Familienzentren im Arnsberger Modell

© DKJS/Jakob Erlenmeyer und Nikolaus Götz

Familienzentren im Arnsberger Modell
Erster Platz 2022

Ort: Arnsberg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Handlungsfeld: Familienbegleitung, Netzwerk aller Familienzentren, Kinderschutz
Aktiv seit: 2006
Wirkungsradius: Mittelstadt
Partner: Familienzentren, Kindertageseinrichtungen, Trägervertretungen, Fachberatungen, Jugendamt, Jugendhilfeplanung, Stadtverwaltung, Kommunales Integrationszentrum, Beratungsstellen

Kontakt: Familienzentrum Altstadt, Silvia Herklotz (Leitung), familienzentrum.altstadt[@]arnsberg.de

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Die Stadt Arnsberg im nordrhein-westfälischen Sauerland hat 15 Stadtteile. Um die Familien in diesem heterogenen Umfeld ganzheitlich zu unterstützen, vernetzt das Bündnis Familienzentren im Arnsberger Modell die Angebote im gesamten Stadtgebiet. Gemeinsam erarbeiten die Familienzentren mit Kooperationspartnern und anderen sozialen Einrichtungen trägerübergreifende Strategien, die allen Kindern und Eltern zugutekommen. Jedes der 15 Familienzentren hat eine Kinderschutz-Fachkraft und bietet unter anderem offene Spiel- und Bewegungsangebote, Streitschlichtungskurse, Beratungsgespräche sowie spezielle Vater-Kind-Aktionen. Alles ist passgenau auf die Bedarfe in den jeweiligen Sozialräumen zugeschnitten: So fokussieren manche Familienzentren auf die Integration von armutsgefährdeten Familien oder Menschen mit Fluchterfahrung, andere auf Angebote für Kinder, deren Eltern berufstätig sind. So erhalten alle Kinder in Arnsberg die gleichen Chancen.

Das sagt die Jury

Die Initiative richtet sich nach den Bedürfnissen der Menschen in ihrem Stadtteil und entwickelt passgenaue Angebote für die Bewohner:innen. Die Familienzentren im Arnsberger Modell haben es sich zum Ziel gesetzt, allen Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen. Dafür hat sich das Bündnis die Verwirklichung der Kinderrechte auf die Fahne geschrieben. So gab es beispielsweise einen Kinderrechte-Tag, der durch verschiedene Aktionen und Banner für öffentliche Aufmerksamkeit sorgte. Auch strukturell ist das Bündnis vorbildlich aufgestellt und zeigt eine hervorragende Organisation, die sich im Prozess weiterentwickelt. Die Jury lobt die vielen unterschiedlichen Kommunikations- und Organisationselemente wie die Entwicklung einer Bündnis-App für Smartphones oder Beratungen als „Walk- and Talk”-Angebot, aber auch die festgelegten und verbindlichen Bündnis-Standards. Die Familienzentren im Arnsberger Modell sind somit auf bemerkenswerte Weise unabhängig von einzelnen Personen und dadurch tragfähig und zukunftsweisend aufgestellt.

Die Begründung unserer Jury in voller Länge

In Arnsberg agieren 15 Familienzentren unter einem gemeinsamen Konzept als Bündnis mit verschiedenen Akteur:innen im Sozialraum. Dass sich so viele Einrichtungen unterschiedlicher Träger als ein Team betrachten, ist bemerkenswert. Hier wird trägerübergreifendes Arbeiten vorbildlich sowie in hoher Professionalität und Qualität umgesetzt. 

Das Bündnis agiert unter Berücksichtigung der sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen und unterstützt Familien, die in einem sozial prekären Umfeld wohnen ebenso wie Familien, die in Einfamilienhaussiedlungen leben. Die Bedarfslagen und Bedürfnisse der Menschen im Quartier bestimmen die fachliche Ausrichtung – dies trifft in Arnsberg sowohl auf die Inhalte als auch auf die Form der Leistungen der Familienzentren zu und schafft lebensnahe sowie zum Sozialraum und seinen Bewohner:innen passende Angebote. Das Bündnis handelt nicht nur im Sozialraum, sondern gestaltet ihn aktiv mit.  

