Bündnis Hochfeld

© DKJS/Jakob Erlenmeyer und Nikolaus Götz

Bündnis Hochfeld
Zweiter Platz 2022

Ort: Duisburg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Handlungsfeld: Teilhabe und Zugang zum Bildungssystem, Übergang von Kita zu Grundschule, niedrigschwellige Elternangebote
Aktiv seit: 2017
Wirkungsradius: Stadtteil
Partner: DRK-Familienbildungswerk, Jugendamt, städtische Ämter, Kitas, Schulen, Frühe Hilfen, kommunales Integrationszentrum

Kontakt: DRK-Familienbildungswerk Duisburg, Anna Žalac (Leiterin), anna.zalac[@]drk-duisburg.de

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Der kinderreiche Stadtteil Duisburg-Hochfeld ist geprägt von verschiedensten Lebenswelten. Hier unterstützt das Bündnis Hochfeld Familien, oft mit Zuwanderungsgeschichte oder Fluchterfahrung, im Stadtteil und der dortigen Bildungslandschaft anzukommen. Dafür setzt das DRK-Bildungswerk mit Kitas, Schulen, Ämtern, Behörden und anderen Verbündeten zahlreiche Angebote um. So erhalten Kinder zum Beispiel Kita-Plätze, die im Jahresverlauf frei werden. Ist dies nicht möglich, erleichtert der „begleitete Schulanfang“ den Schulstart: Im Jahr vor der Einschulung bauen die Kinder in drei Kursen pro Woche direkt in der neuen Schule Feinmotorik und Sprache auf, lernen die Einrichtung und Lehrkräfte kennen. Eltern üben in Sprachkursen oder Elterncafés alltagsintegriert Deutsch, knüpfen neue Kontakte und werden beraten. Alle Unterstützungsangebote sind leicht zugänglich und werden von Muttersprachler:innen oder Dolmetschenden begleitet. Selbst während der Pandemie war das Bündnis mit einer Fensterberatung in acht Sprachen für die Familien da.

Das sagt die Jury

Das aus der Zivilgesellschaft heraus entstandene Bündnis agiert in einem hoch belasteten Stadtteil. Die Akteur:innen arbeiten hier mit großer Motivation stärkenorientiert und mit Tatendrang zusammen. Eine lebensnahe und anpackende Bündnisarbeit sorgt für Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Die Mitarbeitenden des Duisburger Bündnisses gehen dorthin, wo auch die Kinder sind – sei es direkt in die Wohnungen oder auf Spiel- und Marktplätze.

Die Begründung unserer Jury in voller Länge

Das zivilgesellschaftlich initiierte Bündnis agiert in einem hoch belasteten Stadtteil, in dem die Akteur:innen in ungebrochener Motivation stärkenorientiert und mit hohem Engagement zusammenarbeiten. Das Bündnis leistet einen großen Beitrag dafür, dass Kinder in diesem Quartier eine Chance auf Teilhabe erhalten und kennt seinen Sozialraum sehr gut. Es arbeitet täglich unter erschwerten Bedingungen und verliert das Ziel, Beteiligung zu fördern, nicht aus dem Blick. Es trägt in vorbildlicher Weise dazu bei, dass die Angebote bei den Adressat:innen das Erleben von Selbstwirksamkeit befördern.  

Die vielfältigen Angebotsformate und Projekte sind an den besonderen Bedarfen und Lebenswelten der Kinder und Familien orientiert, wodurch das Bündnis vorbildlich niedrigschwellige Zugänge auch zu schwer erreichbaren Familien schafft und allen Kindern Bildungsgelegenheiten bietet. 

Als Beispiel hervorzuheben ist etwa die ausgeprägte „Geh-Struktur“, indem es sich selbst direkt zu den Orten aufmacht, an welchen es die Kinder und Familien automatisch antrifft – direkt an den Wohnungen, auf Ämtern und in der Verwaltung, auf Spiel- und Marktplätzen oder bei Ärzt:innen. Auch mit der Fensterberatung während der Lockdowns hat das Bündnis beeindruckt: Die Fenster des DRK Familienbildungswerks wurden genutzt, um in verschiedenen Sprachen niedrigschwellig vom Bürger:innensteig aus Beratungen anzubieten. Und mit dem Pavillon der Frühen Hilfen platziert sich das Bündnis beispielsweise mitten in der Fußgängerzone. 

Die Projekte des Bündnisses knüpfen kultursensibel an die unterschiedlichen Lebenswelten der Familien an: Durch Vertrauensaufbau werden auch bildungsbenachteiligte Familien und Familien mit Fluchterfahrung und damit Kinder erreicht, die sonst wenige Berührungspunkte mit dem frühen Bildungssystem oder außerfamiliäre Kontakte haben. Das Bündnis setzt dabei bewusst Bündnisakteur:innen als Schlüsselpersonen ein, um Familien und Kinder im Sozialraum zu erreichen (durch geteilte Kulturerfahrungen/Sprachen). 

Im Familiengrundschulzentrum werden auch Mittel der Frühen Hilfen eingesetzt und so mit Angeboten für ältere Kinder verknüpft. Dies ist ein innovativer Ansatz, der auch die Übergänge in das Bildungssystem unterstützt. 

Die Jury hebt die praxisorientierte Arbeitsweise hervor, bei der über verschiedene Akteur:innen und bestehende Kooperationen sehr direkt konkrete Angebote geschaffen werden (Hands-On-Mentalität).