• Familienzentren im Arnsberger Modell

    Familienzentren im Arnsberger Modell

    Familienzentren im Arnsberger Modell
    Erster Platz 2022

    Ort: Arnsberg
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Familienbegleitung, Netzwerk aller Familienzentren, Kinderschutz
    Aktiv seit: 2006
    Wirkungsradius: Mittelstadt
    Partner: Familienzentren, Kindertageseinrichtungen, Trägervertretungen, Fachberatungen, Jugendamt, Jugendhilfeplanung, Stadtverwaltung, Kommunales Integrationszentrum, Beratungsstellen

    Kontakt: Familienzentrum Altstadt, Silvia Herklotz (Leitung), familienzentrum.altstadt[@]arnsberg.de

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    Die Stadt Arnsberg im nordrhein-westfälischen Sauerland hat 15 Stadtteile. Um die Familien in diesem heterogenen Umfeld ganzheitlich zu unterstützen, vernetzt das Bündnis Familienzentren im Arnsberger Modell die Angebote im gesamten Stadtgebiet. Gemeinsam erarbeiten die Familienzentren mit Kooperationspartnern und anderen sozialen Einrichtungen trägerübergreifende Strategien, die allen Kindern und Eltern zugutekommen. Jedes der 15 Familienzentren hat eine Kinderschutz-Fachkraft und bietet unter anderem offene Spiel- und Bewegungsangebote, Streitschlichtungskurse, Beratungsgespräche sowie spezielle Vater-Kind-Aktionen. Alles ist passgenau auf die Bedarfe in den jeweiligen Sozialräumen zugeschnitten: So fokussieren manche Familienzentren auf die Integration von armutsgefährdeten Familien oder Menschen mit Fluchterfahrung, andere auf Angebote für Kinder, deren Eltern berufstätig sind. So erhalten alle Kinder in Arnsberg die gleichen Chancen.

    Das sagt die Jury

    Die Initiative richtet sich nach den Bedürfnissen der Menschen in ihrem Stadtteil und entwickelt passgenaue Angebote für die Bewohner:innen. Die Familienzentren im Arnsberger Modell haben es sich zum Ziel gesetzt, allen Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen. Dafür hat sich das Bündnis die Verwirklichung der Kinderrechte auf die Fahne geschrieben. So gab es beispielsweise einen Kinderrechte-Tag, der durch verschiedene Aktionen und Banner für öffentliche Aufmerksamkeit sorgte. Auch strukturell ist das Bündnis vorbildlich aufgestellt und zeigt eine hervorragende Organisation, die sich im Prozess weiterentwickelt. Die Jury lobt die vielen unterschiedlichen Kommunikations- und Organisationselemente wie die Entwicklung einer Bündnis-App für Smartphones oder Beratungen als „Walk- and Talk”-Angebot, aber auch die festgelegten und verbindlichen Bündnis-Standards. Die Familienzentren im Arnsberger Modell sind somit auf bemerkenswerte Weise unabhängig von einzelnen Personen und dadurch tragfähig und zukunftsweisend aufgestellt.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    In Arnsberg agieren 15 Familienzentren unter einem gemeinsamen Konzept als Bündnis mit verschiedenen Akteur:innen im Sozialraum. Dass sich so viele Einrichtungen unterschiedlicher Träger als ein Team betrachten, ist bemerkenswert. Hier wird trägerübergreifendes Arbeiten vorbildlich sowie in hoher Professionalität und Qualität umgesetzt. 

    Das Bündnis agiert unter Berücksichtigung der sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen und unterstützt Familien, die in einem sozial prekären Umfeld wohnen ebenso wie Familien, die in Einfamilienhaussiedlungen leben. Die Bedarfslagen und Bedürfnisse der Menschen im Quartier bestimmen die fachliche Ausrichtung – dies trifft in Arnsberg sowohl auf die Inhalte als auch auf die Form der Leistungen der Familienzentren zu und schafft lebensnahe sowie zum Sozialraum und seinen Bewohner:innen passende Angebote. Das Bündnis handelt nicht nur im Sozialraum, sondern gestaltet ihn aktiv mit.  

    Die gemeinsam erarbeiteten Standards sind nicht starr, sondern ermöglichen ein spezifisches, passgenaues Agieren in unterschiedlichen Sozialräumen, so dass die Einrichtungen eigene Schwerpunkte je nach örtlichem Bedarf setzen. Dass es für alle Beteiligten Raum für Weiterentwicklung und Wachstum gibt, ist eine große Stärke des Arnsberger Modells. 

    Die Jury sieht in Arnsberg eine hohe Innovationskraft: Die Akteur:innen nutzten die Vorgaben des Landesprogramms als Sprungbrett. Sie adaptierten sie nach den Bedarfen vor Ort so, dass sie passgenau für die Kinder und Familien im Sozialraum sind und heben sie auf ein neues Niveau. Durch die Weiterentwicklung wurde aus einem „Top-Down-Projekt“ mit allgemeinen Vorgaben ein „Bottom-Up-Projekt“ der beteiligten Kitas und Fachkräfte. Die Art und Weise, wie hier der Rahmen eines Landesprogramms genutzt und mit Leben gefüllt wurde, um eigene Strukturen und Angebote zu entwickeln, kann anderen Bündnissen oder Einrichtungen als großartiges Vorbild dienen. 

    Eine Besonderheit des Arnsberger Modells ist, dass die teilnehmenden Familienzentren von den bereitgestellten Mitteln maximal 50 Prozent für Personal aufwenden dürfen. Der Rest muss direkt in Aktivitäten für Kinder und Familien fließen. Dieser Ansatz trägt mit dazu bei, dass das Arnsberger Bündnis sich durch eine besondere Kindorientierung auszeichnet. 

    Die Richtschnur des Handelns in Arnsberg ist es, allen Kindern ein gutes Aufwachsen in ihren Lebenswelten zu ermöglichen. Das Bündnis hat sich dabei explizit die Verwirklichung der Kinderrechte auf die Fahnen geschrieben. Diese prägen nicht nur die Programmatik, sondern werden auch in konkreten Produkten und Angeboten aufgegriffen. 

    Neben der alltäglichen Arbeit findet sich die Umsetzung der Kinderrechte beispielsweise in einem gemeinsamen Kinderrechte-Tag, der nicht nur öffentliche Aufmerksamkeit für die Kinderrechte schuf (durch Banner und Aktionen), sondern bei dem auch – die Wünsche der Kinder aufnehmend – eine große Kirmes veranstaltet wurde. 

    Partizipation wird in Arnsberg großgeschrieben und gelebt! Hier haben die Meinungen der Kinder eine Stimme. Das zeigt sich einerseits im alltäglichen Handeln (Übernahme kleiner Aufgaben und altersgemäßer Verantwortung, Beschwerdemanagement), aber auch darin, wie bei besonderen Wünschen der Kinder (Kirmes) keine Mühen gescheut werden, um diese zu verwirklichen. 

    Das Bündnis ist auch strukturell beispielhaft aufgestellt und zeigt eine hervorragend strukturierte Organisation, die sich im Prozess weiterentwickelt. Die Jury lobt die vielen unterschiedlichen Kommunikations- und Organisationselemente, aber auch die festgelegten und verbindlichen Bündnis-Standards wie Qualitätszirkel, Kompetenzteams, Arbeitskreise, Befragungen. Das Bündnis ist somit auf bemerkenswerte Weise unabhängig von einzelnen Personen und dadurch tragfähig und zukunftsweisend aufgestellt. 

    Beeindruckend ist auch die Ausgestaltung der vielfältigen Förderkurse für Kinder und das Angebot der facettenreichen Abenteuerformate. 

    Sowohl die Akteur:innen als auch die Eltern und Kinder werden proaktiv in die Gestaltung und Entwicklung der Angebote des Bündnisses eingebunden und haben vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv in das Bündnishandeln einzubringen. Über verschiedene Formate können Stimmen und Meinungen niedrigschwellig eingebracht und in praktisches Handeln überführt werden. Einige erwähnenswerte Beispiele sind Elternbefragungen, Eltern-Cafés, Einbindung in Ausgestaltung von Angeboten, Fortbildungen für Fachkräfte, Kinderbefragungen. 

  • Familienzentrum Olgakrippe

    Familienzentrum Olgakrippe

    Familienzentrum Olgakrippe
    Erster Platz 2022

    Ort: Heilbronn
    Bundesland: Baden-Württemberg
    Größe: 115 Kinder, 30 Mitarbeitende
    Träger: Stadt Heilbronn Amt für Familie, Jugend und Senioren
    Unsere Stärke: Partizipation, kulturelle Vielfalt

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    Das Familienzentrum Olgakrippe ist Anlaufstelle für Jung und Alt in der Heilbronner Nordstadt. Nicht nur Kinder von 0 bis 6 Jahren, sondern das gesamte Stadtquartier finden hier umfassende Angebote. Dazu gehören die Sport-AG für geflüchtete Frauen, eine Krabbelgruppe von und für Mütter oder der Trommelkurs für Kinder und Senioren. Im Kita-Alltag werden Kinderrechte gelebt und konsequent umgesetzt. So ist beispielsweise der „Kindertag“ entstanden: An zwei Tagen im Jahr nehmen die Kinder den Platz der Leitung im Büro ein. Sie bestellen Materialien, übernehmen den Telefondienst, gestalten den Speiseplan und tun alles, was eine Kita-Leitung so tut. Die Familien, die das Familienzentrum besuchen, haben verschiedenste sprachliche und kulturelle Hintergründe. Eine große Chance für die Olgakrippe! So ist mit Hilfe der Eltern ein Dolmetschernetzwerk entstanden, das sich insbesondere bei Elterngesprächen als wertvoll erweist.

