• Kita am Sommerbad

    Kita am Sommerbad

    Kita am Sommerbad
    Zweiter Platz & Preisträger ELTERN-Sonderpreis 2024

    Ort: Greiz
    Bundesland: Thüringen
    Größe: 84 Kinder, 18 Mitarbeitende
    Träger: Stadt Greiz
    Unsere Stärke: Teilhabe, Inklusion, Chancen für alle, bedarfsorientierte Angebote für Familien

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    Mehr Informationen

    In der Greizer Kita am Sommerbad begegnen sich Jung und Alt auf Augenhöhe und gemeinsam erstellte Regeln gelten gleichermaßen für alle. Nach dem offenen Konzept können die Kinder ihren Tag frei gestalten: So verwandeln sich die Kita-Räume auf Wunsch in einen Bewegungsparcours oder in Kino und Bettenlager für eine Übernachtungsparty. Möchten die Kinder schwimmen, macht der eigene Eingang zum benachbarten Sommerbad das auch spontan möglich. Als Thüringer Eltern-Kind-Zentrum heißt die Einrichtung Familien in all ihrer Vielfalt willkommen. Eltern können ihre Kinder jederzeit bringen und abholen, sich auf der Kommunikationsinsel kennenlernen, in der Bibliothek stöbern oder im Geben-und-Nehmen-Regal alte Schätze neu entdecken. Das Team vermittelt Familien mit Fluchterfahrung schnell einen Kita-Platz und Deutschkurse. Viele dieser Angebote entstehen, weil die Fachkräfte halbjährlich die Bedarfe und Lebensbedingungen vor Ort analysieren: So wissen sie genau, was die Greizer Familien brauchen.

    Das sagt die Jury

    Die Fachkräfte begegnen Kindern und Familien diversitätssensibel und leben eine konsequent inklusive Haltung. Die Einrichtung wirkt mit Unterstützungsangeboten weit in den Sozialraum hinein und ist ein wichtiger Ankerpunkt für Familien. Die Fachkräfte helfen bei bürokratischen Hürden, übersetzen und beraten. Besonders beeindruckt hat die Jury, wie das Team auf Herausforderungen reagiert. Seien es kreative Antworten bei der Raumgestaltung oder spezielle Fortbildungen der Mitarbeitenden, um den individuellen Bedürfnissen der Kinder zu begegnen – die Fachkräfte finden stets innovative Lösungen. Kinder erfahren sich als Individuen, die respektiert und gehört werden. Im Kinderrat oder bei der Gestaltung des Tages bestimmen sie aktiv mit.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Die Kinder der Kita am Sommerbad werden in ihren Stärken gesehen und gefördert. Sie erfahren sich als Individuen, die respektiert, wertgeschätzt und gefragt werden. Sie erleben Vielfalt und demokratische Entscheidungsfindungen und stärken ihr Selbstbewusstsein durch stetige Erfolgserlebnisse bei ihrem eigenverantwortlichen Handeln. Kinder erfahren weitreichende Beteiligungsmöglichkeiten und erleben, dass Ihre Stimme gehört wird. So findet beispielsweise ein wöchentlich tagender und stets gut besuchter Kinderrat statt, die Teilnahme daran ist freiwillig und die Kinder werden eingeladen, ihre Wünsche und Beschwerden zu formulieren und ggf. dem Leitungsteam mitzuteilen. Protokolle jedes Kinderrates werden direkt im Anschluss im Flur der Kita ausgehangen und sind für alle einsehbar. Die Tür des Leitungsbüros steht den Kindern offen und sie sind eingeladen, ihre Anliegen dort mitzuteilen. Die Kinder der Kita am Sommerbad entscheiden täglich neu, ob sie an sommerlichen Vormittagen mit in das direkt benachbarte Sommerbad zum Planschen gehen möchten, zu welchem die Kita jederzeit Zugang hat oder lieber das großzügige Außengelände der Kita erkunden.

    Durch die Arbeit im offenen Konzept mit altershomogenen Gruppenstrukturen gelingt es, dass Kinder gleichzeitig Freiraum und Sicherheit erfahren – ganz nach ihren individuellen Bedürfnissen.

    In der Kita am Sommerbad beeindruckte die Jury, wie die Fachkräfte es schaffen, jeder Herausforderung mit einer kreativen, innovativen und passgenauen Lösung zu begegnen. Sind es die schwierigen und sehr kleinen Räume der Kita oder die hohe Anzahl von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf oder Fluchterfahrung; die Kita sucht proaktiv und in hoher Eigeninitiative nach Wegen, um sich den Herausforderungen zu stellen und gute Lösungen für alle zu finden. Um auf die hohe Anzahl von Kindern mit Fluchterfahrung zu reagieren, haben etwa alle Mitarbeitenden eine Fortbildung zum Thema „Trauma und Traumafolgestörungen“ absolviert. In den letzten Jahren haben sich außerdem mehrere Pädagog*innen zu Heilpädagog*innen weitergebildet: „Um Barrieren abbauen zu können, ist es wichtig, dass wir Kinder mit Förderbedarf zügig erkennen und sie bei Bedarf alltagsintegriert begleiten“. Um Eltern in allen Lebenslagen zu unterstützen, bietet die Kita in ihren Räumen etwa kostenfreie „Starke Eltern-Starke Kinder“-Kurse an. Und ein Schreiner aus dem Nachbarort unterstützt die Kita ehrenamtlich und fertigt individuell passgenau geschreinerte Möbel an, um die kleinen Räume sinnvoll nutzbar zu machen.

    Die engagierten und kultursensiblen Fachkräfte legen besonderen Wert auf vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in einem herausfordernden Sozialraum.

