Ort: Dissen Bundesland: Niedersachsen Handlungsfeld: Präventive Arbeit mit Familien, Bündelung und Vernetzung der Freizeit- und Unterstützungsangebote vor Ort Aktiv seit: 2011 Wirkungsradius: Kleinstadt Partner: Kinder- und Familienzentrum, Kindertageseinrichtungen, Familien-Service-Büro
Kontakt: Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) Dissen, Westfälisches Kinderdorf e. V., Lisa Borghaus (Koordination), kifaz-dissen[@]wekido.de
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Direkt am Teutoburger Wald liegt die niedersächsische Kleinstadt Dissen. Diversität ist das, was die Menschen der Industrie- und Handwerksstadt ausmacht: Allein in den Kitas finden sich Kinder und Eltern aus 27 Nationen sowie aus unterschiedlichen Familienmodellen. Mit seinen Angeboten spricht das Bündnis Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) Dissen alle gleichermaßen an. Offene Baby- und Spielegruppen, Bewegungsangebote, Elterncafés und Sprachkurse fördern das soziale Miteinander und sind wichtige Formate, um die Bedürfnisse der Familien zu identifizieren. Über die sechs Kindertageseinrichtungen sowie das Familien-Service-Büro, die im Bündnis eng zusammenarbeiten und gemeinsam wirken, entsteht ein direkter Draht zu den Eltern, deren Wünsche wiederum in die Programmgestaltung einfließen. Als niedrigschwelliger Begegnungsort bündelt und vernetzt das KiFaZ alle Unterstützungs- und Förderangebote für die Familien, die hier leben.
Ort: Hildesheim Bundesland: Niedersachsen Handlungsfeld: Gesundes Aufwachsen, Bildungschancen erhöhen, Bildungspartnerschaften Aktiv seit: 2018 Wirkungsradius: Kleinere Großstadt Partner: Stadt Hildesheim, Kitas und Familienzentren, Grundschulen, Universität, Träger, Vereine, Stadtteileltern, Landkreis Hildesheim
Kontakt: Stadt Hildesheim, Teresa Daubenmerkl (Sozialplanerin), t.daubenmerkl[@]stadt-hildesheim.de
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Der Stadtteil Nordstadt in Hildesheim ist geprägt von vielfältigen Lebenswelten. Hier gründete sich die AG Nordstadt, um allen Kindern gute Bildungschancen zu ermöglichen. Mit Akteur*innen aus Politik, Wissenschaft, Medizin und dem sozialpädagogischen Bereich erarbeitet das Bündnis bedarfsorientierte Angebote für alle Familien im Stadtteil. Um gut und gesund aufwachsen zu können, nehmen Kinder beispielsweise am „Gesunden Frühstück“ oder Musikalisierungskursen in den Kitas teil und verbessern in Projekten wie „Kiddies in Bewegung“ spielerisch ihre Koordination und Motorik. Charakteristisch sind niedrigschwellige Angebote, mit denen das Bündnis auch direkt auf die Familien zugeht: Ob im Kinderwagen-Café oder beim Eltern-Talk – hier tauschen sich Eltern und Kinder untereinander aus und knüpfen neue Kontakte. Das Bündnis leistet so einen wichtigen Beitrag für Teilhabe- und Bildungschancen aller Kinder in der Nordstadt.
Das sagt die Jury
Das Bündnis zeigt eine herausragende Wirkkraft in dem von Armut und Migration geprägten Sozialraum. Alle Akteur*innen aus dem Quartier sind vertreten, darüber hinaus gelingt es dem Bündnis ungewöhnliche Bündnispartner*innen zu gewinnen. Hervorzuheben ist die starke Beteiligung der kinderärztlichen Dienste und die Einbindung der Uni Hildesheim. Das breite Zusammenwirken der unterschiedlichen Akteur*innen ermöglicht einen multiperspektivischen Blick auf Kinder und Familien sowie passgenaue Angebote. Die AG Nordstadt zeichnet sich durch eine beispielhafte partizipative Haltung aus. Die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder und Familien sind Ausgangspunkt bei der Gestaltung von Angeboten und Projekten, wodurch sich die Kinder und ihre Familien als selbstwirksame Gestalter*innen ihres Bildungsweges und Sozialraums erleben.