    Das sagt die Jury

    Das Familienzentrum hat die Jury unter anderem mit ihrer besonderen Lern- und Veränderungsbereitschaft überzeugt. Die Pandemie wurde als Chance begriffen, Prozesse zu überdenken, Dinge zu verändern und neue Wege zu gehen. Das Team der Olgakrippe stellt die Partizipation von Kindern klar in den Mittelpunkt. Es ist dem Team wichtig, Kinder an der Gestaltung des Alltages zu beteiligen und sie zu ermutigen, sich in die Gemeinschaft einzubringen sowie Verantwortung zu tragen. An „Kindertagen“ übernehmen die Kinder das Ruder und schlüpfen in die Rollen der pädagogischen Fachkräfte. Sie gehen ans Telefon und dürfen Entscheidungen nach außen vertreten. Das Familienzentrum zeichnet sich durch einen wertschätzenden, stärkebasierten Umgang mit allen Kindern, Pädagog:innen und Familien aus und nimmt deren Heterogenität als besonderen Gewinn wahr. 

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Die Einrichtung ist in hohem Maße preiswürdig, da sie systematisch und auf allen Ebenen die Qualitätsanforderungen an einen Preisträger beim Deutschen Kita-Preis erfüllt. 

    Die Qualitätsentwicklung ist hier eine gemeinschaftliche Teamaufgabe. Dabei übernehmen einzelne Fachkräfte ihren persönlichen Interessen und Kompetenzen entsprechende Aufgaben, zum Beispiel als „Fahrzeugbereichsleiter:in“. 

    Die Pandemie und deren Auswirkungen wurden als Chance genutzt, Bestehendes zu überdenken: In diesem Verständnis einer Krise als Chance wurde der gute Kontakt zu Familien erweitert mit Angeboten wie Online-Yoga, digitalen Bilderbuchstunden, der Olgakrippen-Zeitung, einem Kulturzaun und digitalen Teamsitzungen (Handlungsmut/Kreativität).  

    Die Olgakrippe zeichnet sich durch eine sehr gute Teamkultur aus. Abstimmungen der Fachkräfte verdeutlichen, dass es möglich ist, unterschiedlich zu agieren, zum Beispiel, wenn einer Fachkraft konkrete Spielsituationen riskant oder unsicher erscheinen. Es dürfen unterschiedliche Haltungen existieren, dies führt in der Olgakrippe aber nicht dazu, dass Kinder eingeschränkt werden, sondern die Fachkräfte stimmen sich gut untereinander ab.

    Das Team lebt den Early Excellence-Ansatz auch in der Teamkultur. Man respektiert die anderen, hört ihre Meinung und unterstützt sich gegenseitig. Auch hier wird in der Olgakrippe auf die Stärken des Einzelnen gesetzt (zum Beispiel beim Onlineangebot für die Familien während der Pandemie). Verschiedene Meinungen werden diskutiert, niemand wird bloßgestellt. Es gibt eine ausgeprägte Feedback-Kultur, in deren Rahmen die Fachkräfte ihr eigenes Tun regelmäßig reflektieren. 

    In der Kita des Jahres ist Partizipation eine Herzensangelegenheit. Das Team der Olgakrippe stellt Partizipation von Kindern klar in den Mittelpunkt ihres Handelns und immer wieder auch ihrer Qualitätsentwicklung. Bei der Neugestaltung der Räume wurden die Kinder beispielsweise aktiv eingebunden – dies war gleichzeitiger Start einer Weiterentwicklung der Kita mit Fokus auf Partizipation. 

    Den Pädagog:innen ist es wichtig, Kinder an der Gestaltung ihres Alltags zu beteiligen. Sie regen Kinder an, sich in die Gemeinschaft einzubringen und Verantwortung zu übernehmen und finden hierfür teils unkonventionelle Methoden.

    So wurde zum Beispiel ein Kinderbeirat gewählt (inkl. Wahlkampf). An der Wahl waren auch die Eltern beteiligt. Es gibt einen Kindertag, an dem die Kinder die Kita „leiten“. Daraus entstehen neue Ideen zur Raumgestaltung und Veränderungsprozesse. Überzeugend sind auch Wunschangebote wie der „Kindercheftag“ und der Kindertag, an denen Kinder die Rollen der pädagogischen Fachkräfte einnehmen und zum Beispiel ans Telefon gehen und Entscheidungen auch gegenüber Externen vertreten.

    Die Zusammenarbeit mit Eltern ist in der Olgakrippe gelebte Bildungspartnerschaft auf gleicher Augenhöhe. 

    Beeindruckt hat die Jury ebenso die gelungene Kindorientierung und gelebte Vielfalt: Das Handeln der Fachkräfte und der Alltag für die Kinder richten sich konsequent an den Bedürfnissen der Kinder aus. Dafür werden die Bedürfnisse der Kinder auf unterschiedlichste, kreative Weise in Erfahrung gebracht, mit den Kindern betrachtet und in mitunter außergewöhnliche Ideen übersetzt, gemeinsam in der Praxis erprobt und umgesetzt. 

    So werden die bedeutsamen Themen der Kinder regelmäßig methodisch-gestützt erhoben, zum Beispiel durch Beobachtungen oder Gespräche mit den Kindern. Auf Basis der Auswertung dieser, entwickeln die Fachkräfte dann im Team Ideen für Aktivitäten oder ungewöhnliche Angebote, die sich an den Impulsen und Fragen der Kinder orientieren, wie beispielsweise eine „laute Runde“, die anstelle einer „leisen Runde“ gewünscht wurde. 

    Der ressourcenorientierte Blick gilt für alle Beteiligten, die Kita zeichnet sich durch einen wertschätzenden, stärkebasierten Umgang mit allen Kindern, Pädagog:innen und Familien aus und nimmt deren Heterogenität als besonderen Gewinn wahr. Die Offenheit für verschiedene Kulturen wird in der Praxis gelebt, zum Beispiel finden Morgenkreise in unterschiedlichen Sprachen statt. 

    Mehr als nur Kita – die Olgakrippe ist ein Familienzentrum im Stadtteil: Sie zeichnet sich durch ihr hohes Engagement im Sozialraum aus und es gibt sehr gute Kooperationen im Stadtteil (zum Beispiel mit der Grundschule). Für Eltern stellt die Kita detaillierte Informationen über mögliche Unterstützungsangebote zur Verfügung. Die Olgakrippe wird so zu einem wichtigen Bestandteil im Lebensraum der Menschen und die Angebote werden an die Bedürfnisse der Familien angepasst – zum Beispiel, indem Veranstaltungen auf das Wochenende verlegt werden. 

    Beeindruckend: Die Kita versteht sich als Gemeinschaft und lebt dieses Gemeinschaftsgefühl. 

    Die Olgakrippe zeichnet sich durch eine offene Arbeitsstruktur unter Einbezug des Early Excellence Ansatzes aus, der erst im Jahr 2019 eingeführt wurde und bereits gut implementiert ist. 

  • AG Nordstadt

    AG Nordstadt

    AG Nordstadt
    Erster Platz 2023

    Ort: Hildesheim
    Bundesland: Niedersachsen
    Handlungsfeld: Gesundes Aufwachsen, Bildungschancen erhöhen, Bildungspartnerschaften
    Aktiv seit: 2018
    Wirkungsradius: Kleinere Großstadt
    Partner: Stadt Hildesheim, Kitas und Familienzentren, Grundschulen, Universität, Träger, Vereine, Stadtteileltern, Landkreis Hildesheim

    Kontakt: Stadt Hildesheim, Teresa Daubenmerkl (Sozialplanerin), t.daubenmerkl[@]stadt-hildesheim.de

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    Der Stadtteil Nordstadt in Hildesheim ist geprägt von vielfältigen Lebenswelten. Hier gründete sich die AG Nordstadt, um allen Kindern gute Bildungschancen zu ermöglichen. Mit Akteur*innen aus Politik, Wissenschaft, Medizin und dem sozialpädagogischen Bereich erarbeitet das Bündnis bedarfsorientierte Angebote für alle Familien im Stadtteil. Um gut und gesund aufwachsen zu können, nehmen Kinder beispielsweise am „Gesunden Frühstück“ oder Musikalisierungskursen in den Kitas teil und verbessern in Projekten wie „Kiddies in Bewegung“ spielerisch ihre Koordination und Motorik. Charakteristisch sind niedrigschwellige Angebote, mit denen das Bündnis auch direkt auf die Familien zugeht: Ob im Kinderwagen-Café oder beim Eltern-Talk – hier tauschen sich Eltern und Kinder untereinander aus und knüpfen neue Kontakte. Das Bündnis leistet so einen wichtigen Beitrag für Teilhabe- und Bildungschancen aller Kinder in der Nordstadt.

