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Ein neues Kleid aus alten Stoffen nähen, den Weg von der Kartoffel zu Pommes verfolgen, Brötchen backen oder den Wald erkunden – so unterschiedlich kann ein Tag in der Kita Talstraße aussehen. Die Kita arbeitet mit der Werkstattpädagogik. Die Angebote orientieren sich dabei an den Stärken und Interessen der Kinder und pädagogischen Fachkräfte. Neben Werkstätten etwa zu den Themen Rollenspiel, MINT, Lesen und Schreiben gibt es eine Nähstube im Atelier und eine Bewegungswerkstatt. Die Kinder entscheiden jeden Tag aufs Neue, an welchen Angeboten sie teilnehmen und können eigene Ideen umsetzen, auch zusammen mit ihren Familienmitgliedern: Wenn die Uroma das Rezept für die weltbeste Tomatensuppe hat, nimmt die Urenkelin sie kurzerhand mit in die Kita und gemeinsam kochen sie für alle zu Mittag. So gestalten die Fachkräfte einen kindorientierten Alltag, in dem sich die Jüngsten entfalten und mit ihren Vorstellungen einbringen können.
Das sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Zusatzpreis
Die Kita überzeugt durch ihre konsequent gelebte Partizipation und Mitbestimmung im Team sowie die hohe Fachlichkeit. „Je mehr Beteiligung, desto besser“ ist das Leitprinzip für die Zusammenarbeit und das gemeinsame Handeln von Träger, Leitung und Fachkräften. Die vorhandenen Beteiligungsformate wie regelmäßige Teamsitzungen oder einrichtungsübergreifende Arbeitskreise werden von den Fachkräften, den Auszubildenden und vom Träger aktiv genutzt, um ihre Arbeit kontinuierlich zu reflektieren und weiterzuentwickeln. So wurden ein neues Handlungskonzept, Qualitätsstandards oder auch ein Leitbild und eine Vision für die pädagogische Arbeit entwickelt. Diese konsequente Beteiligung aller Beschäftigten in diesen Prozessen stärkt die pädagogische Qualität und die Identifikation mit der Arbeit und der Einrichtung.
Durch flexible Arbeitszeiten und selbstbestimmtes Arbeiten wird den individuellen Bedürfnissen der Fachkräfte Rechnung getragen. Die dadurch mögliche eigenverantwortliche Planung der Vor- und Nachbereitungszeiten führt dazu, dass die Fachkräfte auch im eng getakteten Kita-Alltag auf ein gesundheitsförderliches Arbeitsverhalten achten können. Hierfür stellt der Träger den Fachkräften zusätzlich ein Zeitkontingent zur Verfügung, das über das gesetzliche Maß hinausgeht.
Durch das Konzept der Werkstattpädagogik können die Fachkräfte ihre eigenen Ideen und Stärken einbringen und ihr tägliches Arbeitsfeld aktiv gestalten. Ein vielfältiges Fortbildungsprogramm und die Begleitung durch die Fachberatung erhöhen die Motivation der Fachkräfte, sich auch neuen pädagogischen Aufgaben und Anforderungen im Alltag zu stellen.
Die Kita Talstraße zeigt sehr eindrucksvoll, dass sich gelebte Partizipation und Mitbestimmung außerordentlich positiv auf die Arbeitszufriedenheit, Gesunderhaltung und Motivation der Beschäftigten auswirken und das Gemeinschaftsgefühl deutlich stärken.