    Die Fachkräfte der Kita gehen respektvoll, wertschätzend und armutssensibel auf Familien zu und sorgen dafür, dass die Kita sich zu einem wichtigen Ankerpunkt für die Eltern und Familien entwickelt hat. Sie zeigen im Umgang mit den Kindern und Familien eine hohe Diversitätssensibilität und eine konsequent inklusive Haltung, die soziale, ethische, kulturelle und individuelle Unterschiede achtet, ohne zu bewerten. Kinder und Familien dürfen hier so sein, wie sie sind.

    Die Kita setzt ein klares Zeichen gegen Rassismus und vermittelt Werte wie Respekt und Toleranz, wodurch ein inklusives und unterstützendes Umfeld geschaffen wird. Die Pädagog*innen sind aufmerksam für (Sprach-) Barrieren und bauen diese ab, um alle Eltern miteinzubeziehen. So wurde das Willkommensbuch der Kita, das Familien über Abläufe in der Kita informiert, mit Hilfe einer Muttersprachler*in ins Arabische übersetzt. Im Alltag arbeiten die Pädagog*innen mit Übersetzungs-Apps, Piktogrammen und nehmen sich vor allem viel Zeit für Anliegen, Bedarfe und Erklärungen über Sprachgrenzen hinweg. Mit dem warmherzig gestalteten „Eingangstresen“ und der zuständigen Fachkraft ist die Kita in vielen Belangen als Ansprechpartnerin für die Familien da. Die Fachkräfte helfen Eltern beim Beantragen finanzieller Mittel, z.B. für das Bildungs- und Teilhabepaket für Essen und Ausflüge. Sie versuchen zu helfen, bevor Schulden aufgebaut werden. Sie reden mit den zuständigen Ämtern, fragen nach dem Stand der Bearbeitung, übersetzen und beraten.

    Es gibt vielfältige, niedrigschwellige Unterstützungsangebote für die Familien der Kita und des Sozialraums, auch Ehemalige sind in der Kita am Sommerbad willkommen. Die Vernetzung im Sozialraum ist vielfältig und eigene Angebote werden bedarfsorientiert gestaltet. Die Pädagog*innen kennen die Lebenslagen der Kinder und ihrer Familien sehr gut, was ihnen ermöglicht, ihre Angebote gezielt an den Bedürfnissen der Familien auszurichten. Die Kita führt in hoher Eigeninitiative Angebote für den gesamten Sozialraum durch, für die sie einen Bedarf wahrnimmt. Des Weiteren versteht sich die Kita als aktiver Bestandteil des Sozialraums und organisiert verschiedene Gemeinschaftsaktionen, darunter Wettbewerbe und Veranstaltungen für Familien. Zusätzlich bieten sie praktische Unterstützung, wie die Bereitstellung von Ressourcen wie Kleidung und Bücher. Es gibt ein gut genutztes Verschenke-Regal sowie ein Bücher-Ausleih-Regal im Eingangsbereich der Kita. Die Kita engagiert sich aktiv im Netzwerk „Migration und Inklusion“, um sich mit anderen Institutionen auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.     

    Eltern sind jederzeit eingeladen, in der Kita zu verweilen. Um den unterschiedlichen Bedarfen der Eltern entgegenzukommen, gibt es keine festen Bring- und Abholzeiten. Auf der Kommunikationsinsel im Garten der Kita können Eltern bei einem Kaffee jederzeit mit Fachkräften ins Gespräch kommen. Die Perspektive der Eltern wird außerdem in regelmäßigen Gesprächsrunden, sogenannten „Spinn-Cafés“ eingeholt.

  • Bündnis für gesundes Aufwachsen von Kindern

    Bündnis für gesundes Aufwachsen von Kindern

    Bündnis für gesundes Aufwachsen von Kindern
    Zweiter Platz & DGB-Zusatzpreis 2024

    Ort: Dresden
    Bundesland: Sachsen
    Handlungsfeld: gesundes Aufwachsen von Kindern, sozialräumliche Zusammenarbeit, gelingende Zugänge zu Unterstützungsstrukturen für Familien, Professionalisierung von Fachkräften
    Aktiv seit: 2014
    Wirkungsradius: Stadtteil Dresden-Prohlis
    Partner: Stadt Dresden, Kitas, Grundschulen, Allgemeiner Sozialer Dienst, Kinder- und Jugendärztlicher Dienst, Familienhebammen, Beratungsstelle für Kinder-, Jugendliche und Familien, offene Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, Schulsozialarbeit, Stadtteilrunde Prohlis

    Kontakt: Roman Haasler, KiNET-Netzwerkkoordination

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    Mehr Informationen

    Das Bündnis für gesundes Aufwachsen von Kindern ist seit mehreren Jahren im Dresdener Stadtteil Prohlis aktiv. Mit dem Ziel, der steigenden Kinderarmut dort zu begegnen und die Chancengerechtigkeit zu erhöhen, setzen die Bündnisakteure auf Prävention durch Vernetzung und Partizipation. Als zentrale Schnittstelle zu Kindern und Familien sind 14 Kindertageseinrichtungen Teil des Bündnisses. Abstimmungen erfolgen in professions- und leistungsfeldübergreifenden Arbeitsformaten. So fließen Erfahrungen direkt in die Überlegungen zu Unterstützungsangeboten ein. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass Kinder und Familien gelingende Zugänge zu diesen Angeboten haben: zum Beispiel durch Stadtteilrallyes für Vorschulkinder, Kooperationen der Kitas mit offenen Angeboten, einen Familienkiosk, der Kurzzeitbegleitung für Eltern bis hin zur Gesundheitsberatung durch den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst.