    Das sagt die Jury

    Das Bündnis zeigt eine herausragende Wirkkraft in dem von Armut und Migration geprägten Sozialraum. Alle Akteur*innen aus dem Quartier sind vertreten, darüber hinaus gelingt es dem Bündnis ungewöhnliche Bündnispartner*innen zu gewinnen. Hervorzuheben ist die starke Beteiligung der kinderärztlichen Dienste und die Einbindung der Uni Hildesheim. Das breite Zusammenwirken der unterschiedlichen Akteur*innen ermöglicht einen multiperspektivischen Blick auf Kinder und Familien sowie passgenaue Angebote. Die AG Nordstadt zeichnet sich durch eine beispielhafte partizipative Haltung aus. Die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder und Familien sind Ausgangspunkt bei der Gestaltung von Angeboten und Projekten, wodurch sich die Kinder und ihre Familien als selbstwirksame Gestalter*innen ihres Bildungsweges und Sozialraums erleben.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das Hildesheimer Bündnis zeigt aus Sicht der Jury eine herausragende Wirkkraft in dem besonders von Armut und Migration geprägten Sozialraum. Alle Akteur*innen aus dem Quartier wie Kitas, Grundschulen, Eltern und Kirchen, aber auch übergeordnete Verwaltungsstellen, unter anderem der Stadt und des Landkreises, sind vertreten. Darüber hinaus gelingt es dem Bündnis, ungewöhnliche Bündnispartner*innen zu gewinnen: Hervorzuheben ist die starke Beteiligung der kinderärztlichen Dienste und die Einbindung der Uni Hildesheim. Politik, Wissenschaft, Medizin und alle Einrichtungen vor Ort zeigen hier exemplarisch, wie Lebensräume und Chancen auch unter schwierigen Bedingungen gewinnbringend für Kinder verändert werden können.

    Das breite Zusammenwirken der unterschiedlichen Akteur*innen ermöglicht einen multiperspektivischen Blick auf Kinder und Familien und so auch ein umfangreiches und differenziertes Bild auf ihre Lebenslagen und Bedarfe. Die einzelnen Beobachtungen setzen sich im Bündnis zu einem vollständigen Puzzle zusammen und ermöglichen so gezielte und passgenaue Angebote für die Kinder und Familien.

    Bemerkenswert ist die beispielhafte partizipative Haltung des Bündnisses auf allen Ebenen. Die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder und Familien, die im Weiteren selbst zu Mitgestalter*innen werden, sind oft Ausgangspunkt bei der Gestaltung von Angeboten und Projekten. Ganz selbstverständlich werden sie auch bei Fragen zur Stadtplanung und -entwicklung einbezogen. Dadurch erleben sich die Kinder und ihre Familien als selbstwirksame Gestalter*innen ihres Bildungsweges wie auch ihres Sozialraums.

    In einem besonders von Armut und Migration geprägten Sozialraum gelingt es der AG Nordstadt, Akteur*innen und Ressourcen zu bündeln. Gemeinsam mit allen Beteiligten können so zahlreiche Projekte und Angebote installiert werden, die den Kindern und ihren Familien ein gutes und gesundes Aufwachsen ermöglichen. Die Angebote werden dabei gezielt aufeinander bezogen und miteinander entwickelt. Der umfassende Ansatz fördert die Gemeinwesenarbeit und schafft ein starkes Fundament für das präventive Handeln des Bündnisses.

    Im Vorfeld der Bündnisgründung gab es wenig politische Unterstützung für diesen Ansatz. Es gab weder eine systematische Sozial- und Jugendhilfeplanung noch Mittel zur Übernahme dieser Aufgaben. Sukzessive und durch kluges strategisches Handeln gelang es, bei der Politik Akzeptanz zu erzielen.

    Aus Sicht der Jury ist die Aufbaustruktur des Bündnisses klug gewählt und passgenau: Das Zusammenspiel aus Steuerungsgruppe und zwei Arbeitskreisen für jeweils unterschiedliche Altersstufen gewährleistet ebenso einen guten, passgenauen Zugang zu den Bedarfen der Kinder und ihrer Familien wie auch die Rückbindung an die politischen Entscheidungsträger*innen.

    Die AG Nordstadt kann deshalb als Leuchtturm gelungener Bündnisarbeit und Bündnisorganisation betrachtet werden. Hier wird im Sinne der Kinder durch ein einzigartiges Zusammenspiel aller Professionen viel bewirkt. Politik, Wissenschaft, Medizin und alle Einrichtungen vor Ort zeigen hier exemplarisch, wie Lebensräume und Chancen auch unter schwierigen Bedingungen für Kinder gewinnbringend verändert werden können.

  • Kita Heide-Süd

    Kita Heide-Süd

    Kita Heide-Süd
    Erster Platz 2023

    Ort: Halle (Saale)
    Bundesland: Sachsen-Anhalt
    Größe: 109 Kinder, 15 Mitarbeitende
    Träger: Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen der Stadt Halle/Saale
    Unsere Stärke: Bedürfnisorientierte Arbeit, Kinderrechte, offene Arbeit

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    Die Kinder wissen selbst am besten, was gut für sie ist – dieses Motto gilt in der Kita Heide-Süd in Halle an der Saale. Und wenn die Jüngsten beschließen, dass eine Landschildkröte nun das Beste wäre, lässt sich das Team gerne überzeugen. Damit diese in die Kita einziehen konnte, haben die Kinder recherchiert, Fachkräfte und Eltern befragt, getüftelt und das Gehege mitgebaut. Den jährlichen Ausflug vor Schuleintritt planen sie ebenfalls selbst – samt Radtour, Döner essen und Fähre fahren. In den Themenräumen, der Werkstatt und im Garten der Kita steht allen frei, was sie spielen. Weil die Kinder und Eltern den Alltag mitgestalten und deren Wünsche über geplanten Abläufen stehen, sieht jeder Tag anders aus. Ob Motorrad reparieren, Handwerkstag mit Tischler und Schmied, Projektwoche zum Feuermachen oder mehrtägiger Ausflug mit Camping – statt organisatorischen Grenzen sieht die Kita-Gemeinschaft einfach Gelegenheiten für neue Abenteuer.

    Das sagt die Jury

    Die Kita hat die Jury unter anderem mit ihren besonderen partizipativen Strukturen überzeugt. Die Impulse der Kinder entscheiden über den Tagesablauf, sodass die Kinder jeden Tag ihren eigenen Rhythmus leben: Für sie ist alles freiwillig und es gibt keine strukturellen Vorgaben durch einen festen Tagesablauf oder angeleitete Gemeinschaftssituationen, stattdessen lassen sich die Fachkräfte von den Interessen und Bedarfen der Kinder leiten. Sie ermöglichen ihnen das freie Spielen und sehen sie als eigenständige und kompetente Menschen, die selbstbestimmt ihren Interessen nachgehen können. Die Kita kennt den Sozialraum der Familien, pflegt sehr enge Beziehungen zu den Eltern und bezieht die Familien aktiv in das Kita-Leben ein. Die Fachkräfte haben eigenaktiv Qualitätsstandards für eine kinderrechtsbasierte pädagogische Arbeit entwickelt, richten ihr Handeln konsequent an den Kinderrechten aus und reflektieren ihre Arbeit gemeinsam systemisch mit den Kindern.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Besonders beeindruckend ist die gelebte Partizipation und Kindorientierung in der Kita Heide-Süd: Die Impulse der Kinder entscheiden über den Tagesablauf, sodass Kinder jeden Tag ihren eigenen Rhythmus leben können. Es gibt keine strukturellen Vorgaben durch einen festen Tagesablauf oder von Erwachsenen angeleitete Gemeinschaftssituationen, stattdessen lassen sich die Fachkräfte von den Interessen und Bedarfen der Kinder leiten. So finden in der Kita Heide-Süd spontane Tee-Partys oder Grillabende statt, die die Kinder initiieren und begeistert mitgestalten. Die konsequent partizipativen Strukturen ermöglichen eine hohe Selbstwirksamkeits- und Lernerfahrung der Kinder.

    Projekte werden ausgehend von den Themen der Kinder gestaltet. Aus der Begeisterung fürs Fahrradfahren ist etwa die Projektwoche „Der Sommer unseres Lebens“ entstanden. In der Kita ist es Tradition, dass Kinder vor dem Wechsel in die Grundschule einen gemeinsamen Tag mit einem besonderen Ereignis planen. Im letzten Sommer haben sich die Kinder gewünscht, diesen einen Tag auszudehnen und „eine Woche lang nur Fahrrad zu fahren“. Eine ganze Woche lang machten die Pädagog*innen, unterstützt von Eltern, mit den Kindern ausgiebige Fahrradtouren in die Umgebung. Auch in diesem Jahr wird die Fahrradwoche wiederholt. Ein weiteres Projekt ist das Schildkrötenprojekt: Aus dem Interesse der Kinder an Schildkröten ist eine Kooperation mit dem Zoo der Stadt Halle entstanden. Die Kinder beherbergen und pflegen nun die Schildkröte Lolly bei sich in der Kita.

    Die Kita ist der Ort der Kinder und bietet ihnen eine anregende Umgebung und individuell gestaltete Funktionsräume, die am offenen Konzept ausgerichtet sind. Die Fachkräfte ermöglichen den Kindern das freie Spielen und sehen sie als eigenständige und kompetente Menschen, die selbstbestimmt und vertieft ihren Interessen nachgehen können. Die Fachkräfte sind davon überzeugt, dass sich Kinder im Spiel selbst bilden. Sie begleiten die Kinder stets aufmerksam und unterstützend ohne sich aufzudrängen.

    Die kreative Gestaltung der Räume in der Kita Heide-Süd ist einzigartig: In den familiär und liebevoll gestalteten Räumen der Einrichtung fühlen sich die Kinder wie zu Hause. Individuell und lebensnah gestaltete Räume und verschiedene Schlafplätze von Zelt und Kinderwagen über Doppelbett bis hin zu Körben bieten den Kindern einen Ort zum Wohlfühlen. In der authentischen Zweiraum-Wohnung – eingerichtet von den Kindern – gibt es Platz für unbeobachtetes Spiel.