Bündnis für gesundes Aufwachsen von Kindern Zweiter Platz & DGB-Zusatzpreis 2024
Ort: Dresden Bundesland: Sachsen Handlungsfeld: gesundes Aufwachsen von Kindern, sozialräumliche Zusammenarbeit, gelingende Zugänge zu Unterstützungsstrukturen für Familien, Professionalisierung von Fachkräften Aktiv seit: 2014 Wirkungsradius: Stadtteil Dresden-Prohlis Partner: Stadt Dresden, Kitas, Grundschulen, Allgemeiner Sozialer Dienst, Kinder- und Jugendärztlicher Dienst, Familienhebammen, Beratungsstelle für Kinder-, Jugendliche und Familien, offene Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, Schulsozialarbeit, Stadtteilrunde Prohlis
Kontakt: Roman Haasler, KiNET-Netzwerkkoordination
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Das Bündnis für gesundes Aufwachsen von Kindern ist seit mehreren Jahren im Dresdener Stadtteil Prohlis aktiv. Mit dem Ziel, der steigenden Kinderarmut dort zu begegnen und die Chancengerechtigkeit zu erhöhen, setzen die Bündnisakteure auf Prävention durch Vernetzung und Partizipation. Als zentrale Schnittstelle zu Kindern und Familien sind 14 Kindertageseinrichtungen Teil des Bündnisses. Abstimmungen erfolgen in professions- und leistungsfeldübergreifenden Arbeitsformaten. So fließen Erfahrungen direkt in die Überlegungen zu Unterstützungsangeboten ein. Wichtig ist den Verantwortlichen, dass Kinder und Familien gelingende Zugänge zu diesen Angeboten haben: zum Beispiel durch Stadtteilrallyes für Vorschulkinder, Kooperationen der Kitas mit offenen Angeboten, einen Familienkiosk, der Kurzzeitbegleitung für Eltern bis hin zur Gesundheitsberatung durch den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst.
Das sagt die Jury
Mit dem Ziel, der Kinderarmut zu begegnen und die Chancengerechtigkeit im Stadtteil zu erhöhen, setzen die Akteure auf Prävention durch die Zusammenarbeit über Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Beindruckt hat die Jury, wie multiprofessionell das Bündnis aufgestellt ist.Vom Allgemeinen Sozialen Dienst über Kitas bis hin zur Familienberatung arbeiten alle Hand in Hand.Die verschiedenen Sichtweisen ergeben ein ganzheitliches Bild, das den Akteuren erlaubt, passgenaue Angebote zu machen. Wie nah dran sie sind, zeigt das Beispiel von „Schwester Agnes“: Die Hebamme sucht Familien aktiv auf und begleitet Familien von der Geburt bis zum Übergang in die Kita. Herausragend ist, wie stärkenorientiert und sensibel die Akteure auf die Familien des hochbelasteten Stadtteils zugehen.
Die Begründung unserer Jury in voller Länge
Das Bündnis stellt ein herausragendes Beispiel für gelungene Kooperation im Sozialraum dar, bei dem die Bedürfnisse von Kindern und Familien im Mittelpunkt stehen. Besonders beeindruckend ist die Vielfalt und Innovation der angebotenen Maßnahmen wie beispielsweise der Familienkalender, die Erste-Hilfe-Box für Eltern, die Stadtteil-Rallye, der Stadtteilplan oder der Stadtteil-Song. Diese Angebote sind so aufeinander abgestimmt, dass sie sowohl die Familien informieren als auch deren praktische Bedürfnisse abdecken. Sie fördern die Teilhabe und bieten den Familien eine wertvolle Orientierung in ihrem Alltag.
Ein zentrales Merkmal des Bündnisses ist das hohe Engagement aller Beteiligten. Die Jury konnte deutlich erkennen, dass es den Akteur*innen darum geht, in einem Sozialraum mit multiplen Herausforderungen zum Wohl der Kinder und Familien beizutragen. Die Fachkräfte suchen die Familien aktiv im Sozialraum auf und sind außerhalb der Einrichtungen für sie ansprechbar. Dies ist ein Paradebeispiel für niedrigschwelliges und effektives Arbeiten im Sozialraum, das weit über die klassischen Angebotsstrukturen hinausgeht. Durch die enge Zusammenarbeit mit Gesundheitsdienstleister*innen und die regelmäßigen Informationskampagnen wird die Gemeinschaft für gesundheitsfördernde Maßnahmen sensibilisiert, was die Lebensqualität und die Chancengleichheit der betroffenen Kinder und Familien nachhaltig stärkt.
Es gelingt dem Bündnis hervorragend, fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit zu gestalten. So stellt die Integration von Gesundheitsförderung in die frühkindliche Bildung eine wertvolle Grundlage dar, um ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen und die Resilienz der Familien zu stärken. Insbesondere die frühzeitige Unterstützung vor der Geburt ist bemerkenswert, da sie die Erziehungskompetenzen der Eltern nachhaltig fördert.
Das Bündnis überzeugt durch einen multiprofessionellen Ansatz, bei dem unterschiedliche Akteur*innen wie der Allgemeine Soziale Dienst, der kinderärztliche Dienst und Beratungsstellen miteinander vernetzt werden. Jede Kita hat eine Ansprechperson beim Sozialen Dienst, was eine niedrigschwellige Anlaufstelle für anonyme Fallbesprechungen und beratende Unterstützung bietet. Von der engen Verzahnung der verschiedenen Professionen und Institutionen profitieren vor allem die Familien. Der interdisziplinäre Austausch sorgt dafür, dass die Hilfe passgenau und bedarfsgerecht erfolgt.
