierteljährliche Feedbackgespräche mit Kita-Leitungen und pädagogischen Fachkräften für eine kontinuierliche Reflexion der Praxis. Die Ergebnisse werden konsequent aufgegriffen und in die Arbeit integriert. 

    Das Bündnis vereint vielfältige Stakeholder, die jeweils spezifische Perspektiven und Ressourcen einbringen. Der VfL Bochum fungiert als Türöffner und Identifikationsanker, die städtischen Ämter stellen Daten und Analysen bereit, die Kitas bieten unmittelbaren Zugang zur Zielgruppe, die Universität liefert wissenschaftliche Expertise und Begleitung, weitere Verantwortliche unterstützen mit Spenden und Netzwerken. Dadurch entsteht ein außergewöhnlich robustes und wirkungsvolles Netzwerk, das die Entwicklung der Kinder ebenso stärkt wie die Weiterentwicklung der Qualität in der frühkindlichen Bildung vor Ort. 

    Das sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Zusatzpreis

    Gute Arbeit und starke Teams entstehen dort, wo Menschen mit Respekt, Vertrauen und echter Teilhabe zusammenwirken. Wo es auf die Stärken jedes Einzelnen ankommt und alle die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Genau deshalb wird der Zusatzpreis „Attraktivität der Arbeit“ des DGB 2025 für gelingende Partizipation und Mitbestimmung von Beschäftigten und Partnerinnen und Partnern im Bündnis verliehen. Hier hat uns der Blau-Weiße Bewegungsraum rundum überzeugt.

    Das Bündnis schafft ein Arbeitsumfeld mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten, einer offenen Kommunikationskultur und gemeinschaftsfördernden Aktivitäten. Dies stärkt den Zusammenhalt und die Freude an der Bündnisarbeit. Für seinen Einsatz, die Gesundheit, Bewegung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu fördern, und die authentische Verankerung von Partizipation und Mitbestimmung im Bündnis erhält der Blau-Weiße Bewegungsraum den DGB-Preis „Attraktivität der Arbeit“ 2025.

    Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kitas, Stadtverwaltung, Wissenschaft und der Wirtschaft bildet das Fundament für die Bündnisarbeit. Ebenso die eigene Nachhaltigkeitsstrategie, die sich insbesondere auf soziale Vielfalt, gesellschaftliche Verantwortung und Ökologie konzentriert. Um die aktive Einbindung und Mitgestaltung aller Beteiligten zu gewährleisten, stellt der Blau-Weiße Bewegungsraum vielfältige Strukturen und Ressourcen bereit. Regelmäßige Netzwerktreffen, Austauschrunden und Umfragen sichern den kontinuierlichen Dialog. Inhaltliche Themen wie auch persönliche Anliegen werden stets aufgegriffen und fließen in die Weiterentwicklung der Bündnisarbeit ein.

    Regelmäßig nehmen die Übungsleitenden an Fortbildungen teil, wie zum Beispiel zum inklusiven Kindersport. Viele von ihnen engagieren sich bereits seit Jahren und bringen ihre individuellen Stärken ein – sei es durch Spielideen, pädagogische Impulse oder durch die sensible Berücksichtigung sprachlicher und sozialer Bedarfe der Kinder. Die geringe Fluktuation im Bündnis spricht für eine hohe Arbeitszufriedenheit und starke Identifikation. „Die Erfahrung, dass eigene Beiträge zählen und das Projekt mitprägen, steigert die Motivation und macht die Arbeit im Bündnis besonders erfüllend“, so die Bündnisbeteiligten. Wir sind überzeugt, dass das Bündnis auch in Zukunft gemeinsam viel und Viele begeistern und bewegen wird.