    Beeindruckt hat die Jury auch, wie das Team die Teilhabe aller Kinder am Kita-Leben durch konkrete Maßnahmen garantiert. Förderangebote und Therapeut*innen werden ins Haus geholt und in den Kita-Alltag eingebettet. Die Fachkräfte arbeiten engagiert daran, Barrieren abzubauen: Im Bereich der Sprache geschieht dies etwa mithilfe von Piktogrammen, Übersetzungs-Apps oder Dolmetscher*innen.

    Kinder werden in ihrer Familienidentität unterstützt und die Fachkräfte haben enge Beziehungen zu den Eltern und Familien. Die Kita kennt den Sozialraum der Familien und bezieht diese aktiv in das Kita-Leben ein. So hat die Kita etwa die Ressourcen-Plattform „Gelbe Seiten“ gestartet: Hier können Eltern und Familienangehörige ihre Fähigkeiten und Talente notieren und individuell in der Kita einbringen. Die Kita bietet Familien Hilfeleistungen auch bei nicht-pädagogischen Herausforderungen wie der Antragstellung bei Behörden oder drohender Wohnungslosigkeit. Quereinsteiger*innen werden mit ihren jeweiligen beruflichen Kompetenzen in die pädagogische offene Arbeit eingebunden.

    Die Kita hat sich in Eigeninitiative als kinderrechtsbasierte Einrichtung weitergebildet und hat, angelehnt an die UN-KinderrechteQualitätsstandards für Träger, Leitungen und Pädagog*innen für eine kinderrechtsbasierte pädagogische Arbeit entwickelt. Die pädagogische Arbeit ist folglich konsequent an den Kinderrechten ausgerichtet und wird gemeinsam mit den Kindern systematisch reflektiert und weiterentwickelt. Die Kita ist Konsultations-Kita für den Kinderrechtsansatz und Anlaufstelle für benachbarte Kitas.

  • Kita Regenbogenland

    Kita Regenbogenland

    Kita Regenbogenland
    Erster Platz 2024

    Ort: Rötha
    Bundesland: Sachsen
    Größe: 121 Kinder, 32 Mitarbeitende
    Träger: Stadtverwaltung Rötha
    Unsere Stärke: Inklusion, Situationsansatz, Partizipation Kinder und Eltern

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    Können Feuerwanzen schwimmen? Das dürfen die Kinder der Kindertagesstätte Regenbogenland in Rötha, einer Kleinstadt südlich von Leipzig, selbst austesten – solange die Tiere nicht in Gefahr geraten. Konflikte selbst lösen? Auch das wird gefördert: im „Kinderkrisenteam“. Eigeninitiative und Selbstbestimmung sind seit dem Wechsel der Einrichtung zum offenen Konzept in den Vordergrund gerückt. So entscheiden die Kinder selbstständig, ob sie in einen Themenraum, in den Wald oder einkaufen gehen wollen. Die Fachkräfte der inklusiven Kita gehen sensibel auf Schlüsselmomente und das individuelle Entwicklungstempo der Jüngsten ein. Mit Plakaten, Dolmetschenden und einer App ermuntern sie die Familien in ihrer Vielfalt zum Mitgestalten der Kita-Gemeinschaft. So erleben die Kinder von Anfang an, wie bereichernd es ist, verschiedene Hintergründe, Bedürfnisse, Fähigkeiten und Meinungen zu haben.

    Das sagt die Jury

    Besonders überzeugt hat die Jury, wie das Team den pädagogischen Alltag gestaltet – orientiert an den Interessen der Kinder und Bedürfnissen der Familien. Wichtige Anliegen werden in der gesamten Gemeinschaft besprochen. Auch die Kritischen – auf ein lautes Signal hin kommen dazu zum Beispiel alle in „Kinderkrisenteams“ zusammen. Chancengerechtigkeit wird in der Kita großgeschrieben. Das Team hilft den Familien bei bürokratischen Hürden oder organisiert fehlende Schultüten für Kinder. Bei Bedarf erhalten Kinder auch Therapieangebote wie Logopädie oder Ergotherapie in den Räumen der Kita. Besonders beeindruckt hat die Jury auch die Umstellung auf die offene Arbeit, bei der das Team die Familien schrittweise mitnahm und den Eltern Hospitationen in der Kita anbot. Die Jury zeigte sich fasziniert von der Offenheit im Team, die eigene Arbeit zu reflektieren und gemeinsam neue Lösungen zu finden. Die Kita kann sich dabei der Unterstützung durch ihren Träger gewiss sein. Die Kita versteht sich als aktiver und integraler Teil der Stadt und öffnet sich in den Sozialraum. Es bestehen feste Kooperationen mit anliegenden Einrichtungen, wie zum Beispiel dem Mehrgenerationenhaus oder der Grundschule. Die Jury lobt die enge Begleitung der Kinder beim Übergang in die Grundschule. Mehrmals besuchen die älteren Kinder die Grundschule und lernen dabei Lehrkräfte, Mitschüler*innen und Umgebung kennen.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Um die Qualität der Einrichtung kontinuierlich weiterzuentwickeln, hat das Team eine bemerkenswerte Haltung in Bezug auf Reflexionsstrukturen und Lösungsbereitschaft entwickelt. In einem kontinuierlichen Veränderungsprozess hin zur offenen Arbeit konnte sich die Kita seit 2017 mit viel Energie und intensiver Evaluation weiterentwickeln. Hierbei ist die partizipative Haltung der Leitungen hervorzuheben: Kinder, Familien und die Fachkräfte wurden sensibel und transparent in den Umstellungsprozess einbezogen. Das Team nahm die Familien bei der Umstellung auf die offene Arbeit Schritt für Schritt mit, indem erst ein offener Freitag angeboten und dann die offenen Tage immer mehr ausgeweitet wurden. Zudem wurden die Familien zu Hospitationen im Kita-Alltag eingeladen.

    Das Team der Kita Regenbogenland evaluiert die eigene pädagogische Arbeit regelmäßig und systematisch mit Blick auf Verbesserungen, ist wissbegierig und engagiert in Sachen Fort- und Weiterbildungen, aber auch stets interessiert am individuellen Kind und seiner aktuellen Situation. Darüber hinaus achten auch die Fachkräfte auf ihre persönlichen Grenzen und unterstützen und entlasten sich in herausfordernden Situationen gegenseitig.

    Die Zusammenarbeit mit Eltern gestaltet das Team äußerst transparent, konstruktiv und vertrauensvoll und ermöglicht Eltern viel Einblick in den Alltag ihrer Kinder, etwa durch Hospitationen der Familien und ein aktives Nutzen der Kita-App. Die Kindertagesstätte unterstützt Familien zudem in herausfordernden Situationen mit dem Ziel der Teilhabe aller Kinder am Kita-Geschehen.

    Die Pädagog*innen sind aufmerksam für individuelle und soziale Unterschiede. In Bezug auf Familien, die in Armut leben, waren sie mit dem Caterer im Austausch und erhalten nun statt der süßen Nachspeisen Obst und Gemüse. Damit ist eine gesunde Ernährung, unabhängig vom Einkommen der Familien gewährleistet. Das Team unterstützt Familien auch im Alltag, beispielsweise bei der Suche nach Kinderwagen, der Organisation einer Schultüte oder bei Antragstellungen. Therapieangebote wie Logopädie oder Ergotherapie finden in den Räumen der Kita statt. Zudem schließen sich Pädagog*innen mit heilpädagogischer Zusatz- oder ähnlicher Qualifizierung zu Integrationsteams zusammen und haben so einen ganzheitlichen Blick auf das Kind. Sie legen Förderpläne sowie Ziele fest und nutzen ressourcenorientierte Methoden zur Umsetzung. Sie treffen sich, um über die Aktivitäten und Partizipation von Kindern mit besonderen Bedürfnissen zu sprechen.

    Des Weiteren werden bedarfsgerechte Öffnungszeiten angeboten. Die Kinder profitieren so von einer verlässlichen Betreuung, bei der ihre individuellen Bedürfnisse und unterschiedlichen Lebenswelten respektiert werden.

    Die Kita Regenbogenland nutzt aktiv eine Kita-App. Mithilfe von Tablets kann jede Fachkraft auf die App zugreifen, spezifische Hinweise mitteilen oder im Kita-Chat schreiben. Ein Teil der Dokumentation wird über die Tablets geführt, sodass jede Fachkraft jederzeit zu jedem Kind auskunftsfähig ist. Im „Forscherraum“ können auch die Kinder täglich Tablets nutzen.

    Das ehrliche Interesse der Fachkräfte für die Themen der Kinder und die transparente und familiennahe Gestaltung des pädagogischen Alltags zeichnen diese Einrichtung besonders aus. Insgesamt schafft die Kita ein einladendes und unterstützendes Umfeld, in dem Kinder wertgeschätzt und zur aktiven Mitgestaltung ihres Alltags ermutigt werden. Das Bewusstsein für partizipative Bildungskonzepte wird gestärkt, indem die Einrichtung aktiv demokratische Werte fördert und den Beschwerden der Kinder einen Raum gibt. In der Kita werden ihre Stimmen gehört und Partizipation gelebt. Zudem erfahren sie sowohl in strukturiertem Rahmen als auch im Alltag, dass ihre Äußerungen eine Wirkung haben und sie vielfältige Anregungen für ihre Bildungsprozesse erhalten. Es gibt Kinderkonferenzen sowie ein nach Bedarf einberufenes Kinderkrisenteam: hier werden wichtige Anliegen mit der gesamten Gemeinschaft besprochen und gemeinsam Lösungen gesucht. In den Morgen- und Reflexionskreisen werden Kinder ermutigt, von ihrem Tag zu erzählen oder auch zu sagen, was gut oder nicht gut war. Zusätzlich hängt im Eingangsbereich ein Sorgenfresser, in dem die Anliegen der Kinder gesammelt werden.