Die Arbeitsweise des Bündnisses ist von einem hohen Maß an Professionalität geprägt. Besonders hervorzuheben sind die pragmatische Kommunikation und die Entwicklung wirksamer Maßnahmen, die direkt an den Bedürfnissen der Kinder und Familien ausgerichtet sind. Diese Herangehensweise ermöglicht eine schnelle und flexible Reaktion auf Herausforderungen, was für den Erfolg des Bündnisses entscheidend ist. Die Teammitglieder zeichnen sich durch eine positive Grundhaltung, ein hohes Maß an Armutssensibilität und eine große Wertschätzung gegenüber den Familien aus. Dies spiegelt sich in der respektvollen und kreativen Art und Weise wider, wie das Bündnis die Lebensrealitäten der Familien aufgreift und Lösungen entwickelt.
Darüber hinaus überzeugt das Bündnis durch seine Flexibilität und Effizienz im Umgang mit vorhandenen Ressourcen. Budgets und Räume werden konkurrenzfrei geteilt. Das sorgt dafür, dass die verfügbaren Mittel optimal genutzt werden. Neue Fachkräfte im Stadtteil werden aktiv durch das Bündnis angesprochen und zur Mitarbeit eingeladen. Die zusätzlichen personellen Ressourcen, die Sachmittel und die Prozessbegleitung bieten den Fachkräften in den Kitas die notwendige Entlastung, um ihre Arbeit noch effektiver und zielgerichteter gestalten zu können.
Das Bündnis zeigt eindrucksvoll, wie durch die integrierte Zusammenarbeit von Fachkräften aus verschiedenen Bereichen passgenaue, innovative Angebote entwickelt werden und so ein nachhaltiger Beitrag zur Förderung von Chancengleichheit und sozialer Integration geleistet werden kann.
Das sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Zusatzpreis
Das Bündnis überzeugt durch den hohen Einsatz seiner Partner*innen, die Lebenssituation von Kindern in einem sozioökonomisch belasteten Stadtteil zu verbessern und Familien bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen. Ausgehend von dem Leitmotiv „Keine Kita, kein Familienzentrum, kein Kindertreff kann die komplexen Problemlagen der Kinder und Familien allein lösen!“ hat das Bündnis niedrigschwellige und zielgruppenorientierte Begegnungs- und Veranstaltungsformate wie Stadtteilrunden, Spielplatzbesuche, Elternveranstaltungen oder Feste entwickelt und geht damit direkt zu den Kindern und Familien.
Die Kita wird vom Bündnis als der Ort für Frühprävention verstanden, weshalb die Fachkräfte in den Kitas durch die Bündnispartner*innen in ihrer Arbeit mit benachteiligten Kindern und Familien unterstützt und gestärkt werden. Das Bündnis zeigt auf beeindruckende Weise, wie eine koordinierte multiprofessionelle Zusammenarbeit von Akteur*innen mit unterschiedlichen Expertisen und Aufgaben gelingen kann. Trotz unterschiedlicher Zuständigkeiten und Professionslogiken arbeiten alle Beteiligten eng zusammen und schützen sich gegenseitig vor Überforderung und Überlastung.
Das Bündnis beeindruckt durch seine gebündelte fachliche Expertise und die hohe Bereitschaft aller Beteiligten, sich kontinuierlich fortzubilden und gemeinsam weiterzuentwickeln. Die Arbeit des Bündnisses ist konzeptionell durchdacht und langfristig angelegt. Regelmäßig reflektieren alle Beteiligten gemeinsam ihr Handeln im Sinne der gesteckten Ziele. Damit trägt das Bündnis in besonderem Maße zur Integration, Teilhabe und Chancengleichheit von benachteiligten Kindern und ihren Familien in einem stark benachteiligten Sozialraum bei.
Eine hohe fachliche Kompetenz, gezielte Prioritätensetzung, Verlässlichkeit und Zusammenhalt machen die professionelle Arbeit des Bündnisses aus und fördern laut der Beteiligten die Attraktivität der Arbeit, die Arbeitszufriedenheit und die Gesunderhaltung.