Die Begründung unserer Jury in voller Länge
Das Hildesheimer Bündnis zeigt aus Sicht der Jury eine herausragende Wirkkraft in dem besonders von Armut und Migration geprägten Sozialraum. Alle Akteur*innen aus dem Quartier wie Kitas, Grundschulen, Eltern und Kirchen, aber auch übergeordnete Verwaltungsstellen, unter anderem der Stadt und des Landkreises, sind vertreten. Darüber hinaus gelingt es dem Bündnis, ungewöhnliche Bündnispartner*innen zu gewinnen: Hervorzuheben ist die starke Beteiligung der kinderärztlichen Dienste und die Einbindung der Uni Hildesheim. Politik, Wissenschaft, Medizin und alle Einrichtungen vor Ort zeigen hier exemplarisch, wie Lebensräume und Chancen auch unter schwierigen Bedingungen gewinnbringend für Kinder verändert werden können.
Das breite Zusammenwirken der unterschiedlichen Akteur*innen ermöglicht einen multiperspektivischen Blick auf Kinder und Familien und so auch ein umfangreiches und differenziertes Bild auf ihre Lebenslagen und Bedarfe. Die einzelnen Beobachtungen setzen sich im Bündnis zu einem vollständigen Puzzle zusammen und ermöglichen so gezielte und passgenaue Angebote für die Kinder und Familien.
Bemerkenswert ist die beispielhafte partizipative Haltung des Bündnisses auf allen Ebenen. Die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder und Familien, die im Weiteren selbst zu Mitgestalter*innen werden, sind oft Ausgangspunkt bei der Gestaltung von Angeboten und Projekten. Ganz selbstverständlich werden sie auch bei Fragen zur Stadtplanung und -entwicklung einbezogen. Dadurch erleben sich die Kinder und ihre Familien als selbstwirksame Gestalter*innen ihres Bildungsweges wie auch ihres Sozialraums.
In einem besonders von Armut und Migration geprägten Sozialraum gelingt es der AG Nordstadt, Akteur*innen und Ressourcen zu bündeln. Gemeinsam mit allen Beteiligten können so zahlreiche Projekte und Angebote installiert werden, die den Kindern und ihren Familien ein gutes und gesundes Aufwachsen ermöglichen. Die Angebote werden dabei gezielt aufeinander bezogen und miteinander entwickelt. Der umfassende Ansatz fördert die Gemeinwesenarbeit und schafft ein starkes Fundament für das präventive Handeln des Bündnisses.
Im Vorfeld der Bündnisgründung gab es wenig politische Unterstützung für diesen Ansatz. Es gab weder eine systematische Sozial- und Jugendhilfeplanung noch Mittel zur Übernahme dieser Aufgaben. Sukzessive und durch kluges strategisches Handeln gelang es, bei der Politik Akzeptanz zu erzielen.
Aus Sicht der Jury ist die Aufbaustruktur des Bündnisses klug gewählt und passgenau: Das Zusammenspiel aus Steuerungsgruppe und zwei Arbeitskreisen für jeweils unterschiedliche Altersstufen gewährleistet ebenso einen guten, passgenauen Zugang zu den Bedarfen der Kinder und ihrer Familien wie auch die Rückbindung an die politischen Entscheidungsträger*innen.
Die AG Nordstadt kann deshalb als Leuchtturm gelungener Bündnisarbeit und Bündnisorganisation betrachtet werden. Hier wird im Sinne der Kinder durch ein einzigartiges Zusammenspiel aller Professionen viel bewirkt. Politik, Wissenschaft, Medizin und alle Einrichtungen vor Ort zeigen hier exemplarisch, wie Lebensräume und Chancen auch unter schwierigen Bedingungen für Kinder gewinnbringend verändert werden können.