    Die Pädagog*innen planen Unternehmungen und Projekte eng entlang der Fragen der Kinder bzw. der wahrgenommenen Beobachtungen der Fachkräfte. Das „Dino-Projekt“ wurde beispielsweise auf Grundlage der Beobachtungen von Fachkräften entwickelt. In mehreren Gesprächen ging es um Dinosaurier. Dabei interessierten sich die Kinder vor allem für die Skelette und deren Ausgrabung. Es wurden Dinosaurierknochen aus Salzteig hergestellt, im Sand vergraben und die Kinder konnten Archäolog*innen spielen. Pädagog*innen nutzen zudem unterschiedliche Beobachtungsverfahren und greifen die Interessen, Fragen und Ideen von Kindern aufmerksam auf. So werden auch herausfordernde Themen wie das Thema Tod sensibel und kindnah besprochen.

    Die Kita versteht sich als aktiver und integraler Teil der Stadt und öffnet sich in den Sozialraum. Mit der benachbarten Kita gestaltet die Einrichtung gemeinsam Ausflüge. Mit Unterstützung des Fördervereins organisieren sie verschiedene Feste und Aktionen. Es bestehen feste Kooperationen mit anliegenden Einrichtungen, welche von der Kita aktiv geknüpft werden – wie z.B. dem Mehrgenerationenhaus, der Kinderkrippe sowie einer nahegelegenen Kita. Alle Angebote beispielsweise im benachbarten Mehrgenerationenhaus dienen dazu, dass sich Bewohner*innen des Ortes begegnen können. Die Jury überzeugt zudem die hervorragende und enge Begleitung der Kinder beim Übergang in die Grundschule. Mehrmals besuchen die Kitakinder die Grundschule und lernen dabei schon Klassenlehrkräfte, Mitschüler*innen und die Umgebung kennen. Für die Besuche kooperiert das Team auch mit der benachbarten Kita, damit sich die Kinder kennenlernen können, die später gemeinsam die Grundschule besuchen werden.

    Es herrscht eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Träger, welcher der Kita notwendige Ressourcen und Freiräume bereitstellt und sich auch über die Grenzen der Kommune hinweg für Belange von Kindern und Familien einsetzt.

  • Bündnis Dortmunder Nordstadt

    Bündnis Dortmunder Nordstadt

    Bündnis Dortmunder Nordstadt
    Erster Platz 2024

    Ort: Dortmund
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: Förderung des Spracherwerbs und der Medienkompetenz von Kindern, Fortbildung der Fachkräfte in den Bereichen Diversität, Rassismus und Gewaltprävention
    Aktiv seit: 2010
    Wirkungsradius: Quartier
    Partner: FABIDO, Familienbildung Dortmund, uzwei, Kunstreich im Pott e.V., Kitas sowie weitere Kooperationspartnerinnen und -partner je nach Jahresthema

    Kontakt: Kunstreich im Pott e.V., Ulrike Korbach (1. Vorsitzende, Gesamtprojektkoordinatorin), ulrikekorbach[@]web.de

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    „Und Action!“ – in den Kitas der Dortmunder Nordstadt arbeiten jedes Jahr Kita-Kinder an einem Filmprojekt. Das Bündnis Dortmunder Nordstadt hat sich die Förderung von Medienkompetenz und Spracherwerb auf die Fahne geschrieben. Dafür arbeiten Künstler*innen und pädagogische Fachkräfte Seite an Seite zusammen: Verschiedene Themen wie Missbrauchsprävention, Gefühle, Selbstbestimmung oder der eigene Körper werden in Workshops mit Kindern und Eltern bearbeitet. Einmal im Jahr wird dafür ein Film an einer Kita produziert. Drei- bis Sechsjährige erstellen ein eigenes Drehbuch, animieren ihren Film und produzieren die Musik. Am Ende wird ihr Film im Kino oder auf Filmfestivals ausgestrahlt, zu denen das Bündnis zusammen mit den Familien reist. In den vergangenen Jahren holten sie sogar Preise beim Deutschen Jugendfilmpreis und dem Deutschen Multimediapreis. Zusammen mit dem Bündnis Dortmunder Nordstadt gehen Kinder und Eltern selbstbewusst nicht nur in den Kinosaal, sondern auch ins Leben.

    Das sagt die Jury

    Das Bündnis begegnet Kindern und ihren Familien stärkenorientiert und auf Augenhöhe. Kinder werden in ihren individuellen Potenzialen stets gefördert. Dem Bündnis gelingt es hervorragend die Kinder in einem hochbelasteten Stadtteil durch niedrigschwellige Bildungsangebote für Kunst und Kultur zu begeistern und sie diese auch aktiv mitgestalten zu lassen. Das Bündnis nutzt kreative Formate, um Sprachförderung und kulturelle Teilhabe zu kombinieren und gleichzeitig wichtige Themen wie Rassismus, Gewaltprävention und Diversität aufzugreifen. Ein Paradebeispiel für Partizipation: Kinder sind die Hauptakteur*innen und entscheiden, inwieweit sie die Erwachsenen in ihre Projekte einbeziehen. Sie erarbeiten selbst die Ideen und Geschichten für ihre Filmprojekte und bestimmen aktiv, wie sie sich einbringen möchten. Die ausgeprägte Multiprofessionalität macht das Bündnis so stark. Kita-Teams und Kulturschaffende arbeiten eng zusammen. Jeder und jede bringt hierbei seine individuellen Stärken ein. Das Lernen im Prozess wird als Bereicherung erlebt und vorgelebt. Das eigene Wirken wird beständig mit Blick auf etwaige Diskriminierungsmomente und strukturelle Rassismen reflektiert. Mögliche Stereotype werden so aktiv bewusst gemacht und abgebaut.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das Bündnis Dortmunder Nordstadt zeichnet sich durch eine breite Palette an Lern- und Fördermöglichkeiten für Kinder und Familien aus. Durch die enge Zusammenarbeit eines multiprofessionellen Teams, das neben pädagogischen Fachkräften auch Künstler*innen und Theaterpädagog*innen umfasst, wird die Arbeit mit den Kindern und Familien um verschiedene Perspektiven erweitert. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, kreative und vielfältige Lernmethoden zu entwickeln, die den unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen der Kinder gerecht werden. Künstler*innen bringen ihre Expertise in den Bereichen Musik, bildende und darstellende Kunst ein, was den Kindern neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet und ihre Kreativität fördert. Theaterpädagog*innen wiederum schaffen Räume, in denen Kinder durch Rollenspiele und Inszenierungen Selbstbewusstsein und soziale Fähigkeiten entwickeln.

    Dieser Ansatz fördert nicht nur die künstlerische Entfaltung der Kinder, sondern trägt auch zur Sprachentwicklung und emotionalen Intelligenz bei. Durch kreative Ausdrucksformen wie Malen, Schauspielern und Musizieren können Kinder ihre Gedanken und Gefühle auf nonverbale Weise mitteilen, was besonders für Kinder mit Sprachbarrieren oder geringen Deutschkenntnissen von großer Bedeutung ist. Die pädagogischen Fachkräfte bringen dabei ihre Erfahrung im Bereich der kindlichen Entwicklung und Sprachförderung ein, wodurch eine ganzheitliche Förderung erfolgt, die sowohl kognitiv als auch emotional und sozial wirkt.

    Die enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Fachkräften führt zu einem intensiven Austausch von Ideen und Methoden. Das kommt nicht nur den Kindern zugute, sondern bildet auch die Fachkräfte selbst weiter. Diese Vielfalt an Perspektiven sorgt dafür, dass jedes Kind auf individuelle Weise angesprochen wird, wodurch eine inklusive und differenzierte Förderung gewährleistet ist. Das Resultat ist eine reichhaltige und dynamische Lernumgebung, in der die Kinder in ihrem eigenen Tempo wachsen können, unterstützt von einem Team, das sowohl die künstlerischen als auch die pädagogischen Potenziale voll ausschöpft.

    Kulturelle Angebote wie Kunst, Theater und Musik werden auch genutzt, um eine Brücke zu den Eltern zu bauen. Dadurch können diese nicht nur die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder unterstützen, sondern auch deren spezifische Talente entdecken. Durch die eröffneten Zugänge erfährt oft die gesamte Familie mehr Teilhabe am kulturellen Leben. Das Bündnis setzt einen besonderen Akzent auf die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund durch gezielte Medien- und Kulturprojekte, die über Medienkompetenz hinaus auch die Resilienz, das Zusammengehörigkeitsgefühl und ein wertschätzendes Miteinander stärken.

    Das Engagement aller Beteiligten in der Bündnisarbeit ist besonders wertvoll. Die offene Haltung und das Zusammenwirken unterschiedlicher Professionen schaffen eine lebendige, vertrauensvolle und lernorientierte Atmosphäre. Kitas arbeiten nicht isoliert, sondern als Teil eines Teams, das kooperiert und gemeinsam an Lösungen arbeitet. Die Partizipation der Kinder steht im Mittelpunkt: Die Kinder sind die Hauptakteur*innen und entscheiden selbst, wie sie sich einbringen möchten, aber auch in welchem Umfang sie die Erwachsenen in ihre Projekte einbeziehen. Sie entwickeln eigenständig Ideen und Geschichten für Filmprojekte und bestimmen aktiv, wie sich ihr Projekt entfaltet. Durch kreative Formate werden Sprachförderung und kulturelle Teilhabe kombiniert, während gleichzeitig wichtige Themen wie Rassismus, Gewaltprävention und Diversität auf fachlicher Ebene behandelt werden.