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Der VfL Bochum lässt nicht nur die Herzen seiner Fans höherschlagen, sondern auch die vieler Kita-Kinder: Um dem zunehmenden Bewegungsmangel entgegenzuwirken und Familien für Gesundheitsthemen zu gewinnen, gab der Verein 2022 den Anstoß für den Blau-Weißen Bewegungsraum. Das Bündnis bringt jede Woche rund 800 Kinder in der Ruhrstadt in Schwung. Dabei geht es um weit mehr als ums Kicken: Beim Tanzen, bei Koordinations- oder bei Ballspielen entdecken die Kinder ihre Stärken und finden ohne Leistungsdruck heraus, was ihnen Spaß macht. Mit Piktogrammen wählen sie ihre Lieblingsübungen aus dem vielfältigen Programm aus und entscheiden so aktiv mit. Zur ganzheitlichen Förderung sind die Bewegungseinheiten spielerisch mit Ernährungs- und Umweltthemen verknüpft. Um die Angebote passgenau zu gestalten, ist das gesamte Bündnis mit am Ball: Kita-Fachkräfte sowie Jugend- und Gesundheitsamt bringen ihr Wissen über die Lebensbedingungen und konkreten Bedürfnisse in den heterogenen Quartieren ein. Die Ruhr-Universität begleitet das Konzept wissenschaftlich, Sportstudierende leiten die Übungen und lokale Unternehmen sponsern die Angebote. So tragen in dem eingespielten Team alle dazu bei, Kinder fit für die Zukunft zu machen.
Das sagt die Jury
Überzeugt hat die Jury, dass der VfL Bochum mit dem Bündnis „Blau-Weißer Bewegungsraum“ niedrigschwellig Familien erreicht, Vertrauen schafft und sie für Bewegung begeistert. Dem Bündnis gelingt auch der Zugang zu Kindern aus sozial benachteiligten Wohngebieten. Sportstudierende trainieren jede Woche rund 1.500 Kinder in 60 Einrichtungen. Ob Tanzen oder Ballspiele – mit Piktogrammen wählen die Kinder ihre Übungen aus und entscheiden aktiv mit. Ohne Leistungsdruck werden sie in dem gestärkt, was sie können. Kita-Fachkräfte sowie Jugend- und Gesundheitsamt tauschen sich aus, um die Bedarfe der Kinder zu ermitteln und passgenaue Angebote zu gestalten. Die Ruhr-Universität begleitet das Konzept und lokale Unternehmen sponsern die Angebote. So trägt jeder in dem eingespielten Team dazu bei, dass alle Kinder in Bochum gute Startchancen haben.
Die Begründung unserer Jury in voller Länge
Zugang zu Familien schaffen – Gemeinschaft und Teilhabe stiften
Das Bündnis überzeugt durch seine besondere Fähigkeit, verlässliche Zugänge zu Kindern und Familien zu schaffen und damit Gemeinschaft sowie soziale Teilhabe zu ermöglichen. Die vielfältigen Bewegungsangebote eröffnen Lern- und Erfahrungsräume, in denen Kinder spielerisch miteinander in Kontakt treten und soziale Fähigkeiten entwickeln können. Dabei werden motorische und psychosoziale Förderung eng miteinander verbunden, so dass gesundheitliche Entwicklung, Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl gleichermaßen gestärkt werden.
Sprachliche Hürden bestehen nicht: Die Trainerinnen und Trainer arbeiten individuell und sensibel mit den Gruppen, nutzen nonverbale Methoden und ermöglichen so eine natürliche, alltagsintegrierte Sprachförderung, wie Kitas ausdrücklich zurückmelden.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor liegt in der Beteiligung des VfL Bochum, der als starker und vertrauter Akteur Identifikation, Verlässlichkeit und positive Emotionen stiftet. Der Verein dient als Türöffner, insbesondere für Familien in Risikolagen, die sonst nur schwer erreicht würden. Nahezu jede Familie in der Stadt verbindet etwas Positives mit dem VfL, was den Zugang erleichtert und Vertrauen schafft.
In enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Ämtern werden gezielt Sozialräume ausgewählt, in denen Sozial- und Gesundheitsdaten einen erhöhten Bedarf erkennen lassen. Dadurch rückt das Bündnis gerade jene Stadtgebiete in den Fokus, in denen Kinder am stärksten von Armut und gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind.