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Eines haben alle Kinder in der Kita Campuskinder gemeinsam: Ihre Eltern arbeiten an der Medizinischen Hochschule Hannover, viele im Dreischicht-System. So sind die Jüngsten manchmal auch abends oder am Wochenende in der Kita – das aber sehr gerne. Denn hier können sie eigenständig spielen, ihre Stärken entdecken und mitbestimmen: Etwa, welches Klettergerüst im Garten oder welche Spielzeuge in den Räumen stehen sollen. Die Kinder, Eltern und Fachkräfte initiieren auch Pflanz-Projekte, Spendenläufe und Schwimmkurse. Die Ausflüge in den Wald, der Gang zum Supermarkt und der bilinguale Kita-Alltag, in dem eine Fachkraft englisch spricht, bieten vielfältige Lernanlässe. Im Wechsel leiten Kinder den Morgenkreis: Dann wählen sie den Tischspruch und die Spiele aus, zählen die Anwesenden in zwei Sprachen und ziehen die Wetterpuppe Maxi an. Maxi zeigt den Kindern, wie sie sich zum Rausgehen anziehen sollten – und steht damit sinnbildlich für die Mitwirkung und Selbstständigkeit aller Campuskinder.
Das sagt die Jury
Die Kita hat die Jury unter anderem mit ihren flexiblen und bedarfsgerechten Öffnungszeiten überzeugt. Diese ermöglichen es beispielhaft, Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Mit feinem Gespür für das Wohl der Kinder und Familien achten die pädagogischen Fachkräfte auf gute, individuelle Betreuungsumfänge. Zudem lobt die Jury, wie stark sich die Kita an den Kindern und ihren Familien orientiert: Das Team ist zweisprachig aufgestellt und englische Native Speaker bringen Sprache spielerisch in den Alltag.
Die Begründung unserer Jury in voller Länge
Die flexiblen und bedarfsgerechten Öffnungszeiten der Campuskinder ermöglichen es, dass Familie und Beruf gut in Einklang gebracht werden können. Die Kita bietet Betreuung auch während Abend-, Wochenend- und Feiertagsschichten an und hat nur fünf Schließtage im Jahr. Dabei haben die Fachkräfte ein feines Gespür für das Wohl der Kinder und Familien und achten auf gute individuelle Betreuungsumfänge. Kinder ab acht Wochen finden eine für sie gewohnte Umgebung und einen kontinuierlichen Lebensraum vor und die Pädagog*innen kommen den Bedürfnissen der Kinder individuell nach. So können die Kinder etwa im Kinderwagen schlafen, wenn sie bereits sehr früh in die Kita kommen. Für ältere Kinder gibt es auf deren Wunsch einen „erzieherfreien“ Raum zum Entspannen.
Alle Aktivitäten sind für die Kinder freiwillig und die Kinder können ihrem individuellen Bedürfnis nach Ruhe und Bewegung nachgehen. Die Selbstständigkeit der Kinder ist ein wichtiges Ziel der Campuskinder und jedes Kind wird in seiner eigenen Persönlichkeit gesehen.
Orientiert an den Bedarfen der Familien ist die Einrichtung zweisprachig aufgestellt. Sprache wird durch englische Native Speaker spielerisch in den Alltag eingebracht. Darüber hinaus finden Morgenkreise in verschiedenen Sprachen der Kinder, zum Beispiel russisch, arabisch oder spanisch, statt.
Ein großes Augenmerk der pädagogischen Fachkräfte liegt auf der emotional engagierten Beziehungsarbeit, insbesondere auch mit den jüngsten Kindern. Unter den Fachkräften und Kindern werden vertrauensvolle Beziehungen gelebt.