    Die Präsentation der von den Kindern erstellten Filme in Kinos und auf Festivals ist etwas ganz Besonderes und stärkt das Selbstbewusstsein und das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Durch nonverbale Interaktionsformate wird eine gleichberechtigte Teilnahme aller Kinder ermöglicht. Das Bündnis trägt mit seiner Arbeit somit zu einer authentischen und diskriminierungsarmen Partizipation bei.

    Trotz schwieriger Rahmenbedingungen gelingt es dem Bündnis, durch ressourcenorientierte und kreative Bildungsangebote die Talente der Kinder zu fördern und sie in ihrer Resilienz zu stärken. Die enge Zusammenarbeit zwischen Künstler*innen und pädagogischen Fachkräften schafft einen produktiven Austausch, der sowohl den Kita-Alltag als auch die künstlerischen Prozesse bereichert. Auch die Familien der Kinder werden in das kulturelle Leben einbezogen, was die gesamte familiäre Teilhabe stärkt. Das Bündnis ist ein beeindruckendes Beispiel für multiprofessionelle Zusammenarbeit. Es fördert nicht nur die Talente der Kinder, sondern eröffnet auch neue Horizonte durch Kunst und Kultur. Besonders bemerkenswert ist der kreative Ansatz, der es Kindern und ihren Familien ermöglicht, auf einer ganz neuen Ebene teilzuhaben, zu lernen und zu wachsen.

  • Präventionsketten im Landkreis Peine

    Präventionsketten im Landkreis Peine

    Präventionsketten im Landkreis Peine
    Erster Platz

    Ort: Peine
    Bundesland: Niedersachsen
    Handlungsfeld: Präventionsketten, Übergang Kita–Schule, Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen der Kinder, Stärkung der Elternverantwortung, Stärkung der Kinderperspektiven
    Aktiv seit: 2020
    Wirkungsradius: Landkreis und Stadt
    Partner: städtische bzw. kirchliche Kitas und Familienzentren, Frühförderung der Lebenshilfe, Regionales Beratungs- und Unterstützungszentrum für inklusive Schule, Grundschulen und Praxisberatung der Stadt Peine sowie Erziehungsberatungsstelle, Kita-Fachberatung und Kinder- und jugendärztlicher Dienst des Landkreises Peine

    Kontakt: Landkreis Peine-FD Jugendamt, Elisa Behrens (Koordinatorin der Präventionsketten), e.behrens[at]landkreis-peine.de

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    Die Präventionsketten im Landkreis Peine nehmen die Übergänge in den Blick – von der Eingewöhnung in Krippe und Kita bis zur Grundschule und darüber hinaus. Das Bündnis bindet dabei Fachkräfte, Kinder und Familien aktiv mit ein. Im Mittelpunkt steht immer die Frage: Was brauchen junge Menschen, um gut aufzuwachsen? Weil beispielsweise viele Kinder der ersten Klasse Startschwierigkeiten hatten, organisierten die Verantwortlichen der Präventionsketten Malinterviews mit den Kita-Kindern, um deren Perspektive auf Schule zu erfassen. Das Ergebnis war: Viele von ihnen hatten schlichtweg kein Bild davon, was sie in der Grundschule erwartet. Das Willkommensbuch „Schule“, das nicht nur für die Kinder, sondern mit ihnen konzipiert und gestaltet wurde, sowie eine Info-Broschüre für Eltern geben seither Orientierung. Das Austauschforum „Gut ankommen in der Schule“ unterstützt Fachkräfte zudem dabei, den Übergang gemeinsam und ausgehend von den Bedürfnissen der Familien zu denken. In Fachtagungen und Fortbildungen gibt es neue Impulse und die Möglichkeit, sich auszutauschen. Das stärkt den Zusammenhalt der Verantwortlichen – immer mit dem Ziel, allen Kindern im Landkreis Peine ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen.

    Das sagt die Jury

    Überzeugt hat die Jury, dass sich das Bündnis intensiv mit der Frage beschäftigt „Was brauchen junge Kinder und ihre Familien, um Übergänge gut zu meistern – von der Eingewöhnung in die Krippe und den Ü3-Bereich der Kita über die Schule und darüber hinaus?“ Die Antwort lautet: Orientierung und Sicherheit. Die erhalten die Kita-Kinder in Peine schon vor dem Schuleintritt beispielsweise durch das von Schulkindern gestaltete Willkommensbuch. In den ersten zwei Schulwochen begleiten die Kita-Fachkräfte die Kinder dabei, die neue Umgebung zu entdecken. Die Verantwortlichen verschiedener Institutionen arbeiten dabei sehr eng zusammen. Und die Bündnisbeteiligten haben auch die Kinder im Blick, die in herausfordernden Situationen aufwachsen. So entwickelte der Runde Tisch „Kinderarmut“ in kürzester Zeit eine Übersicht über die Angebote für Familien in finanzieller Not. Das Bündnis hat ein klares Ziel vor Augen, eine verlässliche Struktur und ein starkes Team, das voneinander lernt.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Brücken für starke Kinder: Innovative Ideen für einen gelingende Übergange 

    Das Bündnis verfolgt das Ziel, allen Kindern ein gesundes und chancengerechtes Aufwachsen zu ermöglichen. Um das zu erreichen, baut es Zugangsbarrieren ab, stärkt Übergänge – in die Kita, aber insbesondere den von der Kita in die Schule – und bindet Familien sowie Kinder aktiv ein. 

    Das Bündnis gestaltet diese Übergänge außerordentlich kindorientiert, ganzheitlich und interdisziplinär. Das Bündnis betrachtet Kindheit umfassend, vernetzt verschiedene Professionen und schafft damit eine stabile Grundlage für gelingende Übergänge. Dabei übernehmen die Beteiligten nicht einfach bestehende Übergangsmodelle, sondern entwickeln diese konsequent weiter und orientieren sich an Kinderperspektiven und an den Bedarfen der Familien. Um Letzteres zu gewährleisten, wurde unter anderem das partizipatives Eingewöhnungsmodell in Kitas eingeführt. Fachkräfte besuchen Familien vor der eigentlichen Eingewöhnung zu Hause, um Vertrauen aufzubauen und das Umfeld des Kindes kennenzulernen. 

    Kinder und Familien werden über institutionelle Ebenen hinweg begleitet und Wissen wird weitergegeben. 
    Übergänge werden nicht isoliert gedacht. Stattdessen begleitet das Bündnis Kinder und Familien kontinuierlich, fördert Austausch zwischen den beteiligten Einrichtungen und macht Wissen systematisch zugänglich, zum Beispiel durch Informationsmaterialien wie „Das letzte Jahr vor der Schule“ sowie Flyer und Plakate zur Schuleingangsuntersuchung: Diese werden kindgerecht aufbereitet, um das Informationsrecht der Kinder zu berücksichtigen und Familien durch die Schritte des Übergangs zu führen.  

    Auch gemeinsame Elternabende von Kita und Schule sowie das Forum „Gut ankommen in der Schule“ tragen zum Gelingen bei. Das Forum als jährliche Veranstaltung für Kitas, Grundschulen und weitere Akteurinnen und Akteure – initiiert durch die Bündniskoordination – bietet Austausch, Networking und Best Practice. Ergänzt werden diese Formate durch einen Runden Tisch zum Thema Kinderarmut. 

    Im Bündnis werden Eltern aktiv eingebunden und nach ihren Einschätzungen gefragt, zum Beispiel durch Befragungs- und Beteiligungsformate, wie Elternbefragungen und -gespräche.  

    Das Bündnis fördert auch die Einbindung der Kinderperspektiven durch kreative und partizipative Methoden. 
    Kinder werden gefragt, wie sie Übergänge erleben. Methoden wie Malinterviews machen ihre Sichtweisen sichtbar und fließen in die Angebotsentwicklung ein. So zeichnete ein Kind beispielsweise die Schule als Festung – das Bündnis nahm dies auf und entwickelte Willkommensbücher, um Kita-Kindern den Übergang zur Schule zu erleichtern. Das Palaverzelt ist nicht nur eine Methode zur Konfliktlösung. Kinder erlernen die Methode bereits in der Kita und setzen sie in der Grundschule fort. So finden sie bekannte Strukturen wieder und können soziale Kompetenzen weiterentwickeln. 

    Kita und Schule wirken gemeinsam am Übergang in die Schule 
    Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist ein zentrales zentrales Ereignis im Leben eines Kindes, das von zwei unterschiedlichen Institutionen gemeinsam gestaltet werden muss. In Peine gelingt dies in besonderer Weise: Kita und Schule arbeiten eng, wertschätzend und wechselseitig lernend zusammen. 
    Kita und Schule bringen unterschiedliche Perspektiven auf Bildung mit. In Peine gelingt ein außergewöhnlicher fachlicher Austausch, der von beiden Seiten ausgeht. Beide Institutionen wollen aktiv voneinander lernen und ihr Wissen zum Wohl der Kinder teilen. Eine Besonderheit: Pädagogische Fachkräfte aus den Kitas begleiten einzelne Kinder in den ersten zwei Schulwochen im Klassenraum. Sie sind dort ansprechbar, arbeiten im Tandem mit Lehrkräften und geben den Kindern Sicherheit. 