Die gemeinsam erarbeiteten Standards sind nicht starr, sondern ermöglichen ein spezifisches, passgenaues Agieren in unterschiedlichen Sozialräumen, so dass die Einrichtungen eigene Schwerpunkte je nach örtlichem Bedarf setzen. Dass es für alle Beteiligten Raum für Weiterentwicklung und Wachstum gibt, ist eine große Stärke des Arnsberger Modells. 

Die Jury sieht in Arnsberg eine hohe Innovationskraft: Die Akteur:innen nutzten die Vorgaben des Landesprogramms als Sprungbrett. Sie adaptierten sie nach den Bedarfen vor Ort so, dass sie passgenau für die Kinder und Familien im Sozialraum sind und heben sie auf ein neues Niveau. Durch die Weiterentwicklung wurde aus einem „Top-Down-Projekt“ mit allgemeinen Vorgaben ein „Bottom-Up-Projekt“ der beteiligten Kitas und Fachkräfte. Die Art und Weise, wie hier der Rahmen eines Landesprogramms genutzt und mit Leben gefüllt wurde, um eigene Strukturen und Angebote zu entwickeln, kann anderen Bündnissen oder Einrichtungen als großartiges Vorbild dienen. 

Eine Besonderheit des Arnsberger Modells ist, dass die teilnehmenden Familienzentren von den bereitgestellten Mitteln maximal 50 Prozent für Personal aufwenden dürfen. Der Rest muss direkt in Aktivitäten für Kinder und Familien fließen. Dieser Ansatz trägt mit dazu bei, dass das Arnsberger Bündnis sich durch eine besondere Kindorientierung auszeichnet. 

Die Richtschnur des Handelns in Arnsberg ist es, allen Kindern ein gutes Aufwachsen in ihren Lebenswelten zu ermöglichen. Das Bündnis hat sich dabei explizit die Verwirklichung der Kinderrechte auf die Fahnen geschrieben. Diese prägen nicht nur die Programmatik, sondern werden auch in konkreten Produkten und Angeboten aufgegriffen. 

Neben der alltäglichen Arbeit findet sich die Umsetzung der Kinderrechte beispielsweise in einem gemeinsamen Kinderrechte-Tag, der nicht nur öffentliche Aufmerksamkeit für die Kinderrechte schuf (durch Banner und Aktionen), sondern bei dem auch – die Wünsche der Kinder aufnehmend – eine große Kirmes veranstaltet wurde. 

Partizipation wird in Arnsberg großgeschrieben und gelebt! Hier haben die Meinungen der Kinder eine Stimme. Das zeigt sich einerseits im alltäglichen Handeln (Übernahme kleiner Aufgaben und altersgemäßer Verantwortung, Beschwerdemanagement), aber auch darin, wie bei besonderen Wünschen der Kinder (Kirmes) keine Mühen gescheut werden, um diese zu verwirklichen. 

Das Bündnis ist auch strukturell beispielhaft aufgestellt und zeigt eine hervorragend strukturierte Organisation, die sich im Prozess weiterentwickelt. Die Jury lobt die vielen unterschiedlichen Kommunikations- und Organisationselemente, aber auch die festgelegten und verbindlichen Bündnis-Standards wie Qualitätszirkel, Kompetenzteams, Arbeitskreise, Befragungen. Das Bündnis ist somit auf bemerkenswerte Weise unabhängig von einzelnen Personen und dadurch tragfähig und zukunftsweisend aufgestellt. 

Beeindruckend ist auch die Ausgestaltung der vielfältigen Förderkurse für Kinder und das Angebot der facettenreichen Abenteuerformate. 

Sowohl die Akteur:innen als auch die Eltern und Kinder werden proaktiv in die Gestaltung und Entwicklung der Angebote des Bündnisses eingebunden und haben vielfältige Möglichkeiten, sich aktiv in das Bündnishandeln einzubringen. Über verschiedene Formate können Stimmen und Meinungen niedrigschwellig eingebracht und in praktisches Handeln überführt werden. Einige erwähnenswerte Beispiele sind Elternbefragungen, Eltern-Cafés, Einbindung in Ausgestaltung von Angeboten, Fortbildungen für Fachkräfte, Kinderbefragungen.