Die UN-Kinderrechte gehören fest zum Leitbild der Kita. Eine Verhaltensampel, die das Team erarbeitet hat, orientiert sich an den Kinderrechten. Durch einfühlsame Wahrnehmung wahren die Pädagog*innen die Grenzen und Rechte aller Kinder. Kinder bestimmen tagtäglich über ihre Tätigkeiten, Spielorte und Spielpartner*innen.
Das Team der Campuskinder stellt Partizipation von Kindern klar in den Mittelpunkt seines Handelns. Die Fachkräfte haben differenzierte und durchdachte Beteiligungsformate geschaffen. Es gibt beispielsweise ein gewähltes Kinderparlament und ein für Kinder transparentes Beschwerdemanagement. Auf Wunsch der Kinder gibt es demnächst ein eigenes Kinderrestaurant. Bei der Gestaltung und Auswahl der Einrichtung konnten die Kinder mitentscheiden. So wird in der Kita Demokratie auf vielen Ebenen gelebt.
Es ist dem Team wichtig, die Eltern trotz ihrer individuellen Arbeitszeiten stets gut in den Kita-Alltag einzubinden und zu informieren. Für Eltern, die neu in der Kita sind, gibt es neben dem Willkommensbrief verschiedene Gespräche im Eingewöhnungsprozess und einen Fragebogen zu den Gewohnheiten des Kindes.
Die Kita nutzt die Ressourcen im Sozialraum und die Kinder profitieren insbesondere von der starken Kooperation mit der Uniklinik. So werden gemeinsam beispielsweise Therapien und Schwimmunterricht direkt im Kita-Alltag ermöglicht.
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Bei den Gipfelstürmern vom Sportpark Kreideberg in Lüneburg steht der Beziehungsaufbau zu den Kindern von Beginn an im Fokus: Schon vor der Eingewöhnung besucht sie eine Fachkraft – mit einem Bilderbuch, einer Einladung zum Familien-Picknick sowie der Aussicht darauf, bald die Kita-Schildkröten kennenzulernen. Um den Kindern vielfältige Sport- und Bewegungsangebote machen zu können, kooperiert die Kita mit dem benachbarten Sportpark. Schon die Jüngsten bestimmen selbst, womit sie sich beschäftigen, wann sie essen und schlafen oder wer ihre Bezugsperson ist. Und auch den Tagesablauf und die Gruppenregeln gestalten die Kinder mit. Als ein mitgebrachter Zeitungsartikel über eine gestohlene Spendenbox für einen Haustierzoo große Emotionen auslöste, wurden die Fragen der Kinder zu Diebstahl und „Richtig oder Falsch“ ausführlich thematisiert. So geht das Team stets einfühlsam auf die Sorgen und Vorschläge der Kinder ein.