    Das sagt die Jury

    Mit dem Ziel, der Kinderarmut zu begegnen und die Chancengerechtigkeit im Stadtteil zu erhöhen, setzen die Akteure auf Prävention durch die Zusammenarbeit über Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Beindruckt hat die Jury, wie multiprofessionell das Bündnis aufgestellt ist. Vom Allgemeinen Sozialen Dienst über Kitas bis hin zur Familienberatung arbeiten alle Hand in Hand. Die verschiedenen Sichtweisen ergeben ein ganzheitliches Bild, das den Akteuren erlaubt, passgenaue Angebote zu machen. Wie nah dran sie sind, zeigt das Beispiel von „Schwester Agnes“: Die Hebamme sucht Familien aktiv auf und begleitet Familien von der Geburt bis zum Übergang in die Kita. Herausragend ist, wie stärkenorientiert und sensibel die Akteure auf die Familien des hochbelasteten Stadtteils zugehen.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Das Bündnis stellt ein herausragendes Beispiel für gelungene Kooperation im Sozialraum dar, bei dem die Bedürfnisse von Kindern und Familien im Mittelpunkt stehen. Besonders beeindruckend ist die Vielfalt und Innovation der angebotenen Maßnahmen wie beispielsweise der Familienkalender, die Erste-Hilfe-Box für Eltern, die Stadtteil-Rallye, der Stadtteilplan oder der Stadtteil-Song. Diese Angebote sind so aufeinander abgestimmt, dass sie sowohl die Familien informieren als auch deren praktische Bedürfnisse abdecken. Sie fördern die Teilhabe und bieten den Familien eine wertvolle Orientierung in ihrem Alltag.

    Ein zentrales Merkmal des Bündnisses ist das hohe Engagement aller Beteiligten. Die Jury konnte deutlich erkennen, dass es den Akteur*innen darum geht, in einem Sozialraum mit multiplen Herausforderungen zum Wohl der Kinder und Familien beizutragen. Die Fachkräfte suchen die Familien aktiv im Sozialraum auf und sind außerhalb der Einrichtungen für sie ansprechbar. Dies ist ein Paradebeispiel für niedrigschwelliges und effektives Arbeiten im Sozialraum, das weit über die klassischen Angebotsstrukturen hinausgeht. Durch die enge Zusammenarbeit mit Gesundheitsdienstleister*innen und die regelmäßigen Informationskampagnen wird die Gemeinschaft für gesundheitsfördernde Maßnahmen sensibilisiert, was die Lebensqualität und die Chancengleichheit der betroffenen Kinder und Familien nachhaltig stärkt.

    Es gelingt dem Bündnis hervorragend, fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit zu gestalten. So stellt die Integration von Gesundheitsförderung in die frühkindliche Bildung eine wertvolle Grundlage dar, um ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen und die Resilienz der Familien zu stärken. Insbesondere die frühzeitige Unterstützung vor der Geburt ist bemerkenswert, da sie die Erziehungskompetenzen der Eltern nachhaltig fördert.

    Das Bündnis überzeugt durch einen multiprofessionellen Ansatz, bei dem unterschiedliche Akteur*innen wie der Allgemeine Soziale Dienst, der kinderärztliche Dienst und Beratungsstellen miteinander vernetzt werden. Jede Kita hat eine Ansprechperson beim Sozialen Dienst, was eine niedrigschwellige Anlaufstelle für anonyme Fallbesprechungen und beratende Unterstützung bietet. Von der engen Verzahnung der verschiedenen Professionen und Institutionen profitieren vor allem die Familien. Der interdisziplinäre Austausch sorgt dafür, dass die Hilfe passgenau und bedarfsgerecht erfolgt.

    Die Arbeitsweise des Bündnisses ist von einem hohen Maß an Professionalität geprägt. Besonders hervorzuheben sind die pragmatische Kommunikation und die Entwicklung wirksamer Maßnahmen, die direkt an den Bedürfnissen der Kinder und Familien ausgerichtet sind. Diese Herangehensweise ermöglicht eine schnelle und flexible Reaktion auf Herausforderungen, was für den Erfolg des Bündnisses entscheidend ist. Die Teammitglieder zeichnen sich durch eine positive Grundhaltung, ein hohes Maß an Armutssensibilität und eine große Wertschätzung gegenüber den Familien aus. Dies spiegelt sich in der respektvollen und kreativen Art und Weise wider, wie das Bündnis die Lebensrealitäten der Familien aufgreift und Lösungen entwickelt.

    Darüber hinaus überzeugt das Bündnis durch seine Flexibilität und Effizienz im Umgang mit vorhandenen Ressourcen. Budgets und Räume werden konkurrenzfrei geteilt. Das sorgt dafür, dass die verfügbaren Mittel optimal genutzt werden. Neue Fachkräfte im Stadtteil werden aktiv durch das Bündnis angesprochen und zur Mitarbeit eingeladen. Die zusätzlichen personellen Ressourcen, die Sachmittel und die Prozessbegleitung bieten den Fachkräften in den Kitas die notwendige Entlastung, um ihre Arbeit noch effektiver und zielgerichteter gestalten zu können.

    Das Bündnis zeigt eindrucksvoll, wie durch die integrierte Zusammenarbeit von Fachkräften aus verschiedenen Bereichen passgenaue, innovative Angebote entwickelt werden und so ein nachhaltiger Beitrag zur Förderung von Chancengleichheit und sozialer Integration geleistet werden kann.

    Das sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Zusatzpreis

    Das Bündnis überzeugt durch den hohen Einsatz seiner Partner*innen, die Lebenssituation von Kindern in einem sozioökonomisch belasteten Stadtteil zu verbessern und Familien bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen. Ausgehend von dem Leitmotiv „Keine Kita, kein Familienzentrum, kein Kindertreff kann die komplexen Problemlagen der Kinder und Familien allein lösen!“ hat das Bündnis niedrigschwellige und zielgruppenorientierte Begegnungs- und Veranstaltungsformate wie Stadtteilrunden, Spielplatzbesuche, Elternveranstaltungen oder Feste entwickelt und geht damit direkt zu den Kindern und Familien.

