Familienzentrum Olgakrippe

© DKJS/Jakob Erlenmeyer und Nikolaus Götz

Familienzentrum Olgakrippe
Erster Platz 2022

Ort: Heilbronn
Bundesland: Baden-Württemberg
Größe: 115 Kinder, 30 Mitarbeitende
Träger: Stadt Heilbronn Amt für Familie, Jugend und Senioren
Unsere Stärke: Partizipation, kulturelle Vielfalt

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Das Familienzentrum Olgakrippe ist Anlaufstelle für Jung und Alt in der Heilbronner Nordstadt. Nicht nur Kinder von 0 bis 6 Jahren, sondern das gesamte Stadtquartier finden hier umfassende Angebote. Dazu gehören die Sport-AG für geflüchtete Frauen, eine Krabbelgruppe von und für Mütter oder der Trommelkurs für Kinder und Senioren. Im Kita-Alltag werden Kinderrechte gelebt und konsequent umgesetzt. So ist beispielsweise der „Kindertag“ entstanden: An zwei Tagen im Jahr nehmen die Kinder den Platz der Leitung im Büro ein. Sie bestellen Materialien, übernehmen den Telefondienst, gestalten den Speiseplan und tun alles, was eine Kita-Leitung so tut. Die Familien, die das Familienzentrum besuchen, haben verschiedenste sprachliche und kulturelle Hintergründe. Eine große Chance für die Olgakrippe! So ist mit Hilfe der Eltern ein Dolmetschernetzwerk entstanden, das sich insbesondere bei Elterngesprächen als wertvoll erweist.

Das sagt die Jury

Das Familienzentrum hat die Jury unter anderem mit ihrer besonderen Lern- und Veränderungsbereitschaft überzeugt. Die Pandemie wurde als Chance begriffen, Prozesse zu überdenken, Dinge zu verändern und neue Wege zu gehen. Das Team der Olgakrippe stellt die Partizipation von Kindern klar in den Mittelpunkt. Es ist dem Team wichtig, Kinder an der Gestaltung des Alltages zu beteiligen und sie zu ermutigen, sich in die Gemeinschaft einzubringen sowie Verantwortung zu tragen. An „Kindertagen“ übernehmen die Kinder das Ruder und schlüpfen in die Rollen der pädagogischen Fachkräfte. Sie gehen ans Telefon und dürfen Entscheidungen nach außen vertreten. Das Familienzentrum zeichnet sich durch einen wertschätzenden, stärkebasierten Umgang mit allen Kindern, Pädagog:innen und Familien aus und nimmt deren Heterogenität als besonderen Gewinn wahr. 

Die Begründung unserer Jury in voller Länge

Die Einrichtung ist in hohem Maße preiswürdig, da sie systematisch und auf allen Ebenen die Qualitätsanforderungen an einen Preisträger beim Deutschen Kita-Preis erfüllt. 

Die Qualitätsentwicklung ist hier eine gemeinschaftliche Teamaufgabe. Dabei übernehmen einzelne Fachkräfte ihren persönlichen Interessen und Kompetenzen entsprechende Aufgaben, zum Beispiel als „Fahrzeugbereichsleiter:in“. 

Die Pandemie und deren Auswirkungen wurden als Chance genutzt, Bestehendes zu überdenken: In diesem Verständnis einer Krise als Chance wurde der gute Kontakt zu Familien erweitert mit Angeboten wie Online-Yoga, digitalen Bilderbuchstunden, der Olgakrippen-Zeitung, einem Kulturzaun und digitalen Teamsitzungen (Handlungsmut/Kreativität).  

Die Olgakrippe zeichnet sich durch eine sehr gute Teamkultur aus. Abstimmungen der Fachkräfte verdeutlichen, dass es möglich ist, unterschiedlich zu agieren, zum Beispiel, wenn einer Fachkraft konkrete Spielsituationen riskant oder unsicher erscheinen. Es dürfen unterschiedliche Haltungen existieren, dies führt in der Olgakrippe aber nicht dazu, dass Kinder eingeschränkt werden, sondern die Fachkräfte stimmen sich gut untereinander ab.