Ort: Peine Bundesland: Niedersachsen Handlungsfeld: Präventionsketten, Übergang Kita–Schule, Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen der Kinder, Stärkung der Elternverantwortung, Stärkung der Kinderperspektiven Aktiv seit: 2020 Wirkungsradius: Landkreis und Stadt Partner: städtische bzw. kirchliche Kitas und Familienzentren, Frühförderung der Lebenshilfe, Regionales Beratungs- und Unterstützungszentrum für inklusive Schule, Grundschulen und Praxisberatung der Stadt Peine sowie Erziehungsberatungsstelle, Kita-Fachberatung und Kinder- und jugendärztlicher Dienst des Landkreises Peine
Kontakt: Landkreis Peine-FD Jugendamt, Elisa Behrens (Koordinatorin der Präventionsketten), e.behrens[at]landkreis-peine.de
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Die Präventionsketten im Landkreis Peine nehmen die Übergänge in den Blick – von der Eingewöhnung in Krippe und Kita bis zur Grundschule und darüber hinaus. Das Bündnis bindet dabei Fachkräfte, Kinder und Familien aktiv mit ein. Im Mittelpunkt steht immer die Frage: Was brauchen junge Menschen, um gut aufzuwachsen? Weil beispielsweise viele Kinder der ersten Klasse Startschwierigkeiten hatten, organisierten die Verantwortlichen der Präventionsketten Malinterviews mit den Kita-Kindern, um deren Perspektive auf Schule zu erfassen. Das Ergebnis war: Viele von ihnen hatten schlichtweg kein Bild davon, was sie in der Grundschule erwartet. Das Willkommensbuch „Schule“, das nicht nur für die Kinder, sondern mit ihnen konzipiert und gestaltet wurde, sowie eine Info-Broschüre für Eltern geben seither Orientierung. Das Austauschforum „Gut ankommen in der Schule“ unterstützt Fachkräfte zudem dabei, den Übergang gemeinsam und ausgehend von den Bedürfnissen der Familien zu denken. In Fachtagungen und Fortbildungen gibt es neue Impulse und die Möglichkeit, sich auszutauschen. Das stärkt den Zusammenhalt der Verantwortlichen – immer mit dem Ziel, allen Kindern im Landkreis Peine ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.
Das sagt die Jury
Überzeugt hat die Jury, dass sich das Bündnis intensiv mit der Frage beschäftigt „Was brauchen junge Kinder und ihre Familien, um Übergänge gut zu meistern – von der Eingewöhnung in die Krippe und den Ü3-Bereich der Kita über die Schule und darüber hinaus?“ Die Antwort lautet: Orientierung und Sicherheit. Die erhalten die Kita-Kinder in Peine schon vor dem Schuleintritt beispielsweise durch das von Schulkindern gestaltete Willkommensbuch. In den ersten zwei Schulwochen begleiten die Kita-Fachkräfte die Kinder dabei, die neue Umgebung zu entdecken. Die Verantwortlichen verschiedener Institutionen arbeiten dabei sehr eng zusammen. Und die Bündnisbeteiligten haben auch die Kinder im Blick, die in herausfordernden Situationen aufwachsen. So entwickelte der Runde Tisch „Kinderarmut“ in kürzester Zeit eine Übersicht über die Angebote für Familien in finanzieller Not. Das Bündnis hat ein klares Ziel vor Augen, eine verlässliche Struktur und ein starkes Team, das voneinander lernt.
Die Begründung unserer Jury in voller Länge
Brücken für starke Kinder: Innovative Ideen für einen gelingende Übergange
Das Bündnis verfolgt das Ziel, allen Kindern ein gesundes und chancengerechtes Aufwachsen zu ermöglichen. Um das zu erreichen, baut es Zugangsbarrieren ab, stärkt Übergänge – in die Kita, aber insbesondere den von der Kita in die Schule – und bindet Familien sowie Kinder aktiv ein.
Das Bündnis gestaltet diese Übergänge außerordentlich kindorientiert, ganzheitlich und interdisziplinär. Das Bündnis betrachtet Kindheit umfassend, vernetzt verschiedene Professionen und schafft damit eine stabile Grundlage für gelingende Übergänge. Dabei übernehmen die Beteiligten nicht einfach bestehende Übergangsmodelle, sondern entwickeln diese konsequent weiter und orientieren sich an Kinderperspektiven und an den Bedarfen der Familien. Um Letzteres zu gewährleisten, wurde unter anderem das partizipatives Eingewöhnungsmodell in Kitas eingeführt. Fachkräfte besuchen Familien vor der eigentlichen Eingewöhnung zu Hause, um Vertrauen aufzubauen und das Umfeld des Kindes kennenzulernen.