    Die Kita wird vom Bündnis als der Ort für Frühprävention verstanden, weshalb die Fachkräfte in den Kitas durch die Bündnispartner*innen in ihrer Arbeit mit benachteiligten Kindern und Familien unterstützt und gestärkt werden. Das Bündnis zeigt auf beeindruckende Weise, wie eine koordinierte multiprofessionelle Zusammenarbeit von Akteur*innen mit unterschiedlichen Expertisen und Aufgaben gelingen kann. Trotz unterschiedlicher Zuständigkeiten und Professionslogiken arbeiten alle Beteiligten eng zusammen und schützen sich gegenseitig vor Überforderung und Überlastung.

    Das Bündnis beeindruckt durch seine gebündelte fachliche Expertise und die hohe Bereitschaft aller Beteiligten, sich kontinuierlich fortzubilden und gemeinsam weiterzuentwickeln. Die Arbeit des Bündnisses ist konzeptionell durchdacht und langfristig angelegt. Regelmäßig reflektieren alle Beteiligten gemeinsam ihr Handeln im Sinne der gesteckten Ziele. Damit trägt das Bündnis in besonderem Maße zur Integration, Teilhabe und Chancengleichheit von benachteiligten Kindern und ihren Familien in einem stark benachteiligten Sozialraum bei.

    Eine hohe fachliche Kompetenz, gezielte Prioritätensetzung, Verlässlichkeit und Zusammenhalt machen die professionelle Arbeit des Bündnisses aus und fördern laut der Beteiligten die Attraktivität der Arbeit, die Arbeitszufriedenheit und die Gesunderhaltung.

  • Kita St. Nikolaus

    Kita St. Nikolaus

    Kita St. Nikolaus
    Zweiter Platz 2025

    Ort: Kirchen (Sieg)
    Bundesland: Rheinland-Pfalz
    Größe: 144 Kinder, 46 Mitarbeitende
    Träger: Stadt Kirchen (Sieg)
    Unsere Stärke: Reggio-Pädagogik, Teilhabe, Kinderparlament, Kinderrechte, Elternbeteiligung

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    Wie sensibilisieren wir mehr Menschen für Kinderrechte? Im Mäuseparlament hatten die Kinder und das Team der Kita St. Nikolaus die zündende Idee, der anwesende Bürgermeister war schnell überzeugt: Vor dem Rathaus im rheinland-pfälzischen Kirchen soll eine große Schautafel zu Kinderrechten verankert werden. In der Kita sind sie das längst. Fachkräfte, Eltern und Kinder haben gemeinsam eine Kinderverfassung mit Rechten und Regeln erarbeitet, an der das Team sein pädagogisches Handeln ausrichtet. Ob Speiseplan, Raumgestaltung oder Projektideen – die Kinder beraten sich in Gruppenkonferenzen und entscheiden im Parlament bei Themen, die sie betreffen, mit. Sogar bei der Einstellung neuer Mitarbeitender ist ihre Meinung gefragt. Nach dem Morgenkreis öffnet sich den Kindern die gesamte Kita zum Forschen und Lernen. Die Fachkräfte begleiten sie dabei und greifen ihre Ideen auf. Die Eltern bestaunen die Projektergebnisse nicht nur beim morgendlichen Kaffee im Kinderrestaurant oder an „Ich-zeig-dir-meine-Kita-Samstagen“, sondern machen oft selbst mit – sei es als Neurologin beim Gehirnprojekt oder beim Vorlesen in ihrer Muttersprache. So erfahren hier Jung und Alt, was echte Teilhabe bedeutet.

    Das sagt die Jury

    Überzeugt hat die Jury, wie engagiert das Team die Kinderrechte in den Kita-Alltag übersetzt. Im Mäuseparlament können die Kinder über Speiseplan, Raumgestaltung oder Projektideen entscheiden. Und eine Kinderverfassung, in der Kinder, Fachkräfte sowie Familien verbindliche Regeln festlegen, ist Teil des pädagogischen Konzepts. Sensibel binden die Fachkräfte die soziale und kulturelle Vielfalt der Kinder ein. Um die Familien in Kirchen passgenau zu unterstützen, ist das Team über die Kita hinaus vernetzt. Die Einrichtung arbeitet eng mit einem Familienzentrum, einer Kita-Sozialarbeiterin und einer Netzwerkerin, die alle Anliegen aus den städtischen Kitas koordiniert, zusammen. Zukunftsweisend setzt die Kita zudem digitale Medien im Alltag ein. Mit dem Tablet wird zu wichtigen Fragen recherchiert. Die Kinder lernen hier von Anfang an, digitale Hilfsmittel sinnvoll zu nutzen. Die Fachkräfte verstehen sich dabei immer als Mitlernende.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länger

    Systematische Umsetzung der Kinderrechte im Alltag und starkes partizipatives Beschwerdemanagement 

    Die Kita zeichnet sich dadurch aus, dass die Rechte der Kinder nicht nur theoretisch verankert sind, sondern im pädagogischen Alltag konsequent umgesetzt und für alle Beteiligten erlebbar gemacht werden. Kinder gestalten ihren Tag überwiegend selbstbestimmt und entscheiden eigenständig, an welchen Angeboten sie teilnehmen. Gleichzeitig gibt es klare Regeln und Verabredungen, die von den Kindern mitgetragen werden. 

    Die Fachkräfte richten ihre Praxis aktiv daran aus, herauszufinden, was die Kinder möchten und brauchen. Sie achten die Kinder in ihren Entscheidungen und finden gemeinsam Lösungen. Besonders beeindruckend ist, dass dies in einem Umfeld geschieht, in dem viele Kinder nur eingeschränkte Startchancen haben. So leistet die Kita einen wichtigen Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit. 