    Viele Übergangsprojekte stützen sich hauptsächlich auf Hospitationen der Kitas in Schulen. Das Bündnis in Peine geht deutlich weiter: Es lebt einen echten gegenseitigen Austausch. Beide Seiten lassen sich aufeinander ein, ohne Anspruchshaltungen, stattdessen mit dem ernsthaften Willen, Kinderperspektiven und Vorerfahrungen aufzugreifen und gemeinsam zu nutzen. Das Engagement ist außergewöhnlich und institutionell stark verankert. Dafür werden Hospitationen der Schule in den Kitas umgesetzt. Der Impuls dazu kam direkt aus dem Lehrkollegium – ein Zeichen echter Offenheit und Lernbereitschaft. Auch Grundschulleitungen übernehmen aktiv Bündnisarbeit: Sie hospitieren selbst in Kitas. Dadurch wird die Übergangsgestaltung zu einem strategischen Schwerpunkt der Schulen und nicht zu einem Nebenprojekt. 

    Peer-to-Peer-Ansatz für Kinder beim Übergang 
    Der Übergang von der Kita in die Grundschule wird nicht nur von Erwachsenen gestaltet. In Peine wird ein innovativer Peer-to-Peer-Ansatz verfolgt, bei dem Kinder nicht nur gehört werden, sondern selbst aktiv zum Gelingen der Übergänge beitragen. Sie unterstützen einander, teilen Erfahrungen und gestalten Materialien für jüngere Kinder. 

    Ein zentrales Element sind Willkommensbücher, die von Schulkindern erstellt werden. Dadurch werden die älteren Kinder darin bestärkt, Verantwortung zu übernehmen, sich sozial zu engagieren und ihre eigene Selbstwirksamkeit zu erleben. Das Bündnis entwickelt gemeinsam einen reichen Schatz an kindgerechten Materialien und Methoden, die diesen Prozess unterstützen. Dafür gestalten Schulkinder Willkommensbücher: Die Bücher zeigen Kita-Kindern wichtige Aspekte des Schulstarts – zum Beispiel Pläne des Schulgebäudes, Fotos von zentralen Orten, Sicherheitspunkten, dem Hausmeister, der Sekretärin und den Toiletten. Rückzugsorte werden von den Schulkindern selbst definiert und erklärt. Sie entscheiden, was gezeigt wird, fotografieren eigenständig und gestalten alles selbst. 

    Klare Strukturen für stetige Weiterentwicklung 
    Das Bündnis „Präventionsketten im Landkreis Peine“ zeigt beispielhaft, wie wirksame und nachhaltige Vernetzung zwischen Kommune, Kita, Schule und weiteren Beteiligten gelingen kann. Die Arbeit folgt klaren organisatorischen Strukturen und ist zugleich flexibel genug, um neue Impulse schnell aufzunehmen und umzusetzen. 

    Es hat eine strukturierte und koordinierte Zusammenarbeit als Grundlage. Die Zusammenarbeit im Bündnis basiert auf einer tragfähigen Struktur: Eine Steuergruppe, verschiedene Arbeitsgruppen und eine zentrale Koordinatorin bündeln alle Aktivitäten. Dadurch ist gewährleistet, dass Informationen zielgerichtet fließen, Verantwortlichkeiten klar sind und Entwicklungen kontinuierlich vorangetrieben werden. Gleichzeitig wächst die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure stetig. Dies zeigt sich beispielsweise an der schnellen Umsetzung des Willkommensbuchs an weiteren Schulen: Beim Vor-Ort-Besuch im Rahmen des Deutschen Kita-Preises stellte sich die Frage, warum nicht alle Schulen das Willkommensbuch nutzen. Nur drei Wochen später hatte die Koordinatorin alle Schulen kontaktiert – nahezu alle wollten das Konzept übernehmen. Dies verdeutlicht die kurze Reaktionszeit und hohe Umsetzungsbereitschaft im Bündnis. 

    Regelmäßige gemeinsame Formate sichern Austausch und Anpassungsfähigkeit. Durch regelmäßige Treffen, Arbeitsgruppen, Foren und thematische Runden Tische bleibt die Zusammenarbeit lebendig. Herausforderungen werden gemeinsam identifiziert, Lösungen entwickelt und Veränderungen zeitnah umgesetzt. So entsteht eine dynamische Struktur, die fortlaufend an neue Bedarfe angepasst wird. Dies zeigt sich zum Beispiel in der Weiterarbeit am Runden Tisch „Kinderarmut“: Aus den Ergebnissen des Runden Tisches wurde eine Taskcard mit Unterstützungsangeboten für Familien in finanziellen Notlagen entwickelt. Sie wird allen relevanten Multiplikatoren, wie Kitas, Schulen, Jugendhilfe, freien Trägern, zur Verfügung gestellt. Die Verteilung erfolgt direkt per Mail oder über bestehende Netzwerke wie Frühe Hilfen, Gesundheitsregion, Bildungsregion oder Familienzentren. Damit wird sichergestellt, dass Informationen schnell dort ankommen, wo sie gebraucht werden. 

  • Inklusive Kita Unkel

    Inklusive Kita Unkel

    Inklusive Kita Unkel
    Erster Platz 2025

    Ort: Unkel
    Bundesland: Rheinland-Pfalz
    Größe: 131 Kinder, 28 Mitarbeitende
    Träger: Stadt Unkel
    Unsere Stärke: multiprofessionelles Team, Inklusion, Kombination verschiedener pädagogischer Methoden wie Reggio-Pädagogik, offene Arbeit und tiergestützte Intervention

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    Die Inklusive Kita Unkel ist ein Ort, an dem Inklusion gelingt: Alle Kinder werden in ihrer Einzigartigkeit wahrgenommen und individuell begleitet. Angeschlossen an das Heilpädagogisch-Therapeutische Zentrum Neuwied unterstützt die Einrichtung auch Kinder mit Beeinträchtigungen. Für eine bestmögliche Förderung sorgt ein interdisziplinäres Team aus Fachkräften der Ergo- und Physiotherapie, Logopädie, Psychologie sowie einer Ärztin. Sie alle kommen direkt in die Kita und ermöglichen bedarfsgerechte Angebote mitten im Kita-Alltag. Um auf die vielfältigen Bedürfnisse und Talente der Kinder einzugehen, verbindet die Einrichtung verschiedene pädagogische Ansätze wie Reggio-Pädagogik, offene Arbeit und tiergestützte Intervention miteinander. So begleiten fünf Zwergziegen sowie Therapiehund Karl die Kinder und geben ihnen beispielsweise in der sensiblen Eingewöhnungsphase Sicherheit. Die Kinder gestalten ihren Alltag aktiv mit: Sie entscheiden, wo und mit wem sie spielen, was und wann sie essen, ob und wie lange sie schlafen sowie wer ihre Bezugsperson ist. In der Inklusiven Kita Unkel passt sich nicht das Kind der Kita an, sondern die Kita dem Kind.

    Das sagt die Jury

    Überzeugt hat die Jury, dass die Einrichtung auf außergewöhnliche Weise ein inklusiver Ort für alle Kinder – mit und ohne Beeinträchtigung – ist und jedes einzelne Kind mit großer Wertschätzung, Professionalität und Herz bestmöglich begleitet wird. Für alle wird ein Weg gefunden, der Teilhabe möglich macht, auch bei Kindern mit höchstindividuellem Unterstützungsbedarf. Therapiehund Karl erkennt erste Anzeichen epileptischer Anfälle und das Team bildet sich fortwährend weiter für den Notfall. Ein Tag in der Natur mit der Waldgruppe ist dadurch auch für Kinder mit schweren chronischen Erkrankungen, wie Diabetes oder Epilepsie, möglich. Zum Kita-Team gehört auch therapeutisches Fachpersonal, denn die Kita arbeitet eng mit dem Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrum Neuwied zusammen. So werden Förderbedarfe früh erkannt und Therapien direkt in der Kita umgesetzt. Besonders hervorzuheben ist außerdem die Kooperation mit der Grundschule. Bei regelmäßigen Besuchen lernen die Kinder Räume, Klassen und Lehrkräfte der Schule kennen, nehmen an Projekten teil und erleben Schulveranstaltungen. So gelingt der Übergang von der Kita in die Grundschule reibungslos.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länger

    Vielfältiges Lernen und Begleiten von Anfang an 

    „Sie leben, was wir uns nach der UN-Kinderrechtskonvention vorgenommen haben”, sagt Bundesfamilienministerin Prien bei der Preisverleihung des Deutschen Kita-Preises 2025, „nämlich, dass Kinder, ganz egal ob mit oder ohne Handicap, die Chance haben gut aufzuwachsen. Und Sie schaffen es mit ganz viel Empathie und Mitmenschlichkeit und mit Kompetenz.” Die Einrichtung schafft von Beginn an eine inklusive, anregende Lernkultur, in der Kinder mit und ohne Behinderung ihren Alltag selbstbestimmt gestalten können. Die pädagogische Praxis ist darauf ausgerichtet, individuelle Interessen zu stärken, vielfältige Erfahrungsräume anzubieten, in der Fachkräfte sich als unterstützende Lernbegleitende verstehen. Lernumgebungen sind bewusst heterogen und offen gestaltet, um exploratives, sinnbezogenes und selbstgesteuertes Lernen zu ermöglichen; digitale Medien und therapeutische Elemente werden dabei situationsgerecht integriert. 

    Die Kita bietet differenzierte, nicht vorgefertigte Materialien und räumliche Angebote, die Kinder zum Ausprobieren, Forschen und Gestalten einladen. Fachkräfte beobachten, dokumentieren und geben Impulse zum Lernen, ohne die kindlichen Handlungsansätze zu dominieren. Selbstbestimmung zeigt sich konkret darin, dass Kinder Entscheidungen über Spiel- und Arbeitsweisen treffen, ihre Projekte über längere Zeiträume verfolgen und ihre Ideen und Fragen ernst genommen werden. Gleichzeitig ist das Team fachlich so aufgestellt, dass es komplexe Unterstützungsbedarfe erkennen und in den Alltag integrieren kann: Pflegerische Maßnahmen, therapeutische Interventionen und der Einsatz digitaler Hilfsmittel erfolgen integriert und alltagsnah, so dass jedes Kind seinem Entwicklungsstand entsprechend aktiv teilnehmen kann. Die Haltung der Fachkräfte ist geprägt von der Prämisse, Rahmenbedingungen flexibel zu verändern, damit Kinder nicht in das System passen müssen, sondern das System sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert. Dies umfasst auch die Nutzung altershomogener und -heterogener Gruppenformen, die gezielt soziale Lernprozesse und Freundschaftsbildung unterstützen. 