Kinder und Familien werden über institutionelle Ebenen hinweg begleitet und Wissen wird weitergegeben. Übergänge werden nicht isoliert gedacht. Stattdessen begleitet das Bündnis Kinder und Familien kontinuierlich, fördert Austausch zwischen den beteiligten Einrichtungen und macht Wissen systematisch zugänglich, zum Beispiel durch Informationsmaterialien wie „Das letzte Jahr vor der Schule“ sowie Flyer und Plakate zur Schuleingangsuntersuchung: Diese werden kindgerecht aufbereitet, um das Informationsrecht der Kinder zu berücksichtigen und Familien durch die Schritte des Übergangs zu führen.
Auch gemeinsame Elternabende von Kita und Schule sowie das Forum „Gut ankommen in der Schule“ tragen zum Gelingen bei. Das Forum als jährliche Veranstaltung für Kitas, Grundschulen und weitere Akteurinnen und Akteure – initiiert durch die Bündniskoordination – bietet Austausch, Networking und Best Practice. Ergänzt werden diese Formate durch einen Runden Tisch zum Thema Kinderarmut.
Im Bündnis werden Eltern aktiv eingebunden und nach ihren Einschätzungen gefragt, zum Beispiel durch Befragungs- und Beteiligungsformate, wie Elternbefragungen und -gespräche.
Das Bündnis fördert auch die Einbindung der Kinderperspektiven durch kreative und partizipative Methoden. Kinder werden gefragt, wie sie Übergänge erleben. Methoden wie Malinterviews machen ihre Sichtweisen sichtbar und fließen in die Angebotsentwicklung ein. So zeichnete ein Kind beispielsweise die Schule als Festung – das Bündnis nahm dies auf und entwickelte Willkommensbücher, um Kita-Kindern den Übergang zur Schule zu erleichtern. Das Palaverzelt ist nicht nur eine Methode zur Konfliktlösung. Kinder erlernen die Methode bereits in der Kita und setzen sie in der Grundschule fort. So finden sie bekannte Strukturen wieder und können soziale Kompetenzen weiterentwickeln.
Kita und Schule wirken gemeinsam am Übergang in die Schule Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist ein zentrales zentrales Ereignis im Leben eines Kindes, das von zwei unterschiedlichen Institutionen gemeinsam gestaltet werden muss. In Peine gelingt dies in besonderer Weise: Kita und Schule arbeiten eng, wertschätzend und wechselseitig lernend zusammen. Kita und Schule bringen unterschiedliche Perspektiven auf Bildung mit. In Peine gelingt ein außergewöhnlicher fachlicher Austausch, der von beiden Seiten ausgeht. Beide Institutionen wollen aktiv voneinander lernen und ihr Wissen zum Wohl der Kinder teilen. Eine Besonderheit: Pädagogische Fachkräfte aus den Kitas begleiten einzelne Kinder in den ersten zwei Schulwochen im Klassenraum. Sie sind dort ansprechbar, arbeiten im Tandem mit Lehrkräften und geben den Kindern Sicherheit.
Viele Übergangsprojekte stützen sich hauptsächlich auf Hospitationen der Kitas in Schulen. Das Bündnis in Peine geht deutlich weiter: Es lebt einen echten gegenseitigen Austausch. Beide Seiten lassen sich aufeinander ein, ohne Anspruchshaltungen, stattdessen mit dem ernsthaften Willen, Kinderperspektiven und Vorerfahrungen aufzugreifen und gemeinsam zu nutzen. Das Engagement ist außergewöhnlich und institutionell stark verankert. Dafür werden Hospitationen der Schule in den Kitas umgesetzt. Der Impuls dazu kam direkt aus dem Lehrkollegium – ein Zeichen echter Offenheit und Lernbereitschaft. Auch Grundschulleitungen übernehmen aktiv Bündnisarbeit: Sie hospitieren selbst in Kitas. Dadurch wird die Übergangsgestaltung zu einem strategischen Schwerpunkt der Schulen und nicht zu einem Nebenprojekt.