    Dies zeigt sich in vielen Projekten und Alltagssituationen: Schon beim Betreten des Hauses begegnen Kinder ihren Rechten unmittelbar – im Treppenhaus können sie auf Knopfdruck Bilder und Tonaufnahmen zu Kinderrechten abrufen. Auch im Sozialraum wird das Thema sichtbar, etwa durch Postkartenaktionen oder Jutebeutel mit Kinderrechtsmotiven. 

    Ein weiteres Beispiel ist die gemeinsam erarbeitete Kinderverfassung, die als Leitlinie für das pädagogische Handeln dient und den Kindern Orientierung gibt. Demokratiebildung wird dabei nicht nur besprochen, sondern konkret gelebt: Als die Kinder erfuhren, dass die Tische im Restaurant einheitlich geplant waren, beschwerten sie sich. Daraufhin entwickelten sie Schuhkartonmodelle, stimmten über ihre Favoriten ab und wählten gemeinsam Möbel aus. Heute spiegelt die Vielfalt der Tische – vom klassischen Tisch mit Stühlen über einen kunstvoll verzierten niedrigen Holztisch mit Sitzkissen bis hin zum beliebten „Freundetisch“ – die unterschiedlichen Wünsche der Kinder wider. 

    Auch die Tagesgestaltung liegt innerhalb des pädagogischen Rahmens in Kinderhand. In der „freien Entdeckerzeit“ am Vormittag sind alle Themenräume geöffnet, so dass die Kinder selbst entscheiden können, wo sie ihre Zeit verbringen. Danach gestalten die Stammgruppen ihre Zeit individuell. Kinder reflektieren ihre Erlebnisse und können jederzeit zwischen Aktivitäten, Mittagessen und Außengelände wechseln. 

    So wird deutlich: Die Kita ist ein Ort, an dem Kinderrechte nicht nur vermittelt, sondern aktiv gelebt werden – und an dem Familienorientierung und soziale Gerechtigkeit im Alltag spürbar sind. 

    Sozialpädagogische Familienarbeit und Vernetzung im Sozialraum 

    Die drei kommunalen Kindertagesstätten der Stadt Kirchen bilden gemeinsam ein Familienzentrum. Eine Kita-Sozialarbeiterin sowie eine Kita-Netzwerkerin sind für das gesamte Familienzentrum zuständig und unterstützen Familien durch Beratung, Vernetzung und Begleitung. Der Träger initiierte das „4-Säulen-Projekt“ mit Familienzentrum, Mehrgenerationentreff, Eltern-Kind-Zentrum und Gemeindeschwester-Plus. Diese Angebote sind aus den Bedarfen der Familien gewachsen und beleben den Sozialraum nachhaltig. 

    Die Einrichtung agiert inklusiv, kultursensibel und lebensweltorientiert. Sprachliche Vielfalt wird aktiv aufgegriffen: Fachkräfte sprechen mit Kindern in der Familiensprache, nutzen Übersetzerinnen und Übersetzer oder die Hilfe von Familien. So wird Bildungsgerechtigkeit gefördert und die Teilhabe aller Kinder ermöglicht. 

    Wie stark die Kita im Alltag auf die Bedürfnisse von Familien eingeht, zeigt sich in vielen konkreten Beispielen. So begleitet die Kita-Sozialarbeiterin Familien bei Anträgen und Terminen und schafft damit wichtige Zugänge zu Unterstützungssystemen. Gleichzeitig finden Yoga- und Entspannungsangebote für Eltern direkt in den Räumen der Kita statt – ein Zeichen dafür, dass die Einrichtung nicht nur für Kinder, sondern auch für ihre Familien ein Ort der Stärkung ist. 

    Bedarfsorientierte Angebote wie eine Familienbibliothek, Themenabende oder eigens entwickelte Stadtpläne verdeutlichen die lebensweltorientierte Haltung. Die Kita ist heute ein fester Teil der Gemeinschaft. 

    Auch im pädagogischen Alltag achten die Fachkräfte auf Unterschiede in sozialen und kulturellen Lebenslagen und überlegen, wie ungleichen Bildungschancen begegnet werden kann. Besonders sichtbar wird dies in den neu gestalteten Geburtstagsritualen: Statt eines Wettbewerbs um die wertvollsten Geschenktüten stehen nun gemeinschaftliche Feiern im Mittelpunkt, die von der Kita für alle Kinder gleich organisiert werden – ein Beispiel für gelebte Inklusion und soziale Sensibilität. 

    So wird deutlich: Die Kita ist nicht nur ein Bildungsort für Kinder, sondern auch ein lebendiges Familienzentrum, das den Sozialraum bereichert und Bildungsgerechtigkeit aktiv fördert. 

    Einsatz digitaler Medien 

    Besonders hervorzuheben ist der alltagsintegrierte, kindgerechte und reflektierte Einsatz digitaler Medien, mit denen die Kinder insbesonders die Kinderrechte erforschen können. Digitale Werkzeuge werden weder als Zusatzangebot noch als Technikprojekt verstanden, sondern als natürlicher Bestandteil des pädagogischen Alltags, der Kindern Selbstbestimmung, Partizipation und unmittelbare Zugänge zu Wissen ermöglicht. 

    Die Kinder nutzen iPads flexibel, um ihre eigenen Fragen zu verfolgen: Wenn etwa ein Kind wissen möchte, was Drachen fressen, wird gemeinsam recherchiert – die Kinder formulieren ihre Fragen, vergleichen verschiedene Quellen, diskutieren Ergebnisse und dokumentieren ihre Erkenntnisse. Dadurch erleben sie sich als aktive Forschende, die Antworten selbstständig finden können. 