Mit rund 1.500 erreichten Kindern pro Woche in 60 Einrichtungen entfaltet das Bündnis eine hohe und vor allem flächendeckende Reichweite. Die Begeisterung der Kinder zeigt sich unmittelbar: Viele warten bereits an den Fenstern, wenn die Trainerinnen und Trainer – ein Ausdruck starker Bindung und hoher Beziehungsqualität.
Freude an der Bewegung steht im Mittelpunkt
Im Zentrum der Arbeit steht die Freude an Bewegung – nicht Leistung, nicht Wettbewerb, sondern das individuelle Erleben von Spaß, Ausdruck und Selbstwirksamkeit. Die Angebote sind polysportiv, freudebetont und flexibel gestaltet, so dass jedes Kind die Bewegungsform finden kann, die zu ihm passt. Die Trainerinnen und Trainer richten ihre Einheiten sowohl nach den Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe als auch der einzelnen Kinder aus. Zu Beginn wird oft abgefragt, wie es den Kindern geht, beispielsweise mithilfe von Farben oder Karten. Die Kinder haben dann die Möglichkeit, über ihr aktuelles Befinden zu berichten. Es wird sich bewusst die Zeit genommen sie erzählen zu lassen, ihnen den Raum zu geben. Die Kinder dürfen dann auf Grundlage der Stimmungsbilder das Programm und die folgenden Angebote mitbestimmen. Die Übungen werden entsprechend spontan angepasst – sei es mit auspowernden Aktivitäten oder ruhigen, entspannenden Formaten.
Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden gezielt und feinfühlig unterstützt. Die Trainerinnen und Trainer investieren in Beziehung und Vertrauen, um echte Teilhabe zu ermöglichen. So berichtet ein Trainer von einem Jungen mit schwierigen familiären Bedingungen und ungenutztem Potenzial, der motorisch noch nicht so weit war und außerhalb kaum gefördert wurde. Gerade für solche Kinder, so betont er, müsse das Bündnis da sein – damit auch sie Anschluss finden, beispielsweise bei der Sportsozialisation in der Grundschule.
Bewegungsangebote wie ein eher ruhiges Kastanienspiel mit dem Fokus Schleichen oder intensive Übungen nach dem Motto „Bewege dich wie ein Tier“ zeigen die Vielfalt und Niedrigschwelligkeit des Ansatzes. Fußball spielen die Kinder beim Blau-Weißen-Bewegungsraum natürlich auch – aber nur wenn Sie selbst darauf Lust haben.
Lebensweltorientierung durch systematische Analyse der Sozialraumdaten
Das Bündnis arbeitet datengestützt und lebensweltorientiert. Die systematische Nutzung von Sozialraumdaten – unter anderem Sozialindexdaten des Jugendamts und Gesundheitsdaten des Gesundheitsamts – wird mit den Beobachtungen der pädagogischen Fachkräfte aus den Kitas kombiniert. Auf dieser Grundlage entstehen Angebote, die präzise auf die Bedarfe einzelner Sozialräume und spezifischer Kita-Gruppen zugeschnitten sind. Unterschiedliche Herausforderungen führen so zu unterschiedlichen, passgenauen Lösungen.
Die Rückkopplung erfolgt dabei strukturiert und regelmäßig. Kitas geben standardisierte Rückmeldungen an die Bündniskoordination; zusätzlich findet ein enger Austausch zwischen Trainerinnen und Trainern sowie den Kita-Teams statt. Diese kontinuierlichen Rückmeldeschleifen ermöglichen eine dynamische Weiterentwicklung und stellen sicher, dass Angebote stets nah an den Lebenswelten der Kinder bleiben.
Systematische Weiterentwicklung
Zur Stabilität und Qualität des Bündnisses tragen zudem ein breit aufgestelltes Fundament sowie die systematisch eingesetzten Instrumente der Weiterentwicklung bei.
Die Ruhr-Universität Bochum begleitet das Bündnis wissenschaftlich und liefert wertvolle Impulse, die sowohl in die Ausgestaltung einzelner Angebote als auch in die strategische Weiterentwicklung einfließen. So sind in den vergangenen Jahren mehrere (sportwissenschaftliche) Abschlussarbeiten im Rahmen der Bündnisarbeit entstanden, die ganz konkrete Impulse sowohl zur Weiterentwicklung der einzelnen Angebote vor Ort wie auch der der Weiterentwicklung des Bündnisses insgesamt gegeben haben. Ergänzend sorgen jährliche qualitative Befragungen der Kitas sowie vierteljährliche Feedbackgespräche mit Kita-Leitungen und pädagogischen Fachkräften für eine kontinuierliche Reflexion der Praxis. Die Ergebnisse werden konsequent aufgegriffen und in die Arbeit integriert.