    Das Konzept umfasst offen nutzbare Themenräume (Bewegungsraum, Atelier, Entdeckerwerkstatt, Snoezelenraum), eine Naturgruppe mit Ziegen und eine Waldgruppe. Kinder entwickeln eigenständige Projekte: zum Beispiel ein Webprojekt oder Kugelbahnexperimente. Forscherfragen werden über mehrere Wochen verfolgt, digitale Werkzeuge situativ eingesetzt. Fachkräfte begleiten forschend und unterstützend, statt vorzugeben. 

    Vorbildhafte Inklusion und Bildungsgerechtigkeit 

    Die Kita verfolgt ein ganzheitlich inklusives Konzept, das Bildungsgerechtigkeit als strukturelles Ziel begreift: Alle Kinder erhalten passgenaue Förderung – pädagogisch wie therapeutisch – in einem Rahmen, der Teilhabe sicherstellt. Inklusion ist hier so gut und qualitativ hochwertig, weil die Rahmenbedingungen des offenen Konzepts, die Personalstruktur, also Mitarbeitende, die nach ihren Stärken eingesetzt werden, die Fachkompetenz, insbesondere durch gezielte Weiterbildungen und Fachberatung sowie die vielfältigen Kooperationen zum Beispiel mit dem Heilpädagogischen Therapiezentrum oder dem Bürgerpark auf dem sich das Ziegengehege befindet, ideale Förderung ermöglichen. Dies hat Vorbildcharakter und lädt zum Nachahmen ein. 

    Inklusion zeigt sich auch in einer ressourcenorientierten Haltung, die individuelle Förderbedarfe früh erkennt und systematisch adressiert. Durch diese Haltung und enge Verzahnung von pädagogischer und therapeutischer Arbeit finden Interventionen alltagsintegriert statt. Kinder werden nicht aus ihrem Alltag herausgelöst, Therapie und Förderung fließen in den Kita-Alltag ein. Die Fachkräfte arbeiten multidisziplinär, teilen Fallverständnisse und planen gemeinsam Maßnahmen, wodurch Übergänge zwischen Therapie, Förderung und Spiel fließend sind. Diese Struktur sichert Zugang zu Unterstützungsleistungen direkt vor Ort, reduziert Barrieren für Familien und ermöglicht nachhaltige, alltägliche Lerngelegenheiten. Die konzeptionelle Verankerung inklusiver Prinzipien zeigt sich in Leitlinien, Fortbildungen und in der Bereitschaft, organisatorische Abläufe flexibel an die Bedürfnisse von Kindern und Familien anzupassen. 

    Multidisziplinäres Team und Wirken: Durch die feste Einbindung des Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrums sind Therapeutinnen und Therapeuten sowie eine Psychologin gleichberechtigte Teammitglieder. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht niederschwellige Absprachen, frühe Förderdiagnostik und die direkte Vermittlung passender Therapieangebote, wie Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, in den Alltagssettings. Und von der hohen Professionalität der Fachkräfte sowie dem Miteinander von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung profitieren alle Kinder. 

    Strukturierte Formen des Qualitätsmanagements, der Beobachtung und Dokumentation 

    Die Einrichtung arbeitet systematisch an der Qualitätssicherung: Beobachtungsinstrumente, Zielvereinbarungen sowie regelmäßige fachliche Begleitung schaffen Transparenz über Entwicklungsstände und ermöglichen zielgerichtete, überprüfbare Förderprozesse. 

    Qualitätsmanagement ist in der Einrichtung kein abstraktes Konzept, sondern wird durch konkrete Instrumente umgesetzt: standardisierte Beobachtungsverfahren erfassen Entwicklungsstände, daraus werden Teilhabeziele gemeinsam mit Eltern (und wenn möglich Kindern) definiert und deren Umsetzung dokumentiert. Regelmäßige Reflexionsschleifen und externe Fachberatung sorgen dafür, dass Maßnahmen überprüfbar, adaptierbar und evidenzgestützt sind. Teaminterne Arbeitsgruppen und fest eingeplante Teamtage garantieren, dass fachliche Weiterentwicklung ein stetiger Prozess ist; Supervision und Coaching unterstützen die professionelle Haltung und Fallreflexion. Der Träger stellt hierbei notwendige Ressourcen zur Verfügung: Zeit für Dokumentation, Fortbildungen, Fachberatung. Dadurch werden Nachhaltigkeit und Entwicklung der pädagogischen Qualität gesichert. Kinderschutz ist fester Bestandteile des eigens erarbeiteten und sich stetig weiterentwickelnden Konzepts und sind im Team verankert, sodass Prävention und Intervention nicht nur systematisch organisiert sind, sondern auch im Alltag umgesetzt werden. 

    Die Fachberatung kennt die Kita gut, führt regelmäßige IST-Erhebungen durch, gibt methodische Impulse zu Beobachtung und Dokumentation und begleitet die Einrichtung bei der Anpassung konzeptioneller und pädagogischer Maßnahmen, so dass die Qualität kontinuierlich reflektiert und weiterentwickelt wird. 

    Erziehungspartnerschaft und Elternarbeit 

    Die Kita pflegt eine verlässliche, offene und niederschwellige Zusammenarbeit mit Eltern. Partizipation, Transparenz und Unterstützung sind Kernprinzipien der täglichen Praxis. Eltern werden als Expertinnen und Experten ihrer Kinder einbezogen und die Einrichtung gestaltet Zugänge, die allen Familien gerecht werden. 

    Elternarbeit ist in der Inklusiven Kita Unkel systematisch und alltagsnah organisiert: Informations- und Austauschangebote reichen von Hausbesuchen vor Eintritt in die Kita über tägliche Gesprächsangebote beim Bringen und Abholen bis zu regelmäßigen Entwicklungsgesprächen, die auf ressourcenorientierten Vorbereitungsbögen basieren. Die Kita-Netzwerkerin koordiniert Unterstützungsangebote, übersetzt Informationen in unterschiedliche Familiensprachen und organisiert Begegnungsformate, die Gemeinschaft und Vernetzung stärken. Therapeutische Fachkräfte agieren als Bindeglieder, wodurch Beratung in sozialrechtlichen oder entwicklungsbezogenen Fragen direkt zugänglich wird. Transparente Kommunikationswege durch Portfolios, Fotodokumentationen oder die Kita-App ermöglichen Einblicke in den Alltag und schaffen Vertrauen. Flexible Bring- und Abholzeiten, niedrigschwellige Gesprächsangebote und konkrete Hilfen (zum Beispiel sprachliche Vermittlung via Kita-App oder Einbindung anderer Familien) reduzieren Barrieren und fördern die gleichberechtigte Teilhabe aller Familien. 

    Die Kita-Netzwerkerin hat systematisch die Bedarfe der Familien im Blick, organisiert Begegnungen wie Picknicks, übersetzt Infomaterial in Familiensprachen und vernetzt die Einrichtung mit Jugendamt, Beratungsstellen und weiteren Hilfesystemen, sodass Eltern sich unterstützt und wahrgenommen fühlen. 

    Öffnung in den Sozialraum und Kooperationen 

    Die Kita nutzt ihre Rolle im Gemeinwesen aktiv, um Lernräume zu erweitern, kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und Bildungskontinuitäten zu schaffen. Kooperationen mit Schulen, Vereinen und Kulturträgern verankern die Einrichtung im Sozialraum und fördern generationenübergreifende Begegnungen. 

    Die Verbindung zwischen Kita und Sozialraum ist vielfach gestaltet: Regelmäßige Exkursionen, Projektkooperationen und öffentliche Ausstellungen machen die Arbeit sichtbar und stärken das Selbstbild der Kinder als aktive Mitgestaltende ihres Umfelds. Kultur- und Naturerfahrungen, wie im Theater, Wald, beim Schwimmen oder künstlerischen Projekten, erweitern die Lernwelten und fördern die Selbstwirksamkeit. Die enge Kooperation mit dem Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrum stellt sicher, dass medizinische und therapeutische Fragestellungen fachlich begleitet werden, wodurch Familien entlastet und Kinder kontinuierlich unterstützt werden. Die Zusammenarbeit mit der benachbarten Grundschule sichert Übergangsprozesse: Kinder lernen Räume, Abläufe und Lehrpersonen kennen, erwerben Routinen (zum Beispiel durch den Büchereiführerschein, und erfahren Bildungskontinuität. Kulturkooperationen und generationenübergreifende Projekte schaffen zusätzliche Perspektiven und stärken die Präsenz der Kita im Stadtteil. 

    Aus der spontanen Idee eines Kindes, aus Dosen kleine Roboterfiguren zu bauen, entwickelte sich beispielsweise ein umfangreiches Projekt. Andere Kinder schlossen sich an und es entstand ein gemeinsames Dorf mit Ausstellungsorten im Ort. Die Kinder präsentierten stolz ihre Werke, die Aufmerksamkeit im Sozialraum wuchs und die Arbeit fand sogar Erwähnung in der Fachzeitschrift „Betrifft Kinder“.