    Auch in der Raumgestaltung sind digitale Medien sichtbar verankert: TipTois liegen in verschiedenen Bildungsbereichen bereit, so dass Kinder eigeninitiativ Materialien erkunden oder vertiefen können. Sprechbuttons werden gezielt eingesetzt, um Kinderrechtsbildung niedrigschwellig erfahrbar zu machen. Kinder haben selbst Inhalte eingesprochen – etwa Erklärungen zu ihrem Recht auf Beteiligung oder auf Schutz – und diese anschließend in Form von Plakaten und Hörstationen im Haus sichtbar gemacht. So entsteht eine Lernumgebung, in der Medienbildung und Kinderrechte eng ineinandergreifen und Kinder ihre eigenen Botschaften im Haus hör- und sichtbar platzieren können. 

    Die pädagogischen Fachkräfte begleiten diese Prozesse kompetent, indem sie digitale Werkzeuge nicht dominieren, sondern deren sinnvollen Einsatz mit den Kindern reflektieren: Welche Informationen sind verlässlich? Wie können wir etwas nachprüfen? Welche Bilder dürfen wir aufnehmen und wie sprechen wir über Datenschutz? Dadurch entwickeln Kinder nicht nur technische Fähigkeiten, sondern ein grundlegendes Verständnis für Medienkompetenz, Selbstbestimmung und Schutz ihrer eigenen Rechte. 

    Insgesamt zeigt sich ein vorbildlicher Medienansatz, der Kindern nicht nur Zugang zu Wissen ermöglicht, sondern ihnen eine Stimme gibt, ihre Perspektiven ernst nimmt und die Kita als demokratischen Lernort stärkt. 

    Fachkräfte als Mitlernende 

    Die Fachkräfte verstehen sich nicht als Anleitende, sondern als Bildungsbegleitende und Mitlernende. Diese Haltung prägt den gesamten Alltag: Kein Tag gleicht dem anderen, weil die Fachkräfte aufmerksam wahrnehmen, welche Fragen, Impulse und Interessen die Kinder einbringen. Die pädagogische Arbeit orientiert sich nicht an vorab festgelegten Vorgaben, sondern an der kindlichen Neugier. Kinder erleben sich dadurch als aktive Forschende, die selbstbestimmt Themen verfolgen, Hypothesen entwickeln und täglich neue Zusammenhänge entdecken können. Diese Atmosphäre des gemeinsamen Lernens stärkt die Selbstwirksamkeit der Kinder und vermittelt ihnen das Gefühl: Meine Gedanken sind wichtig. Meine Fragen bewegen etwas. 

    Wie diese Haltung konkret gelebt wird, zeigt das Superheldenprojekt eindrücklich: Ausgehend von einem Gespräch der Kinder über Superkräfte entstand ein mehrwöchiges Forschungs- und Gestaltungsprojekt. Kinder überlegten, welche Heldin oder welcher Held sie selbst sein möchten, welche Eigenschaften und Fähigkeiten sie bereits besitzen und welche sie gerne entwickeln würden. Sie gestalteten Symbole für ihre individuellen Superkräfte, führten Interviews mit Passantinnen und Passanten über deren persönliche Vorbilder und dokumentierten ihre Erkenntnisse. Das Projekt verknüpfte Selbstreflexion, Sprache, Medienarbeit und soziale Kompetenz auf natürliche Weise. 

    Genauso werden naturwissenschaftliche Fragen aus dem Alltag aufgegriffen und vertieft: Kinder untersuchen unter dem Mikroskop Milchzähne, Haare oder Ohren, vergleichen Strukturen und formulieren eigene Erklärungsversuche. In anderen Situationen entstehen fantasievolle Forschungsaufträge – etwa wenn ein Gehege für Drachen gebaut wird und die Frage auftaucht, was Drachen eigentlich fressen könnten. Die Fachkräfte greifen solche Impulse nicht als Spielerei auf, sondern erkennen sie als bedeutsame Lernanlässe. Sie geben keine vorgefertigten Antworten, sondern begleiten die Kinder dabei, selbst herauszufinden, zu probieren, zu forschen und weiterzudenken.

  • Blau-Weißer Bewegungsraum

    Blau-Weißer Bewegungsraum

    Blau-Weißer Bewegungsraum
    Zweiter Platz & DGB-Zusatzpreis 2025

    Ort: Bochum
    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Handlungsfeld: körperliche und psychosoziale Entwicklung durch Bewegungsförderung, ganzheitliche Gesundheitsbildung, Teilhabe
    Aktiv seit: 2022
    Wirkungsradius: verschiedene Stadtteile
    Partner: VfL Bochum 1848, Ruhr-Universität Bochum, Jugend- und Gesundheitsamt, Vonovia und Stadtwerke Bochum, Kitas, DFL Stiftung

    Kontakt: VfL Bochum 1848 Fußballgemeinschaft e.V., Angelina Biela (Bewegungskoordinatorin), biela[at]vfl-bochum.de

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    Der VfL Bochum lässt nicht nur die Herzen seiner Fans höherschlagen, sondern auch die vieler Kita-Kinder: Um dem zunehmenden Bewegungsmangel entgegenzuwirken und Familien für Gesundheitsthemen zu gewinnen, gab der Verein 2022 den Anstoß für den Blau-Weißen Bewegungsraum. Das Bündnis bringt jede Woche rund 800 Kinder in der Ruhrstadt in Schwung. Dabei geht es um weit mehr als ums Kicken: Beim Tanzen, bei Koordinations- oder bei Ballspielen entdecken die Kinder ihre Stärken und finden ohne Leistungsdruck heraus, was ihnen Spaß macht. Mit Piktogrammen wählen sie ihre Lieblingsübungen aus dem vielfältigen Programm aus und entscheiden so aktiv mit. Zur ganzheitlichen Förderung sind die Bewegungseinheiten spielerisch mit Ernährungs- und Umweltthemen verknüpft. Um die Angebote passgenau zu gestalten, ist das gesamte Bündnis mit am Ball: Kita-Fachkräfte sowie Jugend- und Gesundheitsamt bringen ihr Wissen über die Lebensbedingungen und konkreten Bedürfnisse in den heterogenen Quartieren ein. Die Ruhr-Universität begleitet das Konzept wissenschaftlich, Sportstudierende leiten die Übungen und lokale Unternehmen sponsern die Angebote. So tragen in dem eingespielten Team alle dazu bei, Kinder fit für die Zukunft zu machen.