Das Team lebt den Early Excellence-Ansatz auch in der Teamkultur. Man respektiert die anderen, hört ihre Meinung und unterstützt sich gegenseitig. Auch hier wird in der Olgakrippe auf die Stärken des Einzelnen gesetzt (zum Beispiel beim Onlineangebot für die Familien während der Pandemie). Verschiedene Meinungen werden diskutiert, niemand wird bloßgestellt. Es gibt eine ausgeprägte Feedback-Kultur, in deren Rahmen die Fachkräfte ihr eigenes Tun regelmäßig reflektieren. 

In der Kita des Jahres ist Partizipation eine Herzensangelegenheit. Das Team der Olgakrippe stellt Partizipation von Kindern klar in den Mittelpunkt ihres Handelns und immer wieder auch ihrer Qualitätsentwicklung. Bei der Neugestaltung der Räume wurden die Kinder beispielsweise aktiv eingebunden – dies war gleichzeitiger Start einer Weiterentwicklung der Kita mit Fokus auf Partizipation. 

Den Pädagog:innen ist es wichtig, Kinder an der Gestaltung ihres Alltags zu beteiligen. Sie regen Kinder an, sich in die Gemeinschaft einzubringen und Verantwortung zu übernehmen und finden hierfür teils unkonventionelle Methoden.

So wurde zum Beispiel ein Kinderbeirat gewählt (inkl. Wahlkampf). An der Wahl waren auch die Eltern beteiligt. Es gibt einen Kindertag, an dem die Kinder die Kita „leiten“. Daraus entstehen neue Ideen zur Raumgestaltung und Veränderungsprozesse. Überzeugend sind auch Wunschangebote wie der „Kindercheftag“ und der Kindertag, an denen Kinder die Rollen der pädagogischen Fachkräfte einnehmen und zum Beispiel ans Telefon gehen und Entscheidungen auch gegenüber Externen vertreten.

Die Zusammenarbeit mit Eltern ist in der Olgakrippe gelebte Bildungspartnerschaft auf gleicher Augenhöhe. 

Beeindruckt hat die Jury ebenso die gelungene Kindorientierung und gelebte Vielfalt: Das Handeln der Fachkräfte und der Alltag für die Kinder richten sich konsequent an den Bedürfnissen der Kinder aus. Dafür werden die Bedürfnisse der Kinder auf unterschiedlichste, kreative Weise in Erfahrung gebracht, mit den Kindern betrachtet und in mitunter außergewöhnliche Ideen übersetzt, gemeinsam in der Praxis erprobt und umgesetzt. 

So werden die bedeutsamen Themen der Kinder regelmäßig methodisch-gestützt erhoben, zum Beispiel durch Beobachtungen oder Gespräche mit den Kindern. Auf Basis der Auswertung dieser, entwickeln die Fachkräfte dann im Team Ideen für Aktivitäten oder ungewöhnliche Angebote, die sich an den Impulsen und Fragen der Kinder orientieren, wie beispielsweise eine „laute Runde“, die anstelle einer „leisen Runde“ gewünscht wurde. 

Der ressourcenorientierte Blick gilt für alle Beteiligten, die Kita zeichnet sich durch einen wertschätzenden, stärkebasierten Umgang mit allen Kindern, Pädagog:innen und Familien aus und nimmt deren Heterogenität als besonderen Gewinn wahr. Die Offenheit für verschiedene Kulturen wird in der Praxis gelebt, zum Beispiel finden Morgenkreise in unterschiedlichen Sprachen statt. 

Mehr als nur Kita – die Olgakrippe ist ein Familienzentrum im Stadtteil: Sie zeichnet sich durch ihr hohes Engagement im Sozialraum aus und es gibt sehr gute Kooperationen im Stadtteil (zum Beispiel mit der Grundschule). Für Eltern stellt die Kita detaillierte Informationen über mögliche Unterstützungsangebote zur Verfügung. Die Olgakrippe wird so zu einem wichtigen Bestandteil im Lebensraum der Menschen und die Angebote werden an die Bedürfnisse der Familien angepasst – zum Beispiel, indem Veranstaltungen auf das Wochenende verlegt werden. 

Beeindruckend: Die Kita versteht sich als Gemeinschaft und lebt dieses Gemeinschaftsgefühl. 

Die Olgakrippe zeichnet sich durch eine offene Arbeitsstruktur unter Einbezug des Early Excellence Ansatzes aus, der erst im Jahr 2019 eingeführt wurde und bereits gut implementiert ist.