Peer-to-Peer-Ansatz für Kinder beim Übergang Der Übergang von der Kita in die Grundschule wird nicht nur von Erwachsenen gestaltet. In Peine wird ein innovativer Peer-to-Peer-Ansatz verfolgt, bei dem Kinder nicht nur gehört werden, sondern selbst aktiv zum Gelingen der Übergänge beitragen. Sie unterstützen einander, teilen Erfahrungen und gestalten Materialien für jüngere Kinder.
Ein zentrales Element sind Willkommensbücher, die von Schulkindern erstellt werden. Dadurch werden die älteren Kinder darin bestärkt, Verantwortung zu übernehmen, sich sozial zu engagieren und ihre eigene Selbstwirksamkeit zu erleben. Das Bündnis entwickelt gemeinsam einen reichen Schatz an kindgerechten Materialien und Methoden, die diesen Prozess unterstützen. Dafür gestalten Schulkinder Willkommensbücher: Die Bücher zeigen Kita-Kindern wichtige Aspekte des Schulstarts – zum Beispiel Pläne des Schulgebäudes, Fotos von zentralen Orten, Sicherheitspunkten, dem Hausmeister, der Sekretärin und den Toiletten. Rückzugsorte werden von den Schulkindern selbst definiert und erklärt. Sie entscheiden, was gezeigt wird, fotografieren eigenständig und gestalten alles selbst.
Klare Strukturen für stetige Weiterentwicklung Das Bündnis „Präventionsketten im Landkreis Peine“ zeigt beispielhaft, wie wirksame und nachhaltige Vernetzung zwischen Kommune, Kita, Schule und weiteren Beteiligten gelingen kann. Die Arbeit folgt klaren organisatorischen Strukturen und ist zugleich flexibel genug, um neue Impulse schnell aufzunehmen und umzusetzen.
Es hat eine strukturierte und koordinierte Zusammenarbeit als Grundlage. Die Zusammenarbeit im Bündnis basiert auf einer tragfähigen Struktur: Eine Steuergruppe, verschiedene Arbeitsgruppen und eine zentrale Koordinatorin bündeln alle Aktivitäten. Dadurch ist gewährleistet, dass Informationen zielgerichtet fließen, Verantwortlichkeiten klar sind und Entwicklungen kontinuierlich vorangetrieben werden. Gleichzeitig wächst die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure stetig. Dies zeigt sich beispielsweise an der schnellen Umsetzung des Willkommensbuchs an weiteren Schulen: Beim Vor-Ort-Besuch im Rahmen des Deutschen Kita-Preises stellte sich die Frage, warum nicht alle Schulen das Willkommensbuch nutzen. Nur drei Wochen später hatte die Koordinatorin alle Schulen kontaktiert – nahezu alle wollten das Konzept übernehmen. Dies verdeutlicht die kurze Reaktionszeit und hohe Umsetzungsbereitschaft im Bündnis.
Regelmäßige gemeinsame Formate sichern Austausch und Anpassungsfähigkeit. Durch regelmäßige Treffen, Arbeitsgruppen, Foren und thematische Runden Tische bleibt die Zusammenarbeit lebendig. Herausforderungen werden gemeinsam identifiziert, Lösungen entwickelt und Veränderungen zeitnah umgesetzt. So entsteht eine dynamische Struktur, die fortlaufend an neue Bedarfe angepasst wird. Dies zeigt sich zum Beispiel in der Weiterarbeit am Runden Tisch „Kinderarmut“: Aus den Ergebnissen des Runden Tisches wurde eine Taskcard mit Unterstützungsangeboten für Familien in finanziellen Notlagen entwickelt. Sie wird allen relevanten Multiplikatoren, wie Kitas, Schulen, Jugendhilfe, freien Trägern, zur Verfügung gestellt. Die Verteilung erfolgt direkt per Mail oder über bestehende Netzwerke wie Frühe Hilfen, Gesundheitsregion, Bildungsregion oder Familienzentren. Damit wird sichergestellt, dass Informationen schnell dort ankommen, wo sie gebraucht werden.
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