    Das sagt die Jury

    Überzeugt hat die Jury, dass der VfL Bochum mit dem Bündnis „Blau-Weißer Bewegungsraum“ niedrigschwellig Familien erreicht, Vertrauen schafft und sie für Bewegung begeistert. Dem Bündnis gelingt auch der Zugang zu Kindern aus sozial benachteiligten Wohngebieten. Sportstudierende trainieren jede Woche rund 1.500 Kinder in 60 Einrichtungen. Ob Tanzen oder Ballspiele – mit Piktogrammen wählen die Kinder ihre Übungen aus und entscheiden aktiv mit. Ohne Leistungsdruck werden sie in dem gestärkt, was sie können. Kita-Fachkräfte sowie Jugend- und Gesundheitsamt tauschen sich aus, um die Bedarfe der Kinder zu ermitteln und passgenaue Angebote zu gestalten. Die Ruhr-Universität begleitet das Konzept und lokale Unternehmen sponsern die Angebote. So trägt jeder in dem eingespielten Team dazu bei, dass alle Kinder in Bochum gute Startchancen haben.

    Die Begründung unserer Jury in voller Länge

    Zugang zu Familien schaffen – Gemeinschaft und Teilhabe stiften 

    Das Bündnis überzeugt durch seine besondere Fähigkeit, verlässliche Zugänge zu Kindern und Familien zu schaffen und damit Gemeinschaft sowie soziale Teilhabe zu ermöglichen. Die vielfältigen Bewegungsangebote eröffnen Lern- und Erfahrungsräume, in denen Kinder spielerisch miteinander in Kontakt treten und soziale Fähigkeiten entwickeln können. Dabei werden motorische und psychosoziale Förderung eng miteinander verbunden, so dass gesundheitliche Entwicklung, Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl gleichermaßen gestärkt werden.  

    Sprachliche Hürden bestehen nicht: Die Trainerinnen und Trainer arbeiten individuell und sensibel mit den Gruppen, nutzen nonverbale Methoden und ermöglichen so eine natürliche, alltagsintegrierte Sprachförderung, wie Kitas ausdrücklich zurückmelden. 

    Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt in der Beteiligung des VfL Bochum, der als starker und vertrauter Akteur Identifikation, Verlässlichkeit und positive Emotionen stiftet. Der Verein dient als Türöffner, insbesondere für Familien in Risikolagen, die sonst nur schwer erreicht würden. Nahezu jede Familie in der Stadt verbindet etwas Positives mit dem VfL, was den Zugang erleichtert und Vertrauen schafft.  

    In enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Ämtern werden gezielt Sozialräume ausgewählt, in denen Sozial- und Gesundheitsdaten einen erhöhten Bedarf erkennen lassen. Dadurch rückt das Bündnis gerade jene Stadtgebiete in den Fokus, in denen Kinder am stärksten von Armut und gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind.  

    Mit rund 1.500 erreichten Kindern pro Woche in 60 Einrichtungen entfaltet das Bündnis eine hohe und vor allem flächendeckende Reichweite. Die Begeisterung der Kinder zeigt sich unmittelbar: Viele warten bereits an den Fenstern, wenn die Trainerinnen und Trainer – ein Ausdruck starker Bindung und hoher Beziehungsqualität. 

    Freude an der Bewegung steht im Mittelpunkt 

    Im Zentrum der Arbeit steht die Freude an Bewegung – nicht Leistung, nicht Wettbewerb, sondern das individuelle Erleben von Spaß, Ausdruck und Selbstwirksamkeit. Die Angebote sind polysportiv, freudebetont und flexibel gestaltet, so dass jedes Kind die Bewegungsform finden kann, die zu ihm passt. Die Trainerinnen und Trainer richten ihre Einheiten sowohl nach den Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe als auch der einzelnen Kinder aus. Zu Beginn wird oft abgefragt, wie es den Kindern geht, beispielsweise mithilfe von Farben oder Karten. Die Kinder haben dann die Möglichkeit, über ihr aktuelles Befinden zu berichten. Es wird sich bewusst die Zeit genommen sie erzählen zu lassen, ihnen den Raum zu geben. Die Kinder dürfen dann auf Grundlage der Stimmungsbilder das Programm und die folgenden Angebote mitbestimmen. Die Übungen werden entsprechend spontan angepasst – sei es mit auspowernden Aktivitäten oder ruhigen, entspannenden Formaten. 

    Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden gezielt und feinfühlig unterstützt. Die Trainerinnen und Trainer investieren in Beziehung und Vertrauen, um echte Teilhabe zu ermöglichen. So berichtet ein Trainer von einem Jungen mit schwierigen familiären Bedingungen und ungenutztem Potenzial, der motorisch noch nicht so weit war und außerhalb kaum gefördert wurde. Gerade für solche Kinder, so betont er, müsse das Bündnis da sein – damit auch sie Anschluss finden, beispielsweise bei der Sportsozialisation in der Grundschule.  

    Bewegungsangebote wie ein eher ruhiges Kastanienspiel mit dem Fokus Schleichen oder intensive Übungen nach dem Motto „Bewege dich wie ein Tier“ zeigen die Vielfalt und Niedrigschwelligkeit des Ansatzes. Fußball spielen die Kinder beim Blau-Weißen-Bewegungsraum natürlich auch – aber nur wenn Sie selbst darauf Lust haben.  