Das Bündnis vereint vielfältige Stakeholder, die jeweils spezifische Perspektiven und Ressourcen einbringen. Der VfL Bochum fungiert als Türöffner und Identifikationsanker, die städtischen Ämter stellen Daten und Analysen bereit, die Kitas bieten unmittelbaren Zugang zur Zielgruppe, die Universität liefert wissenschaftliche Expertise und Begleitung, weitere Verantwortliche unterstützen mit Spenden und Netzwerken. Dadurch entsteht ein außergewöhnlich robustes und wirkungsvolles Netzwerk, das die Entwicklung der Kinder ebenso stärkt wie die Weiterentwicklung der Qualität in der frühkindlichen Bildung vor Ort.
Das sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Zusatzpreis
Gute Arbeit und starke Teams entstehen dort, wo Menschen mit Respekt, Vertrauen und echter Teilhabe zusammenwirken. Wo es auf die Stärken jedes Einzelnen ankommt und alle die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Genau deshalb wird der Zusatzpreis „Attraktivität der Arbeit“ des DGB 2025 für gelingende Partizipation und Mitbestimmung von Beschäftigten und Partnerinnen und Partnern im Bündnis verliehen. Hier hat uns der Blau-Weiße Bewegungsraum rundum überzeugt.
Das Bündnis schafft ein Arbeitsumfeld mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten, einer offenen Kommunikationskultur und gemeinschaftsfördernden Aktivitäten. Dies stärkt den Zusammenhalt und die Freude an der Bündnisarbeit. Für seinen Einsatz, die Gesundheit, Bewegung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu fördern, und die authentische Verankerung von Partizipation und Mitbestimmung im Bündnis erhält der Blau-Weiße Bewegungsraum den DGB-Preis „Attraktivität der Arbeit“ 2025.
Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kitas, Stadtverwaltung, Wissenschaft und der Wirtschaft bildet das Fundament für die Bündnisarbeit. Ebenso die eigene Nachhaltigkeitsstrategie, die sich insbesondere auf soziale Vielfalt, gesellschaftliche Verantwortung und Ökologie konzentriert. Um die aktive Einbindung und Mitgestaltung aller Beteiligten zu gewährleisten, stellt der Blau-Weiße Bewegungsraum vielfältige Strukturen und Ressourcen bereit. Regelmäßige Netzwerktreffen, Austauschrunden und Umfragen sichern den kontinuierlichen Dialog. Inhaltliche Themen wie auch persönliche Anliegen werden stets aufgegriffen und fließen in die Weiterentwicklung der Bündnisarbeit ein.
Regelmäßig nehmen die Übungsleitenden an Fortbildungen teil, wie zum Beispiel zum inklusiven Kindersport. Viele von ihnen engagieren sich bereits seit Jahren und bringen ihre individuellen Stärken ein – sei es durch Spielideen, pädagogische Impulse oder durch die sensible Berücksichtigung sprachlicher und sozialer Bedarfe der Kinder. Die geringe Fluktuation im Bündnis spricht für eine hohe Arbeitszufriedenheit und starke Identifikation. „Die Erfahrung, dass eigene Beiträge zählen und das Projekt mitprägen, steigert die Motivation und macht die Arbeit im Bündnis besonders erfüllend“, so die Bündnisbeteiligten. Wir sind überzeugt, dass das Bündnis auch in Zukunft gemeinsam viel und Viele begeistern und bewegen wird.
