FamilienkiTa Emmaus

© DKJS/Jakob Erlenmeyer und Nikolaus Götz

FamilienkiTa Emmaus
Zweiter Platz 2022

Ort: Gillenfeld
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Größe: 97 Kinder, 31 Mitarbeitende
Träger: Katholische KiTa gGmbH Trier
Unsere Stärke: Nutzung des Sozialraums, Selbstbestimmung der Kinder

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In der FamilienkiTa Emmaus entscheiden die Kinder jeden Tag selbst, worauf sie Lust haben: experimentieren in der „Forscherfundgrube“, mit Lehm matschen in der „Wolkenwelt“ oder Neues gestalten im „Sammelsurium“. Die vielen themenorientierten Bildungsräume geben den Kindern ein Gefühl von Abenteuerlust, aber auch von Geborgenheit. Alles, was sie hier erschaffen, wird wertgeschätzt und auf Wunsch ausgestellt. Mit besonderem Stolz erfüllte die Kinder eine „Vernissage to go“: Im Dezember 2020 waren in den Schaufenstern der Gillenfelder Geschäfte die Gemeinschaftswerke der Kinder zu bestaunen und wurden zum Verkauf angeboten. Aber auch außerhalb der Kita können die Kinder viel erleben, denn die Einrichtung arbeitet mit unterschiedlichen Kooperationspartnern zusammen: Auf dem Bauernhof lernen sie, wie aus Ziegenmilch Käse wird und mit der Junior Uni Wuppertal erforschen sie, auf wie viele Arten man Raketen starten lassen kann. So bleibt die Kita spannend und macht Spaß!

Das sagt die Jury

In der Gillenfelder Kita gibt es etablierte partizipative Strukturen. Kinder haben die Möglichkeit durch entdeckendes und experimentelles Lernen Selbstwirksamkeit zu erfahren. Sie werden so zum selbstbestimmten Forschen und Erkunden angeregt. Überzeugt hat die Jury auch das kreative sowie stärkenorientierte Konzept, das in vielfältigen und anregenden Bildungsräumen stattfindet.

Die Begründung unserer Jury in voller Länge

Kinder werden hier in Gestaltungsentscheidungen durch diverse Möglichkeiten wie Kinderkonferenzen, Gremien, Sitzkreise einbezogen.

Die kreative Gestaltung des Wochenablaufs (2 Tage altershomogen in Stammgruppen; 3 Tage nach Interessen) ist eine überzeugende Mischung aus Struktur und Freiheit. Ein grundsätzlich festgelegter zeitlicher Rahmen bietet den Kindern Sicherheit, dadurch kann eine thematische Öffnung und Orientierung an den Interessen der Kinder stattfinden.

Die Jury hebt die detaillierte Kita-Verfassung und freiwillige Kinderkonferenzen als beispielhaft hervor. Überzeugt hat auch die Meinungs-Wand der Kinder: Eine Themensammlung für Anliegen, Beschwerden der Kinder, die die Tagesordnung in der Kinderkonferenz visualisiert. Die Kinder haben das Recht, ihre Ideen zu neuen Projektvorhaben zu äußern und geben ihre Meinung nach einer Hospitation zu ein:er Bewerber:in ab.

Die Möglichkeit für Kinder, Selbstwirksamkeit zu erfahren, steht in der FamilienkiTa Emmaus im Fokus. Das aktuelle Ereignis der Flut wurde zum Beispiel mit den Kindern besprochen und aufgearbeitet, daraus ist die „Mut-Mach-Post“ entstanden.

Die Kita zeichnet sich durch ihre Flexibilität durch Ausdehnung der Öffnungszeiten und Reaktion auf die individuellen Lebenssituationen während der Pandemie aus.

Beeindruckend ist auch die Raumgestaltung. In der Kita gibt es vielfältige, anregende Themenräume mit kreativen Namen: Forscherfundgrube (Experimentierraum), Spielscheune (gendersensibler Rollenspielraum), Baubuden (Bauräume), Sammelsurium (Atelier mit vielfältigem Materialangebot), Schaffschmiede (Werkstatt), Kinderküche und Kinderrestaurant, Mit-Mach-Markt (Gruppenraum), Träumetal (Ruheraum).

Inklusives Handeln steht hier im Fokus: Kinder mit besonderen Bedürfnissen/Unterstützungsbedarf nehmen am Kita-Alltag in der Gemeinschaft teil. 

Die regelmäßige Sozialraumanalyse ist hier ein bewusster Prozess, bei dem die Lebensweise der Familien betrachtet wird, um Rückschlüsse für die pädagogische Arbeit zu gewinnen. 

Es gibt viele aktive Kooperationen mit relevanten Einrichtungen im Stadtteil, was Wege kürzer und Zugänge einfacher macht. Besonders ist die Kooperation mit der Grundschule und anderen Kitas, die mit tollen Ideen auch während Corona weiterlaufen konnte. 

Ein großes Netzwerk mit unter anderem Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen und dem Sozialamt ermöglicht den Familien Zugang zu niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten, zum Beispiel durch das Elterncafé oder die Ausrichtung eines Second-Hand-Basars. Auch das Beispiel der „Blumenmeer-zaubernden Bienenretter“ verdeutlicht das Engagement im Sozialraum. 

Die Kita greift gesellschaftliche Themen auf, die für das Aufwachsen von Kindern bedeutsam sind wie Bildung für nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz. 

Besonders das Wort „Schatzmomentesammler“ als einzigartiges Konzept ist der Jury ans Herz gewachsen. Die Idee dahinter: Ein Ordner, in dem Kunstwerke und Lerngeschichten gesammelt werden und der als Eigentum des jeweiligen Kindes verstanden wird.