    Lebensweltorientierung durch systematische Analyse der Sozialraumdaten 

    Das Bündnis arbeitet datengestützt und lebensweltorientiert. Die systematische Nutzung von Sozialraumdaten – unter anderem Sozialindexdaten des Jugendamts und Gesundheitsdaten des Gesundheitsamts – wird mit den Beobachtungen der pädagogischen Fachkräfte aus den Kitas kombiniert. Auf dieser Grundlage entstehen Angebote, die präzise auf die Bedarfe einzelner Sozialräume und spezifischer Kita-Gruppen zugeschnitten sind. Unterschiedliche Herausforderungen führen so zu unterschiedlichen, passgenauen Lösungen. 

    Die Rückkopplung erfolgt dabei strukturiert und regelmäßig. Kitas geben standardisierte Rückmeldungen an die Bündniskoordination; zusätzlich findet ein enger Austausch zwischen Trainerinnen und Trainern sowie den Kita-Teams statt. Diese kontinuierlichen Rückmeldeschleifen ermöglichen eine dynamische Weiterentwicklung und stellen sicher, dass Angebote stets nah an den Lebenswelten der Kinder bleiben. 

    Systematische Weiterentwicklung 

    Zur Stabilität und Qualität des Bündnisses tragen zudem ein breit aufgestelltes Fundament sowie die systematisch eingesetzten Instrumente der Weiterentwicklung bei.  

    Die Ruhr-Universität Bochum begleitet das Bündnis wissenschaftlich und liefert wertvolle Impulse, die sowohl in die Ausgestaltung einzelner Angebote als auch in die strategische Weiterentwicklung einfließen. So sind in den vergangenen Jahren mehrere (sportwissenschaftliche) Abschlussarbeiten im Rahmen der Bündnisarbeit entstanden, die ganz konkrete Impulse sowohl zur Weiterentwicklung der einzelnen Angebote vor Ort wie auch der der Weiterentwicklung des Bündnisses insgesamt gegeben haben. Ergänzend sorgen jährliche qualitative Befragungen der Kitas sowie vierteljährliche Feedbackgespräche mit Kita-Leitungen und pädagogischen Fachkräften für eine kontinuierliche Reflexion der Praxis. Die Ergebnisse werden konsequent aufgegriffen und in die Arbeit integriert. 

    Das Bündnis vereint vielfältige Stakeholder, die jeweils spezifische Perspektiven und Ressourcen einbringen. Der VfL Bochum fungiert als Türöffner und Identifikationsanker, die städtischen Ämter stellen Daten und Analysen bereit, die Kitas bieten unmittelbaren Zugang zur Zielgruppe, die Universität liefert wissenschaftliche Expertise und Begleitung, weitere Verantwortliche unterstützen mit Spenden und Netzwerken. Dadurch entsteht ein außergewöhnlich robustes und wirkungsvolles Netzwerk, das die Entwicklung der Kinder ebenso stärkt wie die Weiterentwicklung der Qualität in der frühkindlichen Bildung vor Ort. 

    Das sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Zusatzpreis

    Gute Arbeit und starke Teams entstehen dort, wo Menschen mit Respekt, Vertrauen und echter Teilhabe zusammenwirken. Wo es auf die Stärken jedes Einzelnen ankommt und alle die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Genau deshalb wird der Zusatzpreis „Attraktivität der Arbeit“ des DGB 2025 für gelingende Partizipation und Mitbestimmung von Beschäftigten und Partnerinnen und Partnern im Bündnis verliehen. Hier hat uns der Blau-Weiße Bewegungsraum rundum überzeugt.

    Das Bündnis schafft ein Arbeitsumfeld mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten, einer offenen Kommunikationskultur und gemeinschaftsfördernden Aktivitäten. Dies stärkt den Zusammenhalt und die Freude an der Bündnisarbeit. Für seinen Einsatz, die Gesundheit, Bewegung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu fördern, und die authentische Verankerung von Partizipation und Mitbestimmung im Bündnis erhält der Blau-Weiße Bewegungsraum den DGB-Preis „Attraktivität der Arbeit“ 2025.

    Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kitas, Stadtverwaltung, Wissenschaft und der Wirtschaft bildet das Fundament für die Bündnisarbeit. Ebenso die eigene Nachhaltigkeitsstrategie, die sich insbesondere auf soziale Vielfalt, gesellschaftliche Verantwortung und Ökologie konzentriert. Um die aktive Einbindung und Mitgestaltung aller Beteiligten zu gewährleisten, stellt der Blau-Weiße Bewegungsraum vielfältige Strukturen und Ressourcen bereit. Regelmäßige Netzwerktreffen, Austauschrunden und Umfragen sichern den kontinuierlichen Dialog. Inhaltliche Themen wie auch persönliche Anliegen werden stets aufgegriffen und fließen in die Weiterentwicklung der Bündnisarbeit ein.

    Regelmäßig nehmen die Übungsleitenden an Fortbildungen teil, wie zum Beispiel zum inklusiven Kindersport. Viele von ihnen engagieren sich bereits seit Jahren und bringen ihre individuellen Stärken ein – sei es durch Spielideen, pädagogische Impulse oder durch die sensible Berücksichtigung sprachlicher und sozialer Bedarfe der Kinder. Die geringe Fluktuation im Bündnis spricht für eine hohe Arbeitszufriedenheit und starke Identifikation. „Die Erfahrung, dass eigene Beiträge zählen und das Projekt mitprägen, steigert die Motivation und macht die Arbeit im Bündnis besonders erfüllend“, so die Bündnisbeteiligten. Wir sind überzeugt, dass das Bündnis auch in Zukunft gemeinsam viel und Viele begeistern und bewegen wird.