AWO Kita Tausendfüßler Preisträger DGB-Zusatzpreis 2025
Ort: Potsdam Bundesland: Brandenburg Größe: 141 Kinder, 23 Mitarbeitende Träger: AWO Kinder und Jugendhilfe Potsdam gGmbh Unsere Stärken: Bewegung, offene Arbeit, Begleitung von Eltern, Förderung von sozial-emotionalen Kompetenzen bei Kindern
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Für die Potsdamer AWO Kita Tausendfüßler spielt Bewegung eine große Rolle, doch geht es lang nicht nur um körperliche Fitness. Die Kita hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kompetenzen zu fördern, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. So bestärken die pädagogischen Fachkräfte schon die Jüngsten, sich aktiv in Entscheidungen einzubringen, die den Kita-Alltag betreffen. Dafür setzt das Team Elemente des Papilio-Programms ein. Von Anfang an lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen, etwa beim Tischdienst oder wenn ältere Kinder den Jüngeren helfen. Konflikte bleiben dabei nicht aus, werden aber als Lernsituation verstanden. Gemeinsam mit dem Team setzen sich die Kinder mit den eigenen Fragen zu Themen wie Freundschaft, Trauer oder Ausgrenzung auseinander. Die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes stehen dabei im Mittelpunkt. Eine ausgebildete Elternbegleiterin ist Teil des Teams. Fragen und Sorgen, die beispielsweise entstehen, wenn der Übergang von der Kita in die Schule bevorsteht, finden bei ihr Gehör und werden sensibel behandelt. Solche Veränderungen gehören zum Leben dazu und werden von der Kita behutsam begleitet, um Kinder stark zu machen für die Zukunft.
Das sagt der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Zusatzpreis
Die Kita Tausendfüßler ist ein guter Ort für Kinder und ein attraktiver Ort zum Arbeiten. Sie steht beispielhaft für das gewerkschaftliche Prinzip guter Arbeit: eine Kultur der Mitbestimmung und Beteiligung, die die Arbeitszufriedenheit stärkt und durch Tarifbindung nachhaltig verankert ist. Eine gute, vertrauensvolle und partizipative Zusammenarbeit ist in Zeiten des Fachkräftemangels besonders wichtig. Für ihre kontinuierliche Beteiligung, ihren Teamgeist und ihren Einsatz für gute Bildung, Betreuung und Erziehung verdient die Kita Tausendfüßler mit ihren 23 Beschäftigten den DGB-Zusatzpreis „Attraktivität der Arbeit“ 2025 in besonderem Maße.
Die Kitazeigt eindrucksvoll, wie Partizipation und Mitbestimmung die Arbeitszufriedenheit, die Fachkräftebindung und eine hohe pädagogische Qualität sichern: Die tief verankerte Haltung gemeinsamer Teilhabe durchdringt das Miteinander der Beschäftigten und prägt zugleich das Trägersystem. Alle Mitarbeitenden können aktiv mitgestalten, mitentscheiden und ihre Wünsche und Stärken einbringen. Die Implementierung des neuen Brandenburger Bildungsplans ist dafür beispielhaft. Neue Ansätze werden stets gemeinsam erprobt, besprochen und beibehalten oder bei Bedarf angepasst. Durch regelmäßige Austauschformate und themenspezifische Arbeitsgruppen stellt die Kita sicher, dass alle Beschäftigten in wichtige Entscheidungen eingebunden sind. Die Leitung und der Träger unterstützen durch regelmäßige Fort- und Weiterbildungsangebote die berufliche Weiterentwicklung der Fachkräfte.
All das stärkt die Arbeitszufriedenheit, dieSelbstwirksamkeit und das Gemeinschaftsgefühl. „Durch gemeinsame Diskussionen stärken wir nicht nur unsere Lösungen, sondern auch das Wir-Gefühl. Diese positive Atmosphäre überträgt sich unmittelbar auf die Kinder und schafft ein Klima der Sicherheit und Geborgenheit“, berichten die Fachkräfte.
Partizipation und Mitbestimmung wird vom Träger, vom Leitungsteam sowie von den Fachkräften und Auszubildenden als Motor für Qualität, Stabilität und ein gutes Miteinander verstanden. Dies erklärt, warum das Team trotz spürbarem Fachkräftemangel seit Jahren sehr konstant ist. Die Leiterin arbeitet bereits seit über 20 Jahren in der Einrichtung, mehr als die Hälfte der pädagogischen Fachkräfte seit zehn Jahren oder länger.
Ein positives Teamklima erfordert kontinuierliche Arbeit und Aufmerksamkeit. Obwohl die Kita mit der gegenwärtigen Situation zufrieden ist, setzt sie bewusst auf Weiterentwicklung und plant, künftig auch Supervision in Anspruch zu nehmen. Wir sind überzeugt, dass die Kita Tausendfüßler auch in Zukunft ein guter Ort zum Lernen, Wachsen und Arbeiten sein wird.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Brevo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.